Кригер Борис Юрьевич
Lilli-Bunny (german)

Lib.ru/Современная литература: [Регистрация] [Найти] [Рейтинги] [Обсуждения] [Новинки] [Помощь]
  • Комментарии: 5, последний от 11/06/2012.
  • © Copyright Кригер Борис Юрьевич (kriger@list.ru)
  • Обновлено: 01/12/2008. 426k. Статистика.
  • Статья: Проза
  • Книги на иностранных языках
  •  Ваша оценка:
  • Аннотация:
    Изд. "Llumina Press", 2007 (печатная версия)

  •    Bernard Kriger
       Lilli-Bunny
       und
       das Geheimnis eines glücklichen Lebens
      
       Ein Häschen-Roman mit einigen witzigen Ideen
       Ein Buch für Erwachsene mit Sinn für Humor, Gefühl für Satire und
       ohne Scheu vor Zynismus
      
       Llumina Press
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
       Illustrationen von Irin Golub
       Offizielle Webseite von Bernard Kriger: www.krigerland.com
      
       © 2008 Bernard Kriger
       Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf durch irgendeine Form, elektronisch oder mechanisch, kopiert oder übertragen werden, einschließlich Photokopie, Aufnahme oder jede Art der Informationsspeicherung und Wiedererlangungssystem, ohne schriftliche Erlaubnis durch den Inhaber des Urheberrechts oder des Verlegers.
       Anfragen für die Erlaubnis, irgendwelche Teile dieses Buches zu kopieren sind per Post an Permissions Department, Llumina Press, PO Box 772246, Coral Springs, FL 33077-2246 zu richten.
       Gedruckt in den Vereinigten Staaten von Amerika durch Llumina Press.
       Vorwort
       Wer ist dieser Lilli-Bunny überhaupt?
       Tatsächlich gibt es solche Fragen wie "Wer bist du" seit dem ersten Tag der Schöpfung. Nachdem er seine Hände mit Erde schmutzig gemacht hatte, hatte Gott den bärtigen Mund von Adam geformt und kaum hatte dieser kleine Kerl seine Augen geöffnet, da fasste er nach Gottes Nase und fragte: "Wer bist du?". Gott antwortete nicht. Und Gott hat immer noch nicht geantwortet. Vielleicht war er beleidigt - oder denkt immer noch über diese Frage nach.
       Daher möchte ich auf die legitime Frage "Wer ist dieser Lilli-Bunny1 überhaupt?" das folgende erklärende Gespräch anbieten, denn Leser lieben Bücher mit vielen Dialogen und Bildern, und ich möchte Sie, werte Leser, nicht schon auf der ersten Seite enttäuschen.
       - Wer ist dieser Lilli-Bunny? Ist er so wichtig, dass man über ihn schreiben, oder, noch schlimmer, Romane lesen muss? Wir haben noch nie von ihm gehört. Tötete er 50 Millionen Menschen?
       - Nein.
       - Aber er nahm an einem Massaker teil?
       - Ne.
       - Hat er die Atombombe erfunden.
       - Nein, hat er nicht.
       - Hat er die Atombombe abgeworfen? (Einer der Männer, der die Atombombe abgeworfen hatte, wurde erst vor kurzem vom Time Magazine zu einem Helden erklärt.)2
       _________________________________________
       1 Lilli-Bunny kommt von Lilliput - einem Land, ausgedacht von Jonathan Swift, in dem winzige Menschen wohnen.
       2 Mit Bedauern erinnerte er sich an den Tag, an dem er Ananas Jell-o gegessen hatte und es seit dem nicht mehr essen konnte. Versuchen Sie, sich dies vorzustellen: Dieser Typ ist nun 80 Jahr alt und fast sein ganzes Leben lang hat er kein Ananas Jell-o gegessen! Was für eine Tragödie!
      
       - Nein. Lilli-Bunny hat nicht die Atombombe abgeworfen.
       - Ist Lilli-Bunny vielleicht diese Art von bärtigem Mann, wie Karl Marx, der eine Art von Theorie entwickeln, woraufhin sich zwei Kontinente fast gegenseitig umbringen?
       - Nein!
       - Also bitte, Entschuldigung, aber diese Persönlichkeit ist nicht weiter außergewöhnlich, denn man muss eine gewisse Anzahl an Menschen ermordet haben, um als großer Held oder sogar als eine historisch bedeutende Persönlichkeit angesehen zu werden.
       Ich werde versuchen zu beweisen, dass Lilli-Bunny ein gewöhnlicher Kerl mit Tugenden ist, die jeder hat der versucht, ein glückliches Leben zu führen, aber Sie werden mir nicht zuhören. Sie werden sich abwenden und mein Roman wird sich schniefend in die Ecke zurückziehen.
       Sie, werter Leser, werden Ihr Leben so weiterführen, mit den Arbeitstagen, an denen nichts passiert, zwischen Staus und Waschmaschinen, und beweisen, dass mein Roman nicht wichtig ist. Aber Sie erkennen nicht, dass Romane unser Leben leiten. Schauen Sie auf die Straße - sehen Sie vielleicht Harry Potters, die einen Besen tragen, Raskolnikovs3 mit ihren Äxten, Fausts, die sich mit dem Teufel einlassen, Kapitäne Nemo, die sich irgendwo still in den Abwasserkanälen verstecken? Jeder von uns wählt sich unbewusst einen Charakter aus einem Roman, den er in seiner Kindheit gelesen hatte und diese Person hoppelt dann das ganze Leben an der Seite mit.
       Sie werden vielleicht einwerfen, dass die heutige Generation keine Literatur mehr liest. Sie lesen nur neue Romane oder schauen sich Filme an, bei denen es aber genauso funktioniert. Diese Bücher und Filme bestimmen unser Leben...
       In Wirklichkeit ist diese Geschichte hier für Sie. Sie geht auf Ihre Ängste ein, lässt Ihre Rückenschmerzen verschwinden und hilft, eine gesunde Einsicht in Ihr Leben zu bringen (aber das stimmt natürlich nur, wenn Sie nicht missbraucht oder vernachlässigt worden sind, bevor Sie diese Zeilen gelesen haben, und es daher nicht zu spät ist, Ihnen zu helfen. In diesem Fall, werden Sie mit Ihrem erbärmlichen Leben fortfahren und Raskolnikovs Äxte hinter sich herziehen, um alte Damen wegen deren Geld umzubringen. Oder Sie werden vielleicht die Rolle eines Idioten4 spielen und Mitleid mit Raskolnikovs und alten Damen haben, die sich
       ________________________________________________________
       3 Raskalnikov ist eine Figur in Dostojewskis Roman Schuld und Sühne
       4 Idiot - Figur aus "Der Idiot" - in einem Roman von Dostojewski
      
      
      
       in ihre eigenen Ohren süße Märchen über deren Einzigartigkeit flüstern. Aber ein Mord mit einer Axt hört sich so einzigartig an, dass er es verdient hat, in dieser Geschichte aufgenommen zu werden).
       Lilli-Bunny ist ein positiver Held, einer, der nicht mit Äxten kämpft. Also warum sollten Sie wertvolle Minuten Ihrer kostbaren Existenz darauf vergeuden, dieses Buch zu lesen? Nun ja, damit die Bemühungen Ihrer Lehrer nicht umsonst gewesen sind, besonders nicht die Ihrer Deutschlehrerin Frau Müller, die in der Nacht Ihr Essay über "Die neuen Leiden des jungen W." korrigiert hat. Sie sind die letzte Generation, die noch lesen kann! Und damit meine ich nicht die Graffiti auf den Wänden. Nein, ich meine Texte, die länger als ein Parkticket sind.
       Wie auch immer, Gott hat vergessen uns eine Bedienungsanleitung dafür mitzugeben, wie wir unsere Zeit auf der Erde verbringen sollen. Also eine gute Entschuldigung dafür, dass wir lesen.
       Lilli-Bunny könnten Sie sein - aber ohne ein Leben Jeder-gegen-Jeden; ohne einen fürchterlichen Job; ohne knauseriges Gehalt; ohne Missbrauch und Diskriminierung; ohne angebranntes Porridge; ohne Sex mit Gummi; ohne schlechtes Gewissen; ohne streitbare Seele; ohne rotzfreche Kindheit; ohne hölzernes Spielzeug; ohne Finger im Glas mit Milch im Kindergarten (damit der Nachbar es nicht trinkt); ohne ruinierten Ruf; ohne Eiscreme, die auf die Straße gefallen ist; ohne Mobbing von Klassenkameraden; ohne Jules Vernes' Schiff, dass ohne Sie in See gestochen ist; ohne armselige Ehe oder Druck von "besonderen Umständen", die zu kompletten Dummköpfen herangewachsen sind und nun in Ihrem Keller rauchen (nicht nur Tabak); ohne gestörte Familie; ohne respektlose Enkel; ohne erbärmliches Alter; ohne frühen Tod; ohne Einsamkeit trotz vieler Freunde. Und natürlich ohne die große Enttäuschung, die Ihr ganzes Leben ist (was auch immer Sie sich aussuchen) und anderer unbedeutender Schwierigkeiten...
       Sie könnten aber auch Lilli-Bunny sein, wenn Sie Sonnenstrahlen in Ihr Leben bringen, Porridge mit Himbeermarmelade versüßen, einen Teddy als Freund haben und wenn Sie mit etwas gesundem Menschenverstand, mit etwas Sinn für Humor, etwas scharfzüngigem Sarkasmus, etwas fröhlichem Lachen und mit ein wenig hemmungslosem Gelächter, Beifall klatschenden Händen und aufstampfenden Füßen durchs Leben gehen - "Ha! Ha! Ha!"
      
       Kapitel 1
       Lilli-Bunnys flauschige Pantoffel
       Lilli-Bunny war berühmt für seine flauschigen blauen Pantoffel. Zuerst hatte er seinen rechten Pantoffel getroffen. Rechter Pantoffel war die Straße entlang gehoppelt und hatte ein Pantoffel-Lied gesungen. Lilli-Bunny mochte diesen lustigen Kerl und hatte ihm daher einen Keks gegeben - Lilli-Bunny hatte immer einen Keks bei sich für solche Fälle. Und so folgte Rechter Pantoffel Lilli-Bunny nach Hause und richtete sich häuslich unter Lilli-Bunnys Bett ein. Dann stellte sich aber heraus, dass Rechter Pantoffel einen Linken Bruder hatte. Nur waren die linken Ansichten des Linken Pantoffels für manche Leute zu liberal, weshalb es für Rechten Pantoffel ummöglich war, seinen Bruder Lilli-Bunny vorzustellen.
       Aber beim Fünf-Uhr-Tee zeigte Lilli-Bunny, dass er keiner politischen Seite angehörte. Er bot denen, die rechts von ihm saßen Himbeermarmelade an genauso, wie er denen, die links von ihm saßen, Himbeermarmelade anbot. Er diskriminierte niemanden.
       Er schickte sogar etwas Marmelade an Hamster Hamlet, einen unbedeutenden Bewohner des Hauses, der im Keller in der Nähe des Ofens wohnte und dem es gleich war, ob er sich zum Tee zeigte oder fernblieb. Als er eine solch pluralistische Herangehensweise in Lilli-Bunnys Verhalten feststellte, fasste Rechter Pantoffel Mut und stellte seinen
      
      
      
      
       Linken Bruder vor - trotz der linken Slogans, die Linker Pantoffel immer wieder von sich gab: "Verteilt den Reichtum!", "Stürzt die Regierung!", "Macht das Gas billiger!", "Macht das Licht aus!" und auch "Tod der Globalen Erwärmung!".
       Linker Pantoffel wurde zur nächsten Tee-Party eingeladen, wo dieser sich freute, die lustige Gesellschaft, die in Lilli-Bunnys gemütlichem Backsteinhaus lebte, kennen zu lernen: Lilli-Bär, Lilli-Kitty und Lilli-Jake, zwei Katzen (Lilli-Bunny trug gewöhnlich immer irgendwelche Katzen auf seinen Armen mit sich herum, obwohl er selbst nur zwei hatte. Die seinen waren sehr fett - um genau zu sein: fett und schön), zwei ziemlich redegewandte kleine Papageien die einen sehr gut entwickelten Wortschatz von Sätzen mit zwei oder drei Worten sprachen und mit denen sie völlig ihre Redefreiheit genießen konnten, sowie Hamster Hamlet, der bereits meinen ehrenwerten Lesern vorgestellt worden war.
       Allerdings verließ Hamster Hamlet schon bald Lilli-Bunnys Haus. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass er die berühmte Frage "Sein oder nicht Sein?" auf die unverantwortlichste Art und Weise gelöst hatte: auf unmoralische Weise war er nämlich willkürliche Beziehungen mit zahlreichen Mäusen im Haus eingegangen.
       Denn schon sehr bald bemerkte Lilli-Bunny eine sehr hohe, anscheinend unerklärliche, Anzahl Mäusekinder mit Hamster-Ohren und Mäuse-Schwänze in seinem Haus.
       Solch eine Auswirkung auf den Verlauf der Evolution beunruhigte selbst Hamster Hamlet in solch einer unglücklichen Art , dass er die folgende Anzeige im Stadtanzeiger platzierte:
       Hamster Hamlet hatte eine eigene Telefonleitung. Um ehrlich zu sein, Hamster Hamlet war ein Hamster-Individualist. Es tut mir leid, aber Hamster Hamlet hat nicht sein Einverständnis dazu gegeben, hier seine Telefonnummer zu veröffentlichen, da er während seines Winterschlafes - der gewöhnlich Mitte August begann und Mitte Juni endete - nicht gestört werden wollte.
       Sollte es aber ein Notfall sein, findet man seine Nummer im Telefonbuch unter seinem Namen. Nur schauen Sie dann bitte nicht unter dem Stichwort "Nagetier"; Sie müssen unter "Prinz von Dänemark" nachschauen.
       Nachdem Lilli-Bunny solch politisch engagierte Pantoffel bekommen hatte, hörte er auf, Interesse an Politik zu zeigen. Aber es passierte oft, dass Lilli-Bunny vor dem Fernseher einschlief und seine Pantoffel dabei direkt vor den Fernseher stellte. Und während Lilli-Bunny ein Nickerchen machte, schauten sich die Pantoffeln aufmerksam alle möglichen Kommentare an und diskutierten leise das momentane politische Klima (Klima ist sehr wichtig, denn wenn es wechselt fangen einige Politiker an zu niesen und zu husten, manche brauchen vielleicht eine wärme Decke, um ihren politischen A... zu verdecken- Ja! Sie haben mich richtig verstanden, ich wollte "ihre Absicht" sagen). Manchmal diskutierten die Pantoffel sogar über verschiedene Veränderungen im politischen System. Vielleicht wissen Sie es schon, aber nicht alle Änderungen im System sind gesund. So können zum Beispiel Veränderungen im Magen-Darm-Trakt oder im Herz-Kreislauf-System tödlich sein. Einige Veränderungen im politischen System können für die Demokratie selbst gut sein, wohingegen Veränderungen in den inneren Organen gewöhnlich Zeichen für eine Störung sind. Demokratie bei den Körperorganen können einige ungewollte Konsequenzen nach sich ziehen, falls sie zu weit gehen - stellen Sie sich vor, Ihre Leber stellt ein Misstrauensvotum gegen ihren Kopf, oder - Entschuldigen Sie bitte die medizinischen Details - Ihr Rektum stellte Ihre Würde in Frage. Entschuldigung? Würde ist kein inneres Organ? Ich kann Ihnen versichern, manchmal ist auch die Würde ein inneres Organ.
       Aber Debatten zwischen den gewählten Regierungsorganen sind etwas gutes, denn es bedeutet, dass sich die Demokratie bewegt. Demokratie muss sich körperliche mehr bewegen, anderenfalls wird sie fett und isst alles im nationalen Kühlschrank auf. Aber Demokratie sollte sich auch nicht zu schnell bewegen, denn sie ist nicht mehr so jung und ihre Verfassung kommt ins Schwitzen, wenn es zu heiß wird.
       Dann kommen die Tyrannen und erklären der Welt mit Abscheu, dass die Demokratie ihre Verfassung ins Schwitzen bringt. Die Demokratie prüft dann sofort ihre Verfassung und bestätigt ehrlich "Ja, es ist ziemlich nass. Aber man kann es reparieren. Aber schaut Euch mal an, Ihr blutrünstigen Tyrannen! Ihr haltet eure Verfassung trocken, und sie wird völlig von Maulwürfen aufgefressen!"
       Danach springen sich die Tyrannei und die Demokratie an den Hals und kämpfen. Und der Rest der Menschheit gähnt, während er sich dies vorm Fernseher anschaut.
       In der Theorie habe ich die Demokratie und die letzte Autorität der Mehrheit immer unterstützt, auch wenn ich nie eine Antwort auf die Frage bekommen habe, was getan werden soll, wenn die Mehrheit böse ist oder Sachen falsch macht. Vielleicht hat Demokratie eine geheimnisvolle Kraft, die menschliche Natur zu verbessern, die ja sonst wild und brutal ist - was in der Gruppe noch schlimmer wird. Vielleicht liege ich aber auch falsch und Demokratie ist niemals schlecht geworden, oder falls doch, haben die Menschen versucht, diese unglücklichen Geschehnisse zu vergessen. Auch wir sollten es vergessen, denn es ist besser, unlösbare Fragen zu vergessen als zu versuchen, sie zu beantworten.
       Das einzige Problem mit den politisch engagierten Pantoffeln kam auf, wenn Lilli-Bunny aufwachte und ins Badezimmer ging. Er war dann meistens sehr schläfrig und zog oft aus Versehen mit dem linken Fuß den rechten Pantoffel an und mit dem rechten Fuß den linken. Und sobald das geschah, mussten die Pantoffel fast sofort ihre politische Meinung wechseln. Auch wenn das oft in der Politik passiert, war es ziemlich schwer für die Pantoffel, denn sie hatten noch etwas Würde in sich, was bei Politikern nicht immer der Fall ist. Um in einem solchen Durcheinander sich treu zu bleiben, argumentierte Linker Pantoffel, dass er zu weit links gegangen sei, dass er zum ersten Mal in seinem Leben tatsächlich Dinge rechtens mache und Rechter Pantoffel versuchte, sich selbst und die anderen davon zu überzeugen, dass er jetzt, wo er soweit nach links abdriftete er einige linke Strategien annehmen müsste. Nur nicht aufregen, sehr geehrte Leser. Das ist die einfache Wahrheit im politischen Leben. Seine Ansichten immer wieder zu ändern ist halt eine der beruflichen Gefahren in der politischen Karriere.
       Lilli-Bunny aber schlief und verfolgte diese politischen Kunststücke nicht. Ein Mal, als er ganz tief schlief drehte er sich in seinem Sessel um und seine Pantoffel zeigten zur Decke. Das war wirklich ein Moment der nationalen Einheit. Denn indem er beide gleichzeitig anhob, gewann Lilli-Bunny die Herzen seiner Pantoffel. Sie stimmten darin überein, Lilli-Bunny zum Präsidenten zu wählen, denn zum Ersten spendierte Lilli-Bunny jedem Himbeermarmelade, was ihn sowieso schon sehr wichtig machte, zum Zweiten warf er manchmal seine Pantoffel nach den Katzen, wenn die zu viel spielten - und wer, wenn nicht der echte Präsident, würde so etwas drastisches unternehmen, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen?
      
       Sie wissen ja, werter Leser, unmässige Verspieltheit kann den gesunden Schlaf stören und das ist inakzeptabel! Man darf niemals die Gesellschaft wecken, wenn sie schläft. Das kann ernsthafte Konsequenzen haben, besonders für den, der die Gesellschaft aufweckt. Und zum Dritten, Lilli-Bunny war schließlich Eigentümer des Hauses, und wer, wenn nicht der Eigentümer, kann zum Präsidenten gewählt werden? Indem man die Person wählt, die sowieso das Recht hat, zu regieren, auch wenn er nicht offiziell gewählt wird, bestätigt man die momentane Situation einer Gesellschaft, was sehr wichtig für die Demokratie ist. Diese Praxis gibt der Regierung mehr Legitimität und der loyale Bürger fühlt sich so besser. Und geht es nicht darum in der modernen Demokratie?
       Die Pantoffel teilten Lilli-Bunny ihre Entscheidung nicht mit, denn sie hatten Angst, dieses Wissen würde ihn nervös machen und er würde sich dann zu sehr mit seiner neuen politischen Karriere beschäftigen. Linker und Rechter Pantoffel wussten, dass nicht nur der Haushalt des Politikers geschädigt werden könnte, sondern auch der vieler Mitbürger, wenn sich Lilli-Bunny zu viel mit Politik beschäftigen würde. Die Pantoffel erzählten auch niemand anderem im Haus davon, dass sie Lilli-Bunny zum Präsidenten gewählt hatten. Den anderen Bewohnern schien es auch egal zu sein. Aber das war okay, denn in einer normalen Gesellschaft sollte sich die Politik nicht zu sehr in Haushaltsfragen einmischen.
       Nun bildeten die Pantoffel eine Koalition und kandidierten gegen Lilli-Bunnys Winterstiefel, die im Dezember - manchmal sogar schon Mitte November, wenn es früh im Jahr schneite - mit den Pantoffeln um die Füße des Führers konkurrierten.
      
       Kapitel 2
       Lilli-Bunny und Lilli-Bär
       Lilli-Bunny hatte immer nach einem echten Freund gesucht und schließlich hatte er auch einen gefunden. Dieser Freund war Lilli-Bär. Lilli-Bär war eine Art Teddy-Bär, hatte aber eine bessere Schulbildung und war höflicher. Sie werden vielleicht anmerken wollen, dass Lilli-Bären nicht sehr gesprächig sind und dazu neigen, zu einer Seite zu fallen. Da haben Sie recht. Auch dieser Lilli-Bär fiel immer zu einer Seite, er versuchte, es sich auf Bänken, Sofas, Sesseln oder - allgemein gesprochen -, überall dort gemütlich zu machen, wo er sich mit einem annehmbaren Grad an Komfort und Frieden niederlegen konnte. Allerdings kann man ihn nicht als "nicht gesprächig" oder "nicht bereit, zu reden" bezeichnen. Denn das war einfach nicht wahr. Lilli-Bär war hier und da, dann und wann, mal ruhig. Aber dann, ganz plötzlich fing er an zu sprechen und - Gott ist mein Zeuge -, wenn er mal mit dem Reden angefangen hatte, war es nicht einfach, ihn wieder zum Schweigen zu bringen. Wenn das passierte, versuchte Lilli-Bär alles auf einmal zu sagen und der Zuhörer hatte den Eindruck, er würde einem Chor von Lilli-Bären hören. Bis jetzt hat die herkömmliche Wissenschaft noch keine vernünftige Erklärung dafür gefunden, wie es möglich sein kann, das ein einziger Lilli-Bär wie viele Lilli-Bären klingt. Allerdings ist dies nicht das einzige, was für die herkömmliche Wissenschaft schwierig ist, zu erklären.
       Lilli-Bär sprach besonders viel, wenn er auf etwas nassem oder im Teich oder im Bad saß. Dann schwatzte er so munter drauf los, dass man mit ihm so sehr Freund sein konnte, wie man wollte. Deswegen benutzte Lilli-Bär auch keine Handtücher nach dem Bad, denn er wollte seine Fähigkeit, Sätze zu beenden die er begonnen hatte, als er noch nass war, nicht verlieren.
       Allerdings muss ich sagen, dass Lilli-Bär noch schwatzhafter wurde, wenn er auf etwas kaltem saß, wie zum Beispiel auf einer Bank, die leicht mit Schnee bedeckt war. Dann konnte es sogar passieren, dass er Liedtexte schrieb.
       Das folgende ist eines dieser Lieder. Lilli-Bär schrieb es für Lilli-Bunny mit Hilfe aller Mitbewohner in Lilli-Bunnys Haus.
       Und diesen netten Haushalt, den wir unser eigen nennen.
       Er ist es, der uns zu Essen gibt,
       Täglich, monatlich, Jahr um Jahr.
       Er arbeitet hart, immer, ist aber nie müde,
       Jedes Problem löst er, ein für alle mal.
       Nein, Sie werden keine Person finden,
       die so freundlich ist, so gutherzig,
       Er rettet unsere Welt.
       Oh, Lilli-Bunny, laufe weiter,
       mit Mut in deinem Herzen,
       laufe in deinen Plüschpantoffeln, mit den Katzen auf dem Arm.
       Unsere Liebe für dich, sie ist so tief,
       Wir lieben dich so sehr, so sehr, so sehr!
       Lilli-Bär schaute sich dieses Gedicht an und dachte sich: "Es gefällt mir, aber wenn ich französisch spreche, um meine Liebe für Lilli-Bunny auszudrücken, warum tue ich es dann nicht?" Französisch ist die beste Sprache, um seine Liebe auszudrücken. Sogar wenn man Pommes frites auf französisch bestellt hört es sich wie ein erotisches Flüstern an - Je voudrais. Hören Sie genau dem Klang dieses Wortes zu: v-u-u-d-r-e-e - das "r" hört sich an wie das Brüllen eines schlafenden Tigers. Macht es Sie an? Ja? Nein? Dann versuchen Sie es nochmal und vielleicht spüren Sie es dann.
       Ohne genau zu wissen, ob er in Französisch seine Zuneigung für Lilli-Bunny ausdrücken sollte, entschied sich Lilli-Bär, diese Chance zu nutzen und schrieb das folgende Lied.
       Nous aimons beaucoup notre lapin
       Et notre maison que nous possédons
       Parce que notre lapin nous traite avec le bouillon
       Et parfois il nous donne même du vin!
       Il travaille toujours dur, mais il n"est jamais fatigué,
       Et quand il travaille, c"est un plaisir à voir,
       C"est vrai, depuis que ce vieux monde s"est créé,
       Il n"y a pas pour lui de meilleur espoir!
       Marchez avec le courage vers un meilleur l"avenir
       Nous t"aimons et nous aimons tes chats
       C"est si important encore pour devenir
       Le meilleur lapin que le monde possédera.
       Lilli-Bär war sich nicht sicher, welche Wirkung dieses Gedicht hatte, denn er sprach nicht wirklich französisch, aber das Lied erfolgreich in zwei Sprachen geschrieben zu haben machte Lilli-Bär Mut. Deswegen versuchte er, das Lied auch in russisch zu schreiben. Er kannte diese netten Männer, die sich selbst als "neue Russen" bezeichnen und russisch in New York und London genauso sprachen wie in Moskau. Diese Männer glaubten, wenn sie russisch lauter und langsamer sprachen, dass die Leute sie dann verstehen würden. Wie auch immer, Lilli-Bär schrieb das Lied auf russisch, um seinen Freund Lilli-Bunny auf diese friedliche Invasion vorzubereiten. Es ist pädagogisch so wertvoll, in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien oder in Kanada von heute zu leben! Man muss nicht die Welt bereisen, um Menschen aus entfernten Gegenden der Erde kennen zu lernen. Denn sie sind schon alle hier. Man kann sich das Geld für die teuren Tickets und für die Reisen sparen. Und man kann auch seine Angst, einem terroristischen Anschlag zum Opfer zu fallen während man im Flugzeug sitzt, beruhigen. Denn auch die Terroristen sind schon da!
       Und französische Sprache ist nun wirklich nicht schlecht. Überlegen Sie mal für sich: Was werden Sie sagen, wenn wir alle chinesisch lernen müssten? Ich habe es bereits gelernt. Ach, Sie glauben mir nicht? Dann lesen Sie das mal:
       "Wo Schan Yaho Chi" und "Wo Schan Yao He!". Das bedeutet: "Ich möchte Essen und Trinken".
       Einer meiner Freunde sagte mir, dass er "Hallo" und "Auf Wiedersehen" auf chinesisch sagen könne. Deswegen entschieden wir uns dafür zusammenzuarbeiten, falls die Welt bald ganz chinesisch wird. Er wird mein "Werbemanager" sein. Er wird auf chinesisch "Hallo" sagen (damit das Gespräch schon freundlich begonnen wird) und ich werde sagen: "Ich möchte etwas essen und trinken", Dann wird mein Freund "Auf Wiedersehen" sagen. Also - ich denke, dass ist ein ausgezeichneter Plan, um zu überleben. Sie glauben nicht? Diese Art des Kontaktes ist sehr viel einfacher, als mehr Kinder auf die Welt zu bringen und diese dann darin zu unterrichten, hart zu arbeiten - der einzige Weg, wie Chinesen arbeiten können.
       Aber worüber hatte ich gerade gesprochen? Ach ja, ich erinnere mich. Möchten Sie sich das russische Lied anhören? Hier kommt es:
       На свете есть Маськин в голубеньких тапках,
       У Маськина много есть разных хлопот,
       То кошек своих он таскает в охапках,
       А то вдруг всем варит он вкусный компот.
       Среди непонятностей внешнего мира
       Наш Маськин понятен и нужен всегда,
       Чтоб милые тапки ходили красиво,
       Весь мир наш спасает его красота.
       Шагайте же дружно, пушистые тапки,
       Хватайтесь в охапки, дурные коты!
       Мы Маськина любим свово без оглядки,
       Ни дня не прожить без его доброты.
       И может, звучим мы, как три подхалима,
       И может, мы слишком хотим подхалить,
       Однако наш Маськин, откуда вестимо,
       Даёт нам прекрасно и весело жить.
       "Wow", sagte sich Lilli-Bär. Er sagte immer "wow" zu sich selbst, dadurch fühlte er sich besser. Aber er sagte nicht "wow!" mit einem Ausrufezeichen, so wie es jeder tut. Er sagte es mit einem Punkt am Ende, zum Beispiel so: "Wow." Lilli-Bär war sich sicher, dass ein "Wow." mit einem Punkt am Ende überzeugender klang.
       Als Lilli-Bär seine drei Gedichte den Mitbewohnern im Lilli-Bunny Haus vorlas, applaudierten sie am Anfang ein wenig; aber diese Bemühungen waren hoffnungslos, um damit fortzufahren. Die Bewohner von Lilli-Bunnys Haus kannten nicht viele Sprachen. Lilli-Bunny war der einzige, der laut mit seinen Händen klatsche, und nachdem Lilli-Bär seine Gedichte vorgelesen hatte, küsste Lilli-Bunny ihn auf die Nase. Lilli-Bunny liebte seinen Freund, denn nur ein echter Freund schreibt Gedichte in drei Sprachen, die er selbst nicht so gut kann.
       Die Wahrheit ist: Man muss keine Sprache sprechen, um sie benutzen zu können. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sich selbst auszudrücken, ohne dabei zu sprechen. Lilli-Bär kannte viele Sachen, mit denen er dasselbe erreichte: er kicherte, klatschte, hustete, nieste, gähnte und furzte sogar. Oh, tut mir leid; das hätte ich nicht sagen sollen. Aber es ist zu spät. Lilli-Bunnys linker Pantoffel schaut mir gerne über die Schulter, wenn ich schreibe und ist verrückt geworden, als er das Wort "furzen" sah und rief den folgenden
      
       Slogan aus: "Freiheit zum Furzen! Freiheit zum Furzen!" und ich hatte nicht viele Möglichkeiten, ihn zu stoppen. O Gott, O Gott, O Gott - wie konnte ich nur ein so vulgäres Wort in meinen wundervollen Text schreiben? Aber ich habe immer noch die Hoffnung, dass der Lektor diesen ganzen Absatz löscht. Sie wissen ja, werter Leser, löschen ist sehr viel kreativer als schreiben. Denn wenn man schreibt hat man nicht viel Wahl bei dem, was man schreibt. Man drückt nur das aus, was einem auf dem Herzen liegt, genauso wie es Lilli-Bär mit seinen Gedichten getan hat. Aber wenn jemand die Macht hat, etwas zu löschen - oh, dass ist eine unglaubliche Macht! Einige sagen vielleicht auch, dass zu löschen sogar sehr viel einflussreicher ist, als zu schreiben - auf eine gewisse Art. Das heißt also, wenn Sie, werter Leser, dies hier lesen können, dann ist es dies Schuld des Lektors, nicht meine.
       Nachdem Lilli-Bär so viel sprachlichen Einsatz gezeigt hatte, wie konnte Lilli-Bunny ihn dann nicht für seinen besten Freund halten? Und er machte Lilli-Bär sogar ein Geschenk: Ein Ring, ein süßes, kleines Ringelchen mit der Inschrift "Aus Liebe und Freundschaft" auf der Innenseite.
       Lilli-Bär war so glücklich, dass er zwei Stöcke in den Boden vor seine Haustür steckte und dann versuchte, den Ring auf einen der Stöcke zu werfen. Auf den einen Stock hatte er "Libbe" geschrieben, auf den anderen "Phrentshaft"(so buchstabierte Lilli-Bär "Liebe" und "Freundschaft").
       Als direkter Nachfahre des ehrenwerten Winnie Puh und wie auch alle dessen Nachfahren, hatte Lilli-Bär ein paar Schwierigkeiten zu buchstabieren.
       Einmal hatte ich gedacht, dass das Buchstabieren in der nächsten Generation aussterben würde, aber die Computer haben uns davor mit ihrer "Rechtschreibprüfung" gerettet. Wir müssen uns jetzt nicht daran erinnern, wie einfache Worte richtig geschrieben werden und können uns als gebildete Menschen betrachten. Shakespeare hatte keinen solchen Luxus. Der Arme! Sobald der Computer die Rechtschreibung für mich übernimmt, kann ich es mir selbst erlauben, das traditionelle Buchstabieren stärker zu fordern.
       Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie viele Generationen an Tritten und Schlägen von Lehrern das Wort "genug" in seinen blutigen Buchstaben trägt? Leider schlagen die Lehrer die Schüler heute nicht mehr. Sie haben ausgefeiltere Wege gefunden, ihre Schüler zu demütigen. Wir müssen zugeben, dass dies zu einem wesentlichen Fortschritt im Erziehungswesen führte, aber es macht das Wort "genug" nicht weniger blutig. Das Wort "genug" kommt aus dem germanischen und hat den jungen Seelen in deren unglücklichen Schuljahren viel Leid zugefügt - vielleicht sogar mehr als
       das deutsche Militär Großbritannien und der englisch-sprachigen Welt zugefügt hat. Aber ich glaube, wir haben vom Wort "genug" genug. Lassen wir es in Frieden ruhen.
       Und so folgte Lilli-Bär Lilli-Bunny überall hin und versuchte, es sich überall dort gemütlich zu machen, wo man sich hinlegen konnte. Lilli-Bunny sagte immer zu Lilli-Bär "Du liegst zu lange herum" oder "Du sitzt zu lange". Und Lilli-Bär bestritt das nicht. Im Gegenteil. Er sagte immer "stimmt" und blieb da liegen, wo er gerade war. Wenn Lilli-Bunny Pfannkuchen für ihn backte, legte sich Lilli-Bär auf eine kleine hauchzarte Bank, die Lilli-Bunny für ihn in der Küche aufgestellt hatte.
       Wenn die Pfannkuchen fertig waren, begann Lilli-Bär immer mit dem philosophieren. "Küchen-Philosophie" nannten die Experten diese Art von Philosophie.
       Und das war Lilli-Bärs Küchen-Philosophie:
       1. Pfannkuchen sind besser als Brötchen.
       2. Pfannkuchen sind besser als Brötchen, vor allem da ich gestern alle Brötchen gegessen habe und Pfannkuchen heute esse. Falls ich Waffeln essen würde, bedeutet das, dass sie existieren, so wie auch Decartes es sagen würde: "Ich denke, also bin ich." - Aber das stimmt nicht. Waffeln müssen nicht denken um zu existieren.
       3. Nietzsche ist ein Idiot.
       Das war's. Natürlich hatte Lilli-Bär manchmal neue Gedanken, besonders wenn er Porridge mit Himbeermarmelade bekommen hatte, aber diese Gedanken waren kurzlebig. Lilli-Bär schrieb sie mit seinem Löffel direkt auf den Brei und Brei ist schließlich kein sehr zuverlässiges Material, um Ideen für die Ewigkeit aufzubewahren. Deswegen muss sich die Menschheit mit diesen drei Punkten der Lilli-Bärischen Küchen-Philosophie zufriedengeben, die wir oben bereits voller Respekt vorgestellte hatten.
      
       Kapitel 3
       Lilli-Bunny und Lilli-Kitty
       Lilli-Kitty war die erste gewesen, die Lilli-Bunny mit dem Namen Lilli-Bunny ansprach. Davor war Lilli-Bunny nichts weiter als ein einfaches Häschen gewesen ohne irgendeine spezielle Aufgabe in dieser Welt. Nun wissen wir aber, dass es Lilli-Bunnys wichtigste Aufgabe ist, den Weg zu finden, wie man ein glückliches Leben führt. Als Lilli-Bunny noch ein einfaches Häschen war, da war sein Aufgabe in dieser Welt verschwommen und musste noch definiert werden.
       Am Anfang sagte Lilli-Bunny immer: "Ich bin kein Lilli-Bunny". Aber Lilli-Kitty ignorierte einfach seine Einwände und nannte Lilli-Bunny "Lilli-Bunny". Oft sagte sie,
       - "Lilli-Bunny, lass uns einkaufen gehen!" oder
       - "Wo ist Lilli-Bunny?" oder
       - "Lilli-Bunny, lass uns was zusammen malen!"
       Und mit der Zeit gewöhnte sich Lilli-Bunny an seinen süßen, neuen Namen. Er hörte auf zu murren, wenn sie ihn sagte, und meinte dann schließlich philosophisch: "Okay, ich bin Lilli-Bunny. Aber wer ist es nicht?". Dann schaute er sich selbst im Spiegel an und bemerkte mit Erleichterung und Genugtuung, dass "jeder ein Lilli-Bunny" ist. Falls Sie es nicht glauben, schauen Sie doch selbst in den Spiegel und Sie werden sehen, dass Sie selbst manchmal ein süßer kleiner Lilli-Bunny sind, unabhängig davon, was Sie so während Ihres offiziellen Lebens tun.
       Lilli-Kitty und Lilli-Bunny waren Freunde. Lilli-Kitty fand sogar ihre eigenen flauschigen Pantoffel (ihre sind aber politische Analphabeten).
       Lilli-Kitty verbrachte gerne ihr Freizeit mit Lilli-Bunny. Jeden Tag nahmen sie sich zusammen ein kleines, frisches Stückchen Zeit und behandelten sie so freundlich, dass Zeit nicht gehen wollte und immer da blieb, um eine Tasse Tee zu trinken.
       Lilli-Kitty wusste, wie man alles besser als die anderen machte. Sie kochte leckere Gerichte, während Lilli-Bunny damit beschäftigt war, seine Katzen zu trainieren und zu erziehen. Und während er sie trainierte, studierte er sie auf eine wissenschaftliche und philosophische Art und Weise. Nur dauerte das ziemlich lange. Denn zuallererst musste er darauf warten, dass seine Katzen aufwachten - allerdings schliefen sie die meiste Zeit des Tages. Eigentlich schliefen sie immer. Nur dann nicht, wenn sie im Garten hinterm Haus im Staub badeten.
       Nachdem er etwas darüber nachgedacht hatte, kam Lilli-Bunny zu dem Ergebnis, dass sie damit ihre Flöhe los werden wollten. Flöhe beißen sich mit ihren Zähnen in der Haut der Katze fest, aber wenn die Katze dann im Staub badet, füllt sich die Nase der Flöhe mit Staub und sie müssen niesen und fallen von der Katze ab.
       Deshalb sind Katzen auch so sauber, obwohl Lilli-Bunnys Katzen aus der Unterschicht kommen. Nein, ich habe damit nicht gesagt, dass sie Müllkatzen sind. Ich sagte "Unterschicht". Okay - wenn Sie darauf beharren: In deren Lebenslauf gab es so einige Müllkatzen. Aber das ist alles Vergangenheit, und es nichts falsches oder entwürdigendes dabei, eine Katze der Müll-Klasse zu sein. Wenn man eine Müllkatze sauber bekommt und gut füttert, dann wird sie sogar besser, glücklicher und gesünder werden als so manche blaublütige Katze oder eine Katze aus der Mittelschicht. Man muss Müllkatzen einfach lieben! Sie sind die wahre Quelle der Vorherrschaft für jede fortschrittliche Reform! Und sie sind auch die einzige Hoffnung für eine Zukunft ohne nukleare Waffen. Ach, Sie glauben mir nicht? Aber natürlich! Derjenige, der schon mal eine Müllkatze mit einer nuklearen Waffe in ihren Pfoten gesehen hat, hebe bitte die Hand. Jetzt stimmen Sie mir zu, nicht wahr? Na ja, sollten Müllkatzen irgendwann an nukleare Bomben kommen, wird dann sowieso keiner mehr da sein, der meine dummen Fragen stellt oder sie beantwortet.
       Wenn Lilli-Bunny damit beschäftigt war, seine Katzen zu erziehen schlief er sehr viel, denn er musste ja darauf warten, das sie wieder aufwachten. Das dauerte manchmal ziemlich lange, denn wenn Lilli-Bunny wach war, schliefen die Katzen, wenn die Katzen wach waren, schlief Lilli-Bunny. Währenddessen kümmerte sich Lilli-Kitty um Lilli-Bunnys Haushalt.
       Genauso ist es heute in unserer Gesellschaft. Wenn die besten Leute der Nation wach sind, schläft die Gesellschaft. Und die besten Leute der Nation möchten die Gesellschaft dann nicht wecken, denn das könnte negative Folgen nach sich ziehen. Deswegen wissen
       die besten Leute nicht, was sie mit sich selbst anfangen sollen, nehmen es daher leicht und rauchen Pot. Irgendwann schlafen sie ein. Und wenn die besten Leute der Nation schlafen, wacht die Gesellschaft auf und sieht, dass die besten Leute der Nation schlafen. Die Gesellschaft zündet sich einen Joint an und entspannt sich, denn ohne die besten Leute der Nation, die ein jeden in eine bessere Zukunft führen möchten, hat die Gesellschaft nichts zu tun. Die Gesellschaft will aber auch die besten Leute der Nation nicht wecken, denn sie weiß, dass, wenn die besten Leute der Nation wach sind, sie vielleicht mit den Werten, die momentan die Gesellschaft bestimmen, nicht übereinstimmen und das kann zu einigen Unannehmlichkeiten führen, wie beispielsweise ein Bürgerkrieg. Daher legt die Gesellschaft auf die Füße der besten Leute warme Decken und Kissen auf deren Gesichter - aber nicht, wie Sie jetzt vielleicht denken mögen, um die besten Leute der Nation zu ersticken, sondern um sie davon abzuhalten, plötzlich aufzuwachen, wenn die Gesellschaft nicht darauf vorbereitet ist. Dann raucht die Gesellschaft ihren Joint, den sie aus den kalten Händen der besten Leute der Nation genommen hat, zu Ende. Schließlich wird die Gesellschaft von dieser Situation überwältigt und schläft ein. Irgendwie schaffen es die besten Leute dann, die Kissen von ihren Gesichtern zu nehmen, wachen auf... und so weiter und so weiter geht es immer im Kreis.
       Nun ja, was man sät wird man auch ernten. Die besten Leute der Nation und die Gesellschaft haben sich tatsächlich nie persönlich getroffen. Pot macht sie beide ein wenig hibbelig und mit der Zeit weniger ehrgeizig. Vielleicht fragen Sie sich, über welche Gesellschaft ich rede Das ist doch egal. Sie sind alle gleich. Sie können jetzt behaupten: Und was ist mit China? Die Menschen dort sind sehr ehrgeizig und in der letzten Zeit auch sehr aktiv. Ach wissen Sie, dass kommt daher, dass die Menschen dort das genaue Gegenteil sind und Anti-Pot rauchen. Anscheinend macht Anti-Pot die Leute weniger hibbelig und ehrgeiziger.
       Ich muss gestehen ich habe nie Pot geraucht. Vielleicht weil ich nicht zu den besten Leuten irgendeiner Nation gehöre...oder weil ich keine wirkliche Rolle in irgendeiner Gesellschaft spiele.
       Lilli-Kitty war sehr süß und praktisch veranlagt. Sie ging fischen, malte Stilleben mit Früchten (es ist sehr wirtschaftlich, Stilleben mit Früchten zu malen. Man kauft sich dafür einen Apfel, malt ihn einige Male und bekommt so ein Bild mit ganze vielen Äpfeln. Man muss nur darauf achten, dass Lilli-Bär den Apfel nicht aus Versehen isst, bevor man ihn nicht zumindest ein Mal gemalt hat).
       Lilli-Kitty sorgte auch dafür, dass es im Haus keinerlei Streitigkeiten gab. Manchmal saßen alle am Tisch und tranken Tee. Bei einer dieser Gelegenheiten fragte Lilli-Bär Lilli-Kitty: "Und, wie geht es dir so?".
       "Wie es mir so geht?", fragte Lilli-Kitty und brach in Tränen aus. Dann sagte sie: "Jetzt geht es los; es fängt alles wieder von vorne an!".
       "Was hat wieder angefangen?", fragte Lilli-Bär.
       "Jeder schreit", sagte Lilli-Kitty, und fing an zu schreien.
       Aber Lilli-Bär sagte nur "wow." Ja, "wow" mit einem Punkt am Ende und Lilli-Kitty fühlte sich besser.
       "Du hast mich gefragt, wie es mir geht? Mir geht es gut. Danke", sagte Lilli-Kitty zu Lilli-Bär mit einer ruhigen Stimme.
       Lilli-Kitty hatte viele schattenartige Freunde. Sie kamen und gingen, und nahmen nie ihre Hüte ab.
       Gewöhnlich kamen diese Freunde zum Essen. Lilli-Bunny sah sie sich ganz genau an und versuchte herauszufinden, ob die Neuankömmlinge gut oder schlecht waren. Dann erzählte Lilli-Bär ihnen seine Küchen-Philosophie und versuchte ihnen beizubringen, "wow" mit einem Punkt am Ende zu sagen. Aber selten machten sie es richtig; sie sagten "wow?" oder "wow;" oder...
       Als Lilli-Bunny herausfand, dass einer dieser Neuankömmlinge mehr schlecht als gut war, gab er ihm keine Marmelade mehr, denn Marmelade beeinflusst normalerweise den Kopf -- und wie wir alle wissen kommt alles Gute und Schlechte von diesem Körperteil, auch wenn man denkt, es kommt von einem anderen Teil des Körpers.
       Lilli-Kittys Freunde nahmen nie ihre Hüte ab, denn Hüte halfen ihnen, ihren Kopf zu finden. Und der Kopf ist ein äußerst wichtiger Teil des Körpers - wenn man weiß, wie man ihn einsetzt. Zum Beispiel kann man mit ihm essen oder niesen. Als Lilli-Bunny versuchte, ihnen die Hüte abzuziehen, ließen sie dies nicht zu, was zu einer großen Verwirrung führte und ihr schattiges Wesen noch vertiefte. Aber schließlich sagten sie alle "wow." richtig und waren gern gesehene Gäste im Haus.
      
       Kapitel 4
       Lilli-Bunny und Lilli-Jake
       Lilli-Jake war ein netter Junge, der ein wenig wie ein kleiner Bär aussah; er war allerdings ein wenig kleiner als Lilli-Bär. Lilli-Jake besaß einzigartige Dinge: Ferngläser, kleine, süße Glocken, Schlösser, Bolzen, Sanduhren und sogar ein Sandthermometer. Ja, ein Sandthermometer. Lilli-Bär hatte es ihm zum Geburtstag geschenkt und es funktionierte so: Wenn der Sand warm war, war es heiß; wenn der Sand kalt war, war es kalt. Lilli-Jake hatte auch einen kleinen tragbaren Generator für ärgerliche Gesichter, nur hatte er ihn verkauft. Allerdings hatte er damit kein gutes Geschäft gemacht, denn er hatte den Generator billig verkauft und ärgerliche Gesichter wurden im Laufe der Zeit sehr gefragt. Aber einen Vorteil hatte das ganze doch für Lilli-Jake: er konnte kein ärgerliches Gesicht mehr machen.
       Ermutigt von diesem ersten kommerziellen Erfolg (egal, wie unbedeutend der Profit war), entschied sich Lilli-Jake, sein eigenes Geschäft zu eröffnen, welches er Brain Company Ltd. nannte. Jedes Mal, wenn Lilli-Jake ein Problem hatte, kam seine Brain Company zum Zuge. Kleine, kluge Jungs hüpften aus seinem Kopf und fragten: "Okay, was ist das Problem?" Diese Mikro-Lilli-Jakes könnten jedes Problem lösen.
       Für Lilli-Jake war Gerechtigkeit sehr wichtig, und er sorgte immer dafür, dass es keine Ungerechtigkeiten in Lilli-Bunny Haus gab. Er gab den Katzen immer genug und in gleichen Teilen zu essen. Und so sind die Katzen mit der Zeit fett geworden, sie sahen jetzt aus wie Tonnen und schliefen mehr als gewöhnlich. Ein Mal gab er einer Katze einen Snack, entschied dann aber, dass es ungerecht sei, nicht auch der anderen Katze denselben Snack zu geben. Aber nachdem er etwas der zweiten Katze gegeben hatte, stellte er fest, dass die erste Katze weniger bekommen hatte. Und so fütterte er die Katzen so lange, bis der Sack mit den Snacks halb leer war. Dann setzte er seine Brain Company in Gang, die kleinen Jungs hüpften heraus und sagten: "Man muss darüber nicht nachdenken. Du musst die Katzen füttern, bis der Sack leer ist".
       Geht es so nicht auch mit den staatlichen Sozialleistung zu, werter Leser? Die Regierung versucht sehr intensiv, so gerecht wie möglich zu sein und am Ende ist der Staatssäckel leer. Was sollen wir also tun? Vielleicht sollten wir etwas mehr denken, nicht so, wie es Lilli-Jakes Brain Company gemacht hatte.
       Schauen Sie sich unsere Gesellschaft an, werter Leser:
       Der Regierungsapparat, unförmig und nicht wirksam, gibt für sich selbst den größten Teil dessen aus, was er an Steuern einnimmt. Der Staat wirbt aber nicht gerne damit, wie viel er für sich selbst ausgibt und versteckt offizielle Zahlen gewöhnlich hinter dem unklaren Titel "Andere Ausgaben". Da muss man sich doch fragen, warum ist die Regierung so unfähig? Schließlich unterliegt der Staat nicht dem Wettbewerb, den es in der Geschäftswelt gibt, kein äußerer Mechanismus zwingt den Staat, seine Rolle in der Gesellschaft zu prüfen.
       Dem kann aber abgeholfen werden. Zum Ersten müsste die Arbeit, die überwiegend von Beamten ausgeführt wird auf private Firmen übertragen werden mit einer strengen Kontrolle und auf einer wettbewerbsfähigen Basis, um so die staatlichen Funktionen dem positiven Einfluss des Wettbewerbs zu öffnen. Das steigert die Wirksamkeit und verringert die Kosten für Service und für Systeme, für die der Staat derzeit verantwortlich ist. Diese Praxis existiert zwar schon, ist aber nicht weit verbreitet.
       Zum Zweiten sollte das Grundkonzept des wirtschaftlichen Zusammenlebens in der Gesellschaft neu geprüft werden. Zum Beispiel, die Frage der Besteuerung. Welchen Teil seines Einkommens gibt das aktive Mitglied der Mittelschicht an den Staat in Form von Steuern ab? Einkommenssteuer, Grundsteuer, Umsatzsteuer - es scheint so, als ob man keinen Euro verdienen oder ausgeben könnte, ohne das der Staat nicht seine Hand aufhält. Insgesamt übersteigen die Steuern in machen Ländern 40%, in manchen Ländern erreichen sie sogar 60 bis 70%.
       Die legitime Frage lautet also: Warum genau machen Steuern 60% des Haushaltbudgets aus, und nicht 80%? Oder warum nicht 100%? Es könnte doch auch notwendig sein, den Steuersatz auf 120% zu heben: für jeden Euro, den man verdient, gibt man einen Euro an den Staat zurück und zahlt die noch ausbleibenden 20 Cents für das Privileg, im Land leben zu dürfen.
       Vielleicht wollen Sie jetzt einwerfen, dass die Menschen so nicht überleben können. Ja, Sie haben Recht. Sie denken genauso, wie die Regierung denkt. Im Grunde ist es doch so, dass der Staat von jedem Haushaltsbudget soviel Geld nimmt wie es möglich ist von der Bevölkerung zu nehmen und die Menschen werden so zurückgelassen, dass sie gerne arbeiten und ruhig sind. Aber dann berichten die Staatsführer mit klarer, lauter Stimme ihren großen Erfolg, nämlich dass sie die Steuern um ein oder zwei Prozent reduzieren konnten, und erwarten von jedem Mitglied der Bevölkerung, dass er laut Beifall klatscht. Und die Masse klatscht Beifall und wählt die Reformer für eine weitere Amtsperiode.
       Die Politiker vergessen, dass der Staat nur eine Institution ist, die von ihren Einwohnern geschaffen wurde, um die Interessen der Allgemeinheit zu fördern. So können wir bei Rousseau nachlesen "Chacun de nous met en commun sa personne et toute sa puissance sous la supreme direction de la volonte generale; et nous recevons en corps chaque membre comme partie indivisible du tout,"4
       was bedeutet "Jeder von uns stellt gemeinschaftlich seine Person und seine ganze Kraft unter die oberste Leitung des allgemeinen Willens, und wir nehmen jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf."5
       Was kann man im Gegenzug vom Staat erwarten, außer die Erfüllung unserer Wünsche und der Schutz unserer Interessen? Aber sehen Sie sich an, werter Leser, wie wenig das in der Praxis erreicht wird.
       Ich denke nicht, dass es eine Verschwörung des Staates gegen sein Volk ist. Das Problem ist die ineffiziente Organisation dieses Systems.
       Computer, noch relativ neu in dieser Welt, können die meisten Systeme effizienter machen. Aber wir nutzen sie derzeit überwiegend als Druckmaschine und nicht als intelligenten Partner.
       Hinzukommt, dass der Staat, der am Anfang selbst die Verantwortung für das soziale Wohl seiner Bürger übernommen hatte, diese Verantwortung nun auf die Arbeitgeber geschoben hatte, wodurch die Arbeitgeber gezwungen worden waren, neben den hohen Gehältern,
       ______________________________
       4 Jean-Jacques Rousseau "Du contrat social ou principes du droit politique": "Du pacte social", Archives de la Societe Jean-Jacques Rousseau, Genf, 1762.
       5Übersetzung von www.textlog.de, Jean-Jacque Rousseau -- Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechts, (1758)
      
       von denen ein größer Teil bereits Steuern sind, noch "Sozialsteuern" (Rente, Krankenversicherung und Arbeitslosigkeit) zu zahlen.
       Die Konsequenz davon war, dass die Arbeitskraft teurer geworden ist, was die Preise für Produkte und für den Service steigerte. Die meisten Bürger, die bereits viel an Steuern zahlen, steigern ihre Schulden noch mehr bei dem Versuch, die 18 bis 22% Zinsen der Kreditkarten zu zahlen.
       Man muss sich fragen: Was macht der Staat mit dem Geld, dass er einnimmt?
       Die größten Ausgaben hat der Staat bei der Schaffung von Arbeitsplätzen. Er bemüht sich, Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, denn es ist in der modernen Gesellschaft anerkannt, dass alle gesunden Menschen arbeiten müssen. Allerdings sollte das noch mal überprüft werden. In der heutigen Gesellschaft, und besonders in der Zukunft, könnte es nicht weise sein, dass jede Person so arbeitet, wie Arbeit heute noch definiert wird.
       Oft ist die Schaffung von Arbeitsplätzen das Hauptkriterium, um die Arbeit der Regierung zu bewerten, aber das sollte so nicht sein. Die meisten geschaffenen Arbeitsplätze schaffen nichts nützliches und trotzdem muss für diese Beschaffung viel Geld ausgegeben werden. Nur ein kleines Beispiel: Müssen wir alleinerziehende Mütter oder Väter wirklich dazu zwingen, zu arbeiten? Wenn man ihnen erlauben würde - falls sie es wünschten -, zu Hause zu bleiben und für die Kinder zu sorgen und sie für diese wichtige Arbeit bezahlen würde, würde die Regierung und das Unternehmen Geld sparen und die Betreuung von Kindern verbessern.
       Moderne Computer und Robotersysteme sind um ein tausendfaches effizienter bei den meisten Aufgaben, als die Menschen. Mehr Geld sollte für die Entwicklung von automatisierten System ausgegeben werden, die ineffiziente menschliche Arbeit ersetzen, wodurch die Menschen mit ihren Familien zu Hause bleiben, die großen Städte verlassen und ihre Kinder erziehen könnten.
       Sie sagen vielleicht, dass Menschen, die zu Hause sitzen, an Langeweile sterben werden. Aber harte, ineffiziente Arbeit (wie den Verkehr an einer Baustelle für eine neue Autobahn zu regeln ) acht Stunden am Tag ist auch nicht wirklich aufregend. Aber nach Ansicht der heutigen Nation, sind diese Leute am richtigen Platz.
       Aber es ist einfach so, dass der Staat weniger für ineffiziente Projekte, in denen tausende von Leuten beschäftigt werden, kritisiert wird, als für hohe Arbeitslosigkeit. Deswegen versucht die Regierung so hart, neue Arbeitsplätze zu schaffen, obwohl wir nur die Effektivität unseres Systems durch eine neue Ära künstlicher Intelligenz verbessern müssten.
       Oh, Entschuldigung, ich habe vergessen, dass ich eine witzige Geschichte schreibe. Es tut mir Leid, dass ich in diesem Kapitel nicht witzig bin.
       Lilli-Jake wollte immer ein König sein und viel Geld haben. Aber heutzutage treffen diese beiden Dinge kaum zusammen. Ein Mal hatte sich Lilli-Jake selbst zum König ausgerufen, aber fast am selben Tag war ihm das Geld ausgegangen und er musste respektvoll seine Papierkrone von seinem Kopf nehmen.
       Es ist wirklich schade, dass Könige verschwinden. Natürlich bin ich kein Anhänger der absoluten Monarchie, aber zumindest hätten wir einen netten gekrönten Kopf, den wir auf die Briefmarken drucken könnten.
       Kapitel 5
       Lilli-Bunny und seine Katzen
       Lilli-Bunny liebte Tiere. Und zwar jede Art von Tier: große und kleine, dicke und dünne, haarige und nackte. Es war so einfach, Lilli-Bunny mit Geschichten über Tiere zu unterhalten. Deswegen las Lilli-Bunny auch Zeitschriften über verschiedene Tiere. Manchmal wenn Lilli-Bunny in die Küche kam, lag Lilli-Bär auf seiner Bank und erzählte die Geschichten aufs neue. Dann erzählte er davon, wie Vögel ihre Eier ausbrüten, wie Wale atmen, wie Elefanten baden - Lilli-Bunny liebte diese Geschichten und hörte gerne zu. Und so kam Lilli-Bunny auch auf den Gedanken, dass er ein Haustier bräuchte. Es gab nämlich noch keine Haustiere im Lilli-Haus und Lilli-Bunny hatte immer von einer ganze Menagerie geträumt -- von Kühen, Pferden, Ferkeln, Hunden, Schafen, Ziegen und vielen, vielen anderen Tieren.
       Aber Lilli-Bär wollte die Liebe und Aufmerksamkeit von Lilli-Bunny mit niemandem teilen und sagte deswegen zu ihm, dass seine Pantoffel ausreichen würden und dass Lilli-Bunny keine Haustiere bräuchte.
       Lilli-Bunny war so bestürzt darüber, dass ihm Lilli-Bär keine Haustiere oder Nutztiere erlauben wollte, dass er fast anfing zu weinen. Das konnte Lilli-Bär aber nicht mit ansehen, denn er liebte Lill-Bunny sehr und konnte seinen Freund nicht traurig sehen. Deswegen stimmte er zu, dass Lilli-Bunny eine Katze haben könnte.
       Und so brachte Lilli-Bunny ein kleines Kätzchen ins Haus. Das gelb-orangefarbene Fell des Kätzchens schien wie Gold und deswegen nannte er sie Goldkatze.
       Lilli-Bär mochte diese Katze sehr und spielte und sprach mit ihr. Lilli-Bär half sogar Lilli-Bunny dabei, Goldkatze zu erziehen.
       Man kann nur dann Freundschaft mit Katzen schließen, wenn sie klein sind. Dann spielen sie nämlich noch gerne, sind aktiv, springen herum, rennen durchs ganze Haus und zeigen uns, wie lebendig sie sind. Erst als Goldkatze erwachsen war entdeckte sie ihre philosophische Seite. Sie versank in philosophische Gedanken und teilte sie nur selten mit den anderen. Die meiste Zeit des Tages schlief sie in den verrücktesten Stellungen. Man könnte das
       "Schlaf-Tourismus" oder "Touristen-Schlaf" nennen. Den ganzen Tag konnte man Goldkatze dabei zusehen, wie sie auf allen Tischen, auf allen Stühlen, in allen Betten und auf allen Sesseln schlief - nicht zu vergessen natürlich die exotischen Plätze wie die Abdeckung des Klaviers und der Korb mit den gerade frisch gewaschenen Klamotten. Lilli-Bunny beobachtete, wie Goldkatze innerhalb von vierundzwanzig Stunden ihren Schlafplatz wechselte. Wie ein junger Trieb, der seinen Kopf schüchtern in Richtung Sonne dreht, begann Goldkatze ihren Tag mit einem Schläfchen in der Sonne am Boden im Schlafzimmer, dann folgte sie der Sonne den Flur entlang, dann zum Zeichenzimmer und so weiter. In Lilli-Bärs Enzyklopädie für Lilli-Bären war nachzulesen, dass dieser Prozess der Katzsynthese, in dem sich Katzen ständig befinden, Grund für Goldkatzes Bedürfnis nach Sonne war. Sein Namensvetter, die Photosynthese, bildet Nährstoffe und Sauerstoff, was für die Umgebung nützlich ist. Aber von der Katzsynthese wird nichts gebildet, noch nicht mal die Katze selbst. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wofür die Katzsynthese dann gut ist? Ganz einfach: Für den Prozess selbst. Stellen Sie sich vor, Sie liegen in der Sonne, Sie katzsynthesieren, sie winken mit der Schwanzspitze - das ist doch gut, oder nicht? Die philosophischen Gedanken von Goldkatze drehten sich im Kreis. Für eine lange Zeit gingen sie in die Tiefe, dann gingen sie in die Luft. Sie wurden lang, vertieften sich und gingen über in weniger philosophische Träume. Keiner im Lilli-Haus konnte einen Gedanken von Goldkatze niederschreiben. Und trotzdem dachte jeder im Haus, das Goldkatze die klügste von allen Bewohnern sei; und sogar Lilli-Bär, der in den Lilli-Bär-Kreisen als ein großer Dichter und Philosoph bekannt war, betrachtete Goldkatze nicht mehr oder weniger als seinen Lehrer. Das waren die goldenen Tage für Goldkatze. Niemand trug sie zusammen mit anderen Katzen hin und her; niemand nannte sie eine dumme Katze.
       Aber all das hörte auf, als eine neue Katze ins Haus kam. Basia. Basia war das genaue Gegenteil von Goldkatze. Sie war wirklich dumm, vergesslich, pingelig, zudringlich und unausgeglichen. Wie eine absolut Verrückte sprang sie herum, wollte immer in Goldkatzes Kopf beißen, in deren Hinterteil, in die Pfoten und in den Schwanz. Ein Mal musste Goldkatze beinahe mit der Diagnose "von einer Katze verletzt" ins Krankenhaus, nachdem Basia sie unerwartet angriffen hatte und sie die Stufen hinuntergestürzt war.
       Die philosophischen Gedanken von Goldkatze wurden schwächer. Sie wurde nervös und nahm Aspirin wegen der Kopfschmerzen. Sie war so bestürzt, frustriert und durcheinander, dass sie aus Versehen in Lilli-Bunnys Bett machte.
       Goldkatze fühlt sich so krank wie damals, als sie von der Schlange gebissen worden war. Sie hatte sich schon darauf vorbereitet, zu sterben, bis Lilli-Bär in seiner Enzyklopädie gelesen hatte, dass die Schlange nicht giftig gewesen war. Daraufhin hatte sich Goldkatze schnell wieder erholt.
       Eingebildete Krankheiten schlagen oft zu. Vielleicht schauen Sie sich im Fernsehen einen Bericht über die Vogelgrippe an und beginnen dann, wie ein Vogel zu niesen!
       Und Basia ärgerte Goldkatze so sehr, dass diese ziemlich böse wurde und auch nicht um Hilfe rief, als Basia versuchte, sich unter das Sofa mit einem gelben Luftballon, dessen Band um Basias Hals geschnürt war, zu quetschen.
       Stellen Sie sich vor, Sie sind eine dumme Katze und versuchen, unter das Sofa zu kriechen, aber wegen des Luftballons funktioniert das nicht und das Seil erwürgt sie fast. Als Basia ruhig wurde, da sie schon fast tot war, hatte Goldkatze schließlich Mitleid und rief Lilli-Bunny, der Basia befreite.
       Lilli-Bär und Lilli-Jake ließen den Luftballon in die Luft steigen und versuchten, ihn mit Pfeilen abzuschießen. Aber der Luftballon war kein Narr und flog immer höher. Weit oben traf er einen Spatzen, bei dem er sich über Lilli-Bär und Lilli-Jake beschwerte. Und so kackte der Spatz absichtlich -- und absolut kostenlos -auf die armen Kerle und folgte damit
       der Tradition der gegenseitigen Hilfe, die alle Piloten (wie es der Spatz und der Luftballon zweifellos waren) eint.
       Der Luftballon flog weiter nach Norden und beendete seine vergänglichen Tage in einem Dorf in der Nähe des Nordpols. Er diente den Menschen dort als Gummilumpen, womit der Freund der Eisfelder und Eisbären seine Flasche Feuerwasser verschloss, die er mit der Arbeitslosenunterstützung, die ihm die guten Leute im Süden zahlten, gekauft hatte, sodass er sich betrinken und sterben konnte, bevor sein Eishaus wegen der globalen Erwärmung schmolz.
       Als Basia ihr zweites von ihren neun Leben begann, fing sie an, Goldkatze zu respektieren. Sie hörte auf, sie zu stören und wurde ruhig. Das passiert mit einer von Gott geschaffenen Kreatur, wenn diese dem unvermeidlichen Tod nahe ist, weil sie sich mit einem Luftballon, dessen Seil um den Hals gewickelt war, unter ein Sofa quetschen wollte, dann dort hing, nach Luft schnappte und fast dabei erstickte.
       Oft versuchen wir, unter ein Sofa mit einem Seil um unseren Hals zu kriechen. Wir kämpfen uns durch die Ritze, obwohl unser Luftballon nicht passt und beten, dass der Allmächtige uns Goldkatze schickt, der dann Lilli-Bunny ruft, der uns dann von der Schlinge, in die wir uns selbst gefangen haben, befreit. Dann werden wir gut. Daher können wir ohne solch ein außergewöhnliches Abenteuer auch nicht gut werden.
       Trotz allem, der Status der Katzen im Lilli-Haus sank. Nun trug Lilli-Bunny sie im Arm herum und nannte sie dumme Katzen. Goldkatze versuchte, ihr Französisch aufzufrischen, um diesen Alptraum zu beenden. Sie plante, nach Paris zu ziehen. Sie wollte an das Pasteur-Institut gehen, wo ihr vor Jahren ein Platz als Leiterin des Labors für Katzsynthese angeboten worden war. Sie kannte nur die Katzensprache, die unter den Linguisten als Katzisch bekannt ist. Also öffnete sie ihr Katzisch-Französisch Wörterbuch, um die Schreiben des Pasteur-Instituts zu lesen, aber während sie den dritten Brief las, übermannte sie das Gähnen. Während des vierten Briefes wurde das Gähnen schlimmer und verwandelte sich in ein Murmeln. Als Goldkatze am nächsten Morgen aufwachte entdeckte sie, dass sie anstatt auf dem Wörterbuch auf der Anleitung "Wie man Fahrrad fährt" eingeschlafen war. Aber Goldkatze wollte nicht Fahrrad fahren. Also blieb sie im Lilli-Haus, nahm sich aber fest vor, dass, falls Lilli-Bunny eine dritte Katze ins Haus brachte, er (Goldkatze) wirklich Französisch lernen oder das Haus verlassen würde, um mit seinem Freund von den Eisfeldern, die in der Nähe des Nordpols wohnten, zu leben. Goldkatze wusste, dass sein Freund ein nette Person war, allerdings nicht von Natur aus, sondern überwiegend wegen des exzessiven Trinkens von Feuerwasser.
      
       Kapitel 6
       Lilli-Bunny und Monsieur Silvouplaît
       Monsieur Silvouplaît tauchte ganz plötzlich im Lilli-Haus auf, kam aber nicht ungebeten. Lilli-Bär hatte großen Respekt vor Monsieur Silvouplaît, einem Franzosen, der berühmt war für seine guten Manieren, seine ultramodernen Ansichten und für seine ausgezeichnete Ausbildung. Lilli-Bär hatte dessen Buch gelesen, in dem Monsieur Silvouplaît geschrieben hatte: "Warum uns gute Manieren und ultramoderne Ansichten retten werden", und war sehr beeindruckt von Monsieur Silvouplaîts Wissen.
       Lilli-Bär wusste auch, dass Monsieur Silvouplaît sehr interessante Leute kannte. So kannte er Monsieur Fast-Napoleon, den Manager der Wurstfabrik, persönlich, Monsieur Neu-Robespierre (ein Partner von Madame Guillotine) sowie Monsieur Nicht-Ganz-Balzac - einen sehr bekannten modernen Autor. Mit all diesen Herren war Monsieur Silvouplaît, der Historiker und Geograph, gut befreundet. Lilli-Bär träumte davon, in diesen illustren Kreis der wahren Intellektuellen eingeführt zu werden und lud Monsieur Silvouplaît ins Lilli-Haus ein.
       Einladungsschreiben von Lilli-Bär
       Sehr geehrter Monsieur Silvouplaît,
       Bitte besuchen Sie mich in unserem Lilli-Haus. Zum Abendessen gibt es Olivier-Salat.
       Mit freundlichen Grüßen,
       Lilli-Bär
       Ich mag keine Bücher, in denen der Autor gutes Essen erwähnt, aber niemals das Rezept nennt, damit der Leser es nachkochen kann. Aber ich bin nicht so. Ich nenne immer das Rezept, wenn ich irgendetwas leckeres erwähne (das heißt "lecker" meiner bescheidenen Meinung nach).
       Der französische Koch Olivier, der 1860 das angesehene Restaurant Hermitage in Moskau eröffnete, führte den Salat Olivier ein. Die Version von heute unterscheidet sich sehr wesentlich vom Original, aber das mindert nicht die Begeisterung der Leute für diesen Salat. Im Lilli-Haus wurde er ein wenig anders gemacht als im Original. Man braucht die folgenden Zutaten:
       Krebsfleisch
       1 Pfund gekochte Kartoffeln
       2 durchschnittlich große Saure Gurken
       1 Glas Dosenerbsen oder gefrorene Erbsen
       1 durchschnittlich große Zwiebel, fein gewürfelt
       1 gekochte Karotte
       210 g Mayonnaise, gemischt mit saurer Sahne
       2 hart gekochte Eier
       6 große schwarze Oliven
       8 Zweige Petersilie
       Schneiden Sie das Krebsfleisch, die Kartoffeln und die Gurken in kleine Würfel. Mischen Sie das Krebsfleisch, die Kartoffeln, die Gurken, die Eier, die Karotten und die grünen Erbsen und schneiden Sie die Zwiebel. Salzen Sie die Mischung nach Geschmack und geben Sie die mit der sauren Sahne gemischte Mayonnaise dazu. Mischen Sie Gemüse, aber nicht zu viel. Stellen Sie den Salat kühl, bevor Sie ihn servieren. Garnieren Sie den Salat mit Oliven und Petersilie.
       Nichts besonders, aber Lilli-Bär schmeckte es sehr gut.
       Lilli-Bär las seinen Brief wieder und wieder und steckte ihn schließlich in den Briefumschlag. Dann versuchte er, eine Briefmarke mit dem Bild von der Königin auf den Briefumschlag zu kleben. Sehen Sie wie ihre Krone glänzt? Ach nein? Schauen Sie genau hin, dann sehen auch Sie diesen Glanz, den die erste Dame des Landes ihren Landsleuten brachte. Woher dieser Glanz kommt, möchten Sie wissen. Oh, sie machte es so, wie ihre Politiker-Kollegen: Nach der Wahl reiste sie von Land zu Land und stellt sich den Staatsmännern vor -- und die erste Dame eines Landes bringt immer Glanz ins Haus. Doch da die Bürger sie schon so lange nicht mehr im Fernsehen oder ein Bild von ihr in der Zeitung gesehen hatten, vergaßen sie schon fast wie sie aussah (viele waren sich schon nicht mehr sicher, ob die erste Dame des Landes nicht doch ein Mann war). Und um das zu vermeiden, wurde ihr Bild auf eine Briefmarke gedruckt, sodass die Bürger sie nicht vergessen würden. Als er die Briefmarke ableckte, war die Königin nicht sehr glücklich darüber, denn Lilli-Bär leckte die falsche Seite der Briefmarke ab. Die Königin kratze sich da, wo Lilli-Bär geleckt hatte.
       Lilli-Bär entschuldigte sich und leckte die Rückseite ab. Die Königin lächelte. Sie und Lilli-Bär mochten sich beide sehr.
       In Wahrheit hatte Lilli-Bär ein kleines Problem damit, Briefe abzuschicken, denn es gefiel ihm überhaupt nicht, die Hintern von berühmten Leuten, die auf den Briefmarken abgedruckt waren, abzulecken. Er versuchte mehrere Male, ihre Hintern abzulecken, aber er fühlte sich immer schlecht dabei. Deswegen fing er an, die Briefmarken mit Wasser nass zu machen. Aber die berühmten Leute auf den Briefmarken beschwerten sich bei der Behörde, die für so was zuständig war. Deshalb wurde Lilli-Bär gebeten, wieder abzulecken, wie es auch jeder andere tat. Lilli-Bär wählte Briefmarken mit der Königin, denn er dachte sich, wenn er schon eine Briefmarke ablecken müsste, dann sollte es doch eine mit der Königin sein.
       Welchen Hintern haben wir nicht schon geleckt seit dem Tag, an dem der erste Brief verschickt wurde? Also ich bin der Ansicht, dass Briefmarken eine großartige Erfindung sind. In den alten Zeiten war es nicht allen Leuten erlaubt, die Hintern von berühmten Leuten zu lecken, aber mit der Entwicklung von Demokratie und Freiheit hat nun jeder das gleiche Recht, den Hintern jeder berühmten Person von der er es möchte, zu lecken - natürlich nur, wenn das Bild dieser Persönlichkeit auf einer Briefmarke gedruckt war.
       Monsieur Silvouplaît freute sich sehr über die Einladung von Lilli-Bär, denn er kannte dessen philosophische Arbeit (veröffentlicht unter dem Titel "Küchen-Philosophie") und wollte persönlich den angesehenen Denker unserer Zeit treffen. Monsieur Silvouplaît nahm die Einladung noch erfreuter an, denn er mochte den Olivier-Salat sehr, den Lilli-Bär in seinem Brief erwähnt hatte.
       Deswegen war niemand im Lilli-Haus überrascht, als Monsieur Silvouplaît eines Tages vor der Tür stand. Er sagte:
       "Voila, Merci,
       Bitte zahlen Sie das Taxi..."
       Lilli-Bunny rannte hinaus, um den Taxifahrer zu bezahlen. Aber die Zahl auf der Rechnung konnte nicht stimmen - sie war viel zu hoch! Lilli-Bunny meinte, es sei das Datum oder vielleicht die Telefonnummer, aber leider Gottes!, es war die Rechnung.
       Der Taxifahrer erklärte höflich, dass Monsieur Silvouplaît
       auf dem Weg zu Lilli-Bunnys Haus in Bavaricstan anhalten wollte, um seine
       Freunde zu besuchen, dass er frische Waffeln mit Zimt für Lilli-Bär gekauft hat, dann einen Umweg nach Algerien machen wollte, um etwas frisches Obst zu holen, und dass er am Ende schließlich zu einem Atoll im pazifischen Ozean wollte, wo sein Freund, der Botschafter, wegen Strahlenkrankheit behandelt wurde (die zuerst als eine Art von Krankheit diagnostiziert wurde, die er von seiner einheimischen Liebhaberin bekommen hatte, dann als manische Depression. Aber als die nuklearen Tests im Atoll immer öfter gemacht wurden und die Botschafterin, die nicht mit Licht schlafen wollte, sich darüber beschwerte, dass der Botschafter in der Nacht zu stark leuchtete und dass die Matratze an zwei Stellen verbrannt sei, erkannte der Doktor die Strahlenkrankheit).
       Beim Atoll aßen Monsieur Silvouplaît, der kranke Botschafter und der Taxifahrer Jacques Agauche - was auf französisch "Jacques nach links" bedeutet - die Waffeln und das Obst, die eigentlich für Lilli-Bär gedacht waren. Jacques Agauche fuhr mit seinem Taxi auf dem Rückweg vom Atoll wieder nach Algerien und Bavaricstan, um die Reserven seines Passagiers an Obst und Waffeln wieder aufzufüllen, die Monsieur Silvouplaît dann aus Versehen direkt vor der Ankunft bei Lilli-Bär aufaß. Hinzukommt, dass Jacques Agauche, anders als sein Partner Philippe Adroit (Philippe nach rechts) immer nach links fuhr. Deswegen fuhr das Taxi auch so lange in der üppigen Gegend von Algerien und Paris herum, immer mit laufendem Taxameter. Lilli-Bunny zahlte die Taxirechnung mit Karte, denn schließlich konnte er seine Gastfreundschaft gegenüber dem gebildeten Freund von Lilli-Bär nicht wieder rückgängig machen.
       Monsieur Silvouplaît rannte im Kreis um das Haus herum und suchte nach einem Rohr, um seine Frau anzurufen. Nach Monsieur Silvouplaîts Meinung verzerrten die gewöhnlichen Telefone zu stark seine Aussprache, wodurch er weniger gebildet klang, und deswegen weigerte er sich ein Telefon zu benutzen. Aber Monsieur Silvouplaît wollte seine Frau, Madame Silvouplaît, anrufen, denn sie machte sich immer Sorgen, wenn sich ihr Ehemann irgendwo anders herumtrieb als bei bei seiner Geliebten, mit der sich Madame Silvouplaît gut verstand. Lilli-Bär gab Monsieur Silvouplaît sein Fernrohr, nahm
      
       das Glas und das Vogelnest heraus, wo zwei Papageien ihre zweiten Flitterwochen verbrachten und die Sterne beobachteten. Monsieur Silvouplaît benutzte das Rohr, um mit seiner Frau zu sprechen, denn tatsächlich lebte sie nicht sehr weit weg - jedenfalls nicht so weit, wie man es wegen der Taxirechnung hatte vermuten können.
       Am Ende setzten sie sich alle für das Abendessen hin und Lilli-Bär begann seine höfliche Konversation.
       - "Monsieur Silvouplaît, glauben Sie wirklich, dass gute Manieren und ultramoderne Ansichten unsere Welt retten können?", fragte Lilli-Bär.
       - "Natürlich. Meine Freunde Fast-Napoleon, Monsieur Neu-Robespierre und Monsieur
       Nicht-Ganz-Balzac versuchten, jedem gute Manieren beizubringen und fast immer hatten sie Erfolg dabei."
       - " Aber meiner Ansicht nach hat zum Beispiel Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Expury mehr dazu getan, Ihre Bildung in der restlichen Welt bekannt zu machen als die ganzen Revolutionen und Armeen", sagte Lilli-Bunny. "Ist es so schwer, den
       einfachen Regeln im Leben zu folgen, sodass jeder glücklich sein kann?"
       - "Was für Regeln?", wollte Linker Pantoffel wissen.
       - "Oh, ganz einfache: Tun Sie das im Leben, was Sie wirklich tun wollen, aber stellen Sie sicher, dass Sie niemand anderen damit nerven. Wechseln Sie ihre Ansichten nicht zu oft, sonst hält man Sie für unzuverlässig und unbeständig. Seien Sie auch nicht dogmatisch, bestehen Sie nicht auf etwas, dass offensichtlich falsch ist. Versuchen Sie, die Menschen und Tiere zu lieben, auch wenn sie Sie manchmal verletzen. Arbeiten Sie nicht zu viel und denken Sie daran, dass Sie sich ausruhen müssen, aber seien Sie nicht zu faul. Töten Sie nicht nur niemanden, sondern versuchen Sie auch, niemanden zu verletzen, weder durch Gewalt noch durch Worte. Seien Sie kein Schwein beim Essen und in Liebesdingen. Lügen Sie nicht, zumindest nicht die meiste Zeit. Nehmen Sie nicht, was Ihnen nicht gehört. Falls Sie etwas haben, teilen Sie es mit anderen, ohne dabei sich selbst oder Ihre Lieben zu verletzen. Respektieren Sie Gott, gleichgültig, ob Sie an ihn glauben oder nicht. Das ist auch schon alles", antwortete Lilli-Bunny ruhig.
       - "Steht das nicht auch in den Zehn Geboten? Aber die sind doch so alt und überholt", sagte Monsieur Silvouplaît.
       - ""Wenn die Menschen zumindest einmal in ihrer Geschichte diesen einfachen Regeln ehrlich folgen würden, dann wäre jeder glücklich", argumentierte Lilli-Bär.
       - "Aber glücklich zu sein ist nur ein chemischer Vorgang in unserem Gehirn. Nehmen Sie eine Pille und schon sind Sie glücklich", sagte Monsieur Silvouplaît mit einem Lächeln. Offensichtlich hatte er einige dieser Tabletten geschluckt.
       - "Das stimmt", sagte Rechter Pantoffel, "heutzutage müssen die Leute die meiste Zeit Pillen nehmen, um den Depressionen zu entkommen. Aber wenn die Leute diesen einfachen Regeln folgen würden, dann wäre jeder glücklich, sogar ohne Pillen."
       - "Sie haben eine besondere Bildung und einige Leute können viel davon lernen, wenn sie Ihnen zuhören würden, aber aus irgendeinem Grund machen sie es nicht", sagte Lilli-Kitty zu Monsieur Silvouplaît .
       - "Ja, wir bräuchten sehr viel mehr Bücher wie Der kleine Prinz, um zu zeigen, wie süß und nett Ihre einfache Wahrheit ist", sagte Lilli-Jake.
       - "Aber unser bester moderner Autor, Nicht-Ganz-Balzac, sagte...", begann Monsieur Silvouplaît, aber Lilli-Bunny unterbrach ihn.
       - "Sind Sie denn sicher, dass die Kinder hören können, was ihr bester Autor zu sagen hat?"
       - "Na ja, so ganz sicher bin ich mir nicht", musste Monsieur Silvouplaît zugeben.
       - "Das ist das Problem. Die besten Autoren unserer Zeit schreiben über Dinge, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene nicht hören sollen. Ich las einen Witz über Frauen auf der ersten Seite seines neuen Buches und hatte das Gefühl, als ob ich in ein
       Fass mit Schmutz gefallen wäre", gab Lilli-Bär zu.
       - "Das ist aber nicht die allgemeine Meinung in unseren Kreisen", sagte Monsieur Silvouplaît gähnend.
       - "Meiner Ansicht nach ist die Menschheit nur ein Teenager und wird bald zu einer netten, reifen Person herangewachsen sein", sagte Lilli-Bunny.
       - "Sie sind so komisch", unterbrach ihn Monsieur Silvouplaît. "Wie überleben Sie alle in der modernen Welt? Sie sind solche Idealisten..."
       - "Manchmal ist es besser ein glücklicher Idealist zu sein als ein depressiver Egoist", sagte Linker Pantoffel und beendete so die Unterhaltung.
       Die Tatsache, dass jemand mit einem komischen Akzent spricht und den Krieg nicht kämpfen will, den wir angefangen haben, bedeutet nicht, dass er schlecht ist oder unsere Liebe und Aufmerksamkeit nicht verdient hat. Ja, wir alle sind nicht perfekt. Aber versuchen Sie, werter Leser, sich an die Regeln, die Lilli-Bunny aufgelistet hat, zu halten, unabhängig davon wie alt und überholt sie sind, und eines Tages werden wir alle in Ordnung sein.
       Kapitel 7
       Lilli-Bunny spielt Golf
       Heutzutage kann man keine Geschäfte mehr machen, wenn man kein Golf spielt. Lilli-Bunny war zwar kein Geschäftsmann, aber er wollte ein Häschen der heutigen Zeit sein. Deswegen entschied er sich, diesen ehrenhaften Zeitvertreib zu lernen, wusste aber nicht, wie er das am besten anfangen sollte.
       Deswegen schaute sich Lilli-Bunny Bücher über reiche Leute an und erkannte, dass die folgenden Dinge wichtig sind, wenn man Golf spielen möchte: Besondere Stöcke und kleine Bälle, die größer als Taubeneier aber kleiner als Hühnereier waren. Aber das wichtigste überhaupt war ein reicher Partner - ein Gentleman mit einer Zigarre im Mund und einem zynischen Auftreten. Auch ein grüner Rasen mit kleinen Löchern ist nötig.
       Lilli-Bunny entschied sich, mit dem Rasen zu beginnen. Nur war der Rasen hinter Lilli-Bunnys Haus ein zerwühltes Durcheinander aus Dreck und herausgerissenem Gras - aufgefressen von den Maulwürfen.
       Lilli-Bunny entschied sich, gegen sie zu kämpfen, aber die Maulwürfe wollten nicht kämpfen. Sie kapitulierten sofort, hörten aber leider nicht auf, den Rasen kaputt zu machen.
       Also zog Lilli-Bunny seine blauen Pantoffel an und ging zum Supervisor der Maulwürfe. Ach, Sie glauben ich habe einen Fehler gemacht, weil ich "Supervisor" gesagt habe? Hätte ich vielleicht "König der Maulwürfe" sagen sollen? Nein, nein, "Supervisor" war schon korrekt. Maulwürfe sind zwar blind, aber nichtsdestoweniger sind sie scharfsichtige Kreaturen. Sie haben es aus den Zeitungen, die von den Touristen weggeworfen wurden - also aus erster Hand -, dass es schon lange nicht mehr Mode ist, jemanden "König" zu nennen. Heute ist es in, "Supervisor" genannt zu werden. Tja, und nachdem der König der Maulwürfe dies erfahren hatte, hatte er sich selbst zum Supervisor über das Land der Maulwürfe erklärt und die königliche Krone von seinem Kopf genommen. Er legte sie unter den königlichen Thron, wo sie solange bleiben sollte, bis Könige wieder in Mode kamen.
       Und so ging Lilli-Bunny zum Hof des Supervisors der Maulwürfe. Er sagte, in einem strengen Ton, dass, falls die Maulwürfe weiterhin seinen Rasen kaputt machten, er, Lilli-Bunny, sofort aufhören würde, die Maulwürfe zu lieben und sie nicht mehr "süß und hübsch" nennen würde. In Lilli-Bunnys Klassifizierung der Tiere würde der Status der Maulwürfe dann von dem süßer Tiere, die er sehr mochte, zu dem von Mäusen fallen, die er wegen deren nacktem Schwanz und hoher, impulsiver Unberechenbarkeit nicht mochte.
       Sobald eine Maus in Lilli-Bunnys Haus herumlief, verfiel Lilli-Bunny sofort in Panik und bat seine Katzen, ihm dabei zu helfen, sie zu fangen. Nur waren seine Katzen zu faul. Jedes Mal, wenn Lilli-Bunny eine Maus fangen musste, steckte er sie in ein Glas und fuhr mindestens fünf Kilometer weit weg. Dann ließ er die Maus frei und gab ihr ein Sandwich mit Kaviar als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten. Nur verkaufte die Maus den Kaviar jedes Mal an die russische Mafia und kehrte friedlich in einem brandneuen Mercedes-Spielzeugauto in das Haus von Lilli-Bunny zurück.
       Es wurde dunkel und es regnete, die Luft füllte sich mit dem Serenaden-Gesang der Frösche, aber Lilli-Bunny und der Supervisor der Maulwürfe saßen immer noch auf dem Hügel und berieten über Lilli-Bunnys Rasen.
       Schließlich einigten sie sich darauf, dass die Maulwürfe den Rasen in Ruhe lassen würden, wenn Lilli-Bunny den Supervisor der Maulwürfe alte Sonnenbrillen gibt. Sonnengläser sind unglaublich wichtig für die Supervisor von Maulwürfen, denn mit Sonnengläsern wirken sie sehend unter Blinden. Denn wer würde schließlich vermuten, dass ein Maulwurf, der eine Sonnenbrille trägt, blind ist? Nein. Jeder würde sich nur denken, dass der Gentleman auf Urlaub ist. Als Sehender in einem Königreich von Blinden angesehen zu werden ist ausgezeichnet, um die königliche Macht und Legitimität für die Führung des Volkes zu bewahren. Die Macht des Maulwurfkönigreichs stützte ihre bedeutenden Traditionen auf die alten Werte der Könige der Maulwürfe, die ihre Lager niemals mit schwarzen Augenbinden Schande bereiteten, Augenbinden, die wir aus den Flugzeugen klauen und aufziehen, bevor wir einschlafen, sodass uns die Sonne am Morgen nicht aufweckt und wir unsere Augen nicht öffnen müssen - diese Augen, die schon so viel gesehen haben.
       Und so hat derjenige, der als sehend unter Blinden gilt, geehrt durch die nationale Tradition, ein größeres Recht, Supervisor genannt zu werden - oder mit jedem anderen Wort, das momentan in Mode ist und mit dem man königliche Herrschaft beschreibt: Präsident, Premierminister, Generalsekretär...
       Lilli-Bunny gab also dem Supervisor der Maulwürfe seine alte, aber bei Maulwurf-Standard ziemlich moderne, Sonnenbrille. Der Supervisor der Maulwürfe von königlichem Blute setzte sich die Sonnenbrille auf seine Nase und all die anderen Maulwürfe hörten auf, den Rasen des Nachbarn zu fressen. Aufgeregt flüsterten sie sich die Neuigkeit über den Führer mit der super Sicht zu, mit dem sie nun zusammen stolz das dritte Jahrtausend beginnen könnten, jetzt, nachdem er das diskriminierende Bild des blinden Maulwurfs beseitigt hatte.
       Maulwürfe sind nicht blind! Sie starren nur nicht so viel. Sie graben und tun ihre einfache Maulwurfarbeit - den Rasen fressen. Zeigen Sie niemals mit ihrem Finger auf jemanden, nur weil er blind ist! Wenn Sie es tun, wird er ein Mittel finden, um auch Sie zu blenden.
       Jetzt, nachdem Lilli-Bunny mit seinem Sonnenbrillen-Pakt eine ausgewachsene Revolution des öffentlichen Selbstbildnisses der Maulwürfe erreicht hatte, kaufte sich Lilli-Bunny einen Golfschläger und ein Set mit kleinen weißen Bällen.
       Da sein Spiel etwas vom traditionellen Golf abwich, nannte er sein Golfspiel Lilli-Bunny Golf. Es ähnelte dem traditionellen Golfspiel, nur war es vor jedem Spiel zwingend, eine ausgewachsene Revolution des öffentlichen Selbstverständnisses in einigen Gesellschaften von Blinden hervorzubringen. In der Gesellschaft der Maulwürfe bildete sich die regierende Partei "Sehende Maulwürfe". In Wirklichkeit könnten sie so gut sehen, wie Sie in der Dunkelheit sehen können.
       Allerdings braucht man keinen zynischen Partner mit einer Zigarre im Mund, wenn man Lilli-Bunny Golf spielt.
      
       Kapitel 8
       Lilli-Bunnys Auto
       Als Lilli-Bunny klein war, hatte er kein Auto. Er hatte eine kleine Tasche, in der er seine glänzenden Steine, seine Muscheln und andere Baby-Schätze aufbewahrte. Aber als er langsam größer wurde, reichte die Tasche nicht mehr für all seine Schätze. Deswegen kaufte Lilli-Bär eine Universaltasche für seinen Freund. Aber auch diese Tasche wurde älter und wenn Taschen älter werden bekommen sie Löcher. All die Schätze, die Lilli-Bunny im Laufe der Zeit gesammelt hatte verschwanden langsam durch die Löcher seiner Tasche. Lilli-Bunny kaufte eine Aktentasche, die für eine gewisse Zeit seinen Anforderungen genügte. Aber zusätzlich zu seinen Schätzen musste er nun auch Hefte und Arbeitsbücher in der Aktentasche aufbewahren, denn während Lilli-Bunny Steine sammelte ging er auch in die Schule für Lilli-Bunnys, um ein gebildeter Lilli-Bunny zu werden. Also kaufte sich Lilli-Bunny eine riesige Reisetasche. Darin packte er alle seine Sachen, die er für sein tägliches Leben brauchte. Da mit der Zeit die Tasche sehr schwer wurde, steckte Lilli-Bunny kleine Räder an die Tasche. Mit der Zeit steckte er ein Lenkrad, einen Motor und einen Vergaser an die Tasche, stülpte eine Karosserie drumherum und steckte dann Signallampen, Scheinwerfer, ein Auspuffrohr, eine Pfeife, Türen, Fenster und alles, was in einer modernen Auto-Tasche nötig ist, an die Tasche. Allerdings musste die alte Tasche schließlich von dieser Konstruktion entfernt werden, da sie unter die Räder ging und die Fahrt verlangsamte. Und so kam Lilli-Bunny zu seinem Auto.
       Am Anfang war das Auto sehr jung und naiv und dachte, es wäre eine Kuh. Es fuhr auf den Rasen, um frisches Gras zu fressen. Aber das Auto und Lilli-Bunny stimmten darüber überein, dass das Auto keine Kuh war und es hatte dann auch sofort keinen Hunger mehr auf frisches Gras.
       Später bemalte Lilli-Bunny seine Kuh, ich meine sein Auto, in einem sehr schönen Bordeauxrot, um ihm ein fröhliches Aussehen zu geben. Lilli-Bunny hatte eigentlich auch vorgehabt, Kamillenblüten aufzumalen, aber aus bestimmten Gründen tat er es dann doch nicht.
       Lilli-Bunny fuhr oft mit seiner Tasche, Entschuldigung, mit seiner Kuh natürlich, ups, Entschuldigung, natürlich mit seinem Auto, zum Geschäft, um einzukaufen. Überraschenderweise war die Wirtschaftslage des Landes, in dem die Lilli-Bunnys lebten, nicht so schlecht, wie sie sein könnte. Lilli-Bunny kaufte viel ein. Das Auto stöhnte auf, ächzte tief, aber lehnte sich nicht auf. Dafür belohnte Lilli-Bunny es mit frischen Karotten, manchmal auch mit einer Orange.
       Dann stellte sich heraus, dass Lilli-Bunnys Auto die Verkehrsregeln nicht so ganz kannte, und dass es ziemlich schlecht bei manchen Manövern war. Deshalb schickte es Lilli-Bunny in die Ballett-Schule, damit es Rhythmus entwickelte und um wichtige Bewegungen, wie rückwärts und vorwärts, zu lernen. Lilli-Bunny kaufte dem Auto sogar einen kurzen Ballettrock und besondere Ballettschuhe. Nach Abschluss der Ballett-Schule war das Auto sehr elegant und beweglich. Es wusste nun, wie es rückwärts, seitwärts und (zumindest ein wenig) vorwärts einparkte.
       Lilli-Bunny und sein Auto waren gute Freunde. Sie gingen gerne zusammen zu Aufführungen. Ein Mal nahm Lilli-Bunny sein Auto auch mit in den Zirkus. Dort kauften sie sich ein Eis und saßen in der ersten Reihe. Die Vorstellung begann, die Pferde hetzten herein, wirbelten Sägemehl auf und bespritzten Lilli-Bunny und sein Auto. Aber sie beide waren glücklich! Lilli-Bunny kicherte; sein Auto kicherte. Als sie gingen, wurde ihnen ein riesiger Elefant gezeigt, der anscheinend sehr viel aß. Dann kletterten sie beide auf den Elefanten und der Typ mit dem Zylinder machte sofort ein Foto - Lilli-Bunny und sein Auto auf dem Elefanten! Was könnte besser sein?
       Lilli-Bunny und sein Auto erlebten viele Abenteuer. Sie entdeckten neue Länder, Kontinente, Geschäfte und Tankstellen. Ein Mal fuhren sie sogar über den Atlantischen Ozean. Um ehrlich zu sein, es war nicht der wirkliche Atlantische Ozean, nur eine riesige Pfütze auf Lilli-Bunnys Auffahrt. Aber trotzdem - tapfer sind sie beide durchgefahren.
       Sie waren großartige Reisende, aber nicht alles war hell und strahlend an den Ufern des Atlantik. Auf der einen Seite lebten Frösche mit Punkten, auf der anderen Seite Frösche ohne Punkte. Ich denke nicht, dass ich Ihnen, meinen ehrenwerten Lesern, erst erklären muss, dass ein solcher Unterschied ein ausreichender
      
       Grund für einen langen militärischen Konflikt ist. Und so kämpften die beiden Nationen der Frösche gegeneinander. Die bewaffneten Truppen der gepunkteten Frösche machten einen großen Tumult und stießen irritierende Schreie aus, um die Frösche ohne Punkte zu ärgern. Die Katzen wurden nervös und hielten Lilli-Bunny nachts wach. Aber der wirkliche Alptraum begann, als die Frösche ohne Punkte zurückschlugen. Auch sie ließen ihre Stimmen ertönen und schon bald gab es Angriffe von beiden Seiten des Ufers. Der Lärm war so ohrenbetäubend, dass man den Eindruck hatte, ein riesiges Kraftwerk würde neben dem Haus arbeiten.
       Lilli-Bunny berief den Rat des Hauses zusammen: seine Katzen, Lilli-Bär, Lilli-Kitty, Lilli-Jake und sein Auto. Das Auto wurde als Gesandter zu den gepunkteten Fröschen geschickt, Lilli-Bär zu den Fröschen ohne Punkte. Die Katzen wurden nirgendwo hingeschickt, denn sie waren faul und wollten nirgendwo hingehen, besonders nicht nach draußen, da es nass war. Lilli-Bunnys Auto war es egal, ob es draußen nass war oder nicht. Es genoss nasses Wetter, denn dann schien die Sonne nicht zu stark und seine Reifen wurden dann nicht heiß.
       Lilli-Bunnys Gesandte kamen zu den Fröschen, als der Kampf seinen Höhepunkt erreichte. Der Führer der gepunkteten Frösche quakte so laut, dass der Elch in Nachbars Garten Kopfschmerzen bekam und seine Frau bat, ihm ein paar Kopfschmerztabletten zu besorgen. Also legte sie schnell eine Kompresse auf sein Geweih.
       Und so überschritt der Konflikt die Ufer des Lilli-Atlantiks und wirkte sich auf die gesamte Region aus. Lilli-Bunnys Gesandte bemühten sich um Verhandlungen, während Lilli-Bunny sich in seine Küche zurückzog um Marmelade zu kochen und um über die Welt nachzudenken.
       Lilli-Bunnys Gedanken über unsere Welt
       Im folgenden zitiere ich eine kurze Liste von Lilli-Bunnys Gedanken über dieses große Thema. Die komplette Liste kann im 28. Band von Lilli-Bunnys Kompletten Arbeiten gefunden werden, die sich in einer großen alten Truhe auf dem Dachboden befinden. Hier finden Sie auch Lilli-Bunnys Kommentare zu seinen eigenen Gedanken. Ich möchte Ihnen, werter Leser, empfehlen, sich vertraut zu machen mit dem vollständigen Inhaltsverzeichnis dieser "zweiten Gedanken" und den zusätzlichen Kommentaren bezüglich der Methoden, Marmelade zu machen, und den vorgeschlagenen Verbesserungen an die Marmeladeindustrie.
       Aber zurück zu Lilli-Bunnys weltlicher Philosophie:
       Gedanke 1: Wenn alles in dieser Welt ruhig ist, sollte man selbst keinen Lärm machen, denn das könnte die Katzen nervös machen. Dann lassen sie einen nicht mehr schlafen.
       Gedanke 2: Falls etwas in der Welt nicht ruhig ist, sagen Sie der Welt, sie soll sich hinlegen. Singen Sie ihr ein Schlaflied, dann wird sie vielleicht ruhig.
       Gedanke 3: Um den Weltfrieden zu erreichen: Falls die Welt nach etwas anderem fragt, geben Sie es ihr nicht sofort. Bitten Sie sie, sich zuerst die Ohren zu waschen, ihr Zimmer aufzuräumen und sagen Sie ihr, sie soll versprechen, nicht mehr die Worte, die sie vom schlechten Jungen nebenan gelernte hatte, zu wiederholen.
       Diese drei Gedanken wollte Charles Dickens in seinem außergewöhnlichen Werk, Eine Geschichte aus zwei Städten, benutzen. Nur leider war Lilli-Bunny zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt und Charles Dickens musste sich mit seinen eigenen Gedanken zufriedengeben. Sogar so große Autoren wie Dickens waren nicht perfekt.
       Und so malte der Gesandte Lilli-Bär Punkte auf die Frösche ohne Punkte mit seinem Regenschirm. Und Lilli-Bunnys Auto erklärte den gepunkteten Fröschen, dass alle Frösche Brüder und Schwestern sind und band ihnen Schleifen um, um die echt gepunkteten Frösche für wissenschaftliche Zwecke zu markieren. Dann wurden alle Frösche ruhig und gingen schlafen ohne zu verstehen, was diese Schleifen bedeuteten. Bald gingen Lilli-Bunny, sein Auto und die zwei Katzen nach Hause und hatten Tee mit Marmelade. Sie waren über diese Stille sehr glücklich.
       Auch Lilli-Bunnys Auto mochte diese Stille und die Marmelade, denn wenn man sein Auto mit Liebe und Aufmerksamkeit belohnt, wird es ein richtiger Freund.
      
       Kapitel 9
       Lilli-Bunny und der Fuchs
       Eines Tages kam ein Fuchs in Lilli-Bunnys Garten hinter dem Haus. Da der Fuchs sehr dünn war, dachte Lilli-Bunny zuerst, dass dieses Tier ein Hund sei. Lilli-Bunny mochte Hunde: wohlerzogene Hunde, Streuner, große Hunde, kleine Hunde, und sogar Hunde von Baskerville. Also ging er zum Fuchs, um ihn zu streicheln.
       Aber Lilli-Bunny sah schnell, dass es kein Hund war. Es war ein Fuchs, nur waren Füchse nicht wirklich Lilli-Bunnys Lieblingstiere. Er mochte ihre Einstellung nicht, ihr unmoralisches Verhalten, und die Tatsache, dass sie Politikern und leitenden Angestellten (die, wie jeder weiß, aus derselben Masse stammen) ähnelten. Der Fuchs, der in Lilli-Bunnys Garten einmarschiert war, war sehr aufdringlich und vermittelte den Eindruck, als ob er sich hier niederlassen wollte. Dieses Monster steckte seinen hässlichen Schwanz zwischen den eisernen Palisadenzaun und fing an, rumzuschnüffeln, besonders da, wo Lilli-Bunny und seine Katzen gewöhnlich in der Nähe des Feuers saßen und lustige Lieder sangen, um sich selbst während dieser langen Nächte aufzuheitern.
       Lilli-Bunny wurde sehr ärgerlich und versuchte, den Fuchs mit dem Mop, den er gerade in der Hand hielt, zu erschießen, aber der Fuchs reagierte gar nicht auf diese Versuche Lilli-Bunnys. Dann nahm Lilli-Bunny seinen Mantel aus Fuchspelz aus dem Schrank und winkte ihn wie eine Flagge vor der Nase des Fuchses. Lilli-Bunny hoffte, auf diese Art seine unfreundlichen Absichten gegenüber allen Füchsen, aber besonders gegenüber diesem Fuchs, auszudrücken. Heutzutage ist es nichts großartiges für einen Lilli-Bunny aus der Mittelschicht einen Mantel aus Fuchspelz zu haben, und kein Fuchs kann sich wirklich mehr sicher fühlen, denn unsere Generation ist die erste, die nicht nur in einer Jeder-gegen-Jeden-Gesellschaft lebt, sondern auch in einer Bunny-gegen-Fuchs-Gesellschaft und sogar in einer Jedem-ist-es-egal-wer-wen-frisst-Gesellschaft.
       Aber der Fuchs kümmerte sich nicht drum; er schnüffelte weiter an der leeren Schüssel, wo der Haferbrei drin gewesen war, die Schüssel, die Lilli-Bär benutzte, wenn er sich im See in Lilli-Bunnys Garten entspannte. Lilli-Bär machte es Spaß, wie die Millionäre in ihren Pools in diesem See zu sitzen, aber statt Martini mit Oliven bevorzugte er dicken Haferbrei mit Zimt, den Lilli-Bunny gewöhnlich für ihn kochte und ihn dann am See servierte.
       Lilli-Bunny meinte, dass der Fuchs vielleicht tollwütig sei. Um diese doch beängstigende Möglichkeit auszuschließen, stellte er dem Fuchs spezielle Fragen zur Regierung, den Wahlrechten und zur politischen Situation in dem Land, in dem sie beide lebten. Doch der Fuchs antwortete nicht und Lilli-Bunny schloss daraus, dass der Fuchs keine Tollwut hatte. Lilli-Bunny brachte seinen Mantel aus Fuchspelz zurück in den Schrank und beschwerte sich gegenüber seinen Katzen über das irritierende Verhalten des Fuchses. Sofort setzten die Katzen ihren "Plan B" in die Tat um: Sie gingen auf ihr Katzenklo und ließen ihre "dreckigen Bomben" fallen, die dem Überleben des Eindringlings nur geringe Chancen ließen.
       Lilli-Bunny verließ sich auf die Tatsache, dass Lilli-Bär immer sein riesiges Handtuch mit dem Bild des Leoparden draußen liegen ließ. Lilli-Bär benutzte dieses Handtuch nie, wenn er gebadet hatte, aber Lilli-Bunny legte immer ein frisches Handtuch raus, falls Lilli-Bär jemals die "Stop das Denken"-Taktik, die in der modernen Psychologie benutzt wird, anwenden wollte. Lilli-Bunny dachte sich, wenn der Fuchs dieses Bild mit dem Leopard sieht und die Anwesenheit von großen Katzen in der Nachbarschaft riecht, er sich dann vielleicht auf und davon machen würde. Aber, leider Gottes, funktionierte das nicht. Der Fuchs setzte seine Gasmaske auf und erkundete Lilli-Bunnys Garten weiterhin.
       "Das ist Krieg", dachte sich Lilli-Bunny. Er rannte zurück ins Haus, fand sein altes Pfadfinder-Horn und fing an, es zu blasen. Der Fuchs nahm sein Notizbuch raus und begann, das Schlachtfeld aufzuzeichnen. Dann nahm Lilli-Bunny seine Knallkörper, schlich sich von hinten an den Fuchs heran, während dieser sich auf das Zeichnen konzentrierte und ließ einen direkt neben dem Ohr des Fuchses explodieren. Später, in seinen Memoiren Meine militärische Karriere, wird der Fuchs
       zugeben, dass ihn Lilli-Bunnys Aktion überrascht hatte. Den Rest seines Lebens war er leicht schwerhörig, besonders dann, wenn sich andere Füchse Geld bei ihm leihen wollten. Aber zu der Zeit ließ der Fuchs nicht erkennen, dass er durcheinander war.
       Lilli-Bunny erklärte eine Feuerpause und stellte ein Ultimatum: Falls der Fuchs nicht alle Militäraktionen aufgeben und weitere unterlassen und sofort aus Lilli-Bunnys Garten verschwinden würde, würde Lilli-Bunny einseitig seine eigenen Militäraktionen aufgeben und ins Bett gehen. Der Fuchs könnte im Garten bis in den frühen Morgen sitzen, wenn der Tau auf den Blättern die Pfoten und den Schwanz des Fuchs nass machen würde und er dann wahrscheinlich unter Rheuma für den Rest seines Lebens leiden würde. Können Sie sich einen Fuchs mit Rheuma vorstellen? Sie müssen Hasen5 jagen, dumme hüpfende Kreaturen, von denen sich die Füchse zwischen den Wahlen und jährlichen Aktionärstreffen ernährten; aber man kann keinen Hasen jagen, wenn man an Rheumatismus leidet, oder?
       Der Fuchs verschwand sofort. Wer sagt, dass Friedensverhandlungen nicht effizient sind? Man muss nur einige friedliche Drohungen während der Gespräche aussprechen und schon bekommt man positive Ergebnisse.
      
      
       __________________________________________
       5Das sind keine Bunnys. Ein Bunny ist ein intelligentes Individuum mit einem mittleren Einkommen.
      
       Kapitel 10
       Lilli-Bunny und die globale Erwärmung
       Jeden Tag kontrollierte Lilli-Bunny seinen Garten. Irgendjemand musste Teile davon stehlen, denn als er das Haus vor langer Zeit gekauft hatte, war der Garten riesig gewesen; aber jetzt wirkte er sehr viel kleiner.
       Das passiert oft bei Objekten in der materiellen Welt. Ein Haus, dass einmal riesig zu sein schien, wirkt mit der Zeit klein. Nicht zu vergessen das Gehalt - in unseren Augen wird es immer kleiner, was viele Probleme verursacht.
       Jeden Morgen ging Lilli-Bunny raus, in der Hoffnung, den Dieb des Gartens zu fangen. Aber eines Morgens war das anders. Der Garten war tatsächlich größer geworden und glühende Hitze machte sich in der Luft breit. Lilli-Bunny war durcheinander bis er sich daran erinnerte, dass sich Dinge ausdehnen, wenn sie heiß werden.
       Er zog sich in die Kühle des Hauses zurück und schaltete seinen Fernseher an. Die Nachrichten zeigten Indien, wo es auch sehr heiß war. "Diese Erwärmung ist wirklich global", sagte sich Lilli-Bunny. Dann schaute er nach, wie es seinem Mantel aus Fuchspelz ging. Dem ging es gut.
       Lilli-Bunny trainierte seinen Mantel für den Winter und der Mantel kannte bereits zwei Kommandos: "Komm her" und "Geh weg". Immer, wenn er den Befehl hörte "komm her", glitt er langsam vom Kleiderbügel und wickelte sich selbst um Lilli-Bunnys Schultern. Und wenn der Mantel den Befehl "geh weg" hörte, glitt er friedlich von Lilli-Bunnys Schultern ab und ging zum Schlafen in den Schrank, wo er erfolgreich gegen die Motten kämpfte. Lilli-Bunny klopfte seinem Mantel auf den Rücken und sagte: "Kopf hoch. Es ist so heiß, es wird einige Zeit dauern, bevor ich mit dir für einen Spaziergang raus gehe."
       Und draußen war es wirklich sehr heiß. Der See war schon fast ausgetrocknet und all die Frösche waren schon so braun gebrannt, dass sie fast schwarz waren. Lilli-Bunny sah einen schwarzen Frosch und rief:
       "Schau! Der Frosch ist schwarz!"
       Der Frosch schaute ihn verwirrt an und sagte mit einer rauen Stimme: "Ich bin nicht schwarz! Ich bin Afro-Amerikaner!".
       Die globale Erwärmung traf Lilli-Bunny nicht unvorbereitet. Eigentlich war er gut darauf vorbereitet, denn heute ist ja alles globalisiert: Die globale Dummheit, die globale Ignoranz und die globale Verdauung, die "Fast Food" genannt wird. Deswegen wurde Lilli-Bunny nicht sehr von der globalen Erwärmung überrascht. Seine Katzen waren sogar froh darüber, denn ihnen war kalt, wenn es nur warm war. Der oberflächliche Schlaf, den sie in dieser Kälte schliefen macht sie so müde, dass ihr entspannter, angenehmer Ausdruck in ihren schläfrigen Schnäuzchen zu sagen schien "nur nicht aufwecken", als es wirklich heiß war, wie an diesem Tag. Ihr Fell strahlte Wärme aus, aber sie nahmen ihr Fell nicht ab, wahrscheinlich weil sie Angst hatten, ihre Katzendokumente würden aus den Taschen fallen.
       Ach, Sie glauben, Katzen haben keine Taschen? Aber Sie stimmen mir doch zumindest darin zu, dass Katzen ein Fell haben und Katzenfell ist eines der attraktivsten und charmantesten Waffen. Mit ihrem Fell haben die Katzen die Menschheit erobert und uns zu ihren Sklaven gemacht, sie haben sich in unseren Häusern niedergelassen, sie schlafen auf unseren Kissen und stoßen sanft mit ihren Pfoten die Köpfe ihrer Herren von ihrem rechtmäßigen Ruheplatz weg. Deswegen haben auch alle Katzen ohne Ausnahme Angst davor, nass zu werden. Eine nasse Katze sieht genauso aus, wie sie vom Universum geschaffen wurde -- nass ist sie eine abstoßende Kreatur, nicht sehr viel größer als eine Ratte. Wenn Katzen fast immer nass gewesen wären, wären sie nicht die erfolgreichste Spezies auf der Erde geworden, sie wären dann nicht die Eroberer der Mehrheit der Menschen.
       Die globale Erwärmung machte auch Lilli-Jake nichts aus. Er fing an, ohne sein Hemd herumzulaufen und zeigte seinen süßen, nackten Bauch. Regelmäßig kontrollierte er den Sand in seinem Sandthermometer, das er in seinem Schrank versteckte, um zu verhindern, dass die Katzen aus dem komplexen wissenschaftlichen Instrument ein Katzenklo machten.
       Auch Lilli-Kitty war nicht besorgt wegen der globalen Erwärmung, denn sie hatte erst vor kurzem drei neue Badeanzüge gekauft und die globale Erwärmung war eine tolle Ausrede, sie im See nass zu machen und dann im ganzen Haus aufzuhängen und zu trocknen wie Flaggen in fremden Ländern.
       Lilli-Bär war der einzige, der ziemlich unter der globalen Erwärmung litt - genauso, wie er unter der globalen Abkühlung im letzten Winter gelitten hatte, so wie er unter den anderen globalen Ereignissen litt, wie dem globalen Abnehmen, dem globalen Hintern wackeln und dem globalen Furzen. Die ganze Welt war voll mit diesen verrückten Zeiten. Lilli-Bunny entschied sich, Lilli-Bär zu helfen, indem er ihn mit kalten Wasser bespritzte, aber Lilli-Bär rief:
       "Lilli-Bunny! Du machst meine Socken nass!"
       Lilli-Bunny schaute seinen Freund an. Lilli-Bär trug nasse Hosen, aber er hatte keine Socken an. Lilli-Bunny mag Präzision und achtete auf jedes Detail, deswegen fragte er:
       "Wie kann es sein, dass deine Socken nass werden, wenn du gar keine Socken anhast?!"
       Daraufhin zog Lilli-Bär die nassen Socken aus den Hosentaschen und Lilli-Bunny erinnerte sich daran, dass Lilli-Bär im Sommer immer seine Socken in den Hosentaschen hatte, falls die globale Abkühlung plötzlich auftauchte oder der Sommer plötzlich endete.
       Lilli-Bär wusste, dass viele Dinge plötzlich enden. Plötzlich gibt es keine Kekse mehr, Honig ist plötzlich zu Ende, nicht zu vergessen die Schokoladenkekse die dazu neigten, ganz plötzlich fertig zu sein.
       Lilli-Bunny gab Lilli-Bär etwas Eiskrem und verließ das Haus, um mit der globalen Erwärmung zu verhandeln. Er nahm einige wildgewachsene Himbeeren und Blaubeeren mit, ein paar frische Pfannkuchen und eine kleine Flasche hausgemachten Likörs, gut, um das Eis zu brechen (um die ungemütlichen ersten Minuten einer Unterhaltung zu überbrücken). Lilli-Bunny nahm an, dass die globale Erwärmung die Idee des brechenden Eises mag, denn das ist es ja schließlich, was sie gewöhnlich tut, sie droht uns mit Überflutungen, gewährt uns aber auch gleichzeitig den Luxus, direkt von unserem Fenster aus zu angeln. Lilli-Bunny wusste, dass es ohne kleine Geschenke nicht angenehm wäre, die globale Erwärmung zu besuchen; den Likör nahm Lilli-Bunny mit, da die globale Erwärmung das legale Alter hatte, um zu trinken und sie mochte Getränke, wodurch ihr noch wärmer wurde.
       Lilli-Bunny fand die globale Erwärmung in seinem eigenen Garten hinterm Haus. Dort saß sie ohne Jacke und versuchte, unter der rauen Sonne braun zu werden und spielte mit Globaler Dummheit, Globaler Ignoranz und Globaler Vernachlässigung Karten. Diese lustige Gesellschaft spielte nicht nur zum Spaß; sie spielten Karten wegen der Belohnung. Wir
       können die Auswirkungen dieses interessanten Spiels im täglichen Leben in unserer Welt beobachten: Gewinnt Globale Dummheit, muss jeder vorgeben, dass er dumm ist; gewinnt Globale Ignoranz, muss jeder vorgeben, unwissend zu sein; und falls Globale Vernachlässigung gewinnt muss jeder sagen "Das ist mir egal".
       Globale Erwärmung hatte niederträchtig seine Partner mit dieser unglaublich überwältigenden Hitze beeinflusst und versuchte zu schummeln. Aber Globale Dummheit war nicht klug genug, aufzupassen, Globale Ignoranz kannte nicht die Spielregeln und Globaler Vernachlässigung war es egal und schlief ein.
       Lilli-Bunny schenkte ohne Smalltalk ein und jeder erhob sein Glas für einen Toast auf gute Bekanntschaft. Globale Vernachlässigung leerte zuerst die Flasche, fiel um und war ohnmächtig, daher wurde Lilli-Bunny eingeladen, ihren Platz beim Kartenspiel einzunehmen. Lilli-Bunny gewann die erste Runde und Globale Erwärmung fragte, "Wer bist du?".
       "Ich bin ein globaler Bunny", antwortete Lilli-Bunny.
       "Dann muss jeder ein Lilli-Bunny sein", sagte Globale Erwärmung. Dann schlief auch sie ein.
       Bald wurde es kalt in der Welt und Lilli-Bär fühlte sich besser, was Lilli-Bunny glücklich machte. Nur waren die Katzen jetzt traurig, denn sie konnten nicht einen einzigen ihrer Heiße-Welt-Träume zu Ende träumen.
      
       Kapitel 11
       Lilli-Bunny und sein Briefkasten
       Ein Mal hatte Lilli-Bunny einen kleinen, einfachen, dunkelgrünen Briefkasten, der in der Nähe der Straße stand. Lilli-Bunny liebte seinen Briefkasten. Aber an einem Tag im Winter machte ein böser Traktor ihn kaputt. Deswegen kaufte sich Lilli-Bunny einen neuen, riesigen Briefkasten in schönem Bordeauxrot und schrieb drauf "Lilli-Bunny".
       Den Pfosten, auf der der Briefkasten steckte malte Lilli-Bunny wie die nationale Grenzposten an, mit schrägen roten und weißen Streifen. Doch dann hielten die Autos vor dem Briefkasten und die Leute stiegen aus, um Lilli-Bunny ihren Pass zu zeigen, denn sie dachten, der Pfosten markiere die nationale Grenze. Deswegen sah sich Lilli-Bunny gezwungen, ein riesiges Poster aufzuhängen:
      
       Aber da der Verkehr an Lilli-Bunnys Haus in beide Richtungen ging, schrieb Lilli-Bunny auf die Rückseite des Posters:
       Die Leute auf der Erde sind so daran gewöhnt, dass eine nationale Grenze überall gezogen werden kann, dass sie, wenn sie einen gestreiften Pfosten sehen, gehorsam ihre Dokumente rausnehmen und bereit sind, ihre Hosen für eine genauere Durchsuchung auszuziehen, um so zu vermeiden, dass etwas Verbotenes über die Grenze des gestreiften Pfostens transportiert wird.
       Vor dem Pfosten sind diese Dinge erlaubt, nach dem Pfosten aber nicht mehr. Wenn man aber trotzdem über den Pfosten geht, kommt man ins Gefängnis.
       Und die Leute gehen nicht gerne ins Gefängnis. Und so stellen sie sich alle gemeinsam in einer Reihe vor den gestreiften Pfosten auf und lassen ihre Hosen runter. Ein Mal entschieden sich die Außerirdischen vom Planeten Boozon6, die Erde zu übernehmen, sahen dann aber durch ihre außerirdischen Teleskope, dass alle Menschen auf der Welt in einer Reihe mit heruntergelassener Hose vor dem gestreiften Pfosten standen. Die Boozianer dachten sich, dass dies vielleicht ansteckend sei, übernahmen einen anderen Planeten und überließen die Erde den verrückten Erdlingen. Und so machten wir weiter und bauten neue Grenzen auf und die Reihen von Leuten mit heruntergelassener Hose wuchs und multiplizierte sich. "Betreten verboten!" wurde ein Slogan auf der Welt. Das ist wichtig, denn nur so kann man die Ordnung aufrechterhalten. Wenn kein großer Teil der Menschheit in Reihe mit heruntergelassener Hose steht, wie können wir dann den Weltfrieden sichern?
       Niemand war überrascht, Lilli-Bunnys Grenzposten zu sehen, denn die meisten Bürger sind loyal und gehorsam. Gerne verzichten sie auf ihre Gürtel, um die nationale Sicherheit besser zu unterstützen, indem sie ihre Hosen vor dem gestreiften Pfosten runterlassen.
       Lilli-Bunnys erklärendes Poster löste dieses Problem praktisch. Aber es war immer noch nötig, ein oder zwei Mal am Tag die Hosen zu strecken, die aus Versehen von vorbeifahrenden Leuten genommen wurden, die schlecht sahen oder nicht gut lesen konnten.
       Wenn man alle Buchstaben des Alphabets kennt erleichtert es das Lesen ungemein. Natürlich kann man auch lesen, ohne alle Buchstaben zu kennen - es ist einfach, die Seiten des Buches umzublättern, nach bekannten Buchstaben zu suchen und nur diese Buchstaben zu lesen. Wenn man aber in einigen Büchern nur nach Buchstaben sucht wie zum Beispiel dem "B" oder dem "U" bedeutet dass, dass der Leser nicht versteht, was der Autor gemeint hat; deswegen versucht man auch in der Schule,
      
       __________________________
       6Ich werde Ihnen die genauen Koordinaten des Planeten später geben. Vielleicht im zweiten Buch.
       die Leute darin zu unterrichten, die meisten Buchstaben zu lesen, obwohl einige ziemlich schwer sind.
       Seit hochentwickelte, moderne Schulsysteme versicherten, dass die Mehrheit der Bevölkerung das Alphabet kennt, schrieben sich die Leute gegenseitig Briefe, weshalb der Postservice erfunden wurde, um diese Briefe zu transportieren.
       Es stimmt schon, es ist sehr viel einfacher, Briefe nach Übersee zu schicken als zwei Stunden in einer Reihe am Flughafen mit heruntergelassener Hose zu warten, und dann nochmal zwei Stunden für den Rückweg - die ganze Zeit mit dem Risiko, ins Gefängnis zu kommen, wenn man so was illegales wie eine Manikür-Schere mitnimmt. Natürlich verstehen wir, dass der Krieg gegen den Terrorismus wichtiger ist als die Nagelpflege. Aber versuchen Sie mal, dass einer Frau zu erklären...
       Lilli-Bunny reiste wirklich nicht gerne in ein anderes Land und deswegen sorgte er immer dafür, dass sein Briefkasten bereit war, neue Briefe aufzunehmen. Überraschenderweise beeinflusst das Äußere Ihres Briefkastens, welche Nachrichten Sie bekommen. Als Lilli-Bunnys Briefkasten grün war, hat er nur so melancholische Briefe bekommen wie das Grün war. Aber sobald er den neuen bordeauxroten Briefkasten aufstellte - der im übrigen der fröhlichste in der ganzen Straße war - bekam er witzige Postkarten aus der Südsee, Glückwunschschreiben mit Bildern von Kamillenbüten, Zeitschriften mit witzigen Bildern und Bonbons vom Weihnachtsmann. Lilli-Bunny war so wie Sie es sind darüber überrascht, dass die Farbe des Empfängerbriefkastens einen solchen Einfluss auf den Absender hat. Lilli-Bunny schrieb sogar einen Brief an den angesehenen Physiker Super-Einstein, in welchem er dieses Phänomen beschrieb. Wegen der Unlösbarkeit dieses Paradoxon betrank sich Super-Einstein. Dann, nachdem er einen Morgen-Drink (eine Lösung aus schnellen Neutronen) getrunken hatte, gab Super-Einstein diesem Phänomen einen Namen - das "Lilli-Einstein-Super-Bunny-Paradoxon". Und so ist es in die heutigen Textbücher zur postalischen Quantenphysik aufgenommen worden.
       Aber Lilli-Bunny verließ sich nicht nur auf die theoretische Wissenschaft. Er versteckte sich in den Büschen neben dem Briefkasten, um zu sehen, was wirklich passierte, wenn der Postbote Herr Gutenachricht kommt. Der Briefkasten freute sich sehr, wenn er Herrn Gutenachricht sah
       und fing an, dem Postboten die Nase zu lecken und mit seinem Pfosten wie mit einem Schwanz zu wedeln. "Sitz still", sagte der Postbote, aber der Briefkasten beruhigte sich nicht. Stattdessen schnüffelte er an dem Postsack, schnappte sich die am lustigsten aussehende Postkarten und schluckte sie sofort. Aber der Postbote war nicht ärgerlich deswegen.
       Als Herr Gutenachricht wegging, ging Lilli-Bunny mit seinem Briefkasten spazieren, baute eine Hundehütte und kaufte ihm Hundeknochen.
       Kapitel 12
       Lilli-Bunny und sein Schwamm
       Aristokratische Titel sind heute nicht länger eine Anerkennung für die Herkunft und für nobles Blut, sondern basieren auf einer wohlgenährten Kindheit und einer ausgezeichnete Erziehung. Heute ist es möglich, Aristokraten in jeder Gesellschaftsschicht zu treffen: Man findet sie unter Arbeitern und Bauern, unter Schwämmen, Zahnpastatuben, Manikür-Scheren und, ohne dass man dies besonders erwähnen müsste, auch unter Puderquasten. Ich persönlich hatte die Ehre, eine bemerkenswerte, außergewöhnlich gut erzogene Puderquaste, die bis heute in der geheimen Zwei-Zimmer-Tasche von Lilli-Bunnys Tasche wohnte, zu kennen. Schon seit langem war sie nicht mehr dazu benutzt worden, Nasen zu pudern, aber sie hatte sich exklusiv auf elegante Unterhaltungen vorbereitet. Mademoiselle Puderquaste wurde Lilli-Bär als ein guter alter Freund der Familie seiner Großmutter vorgestellt, die wiederum Mlle.7 Puderquaste auf der Internationalen Ausstellung in Paris 1937 vorgestellt wurde. Aber seitdem fühlte sich die alleinstehende, unverheiratete, hübsche alte Puderquaste nicht ganz wohl dabei, in der Spielbox des kleinen Lilli-Bärs zu leben - es war ihr einfach zu unbequem. Deshalb stimmte Mlle. Puderquaste glücklich zu, sich in Lilli-Bunnys Tasche niederzulassen, wo sie eine bescheidene aber passende Unterkunft fand.
       Auch Lilli-Bunnys Schwamm war von blauem Blut, deswegen würde Lilli-Bunny diese Frechheit nicht wagen, sie wie einen normalen Schwamm zu benutzen. Lilli-Bunny seifte sich selbst mit Lilli-Bärs Schwamm ein, denn Lilli-Bär benutzte ihn sowieso nicht - er badete im Teich und benutzte den Schwamm nicht oft.
       Aber dennoch muss ich anmerken, dass Lilli-Bär Lilli-Bunny hartnäckig nach diesem Schwamm fragte und sogar eine kleine
      
       __________________________
       7Abkürzung für Mademoiselle
       Protestaktion anzettelte, wie die, die viele mutige Menschen vor dem Kreml in den kommunistischen Tagen von Moskau organisierten. Heute gibt es nicht mehr so viele mutige Menschen. Das zeigt, dass die Freiheit in Russland wirklich gesiegt hat.
       Die Wand des Lilli-Hauses war bedeckt mit roten Backsteinen in der Art des Kreml, sodass Lilli-Bär dorthin marschierte und ein Protestschild hin und her schwenkte mit der Aufschrift:
      
       Laut rief er seinen revolutionären Slogan aus: "Ein Schwamm für den Bären!" "Ein Schwamm für den Bären!", wieder und wieder. Hinzukommt, dass er das Wort "Schwamm" so traurig lang dehnte -- "Schwa-a-a-a-a-a-a-m" -, dass Lilli-Bunny Mitleid mit ihm hatte und Lilli-Bär einen Schwamm kaufte. Sofort verlor Lilli-Bär jegliches Interesse an dem Schwamm und badete im Teich ohne ihn. Deshalb musste Lilli-Bunny diesen Schwamm beschäftigen, um die Arbeitslosigkeit im Lilli-Haus niedrig zu halten. Sicherlich erinnern Sie sich, werter Leser, dass Lilli-Bunny der rechtmäßig gewählte Präsident des Lilli-Hauses war und er sich daher Sorgen um den Grad der Arbeitslosigkeit machte. Dies könnte ein gutes Beispiel für andere Präsidenten sein: Sorge dich um den Grad der Arbeitslosigkeit und du musst dir um nichts anderes mehr Sorgen machen. Die Arbeitslosigkeit ist der neue Gott der Politiker. Sie können betrügen, lügen, stehlen - das kümmert keinen. Aber sobald die Arbeitslosigkeit steigt, ist man politisch tot. Denn - wie wir schon mal gesagt haben - muss jeder gesunde Mensch arbeiten und da ist es egal, ob er/sie/es als Schwamm arbeitet und die Dinge von irgendjemandem reinigt - nicht wichtig was - oder jemands sehr wichtige Sachen einseift.
       So von ihren offiziellen Pflichten befreit, delegierte Lilli-Bunnys Schwamm die Aufgabe, Lilli-Bunny zu waschen auf ihren jüngeren Kollegen (den neuen Schwamm von Lilli-Bär) und beschäftigte sich selbst damit, Gedichte zu schreiben.
       Im Bad, im warmen Dampf,
       da vergaß ich meinen Traum.
       Ich vergaß mich selbst.
       Und verlor mein ich.
       Mlle. Schwamm rezitierte sinnlich, schaute aus dem Badezimmerfenster und rauchte eine lange Damenzigarette mit einem nicht weniger langen Mundstück aus Amber:
       Meine seifigen Gedanken,
       Oh, lasst mich allein!
       Ich habe mein Leben lang
       Ohren gewaschen,
       Füße gewaschen,
       Hände gewaschen.
       Ich will sterben.
       Ich will mich in Tränen auflösen.
       Und dann, endlich, werden meine Knochen
       eine andere Welt sehen.
       Lilli-Bunny hörte zu und fragte manchmal provokative Fragen, die jeden angehenden Dichter irritieren würden, wie
       - "Aber Mlle. Schwamm, Sie haben doch keine Knochen!"
       - "Lassen Sie mich in Ruhe. Lassen Sie mich in Ruhe", antwortete dann die deprimierte Mlle. Schwamm.
       Mit jedem Tag wuchs die Melancholie von Mlle. Schwamm. Sie versank in Selbstmitleid; sie fühlte sich hinabgezogen von einer unüberwindbaren Kraft kompromissloser weltlicher Erdanziehung; sie wurde immer dicker und zwei Mal fiel sie mit dem Haken, an dem sie hängte, zu Boden.
       Lilli-Bunny begann, sie um Mlle. Schwamm Sorgen zu machen. Er stellte sie einem berühmten Therapeuten und Psychologen vor, dem Neofreudofurzisten Dr. Sargeson, der die Auffassung vertrat, dass es nicht nötig sei, dass für sich zu behalten, was man raus lassen könne. Was die glorreiche neue Richtung in der Psychologie, dem Neofreudofurzismus betraf, waren seine Bücher sehr erfolgreich.
       In seinem Büro stöhnte Mlle. Schwamm nur vor sich hin und gab einige Seifenblasen ab. Dr. Sargeson - wie immer fröhlich, was ja seine Pflicht war -, schlug Mlle. Schwamm vor, auf Reisen zu gehen, aber sie widersprach ihm in Versen:
       "Lasst mich allein. Lasst mich doch alle allein-"
       Dr. Sargesons Frau hatte das einzige Reisebüro in der Stadt und aus einem unerklärlichem Grund mussten alle Patienten von Dr. Sargeson reisen. In der Regel wurde ihnen gesagt, dass sie eine Reise um die Welt machen sollten als Teil ihrer Therapie. Frau Sargeson verkaufte zu diesem all-inclusive Paket immer einen sehr günstigen Umweg über den Mond, denn Dr. Sargeson empfahl all seinen Patienten einen Besuch dieses Himmelskörpers, um die bewiesene therapeutische Wirkung dieser besonders fröhlichen Landschaft zu genießen.
       Mlle. Schwamm versuchte, Dr. Sargeson alles über ihre trockene, unglückliche Kindheit im Geschäft zu erzählen, wo sie anderthalb freudlose Jahre ohne einen Tropfen Seife verbracht hatte und sich zurückgewiesen gefühlt hatte. Aber Dr. Sargeson hatte kein Interesse an ihrer Kindheit. Er war ein wenig enttäuscht darüber, dass Mlle. Schwamm seinen Rat, eine Reise zu machen, nicht annehmen wollte und schlug ihr deswegen als letztes vor, sein neues Buch "Lassen Sie es einfach raus!" zu kaufen, was Dr. Sargeson seinen Patienten überhaupt nicht zu dem spekulativen Preis verkaufte - etwas, was man ihm wirklich zugute halten muss.
       Warum sind Psychologen niemals wirklich zufrieden mit dem, was wir für eine Sitzung zahlen? Warum versuchen sie immer, uns ihre Bücher zu verkaufen? Vielleicht weil uns Autoren immer den psychologischen Rat in ihren Büchern verkaufen wollen? Autoren und Psychologen sind immer im Wettstreit. Wer bekommt denn unser Geld? Sie sind sehr gefährliche Leute, diese Psychologen und Autoren. Manchmal sind sie ehrgeizig, geizig und impulsiv. Autoren lesen nicht. Sie sagen immer "Ich lese nicht. Ich schreibe. Warum sollte ich also lesen?" Und Psychologen haben in der Regel ein chaotisches Privatleben. Und sie sagen "Warum sollte der andere glücklich sein, wenn ich es selbst nicht bin?"
       Vielleicht sagen Sie jetzt: "Sie sind gar kein Psychologe. Sie sind Autor. Warum sagen Sie so etwas?"
       Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich ein guter Autor bin! Vielleicht, weil ich versuche, ehrlich zu sein! Ich weiß jetzt schon, was ich mir mit dem Geld für meinen Literaturnobelpreis kaufen werde (einen neuen Staubsauger. Und zwar einen dieser hypermodernen, der selbst den Schmutz findet, der selbst sein Kabel einrollt, der selbst seinen Staubbeutel wechselt... ach, so etwas gibt es noch nicht? Sind Sie sicher?). Vielleicht fragen Sie jetzt: "Und warum
       sprechen Sie über Staubsauber?". Na ja, wenn man ein guter Autor ist, dann ist es einem egal, was man sagt. Autoren sagen einfach das, was ihnen gerade einfällt.
       Mlle. Schwamm kaufte das Buch nicht, sondern verließ den Psychologen. Sie entschied für sich, dass sie tödlich krank sei und bald sterben werde. Sie hatte die Zeichentrickserie SpongeBob Schwammkopf gesehen und wusste deshalb, dass Schwämme so wie Menschen sind. Sie haben alles: eine Hose, ein Gehirn und sogar eine Seele.
       Lilli-Bunny wollte Mlle. Schwamm von ihren traurigen Gedanken ablenken. Er kaufte ihr Blumen, aber sie sagte nur mit Tragik in ihrer Stimme "Spar' dir die Blumen für meine Beerdigung auf. Ich habe keine Kinder, es wird also niemanden geben, der Blumen auf mein Grab legen wird."
       Lilli-Bunny dachte sich, dass Mlle. Schwamm vielleicht traurig sei, da sie keine eigenen Kinder hatte. Also kaufte er ihr ein Tier als Freund, um das sie sich kümmern könnte und so schließlich ihre Depression vergessen würde. Er kaufte ihr eine Fliege. Diese Fliege war ein pummeliger kleiner Junge, aber Mlle. Schwamm kümmerte sich nicht um ihn und so wuchs ihr pummeliger, kleiner Junge zu einer Müllfliege heran. Er war nicht sehr sauber und wurde schließlich in eine Entzugsklinik geschickt, da er dabei erwischt worden war, wie er grünen Tee rauchte - ein für Fliegen kraftvolles und illegales Aphrodisiakum.
       Also blieb Mlle. Schwamm allein. Ihre Gedichte wurden immer trauriger, sie bekam Kopfschmerzen, sie konnte nicht schlafen und litt unter Trockenheit (Oh mein Gott!). Mlle. Schwamm fiel auseinander.
       Trockene Winde des Todes,
       reist mich auseinander!
       Ich kann nicht glücklich sein!
       Ich kann nicht glücklich sein.
       Ist es deine Kunst,
       mich nass zu machen?
       Dann seife mich ein,
       zum letzten Male - vielleicht...
      
       Als Lilli-Bunny dieses Gedicht hörte, musste er weinen und begann schnell, Mlle. Schwamm einzuseifen. Aber Mlle. Schwamm spuckte die Seife aus und schrie, dass sie keine weltliche Seife brauche sondern spirituelle Seife. Doch Lilli-Bunny verstand nicht, was die arme Schwammseele wollte.
       Lilli-Bunny machte sich sehr große Sorgen um Mlle. Schwamms Gesundheit. Deswegen half er ihr, sich ihren Lieblingsschleier aus Toilettenpapier anzuziehen, ohne den sie nie das Badezimmer verließ und brachte sie schnell zu Dr. Schnellertod, der Mlle. Schwamm einen kompletten Schwamm-Scan (kSS) verpasste, nachdem er in ihre Hauptarterie ein kontrastverstärkendes Shampoo gespritzt hatte.
       Er stellte bei ihr eine akute verallgemeinerte Schwamm-Melancholie (AVSM) und ein chronisches Seifendefizit (CSD) fest und verbot ihr, Gedichte zu schreiben.
       Mlle. Schwamm bat sofort um einen Priester. Die meisten Leute wissen es nicht, und vielleicht war es auch Ihnen unbekannt - aber Schwämme sind sehr religiös.
       Das Schicksal von Mlle. Schwamm entschied sich am Morgen des folgenden Tages, als sie, nachdem sie eine nicht sehr ernste Badesünde gebeichtet hatte, sich darauf vorbereitete, diese unvollendete Welt für eine andere zu verlassen, für eine Welt, wo Sauberkeit kein erzwungenes Bedürfnis sondern eine erreichte Tatsache war.
       Am selben Morgen bemerkte Lilli-Bunny zum Glück, dass Lilli-Bär zu lange herum gelegen hatte und ein wenig uninteressant geworden war. Lilli-Bär bestritt dies nicht, und nahm seinen neuen Schwamm - mit dem sich normalerweise Lilli-Bunny wusch -, und begann, mit dem Schwamm im Teich zu baden.
       Lilli-Bunny, der völlig vergessen hatte, in welcher fürchterlichen Situation sein Schwamm war, packte Mlle. Schwamm, die gerade schlief, vom Haken, seifte sie kräftig ein und benutzte sie entsprechend ihres ursprünglichen Zwecks -- das heißt, zum Baden und nicht, um Gedichte zu schreiben.
       Überraschenderweise erholte sich Mlle. Schwamm sofort und war nie wieder krank.
      
       Kapitel 13
       Lilli-Bunny und die Weltwirtschaft
       Ein Mal bat Lilli-Bär Lilli-Bunny, ihm drei Nüsse zu kaufen. Lilli-Bunny ging in den Supermarkt und bezahlte diese drei Nüsse. Allerdings wurde ihm gesagt, dass 50% an Nuss-Steuern anfallen und dass man ihm daher nur anderthalb Nüsse geben könnte. Deswegen fragte Lilli-Bunny, ob er vielleicht sechs Nüsse kaufen könnte, denn dann würde er nach Abzug der Steuern drei Nüsse haben.
       Nein, wurde im darauf geantwortet, denn es gibt da ein Gesetz, wonach man nur drei Nüsse auf einmal kaufen darf. Aber warum gibt es ein solches Gesetz? Und warum gibt es ein Gesetz, dass es verbietet, Kamele in Arizona zu jagen? Und was ist mit dem Gesetz in Marshalltown, Iowa, dass es Pferden verbietet, von Hydranten zu fressen? Warum ist es in Devon, Connecticut, gegen das Gesetz, nach dem Sonnenaufgang rückwärts zu laufen? Und nicht zu vergessen, das Gesetz in Tennesse, wonach ein Mann vor einem Auto, dass von einer Frau gefahren wird, laufen muss, und dass dieses Auto nicht langsamer fahren darf als 8 km/h!8
       Das bedeutet, die Begrenzung auf drei Nüsse pro Kauf konnte auf einem dummen Gesetz von vielleicht vor 200 Jahren beruhen, als jemand vier Nüsse kaufte und daran erstickte oder in einen anaphylaktischen Schock fiel, da er eine Allergie gegen vier Nüssen hatte, während es ihm mit drei gut ging. Wer weiß das schon? Damit Lilli-Bär nicht traurig war, nahm Lilli-Bunny die Schuld auf sich.
       Aber es wurde schlimmer. Als Lilli-Bunny das nächste Mal einkaufen ging um Nüsse für Lilli-Bär zu kaufen, war das Hinweisschild am Eingang
      
       _____________________________
       8Gemäß www.stupidlaws.com
      
       des Supermarkts gewechselt worden. Anstatt der alten Worte "Willkommen im Supermarkt!" stand nun drauf:
      
       Lilli-Bunny achtete nicht auf solch kleine Änderungen. Fast sofort traf er die Verkäuferin, die die Leute immer betrog und die Lilli-Bunny dieses Extra berechnet hatte, die, die ihm die anderthalb Nüsse verkauft hatte, als Lilli-Bunny für drei gezahlt hatte. Lilli-Bunny verstand, dass ihn die Verkäuferin wahrscheinlich betrogen hatte, aber er legte niemals Widerspruch ein, denn schließlich war er ein loyaler Bürger und hatte fast immer seine Steuern pünktlich gezahlt.
       Aber nun war Frau Weltwirtschaft die Verkäuferin und betrog Lilli-Bunny um drei Nüsse auf ein Mal. Lilli-Bunny stand ganz still und schaute Frau Weltwirtschaft an. In diesem Augenblick erkannte Lilli-Bunny, dass er überhaupt keine Nüsse bekommen würde, gleichgültig, wie viel er bereit war, zu zahlen.
       Aber wir müssen zugeben, werter Leser, dass es für Lilli-Bunny schwer war, diese neuen Regeln zu verstehen. Er verstand das Bedürfnis einer Gesellschaft, sich von einer einheimischen Wirtschaft mit frischem Olivenöl und Milch zu einer globalen Gesellschaft mit Milch, die aus Pulver hergestellt war, und Olivenöl aus Petroleum zu entwickeln. Aber Lilli-Bunny war nicht bereit, ohne Nüsse nach Hause zu gehen, besonders da er für drei Nüsse bezahlt hatte.
       Das alte Geschäft war schon schlecht gewesen. Als er gezwungen war, Lilli-Bär nur anderthalb Nüsse zu bringen, hatte Lilli-Bunny das damit erklärt, dass er die anderen anderthalb während der Fahrt gegessen hatte, damit Lilli-Bär durch die ganzen wirtschaftlichen Verbesserungen nicht gestört wurde. Lilli-Bunny liebte Lilli-Bär so sehr, dass er ihn nicht auf eine solch brutale Art enttäuschen wollte. Lilli-Bär war ein Idealist mit Sinn für das Praktische. Deswegen ging Lilli-Bär naiv davon aus, dass, wenn man für drei Nüsse zahlt, man auch genau drei Nüsse bekommt - und nicht zweieinhalb oder eine und drei viertel, auch nicht eine und ein viertel. Das passierte in anderen Ländern, wo Lilli-Bär aus diesen Gründen nicht leben wollte. Lilli-Bär hatte die revolutionären Bücher von Jean-
      
       Jacques Rousseau gelesen. Seitdem hatte er den Staat beobachtet um festzustellen, ob dieser seine Bürger missbrauche. Lilli-Bunny machte sich deshalb Sorgen, denn dem Staat gefällt es überhaupt nicht, wenn er von seinen Bürgern überwacht wird und wird dann gewöhnlich ärgerlich. Vielleicht ist er fettleibig und denkt, dass sein Körper so fürchterlich ist, dass ihn niemand anschauen möchte.
       Lilli-Bunny lehnte das neue Geschäft respektvoll ab. Für den Preis von drei Nüssen würde er ein Nichts nett eingepackt bekommen (wir müssen zugeben, die Verpackung war besonders nett mit diesen süßen kleinen Ohren aus rotem Papier und für einen Moment hatte sich Lilli-Bunny gedacht, dieses Geschäft trotzdem abzuschließen).
       - "Es tut mir Leid, Frau Weltwirtschaft", sagte Lilli-Bunny höflich, "ich habe eine solche faszinierende Gelegenheit nicht erwartet. Anstatt drei Nüsse bekomme ich jetzt gar nichts, auch wenn das Nichts sehr nett verpackt wird. Aber Lilli-Bär wird das nicht mögen! Er wird sagen 'Ich liebe Nüsse!'. Sind Sie sicher, dass dies die derzeitigen Marketingregeln sind: Nichts zu geben, aber das in einer netten Verpackung?"
       - "Aber natürlich", antwortete Frau Weltwirtschaft und schaute dabei Lilli-Bunny mit ihren ehrlichen, globalen Augen an.
       - "Aber das ist so komisch...", begann Lilli-Bunny.
       - "Was ist daran komisch?", fragte Frau Weltwirtschaft ärgerlich und starrte dabei eifrig auf jeden Gegenstand in der Nähe von Lilli-Bunny, vermied es aber, Lilli-Bunny anzusehen. "Gott steh mir bei, was ist denn los?"
       - "Nun ja, ich bin mir nicht sicher, ob das richtig ist", sagte Lilli-Bunny hartnäckig und versuchte dabei, ruhig zu bleiben (wenn man sich an einem öffentlichen Platz aufregt, kann man leicht verhaftet werden, ja man kann sogar ohne jeglichen Grund eingesperrt werden. Das ist einer der Vorteile in unserer Gesellschaft - heute kann man überall zu jeder Zeit eingesperrt werden. Das ist ungeheuer praktisch).
       - "Wissen Sie wie teuer es war, das Hinweisschild zu ändern? Wir haben unwahrscheinlich viel Geld dafür ausgegeben, wirklich global zu sein", argumentierte Frau Weltwirtschaft und war dabei sehr überzeugend. Ständig bedrängte sie Lilli-Bunny mit ihrer globalen Gestalt, und Lilli-Bunny dachte sich, dass es wahrscheinlich Zeit sei, nach Hause zu gehen,
       bevor es schlimmer werden würde. Aber Frau Weltwirtschaft fuhr fort:
       - "Sie sind ein intelligentes Mitglied unserer Gesellschaft. Sie müssen verstehen, dass der Genuss von Nüssen keines der einfachen Bedürfnisse von Lilli-Bären ist entsprechend der Skala der Bedürfnisse, die vom großen amerikanischen Soziologen, M.A. Langsam, entwickelt wurde. Deswegen wird der Kauf von Nüssen nun mit 100% besteuert, der Käufer erhält als teilweise Entschädigung eine eine sofortige Abfindung in Form einer sehr kreativen Verpackung. Natürlich müssen Sie Ihren Antrag für die korrekte Einreichung der Steuern für die Nüsse ausfüllen. Hier, das ist er! Nehmen Sie das Formular N.U.T.S. 433, füllen Sie es aus und bringen sie es mir zurück, wenn Sie es ausgefüllt haben."
       Lilli-Bunny nahm das Formular und sagte sogar noch "Danke". Dann dachte er kurz nach und fragte Frau Weltwirtschaft nochmal:
       - "Sind Sie sicher, dass dies das richtige Formular ist? Ich habe noch nie davon gehört, das Steuern 100% betragen können."
       - "Sobald die Wirtschaft global wird, wird alles global. Und global, Herr Lilli-Bunny, bedeutet nun mal 'total global'. Falls Sie dies nicht in der Schule gelernt haben, erkläre ich ihnen dies gerne noch einmal", antwortete Frau Weltwirtschaft mit großer
       Zurückhaltung.
       - "Aber was ist denn das Grundbedürfnis meines Lilli-Bären nach Ihrem M.A. Langsam?"
       - "Nun ja, laut der Skala von M.A. Langsam ist Porridge ein Grundbedürfnis für Lilli- Bären. Deswegen ist der Verzehr von Porridge
       auch fast steuerfrei, man muss nur die Örtlichen Porridgesteuern (PS) zahlen, die, soweit ich weiß, nicht hoch sind. Es sollte nur ein Löffel pro zwei Päckchen gegessen werden."
       - "Aber Lilli-Bär hat angefangen, Rousseau zu lesen, und jetzt ist das, was hier passiert, für ihn eher Raub - und nicht nur für ihn, sondern auch für mich."
       - "Sie, Herr Lilli-Bunny haben kein wirkliches Verständnis für die Entwicklung der Weltwirtschaft", sagte Frau Weltwirtschaft mit
       aufrichtiger Enttäuschung in ihrer Stimme.
       - "Aber wie können die Leute bei solchen Zuständen überleben?", fragte Lilli- Bunny.
       - "Nun ja, vielleicht brechen sie das Gesetz und weigern sich, ihre Steuern zu zahlen. Das ist ihnen überlassen. Aber wenn wir das
       herausfinden, werden sie für den Rest ihres Lebens ins Gefängnis gesteckt"", sagte Frau Weltwirtschaft sehr
       überzeugend. "Das ist ein freies Land. In einem freien Land kann jeder ins Gefängnis gehen, wenn er möchte!
       - "Das heißt also, dass Sie jeden ins Gefängnis bringen?", rief Lilli-Bunny mit Verzweiflung.
       - "Nicht unbedingt. Aber es ist ganz gut, dass jeder so seine kleinen Sünden hat. Dann fühlen sich alle schuldig und können leichter
       kontrolliert werden, so wie Kinder."
       - "Aber wie soll Lilli-Bär ohne Nüsse überleben? Er liebt sie doch so sehr!" Lilli- Bunny fing fast an zu weinen.
       - "Entschuldigen Sie bitte, aber ich weigerte mich nicht, Ihnen Nüsse zu verkaufen. Ich habe lediglich die Steuern eingetrieben", antwortete Frau Weltwirtschaft kalt.
       - ""Ja aber wo geht denn das ganze Geld hin?", fragte Lilli-Bunny nun
       misstrauisch.
       - "Wie bitte? Schauen Sie denn kein Fernsehen? Wissen Sie denn nicht, dass wir den Afrikanern helfen?", fragte Frau Weltwirtschaft, nun selbst ein wenig verwirrt.
       - "Sie schicken ihnen also Essen? Sie schicken ihnen die Nüsse, die Sie Lilli-Bär wegnehmen?", fragte Lilli-Bunny nun mit der kleinen Hoffnung, dass all dieses Leiden für eine noble Sache ist. "Lilli-Jake hilft den Kindern in Afrika schon sehr lange. Jeden Sonntag schickt er ihnen ein Brötchen."
       - "Oh, dass ist wirklich nett von ihm. Aber ich sehe, sehr geehrter Herr Lilli-Bunny, dass Sie überhaupt keine Ahnung davon haben, wie die Weltwirtschaft funktioniert," sagte Frau Weltwirtschaft. "Wir verkaufen Nüsse und kaufen von dem Geld warme
       Stiefel."
       - "Ja, aber warum brauchen die Menschen warme Stiefel in Afrika? Es ist da doch so heiß!" Lilli-Bunny war absolut überrascht, als er das hörte.
       - "Haben Afrikaner warme Stiefel?", fragte Frau Weltwirtschaft.
       - "Nein", antwortete Lilli-Bunny.
       - "Sehen Sie! Den Afrikanern fehlen also warme Stiefel. Um die Wirtschaft in Afrika auszugleichen, schicken wir ihnen warme Stiefel.
      
       Und die Afrikaner verkaufen diese Stiefel dann an Leute am Nordpol, die wiederum als Gegenleistung Flaschen ohne Schnaps nach Afrika schicken9. In Afrika benutzen Sie die Flaschen dann, um Molotow-Cocktails zu machen und um zu kämpfen", erklärte
       Frau Weltwirtschaft.
       - "Und gegen wen kämpfen sie?", fragte Lilli-Bunny.
       - "Das ist doch egal. Es sind unabhängige Länder, die gegen jeden, gegen den sie kämpfen möchten, kämpfen können. Wir können uns nicht in diese Wahl einmischen. Nichteinmischung ist die Grundlage unseres demokratischen Prinzips", erklärte Frau Weltwirtschaft stolz.
       - "Das verstehe ich nicht...", sagte Lilli-Bunny frustriert.
       - "Sie sollen das ja auch nicht verstehen. Überlassen Sie es mir, sich
       darüber Sorgen zu machen. Sie zahlen Ihre Steuern und sind ruhig. Sie leben nicht in Afrika, also seien sie glücklich; wir kümmern uns um den Rest", antwortete Frau Weltwirtschaft höflich.
       - "Aber
       wie soll Lilli-Bär denn glücklich werden ohne seine Nüsse?", fragte Lilli- Bunny wieder und zwickte Frau Weltwirtschaft schmerzhaft ins Bein.
       Überraschenderweise regte sich Frau Weltwirtschaft darüber auf und fragte:
       - "Warum tun Sie das?"
       __________________________________________
       9Wenn Sie denken, das könnte niemals in der "wirklichen Welt" passieren überliegen Sie sich das folgende: Ich kenne einen LKW-Fahrer, der mit Zwiebeln, die in Kanada gewachsen sind, nach Mexiko fährt. In Mexiko werden die Zwiebeln dann in Tüten verpackt. Und derselbe LKW-Fahrer fährt die eingetüteten Zwiebel wieder zurück nach Kanada, wo sie verkauft werden
       Ein anderes Beispiel: LKW mit Coca Cola wird in beide Richtungen über die amerikanisch-kanadische Grenze transportiert.
       Viele dumme Sachen passieren in der Weltwirtschaft von heute.
       Gestern hab ich in der französischen Zeitung Le Figaro gelesen, dass der moderne Philosoph Alain Finkielkaut gesagt hat:
       "Notre société est toujours plus rationelle, mais aussie de moins en moins raisonnable"*
       Unsere Gesellschaft wird immer rationaler, aber immer weniger vernünftig.
       *Le Figaro, Nr. 1307, 12. November 2005, Seite 62
       - "Ich verhindere so das Stagnieren des Prozesses", sagte Lilli-Bunny schlau.
       - "Oh, das ist sehr gut, das ist gut für die Wirtschaft", sagte Frau Weltwirtschaft und schenkte Lilli-Bunny eine Nuss als Belohnung dafür, die Weltwirtschaft aktiviert zu haben. Sie begann, sich selbst zu zwicken, bis Lilli-Bunny gegangen war und sich
       hinter Regalen versteckte. Nachdem Frau Weltwirtschaft sichergestellt hatte, dass Lilli- Bunny wirklich gegangen war, aß sie unbemerkt von den anderen viele der Nüsse, die Lilli-Bunny für Lilli-Bär hatte kaufen wollen und schien tief in Gedanken über die Unterhaltung mit Lilli-Bunny zu sein.
       Wegen dieser unverantwortlichen Handlung von Frau Weltwirtschaft bekamen die Afrikaner keine warmen Stiefel. Das hatte zur Folge, dass die Leute im Norden schon bald zu viele leere Flaschen hatten und begannen, sich zu unterhalten, indem sie Papierschnitzel mit dem Text "Rettet unsere Seelen!" in die Flaschen steckten und diese Flaschenpost ins Meer warfen. Als die Rettung kam, sahen die Retter, dass die Leute des Nordens nur einen Witz gemacht hatten. Sie lachten über diesen Witz und blieben dort, um Schnaps zu trinken.
       Es muss nicht weiter erwähnt werden, dass es im Laufe der Zeit keine Flaschen mehr gab. Die Konflikte hörten sofort auf.
       Ein Afrikaner, der ein Brötchen von Lilli-Jake erhalten hatte, hatte plötzlich die Idee, etwas Weizen anzubauen und sein eigenes Brötchen zu machen. Und er fragte sich: "Warum hab ich daran nicht schon vor Jahren gedacht?"
      
       Kapitel 14
       Lilli-Bunny und seine Neurose
       Es war tiefschwarze Nacht und in Lilli-Bunnys Haus war alles still und leise. Nur die große Standuhr schlief nicht - sie schlief am Tag und ging nachts im Haus herum und machte Lärm. Die Katzen schnarchten unisono. Lilli-Bunnys Linker Pantoffel schlief unruhig und murmelte ständig, "Verteilt den Reichtum." Lilli-Bunnys alte Standuhr lief ruhig durchs Haus, manchmal gönnte sie sich saure Sahne aus Lilli-Bunnys Kühlschrank. Vielleicht wussten Sie es nicht, werter Leser, aber alle Standuhren brauchen frische Milchprodukte. Ohne rahmiges Essen schlagen sie jeden, den sie mit ihren Pendeln erreichen, aber wenn sie etwas rahmiges zum Essen bekommen, dann sind sie ruhig. Die Standuhr trank ihre saure Sahne aus, schaute auf das elektronische Display an der Mikrowelle, wo sie die Zeit ablesen konnte, und fluchte. "Es ist schon verdammt spät, es ist schon zwanzig nach drei und ich habe nicht ein Mal geschlagen. Verfluchtes Alter, tick-tack...". Lilli-Bunnys Uhr war so alt, dass sie selbt die Uhrzeit nicht mehr zählen konnte. Die alte Uhr verachtete die elektronische Uhr der Mikrowelle, kontrollierte dort aber immer die Zeit. Die Standuhr ging mit schwerem Gang zu ihrem Platz im Esszimmer und wischte mit einer Serviette über ihr Gesicht, um die letzten Reste saure Sahne zu entfernen.
       "Bohm" läutete Lilli-Bunnys Standuhr. Normalerweise machte sie ihre "Bohms" ohne Eile. Manchmal waren die Pausen zwischen den einzelnen "Bohms" so lang, dass keiner wusste, ob jedes "Bohm" zur vorherigen Stunde gehörte oder bereits zur nächsten. Die Standuhr hörte sich die Ruhe an, denn ihr "Bohm" hatte niemanden geweckt. Sogar die nervöse Basia war nicht aufgewacht, obwohl sie auf der Decke des alten großen Pianos schlief, dass genau im selben Zimmer war wie die Standuhr. Das
      
       Piano schlief friedlich. Es träumte, dass Lilli-Bär endlich seine Noten gelernt hatte und eine annehmbare Version von Chopins "Nocturne" spielte. Das große Piano vermisste dieses Meisterstück sehr, denn niemand hatte es seit bestimmt einem halben Jahrhundert mehr gespielt. Lilli-Bär spielte meistens seine eigenen Kompositionen, was sich am Ende immer wie die bekannte Melodie des Volksliedes "Lilli-Bär hat einen freien Tag..." anhörte.
       Die Standuhr, jetzt in Eile, machte zwei weitere "Bohms" und schlief ein, nachdem sie sich an die Wand gelehnt und in weiser Voraussicht beide Gewichte auf den Boden gelegt hatte, sodass Lilli-Bunny am nächsten Morgen sich nicht darüber beschweren würde, "warum diese Uhr nie tagsüber schlägt. Sie macht so viel Lärm, sie schlägt um sich und isst die ganze saure Sahne und den Hüttenkäse im Haus in der Nacht!" Das Haus versank in eine tiefe Stille und nur einmal hörte man Lilli-Bär im Schlaf rufen "Land". Nicht zum ersten Mal träumte er von Jules Vernes Roman, wo er ein Matrosenbär war, der auf einem echten Schiff reiste.
       Plötzlich klopfte jemand an die Tür: "Klopf. Klopf. Klopf."
       Lilli-Bunny wachte sofort auf. Er war nicht überrascht. Es passierte öfters, das Nachbarn an Lilli-Bunnys Haus klopften und unschuldig fragten, ob sie sich vielleicht ein paar Zwiebeln oder ein Paar Sonnenbrillen ausleihen könnten. Lilli-Bunny weckte seine beiden Pantoffel auf, denn er wollte nicht barfuß durch das ganze Haus laufen, nahm die Zwiebel und die Sonnenbrille vom Nachttisch und murmelte, ohne ärgerlich zu sein, "wer klopft denn da, verdammt noch mal?" obwohl er mit Sicherheit wusste, dass dies sein netter Nachbar Herr Drückhart war, der nachts Ahornsirup aus dem Feuerholz einer Birke quetschte, nachdem er es mit frischer Zwiebel eingerieben hatte, um es weicher zu machen. Die Sonnenbrille war nötig, damit er wegen der Zwiebel nicht weinen musste. Herr Drückhart mochte es gar nicht, wenn er wegen etwas oder irgendjemandem weinen musste; er zog es vor, andere zum Weinen zu bringen. Davon abgesehen war er ein sehr angenehmer Gentleman am Anfang seiner Pensionierung. Ach, Sie haben gedacht, dass Lilli-Bunnys Nachbar einer dieser zurückgebliebenen Personen war, die die Einweisung in irgendeiner dieser Einrichtungen erwartete? Falsch! Nun sehen Sie, dass dieser Mann ein ehrenwertes Geschäft betrieb und nicht einfach nur herumblödelte, wie es die meisten von uns tun! Nur keine voreiligen Schlüsse ziehen! Kichern Sie ja nicht und sagen Sie nicht: "Warum, um Himmels Willen,
       braucht denn ihr Nachbar eine Sonnenbrille in der Nacht? Das ist doch erbärmlich!" Sie selbst sind armselig, wenn Sie voreilige Schlüsse ziehen. Man muss die Arbeit der anderen respektieren, besonders wenn es sofort mit einem kleinen Glas herrlichen Ahornsirups belohnt wird, den der dankbare Nachbar gewöhnlich als ein fast kostenloses Geschenk bringt und das als Zeichen der Freundschaft gilt. Lilli-Bunny machte Lilli-Bär mit diesem Ahornsirup eine Freude und beachtete diese kleinen Unannehmlichkeiten mitten in der Nacht nicht weiter.
       Sehr verehrter Leser, bitte fangen Sie nicht wieder damit an. Sagen Sie nicht "Was für ein Mist! Worüber reden Sie denn gerade? Man kann keinen Ahornsirup aus dem Feuerholz von Birken rausquetschen!" Vielleicht sagen Sie auch,
       dass die Standuhr keine saure Sahne isst. Wenn dem so ist, dann klappen Sie bitte das Buch jetzt zu. Denn jetzt beginnt der interessanteste und unglaublichste Teil dieser Geschichte (ich habe nicht gesagt, dass alles in diesem Buch wahr ist, oder? Wahre Geschichten sind in der Regel die unglaublichsten).
       Lilli-Bunny öffnete die Tür, die Zwiebel und die Sonnenbrille in der Hand. Auf der Türschwelle stand Lilli-Bunnys Neurose.
       - "Hast du den Teekessel ausgeschaltet?", fragte sie ängstlich.
       - "Ja, habe ich", sagte Lilli-Bunny und schloss die Tür.
       Nachdem er die Sonnenbrille und die Zwiebel auf den Schrank bei der Tür legte (für den Fall, dass Herr Drückhart doch noch diese Nacht kommen sollte), ging Lilli-Bunny wieder in sein Schlafzimmer. Dabei ging er durch die Küche und kontrollierte den Teekessel - nur für alle Fälle. Man konnte ja nie wissen.
       Kaum hatte Lilli-Bunny seine Augen wieder geschlossen, hörte er wieder ein Klopfen an der Tür. Aber jetzt war das Klopfen anders - sehr hartnäckig und nervös. Lilli-Bunny sprang aus seinem Bett und dachte sich, "vielleicht ist es ja Herr Bolzenkopf". Dieser Nachbar fragte Lilli-Bunny immer nach Bolzen, und er fragte immer in der Nacht. Gewöhnlich arbeitete Herr Bolzenkopf mit den Bolzen, um so keine ungewollte Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft auf sich zu ziehen, denn die Nachbarn mochten es gar nicht, wenn die Leute versuchten, Aufmerksamkeit auf irgendetwas zu ziehen. Lilli-Bunny nahm eine Tasche mit Bolzen und rannte die Stufen runter, um die Tür zu öffnen. Auf der Türschwelle stand wieder Lilli-Bunnys Neurose.
       - "Bitte entschuldigen Sie, Monsieur Lilli-Bunny", sagte sie sehr höflich und betonte dabei die letzten Silbe in Lilli-Bunnys Namen, den sie so schön französisch aussprach. Allerdings hatte sie Mühe, ihre Aufregung zu unterdrücken. "Haben Sie Ihre Blumen abgedeckt? In der Nacht könnten Sie austrocknen."
       - "Nein, nein, sie werden nicht austrocknen. In der Nacht scheint doch die Sonne nicht", sagte Lilli-Bunny und wollte die Tür schon wieder zumachen.
       - "Und was ist, wenn eine Supernova aufflammt?", fragte Lilli-Bunnys Neurose unruhig.
       Lilli-Bunny dachte einen Moment darüber nach und machte die Tür weiter auf. Er wusste von Lilli-Bär, dass, wenn eine Supernova verlöscht, die Blumen mit einem Tuch abgedeckt werden müssen, damit sie von der harten Strahlung verschont bleiben. Lilli-Bunny schüttelte höflich die Hand seiner Neurose und beide gingen zusammen in den Garten hinterm Haus, um die Blumen mit einem Stück Tuch zu bedecken. Nachdem sie diese komplizierte Prozedur hinter sich gebracht hatten, wünschten sie sich "Gute Nacht" und Lilli-Bunny ging in sein Bett. Während er einschlief, sortierte er seine Gedanken und war zufrieden, den Teekessel abgeschaltet und die Blumen abgedeckt zu haben.
       Dann hörte er, wie es wieder an seiner Tür klopfte. Der Besucher klopfte so laut, dass Lilli-Bunny aus seinem Bett fiel. Nach einigen Momenten und ohne Atem ließ er seine Pantoffel vorausgehen, raste die Treppen runter und versuchte dabei, nicht in Panik zu geraten. Wieder öffnete er die Tür, wieder war es seine Neurose. Diesmal war ihr Haar völlig durcheinander und ihre kleinen, unglücklichen Augen leuchteten fieberhaft in der Dunkelheit. "Du hast dein Portemonnaie im Supermarkt vergessen!" Lilli-Bunnys Neurose schrie fast.
       Lilli-Bunny sprang - ohne darüber nachzudenken oder diese ungewöhnliche Behauptung zu prüfen - in sein Auto und gemeinsam fuhren sie zum Supermarkt. Nur war dort nicht das Portemonnaie. Sie fanden nur Berge von leeren Nussschalen der Nüsse, die Frau Weltwirtschaft aus Versehen nach der morgendlichen Diskussion mit Lilli-Bunny gegessen hatte.
       Lilli-Bunny fuhr nach Hause, wo er sein Portemonnaie auf der Kommode fand. Lilli-Bunnys Neurose entschuldigte sich höflich und verließ respektvoll das Haus mit dem Versprechen, Lilli-Bunny nicht weiter zu stören.
       Lilli-Bunny ging wieder ins Bett, fest entschlossen, nicht mehr aufzuwachen, wenn seine Neurose doch wiederkommen sollte, obwohl sie was anderes versprochen hatte. Aber sobald sich Lilli-Bunny in seine netten Bettlaken eingekuschelt hatte, kratzte jemand am Fenster.
       Lilli-Bunny dachte, eine seiner Katzen wäre vielleicht aus dem Fenster gehüpft als er zum Supermarkt gefahren war, um dort nach seinem Portemonnaie zu suchen. Nun würde der hungrige Fuchs seine Katze fressen! Entsetzt rannte Lilli-Bunny zum Fenster und öffnete es. Er rief seine Katze, aber es war nur die Neurose, die ihr Gesicht gegen das Fenster presste.
       - "Hast du den Hamster gefüttert?", fragte sie zitternd.
       - "Der Hamster ist doch schon vor langer Zeit ausgezogen!", antwortete Lilli-Bunny unruhig und schlug das Fenster zu. Und dennoch lief er die Stufen runter und schrieb eine Nachricht - "Essen im
      
       Kühlschrank" - nur für den Fall, dass Hamster Hamlet doch unerwartet zurückkommen würde.
       Dann versuchte Lilli-Bunny noch einmal, zu schlafen. Aber sein Friede währte nur kurz, denn irgendetwas im Kamin von Lilli-Bunnys Haus raschelte. Lilli-Bunny öffnete die Ofenklappe und seine Neurose fiel aus dem Kamin.
       "Hör mal zu!", sagte Lilli-Bunnys Neurose unruhig. "Riecht es hier nicht irgendwie nach Kohlendioxid?" Lilli-Bunny war ein gut erzogenes Bunny und wusste, dass Kohlendioxid nicht riecht, aber er schnupperte trotzdem in der Luft herum.
       "Nein, ich rieche nichts," sagte er nervös, dann stieß er seine Neurose den Kamin zurück und schloss die Ofenklappe. Lilli-Bunny entschied sich, ins Badezimmer zu gehen, denn er glaubte, nicht mehr viel Schlaf in dieser Nacht zu bekommen. Auf dem Weg zur Toilette öffnete er alle Fenster im Haus, nur für den Fall, dass Neurose doch Recht hatte mit dem Kohlendioxid. Allerdings war Sommer und der Kamin war schon seit drei Monaten nicht mehr angezündet worden, aber schließlich müssen wir alle vorsichtig sein. Im Bad hob Lilli-Bunny den Toilettendeckel und da, in der Toilettenschüssel saß seine Neurose.
       "Warum hast du alle Fenster aufgemacht?" schrie Lilli-Bunnys Neurose, "Lilli-Bär wird sich erkälten!" Lilli-Bunny schlug den Toilettendeckel zu und fing an zu laufen, um die Fenster wieder zuzumachen. Aber schon am ersten Fenster saß Lilli-Bunnys Neurose durch und durch nass, da sie ja gerade von der Toilette kam. Deswegen musste die Neurose zuerst abgetrocknet und dann mit warmen Tee und Himbeeren aufgewärmt werden.
       Lilli-Bunnys Neurose hörte nicht auf zu zittern und mit klappernden Zähnen fragte sie:
       - "Und was ist, wenn deine Decke einstürzt?"
       Lilli-Bunny fing an zu laufen und stützte seine Decke ab.
       - "Und was ist, wenn plötzlich ein Meteorit herunterfällt?"
       Lilli-Bunny kletterte auf das Dach und befestige Kissen auf den Dachziegeln, um den Aufprall abzudämpfen.
       - "Und was ist, wenn..."
       - "Und..."
       - "U..."
       Das ging so weiter bis in den frühen Morgen.
       In der folgenden Nacht nahm Lilli-Bunnys Neurose eine Schlaftablette und wickelte sich selbst bequem in die Bettdecke ein. Lilli-Bunnys Neurose lebte in einer kleinen Grube in der alten Eiche, die in Lilli-Bunnys Garten wuchs. Lilli-Bunny schloss die Tür zu dieser Grube in der Nacht, nur für alle Fälle. Die Neurose entschied sich, diese Nacht nirgendwo hinzugehen.
       Jemand klopfte an ihre Tür. Es war Lilli-Bunny.
       - "Sag mal, hast du den Teekessel abgeschaltet?", fragte er unruhig.
       Die Neurose umarmte Lilli-Bunny und sagte:
       - "Willkommen im Club!"
       Dann sahen sie gemeinsam nach dem Teekessel und tranken dann Tee mit Schlaftabletten. Lilli-Bunnys Neurose schlief diese Nacht im Korb von Goldkatze, die niemals im Korb sondern irgendwo anderes im Haus schlief.
       Seit diesen beiden Nächten lullte Lilli-Bunny seine Neurose zur Bettgehzeit immer mit etwas warmer Milch mit Honig ein und ging nur dann ins Bett, wenn seine Neurose eingeschlafen war. Sie rannten nicht länger im Haus mitten in der Nacht herum. Aber ein anderer Mieter wohnte nun in der Grube in Lilli-Bunnys Eiche - es war die Neurose von Herrn Drückhart, der eines Nachts den letzten Tropfen aus seinem Feuerholz der Birke gequetscht und so seine Neurose zu einem völlig nervösen Wrack gemacht hatte.
      
       Kapitel 15
       Lilli-Bunny und sein Anwalt
       An einem Abend war Lilli-Bunny so müde, dass er so schnell wie möglich hoch in sein Badezimmer lief. Er hatte gerade einen Termin mit einem Herr Problemson abgemacht, der ihm versprochen hatte, Lilli-Bunny bei all seinen Problemen zu helfen. Herr Problemson hatte eine solide Kanzlei in der nahen Stadt. Lilli-Bunnys Problem war eine Entscheidung der Regierung aus dem Jahre 1882, die es dem Staat erlaubte, mitten durch Lilli-Bunnys Grundstück - überwiegend durch Lilli-Bunnys Garten hinter dem Haus - eine Straße zu bauen.
       Aus diesem Grund hatte der Bürgermeister ein rechtmäßiges "Durchgangsrecht", das bedeutete, jeder konnte zu jeder Zeit einfach durch den Garten laufen. Aber das war nicht wirklich der Beginn der Probleme gewesen. Die ganzen Jahre, die Lilli-Bunny nun in diesem Haus lebte, hatte ihn dieses Recht nie gestört, auch nicht einen anderen Bewohner des Hauses. Jedes Mal, wenn der Bürgermeister durch den Garten ging, schloss Lilli-Bunny seine Katzen im Haus ein, damit sie nicht unter die Räder des Konvois des Bürgermeisters gerieten. Lilli-Bunny legte auch seinen Briefkasten an die kurze Leine, damit er nicht die sechs Pferde jagte, die die Kutsche des Bürgermeisters zogen. Und jedes Mal, wenn dieses ganze Gefolge an Lilli-Bunnys Haus vorbeizog, zog Lilli-Bär seine so geliebte nationale Fahne, die ständig krank wurde, ein, und entknotete die unglaublichen Knoten, mit denen sich die Fahne selbst zugeknotet hatte, denn es war schließlich nötig, die Fahne einzuziehen, ohne dabei die Würde des Staates zu verletzen.
       Dann hängte Lilli-Bär die Fahne aus seinem Fenster und sang die Nationalhymne feierlich und besonders laut, wenn die Mitarbeiter des Bürgermeisters dessen Kutsche, nachdem die Räder im Schlamm steckengeblieben waren, auf ihre Schultern hoben, und wenn sie mit Abscheu barfuß über das braune Wasser gingen und so seine Ehren über den Atlantischen Ozean - die unglaublich große Pfütze in Lilli-Bunnys Auffahrt -- brachten.
       Lilli-Bär verwechselte gottlos einige Wörter in der Nationalhymne, aber der Bürgermeister lächelte ihm nur zu.
       Lilli-Bunnys Probleme begannen in dem Zeitpunkt, als seine Ehren, der Bürgermeister, das Recht, Lilli-Bunnys Garten zu durchqueren, an seinen Vertreter abtrat. Dieser Vertreter war in der Regel von vielen Assistenten umgeben, die rauchten und auf Lilli-Bunnys Grundstück die ganzen Zigarettenkippen verstreuten. Die Fahne war so unzufrieden, dass sie sich selbst in dreifache Knoten einwickelte und nicht mehr hinaus gehängt werden konnte.
       Lilli-Bär versuchte mehrere Male, "Herzlich Willkommen Vertreter des Bürgermeisters" zu singen, aber der Nachname des Beamten reimte sich schlecht mit dem restlichen Text der Nationalhymne. An dem Tag, als Lilli-Bunny so müde war und zu seinem Bett rannte, hatte er die ganzen Zigarettenkippen, die der Vertreter des Bürgermeisters weggeschmissen hatte, aufgesammelt; deswegen hatte Lilli-Bunny auch einen Termin mit Herr Problemson vereinbart, um das Durchgangsrecht von der Urkunde des Lilli-Hauses zu löschen. Denn schließlich war die Straße vor 100 Jahren gebaut worden, 15 km südlich von Lilli-Bunnys Grundstück. Es war nun wirklich nicht mehr nötig, Lilli-Bunnys Auffahrt und Garten mit Zigarettenkippen zu verschmutzen. Die Fahne stimme hundertprozentig Lilli-Bunnys Entscheidung zu und erklärte seinen Nachbarn im Schrank, den unpatriotischen Mops, dass er keinen Grund hatte, sich selbst rauszuhängen, wenn es nicht der ehrenwerte Bürgermeister selbst war. Und die Mops lachten über die Fahne, denn sie beneideten ihren blaublütigen Verwandten sehr.
       Am nächsten Morgen zog Lilli-Bunny seinen Geschäftsanzug an, der aus einem schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift
      
       bestand und aus einer schwarzen Sportshorts und machte sich auf, den Anwalt zu besuchen.
      
       Rechtsanwalt Problemson bat Lilli-Bunny in sein Büro und sagte sofort, dass dies keine einfache Sache sei. Er sprach zwei Stunden über die Geschichte dieser Frage, sprach aber die Frage selbst nie an.
       Anwälte haben gelernt, so zu reden, um vor Gericht zu gewinnen. Man kann einen Fall nur dann gewinnen, wenn man jeden im Gerichtssaal mit seinem Monolog einschläfert. Und so hatte sich dies zu einer Berufskrankheit aller Anwälte entwickelt. Wenn die Ehefrau ihren Mann den Rechtsanwalt fragte, ob er Tee oder Kaffee möchte, begann er, die Geschichte zu dieser Frage zu erörtern, gab aber niemals eine konkrete Antwort. Allerdings müssen wir zugeben, dass kein Anwalt, der so sprechen kann, für irgendetwas verantwortlich gemacht werden kann, denn schließlich sagt oder tut er ja nie etwas und kann somit auch für nichts verantwortlich sein.
       Lilli-Bunny hörte geduldig zu, musste am Ende aber dann doch fragen:
       - "Also, wie können wir das Problem lösen?"
       - "Nun ja, es ist schon möglich, aber es gibt ein kleines Hindernis", sagte Herr Problemson.
       - "Oh, dass ist gut. Ein kleines Hindernis ist kein Problem. Also! Was muss getan werden?", fragte Lilli-Bunny enthusiastisch.
       - "Es ist ganz einfach. Sie müssen nur einige geringe Änderungen an Ihrem Grundstück vornehmen, bevor wir einen Antrag stellen können, damit das Durchgangsrecht gelöscht wird", sagte Herr Problemson.
       - "Kein Problem. Was sind das für Änderungen?", fragte Lilli-Bunny.
       - "Eigentlich muss nur eine Sache geändert werden - um genau zu sein..." fügte Herr Problemson hinzu, nachdem er in einigen Gesetzbüchern geblättert hatte.
       - "Und - was sind das für Änderungen...", fragte Lilli-Bunny, nun ein wenig ungeduldig.
       - "Sie müssen Ihr Haus zerstören", vervollständigte Herr Problemson den Satz und für fort mit seiner höflichen Erklärung. "Gemäß der Regelung von 1892 ist es so, dass das Durchgangsrecht nur von der Urkunde gelöscht werden kann, wenn der Antragsteller beweist, dass auf dem fraglichen Grundstück weder Gebäude, noch Schuppen oder andere Strukturen stehen. Warum es eine solche Regelung überhaupt gibt hängt mit der Verworrenheit in den alten Zeiten zusammen. Aber machen Sie sich bitte keine Sorgen, Herr Lilli-Bunny. Das ist der normale Vorgang und
       ich empfehle Ihnen, ohne zu zögern fortzufahren, denn die Tätigkeit des momentanen Vertreters seiner Ehren, dem Bürgermeister, endet jetzt, am kommenden Freitag. Ich habe es aus zuverlässiger Quelle, aus dem Kreis der Vertrauten des Bürgermeisters, dass er vorhat, Herrn Elefantson aus der Planung zu seinem Vertreter zu ernennen. Normalerweise reiten Herr Elefantson und sein Team auf Elefanten, wenn sie die Grundstücke meiner Mandanten überqueren, und ich kann ihnen versichern, wenn sie durch Ihren Garten gegangen sind werden Sie sich an die guten alten Zeiten erinnern, als Sie nur Zigarettenkippen einsammeln mussten."
       Die moderne Gesellschaft neigt dazu, ihre Mitglieder in absolut hoffnungslose Situationen zu bringen. Das war nun der Fall mit Lilli-Bunny und seinem Haus. Es war eine dumme Verordnung, die von irgendjemand Betrunkenen oder einem verrückten Gesetzgeber vor hundert Jahren geschrieben worden war und den armen Lilli-Bunny nun in ein fürchterliches Dilemma brachte - soll er sein Haus zerstören oder den Rest seines Lebens damit verbringen, die Hinterlassenschaften von Elefanten in seinem Garten wegzuräumen?
       Lilli-Bunny war eine sehr reservierte Persönlichkeit und zeigte nicht sehr viel von seinem Frust. Er öffnete nur seinen Mund und begann sehr laut zu schreien:
       - A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!- A!
       Lilli-Bunny versuchte auch, gleichzeitig seinen Mund, seine Augen und seine Ohren mit seinen beiden Händen zu bedecken. Herr Problemson schaute in Ehrfurcht, denn er glaubte, den vielarmigen Gott vor sich zu sehen. Dann kniete er sich hin und betete. Als Herr Problemson jung gewesen war, hatte er sich zu einer fremden Sekte hingezogen gefühlt, in der er gelernt hatte, diesen mächtigen und alten Gott zu ehren.
       Und da war es auch gewesen, wo er Herrn Elefantson kennen gelernt hatte, mit dem er bis heute gut befreundet war und der auch die Quelle für Herrn Problemsons Informationen aus dem inneren Kreis des ehrenwerten Bürgermeisters war.
       Lilli-Bunny hörte nicht auf zu schreien und Herr Problemson ergänzte seinen ersten Eindruck mit der folgenden Erkenntnis:
       "Ich glaube, dass ist kein vielarmiger Gott."
       Herr Problemson erhob sich und goss Wasser in ein Glas, damit Lilli-Bunny aufhörte zu weinen. Lilli-Bunny lehnte ab und zahlte für die Zeit, in der Herr Problemson ihm seinen
       wertvollen Rat erteilt hatte. Dann fuhr Lilli-Bunny nach Haus, wo er allen Bewohnern von dem Problem erzählte, dass so unerwartet eingetreten war.
       Bevor Lilli-Bunny das Büro von Herrn Problemson verlassen hatte, hatte dieser versprochen, das Lilli-Haus zu besuchen um sicher zu gehen, dass jeder diese Information richtig verstanden hatte und um mit der Familie zu Abend zu essen.
       Herr Problemson mochte es, auch privat mit seinen Mandanten in Kontakt zu stehen, besonders wenn ihn diese Mandanten zum Mittag- oder Abendessen einluden, denn er war der festen Überzeugung, dass das seine Dienste noch wertvoller machen würde. Er war immer bereit seinen Mandanten die Geschichte jeder Frage in diesem informellen Beisammensein zu erklären. Herr Problemson war fest davon überzeugt, dass Kenntnisse von der Geschichte einer Frage sehr einfach die Lösung der Frage ersetzen konnte. Rechtssysteme machen sich niemals Gedanken über faire Lösungen; was Sorge bereitet ist der Prozess selbst um des Prozesses Willen.
       Herr Problemson wollte auch die Gelegenheit nutzen, die Dienste eines seines Verwandten zu empfehlen; dieser Verwandte war Bauunternehmer und könnte das Haus zu einem vernünftigen Preis abreißen und wieder aufbauen.
       Bitte, lieber Leser, ich bitte Sie, reagieren Sie nicht übertrieben. Es wäre absolut ungerecht, Herrn Problemson ein boshaftes Ziel zu unterstellen oder dass er ein Interesse verfolgt hatte, als er selbst dem ehrenwerten Bürgermeister vorschlagen hatte, seinen Freund, Herrn Elefantson zu ernennen, sodass dieser die Grundstücke von Hausbesitzern unerlaubt betreten konnte.
       Meine sehr verehrten Leser, warum sehen Sie hier einen schmutzigen Betrug bei solch einem winzigen Zusammentreffen? Es ist egal, dass Herr Problemson wusste, dass Herr Elefantson seine Mandanten belästigen würde. Es ist auch nicht wichtig, dass er von seinen Mandanten erwartete, dass sie nach seinen Diensten verlangen würden, damit sie keine Schwierigkeiten hätten oder dass sie die Bauleistungen seines Verwandten anfordern würden. Natürlich, wenn man alles zusammen nimmt, sieht es schon so aus, als ob Herr Problemson versucht hätte, unschuldige Hausbesitzer um ihr Geld zu bringen.
       Aber das ist einfach nicht wahr! Herr Problemson war ein wirklicher Gentleman. Er half den Damen immer in ihre Mäntel, sogar dann, wenn sie gar keinen Mantel angehabt hatte - ein wirkliches Zeichen seiner Einstellung als Gentleman.
       Wirkliche Gentlemen verfolgen keine gewinnsüchtigen Ziele. Und sollte es doch so sein, dass alles was sie tun oder sagen nur ihnen zugute kommt, dann ist das nur purer Zufall.
       Herr Problemson setzte sich mit Lilli-Bunny und dessen Freunde an den Tisch für das Abendessen und nach dem Pudding machte Herr Problemson den Vorschlag, die Möglichkeiten zu diskutieren.
       Also sprach jeder nach dem Abendessen über das Problem mit Lilli-Bunnys Haus. Lilli-Bunnys Rechter Pantoffel machte den Vorschlag, die Fahne von Lilli-Bär zu entknoten und Herrn Elefantson damit zu bestechen, damit er kleinere Elefanten auswählte und sie nur wenig fütterte, bevor er mit ihnen Lilli-Bunnys Garten durchquerte. Aber Linker Pantoffel sagte, dass man einen Beamten doch nicht bestechen dürfte! Zumindest nicht mit der Nationalfahne! Dann schlug er vor, die Fahne auf jeden Fall zu entknoten und einen Bürgerkrieg für die Unabhängigkeit von Elefanten zu beginnen.
       Lilli-Kitty und Lilli-Jake schlugen vor, das Haus zu verkaufen und ein neues irgendwo an der Küste in der Karibik zu kaufen.
       Die Katzen schlugen vor, man sollte doch schlafen, wenn Herr Elefantson vorbeiging und dann Lilli-Bunnys Auto sagen, dass es diese Unordnung sauber machen sollte.
       Lilli-Bunnys Auto hingegen schlug vor, das Haus zu verlassen, während Herr Elefantson vorbeiging. Er würde dann in der Garage leben und später die Katzen dazu bringen, die Unordnung aufzuräumen.
       Lilli-Bär blieb ruhig und lächelte geheimnisvoll. Am Freitag, sofort nach Herrn Elefantsons Ernennung zum Vertreter des Bürgermeisters, erschien dieser ehrenwerte oben benannte Gentleman in Lilli-Bunnys Garten mit einem ganzen Haufen Elefanten. Aber kaum hatten die Elefanten Lilli-Bunnys Garten betreten, stiegen sie auf ihre Hinterbeine, drehten sich um und rannten ganz weit weg, Herrn Elefantson hinter sich herziehend.
       Seit dieser Zeit betraten weder Herr Elefantson noch seine Elefanten Lilli-Bunnys Garten unbefugt.
       Vielleicht fragen Sie sich warum, werter Leser. Aber sofort nach dem unvergesslichen Abendessen mit Herrn Problemson rief Lilli-Bär Hamster Hamlet an,
       der am Freitag all seine Freundinnen - alles Mäuse - zu Lilli-Bunnys Garten brachte. Und Hamster Hamlet hatte so viele Mäuse als Freundinnen, wie König Salomon Frauen hatte - es waren hunderte.
       Elefanten fürchten sich vor Mäusen, wie sie vielleicht aus den Dokumentarfilmen von National Geographic und auf dem Discovery Channel wissen.
       Kapitel 16
       Lilli-Bunny und die Währungsreform
       Lilli-Bunny mochte die Leute. Er vergab Ansichten, die andere Hasen niemals akzeptieren würden. Aber es gab einen Mann, mit dem konnte Lilli-Bunny niemals Freundschaft schließen.
       Das war Herr Geifer. Herr Geifer lebte in einer Stadt in der Nähe und war bekannt für sein prinzipienloses und unehrenhaftes Verhalten. Er beleidigte jeden, der in seiner Nähe war.
       Herr Geifer lebte in einem kaputten Straßenbahnwagen. Diese Straßenbahn hatte, bevor sie kaputt ging, Leute durch die Stadt gefahren. Aber Herr Geifer beleidigte immer die anderen Passagiere während er in der Straßenbahn saß, und deswegen flüchteten alle Straßenbahnwagen in eine andere Stadt. Nur
       diese kaputte hier konnte nicht fliehen. Herr Geifer ließ sich in der armen, kaputten Straßenbahn nieder genauso wie William der Eroberer in England eingefallen war. Auch wenn am Ende nicht ganz gelöst ist, ob die Eroberung nicht doch eine positive Entwicklung in der Geschichte war, die zu einer perfekten Mischung der Angelsachsen mit den Normannen geführt hat oder ob es eine schlechte Entwicklung war, die nur dazu führte, dass viele französische Worte in die englische Sprache einflossen...
       Vielleicht wissen Sie es nicht, werter Leser, aber William der Eroberer war eigentlich eine sehr friedliche Person. Das einzige, das er tun wollte, war,
       Harold, den König von England zu treffen und ihm zu dessen Sieg über die Norweger zu gratulieren. Aber wer wusste schon, dass William Anrufbeantworter hasste? Er wollte eine Nachricht hinterlassen, aber der Anrufbeantworter von König Harold hatte so viele Möglichkeiten, dass der arme William verrückt wurde. Daraufhin überquerte er den englischen Kanal und bereitete sich auf einen Kampf in der Nähe von Hastings vor. König Harold war gerade von einem siegreichen Kampf mit den Norwegern im Norden zurückgekommen, erkannte das Problem und wählte 110 auf seinem Handy, um den Eindringling zu melden, aber hängte dann ebenfalls im Menü des Anrufbeantworters fest:
       "Das ist ein Service für den Notfall. Wenn Sie einen Notfall haben, drücken Sie bitte die 1. Wenn Sie keinen Notfall haben, hängen Sie bitte auf."
       König Harold drückte die 1 und hörte dann das folgende Menü:
       - Wenn Sie mit Mord bedroht werden - drücken Sie bitte die 1.
       - Wenn Sie das Opfer einer Vergewaltigung werden könnten - drücken Sie bitte die 2.
       - Wenn Sie erstickt werden - drücken sie bitte die 3.
       - Wenn Sie nicht sicher sind, was der Angreifer mit Ihnen vorhat, fragen Sie ihn bitte. Wenn Sie keine Antwort erhalten, bleiben Sie bitte am Apparat. Sobald ein Platz frei ist, wird ihnen einer unserer Angestellter gerne helfen.
       - ...
       König Harold hatte keine Gelegenheit mehr, auch die fünfte Möglichkeit zu hören, denn ein Pfeil war in sein Auge geschossen worden und er, wie auch alle Adligen, wurden getötet. William regierte England von da an allein. Und das ist nicht einfach, auch nicht heutzutage. Es ist auch nicht einfach, Frankreich zu regieren. Persönlich würde ich lieber Papua Neu-Guinea regieren. Zumindest gibt es dort drüben nicht viele Anrufbeantworter.
       Auch wenn man den Einmarsch irgendwie erklären kann, so war die Übernahme der kaputten Straßenbahn durch Herrn Geifer nicht zu akzeptieren. Die anderen Bürger der Stadt unterstützten die Invasion und Niederlassung nicht, aber Herrn Geifer schien es egal zu sein, was die anderen von ihm oder seinen Aktionen dachten. Die eilige Flucht der anderen Straßenbahnwagen beraubte Herrn Geifer von seiner ersten Beschäftigung - in Straßenbahnwagen zu reisen und die anderen Passagiere zu beleidigen. Er musste also einen neuen Beruf finden, die auch seinen Talenten entsprach. Deswegen entschied er sich, ein
      
       Finanzberater zu werden und eine Währungsreform in der Stadt einzuführen. Sein Ziel? Die Münzen sollten nicht mehr rund sondern quadratisch sein. Diese Reform war schon seit langem nötig, denn schließlich können runde Münzen wegrollen und verschwinden. So etwas passierte den armen Bewohnern der Stadt doch ständig. Was ist denn sonst der Grund dafür, dass sie arm sind?
       In der Nacht brach Herr Geifer in die lokale Sparkasse ein und biss 52,368,000,000,000 verschiedene, runde Münzen, die einen großen Teil das flüssige Kapital der Stadt ausmachten, zu perfekten Quadraten. Am nächsten Morgen hörte jeder in der Stadt im Radio, dass ihr Kapital quadratisch geworden war. Zuerst waren die Leute sehr aufgeregt darüber, aber später verstanden sie, dass es nichts gab, worüber man sich aufregen musste. Das faszinierende an der Sache ist, dass die meisten Reformen dieselbe Wirkung haben - zuerst sind die Leute ganz aufgeregt, dann wundern sie sich, wie sie sich über so eine ärgerliche und dumme Veränderung aufregen konnten. Aber wenn man etwas bedauert wird man dadurch nicht unbedingt klüger und wir klatschen auch gerne der nächsten Reform wieder Beifall. Wie könnte es denn sonst sein, dass wir ein Erziehungssystem haben, das es unseren Kindern erlaubt, die meiste Zeit Pot zu rauchen? Was ist der erzieherische Effekt, wenn man Pot raucht? War dies nicht das Ergebnis einer viel versprechenden Reform?
       Mein sehr verehrter Leser, Sie werden sicherlich nicht darüber überrascht sein, dass die Bürger ärgerlich auf Herrn Geifer waren und den Polizisten Herrn Stockschläger anwiesen, ihn zu verhaften. Aber der Polizist kam weinend und mit leeren Händen zurück und beschwerte sich darüber, dass Herr Geifer ihn so fürchterlich beleidigt hatte, dass "ich niemals wieder was mit Geifer zu tun haben möchte." Die Polizei möchte mit höflichen, netten Leuten zu tun haben - weshalb wir ihnen sicherlich keinen Vorwurf machen können!
       Dann stimmten alle darüber ein, dass gebissenes Geld schließlich immer noch Geld ist, und entschlossen sich, die Währungsreform, die von Herrn Geifer begonnen wurde, zu beenden, da die Anzahl der Münzen, die noch gebissen werden musste, nicht mehr groß war. Die Leute stellten sich in einer Reihe bei Herrn Geifers Straßenbahnwagen auf und tauschten ihre übrig gebliebenen runden Münzen gegen neue quadratische aus. Sie wissen ja, lieber Leser, manchmal ist es gut, wenn die Leute mit dem Geld, das sie haben, übereinstimmen. Und quadratische Menschen verdienen quadratisches Geld.
       Herr Geifer bediente sehr viele Leute sehr höflich und beleidigte überraschenderweise niemanden. Das bedeutete aber nicht, dass Herr Geifer es aufgegeben hatte, die Leute weiterhin zu beleidigen. Wenn man jemanden durch eine Handlung beleidigt, nützt es nicht sehr viel, wenn man jemanden mit Worten beleidigt.
       Lilli-Bunny war Landwirt und verwahrte sein Geld nicht auf der Bank, er hatte kein Geld. Lilli-Bunny verbrauchte, was er anbaute und verkaufte nur einen Teil an die Regierung.
       Eines Tages ging Lilli-Bunny zur Post, um einen Postkarte von Lilli-Bär, die dieser an Herrn Sun-Bang-Bong geschrieben hatte, abzuschicken. Denn nachdem Lilli-Bär Herrn Sun-Bang-Bong im Fernsehen gesehen hatte, wollte Lilli-Bär diesem Mann zu dessen ausgezeichneter Vorstellung gratulieren. Ach, Sie wollen, wissen, was Herr Sun-Bang-Bong gemacht hatte? Also, dieser gewisse Herr sprang ins Bild, ging wie eine Ziege herum in einem Kostüm, das aus glänzendem Weihnachtsbaumschmuck gemacht war. Er hatte auch so ein Geräusch gemacht, dass durch seine Mikrophone noch verstärkt wurde: "Bang-Bong! Bang-Bong! Bang-Bong!" Lilli-Bär hat daraufhin sein Buch von Kant - in dem er nach etwas gesucht hatte, was Kant nicht konnte - zur Seite gelegt, und hatte sich mit Bewunderung die Vorstellung von Herrn Sun-Bang-Bong angeschaut. Lilli-Bär wollte wissen, wie der Künstler seine Vorstellung beenden würde. Herr Sun-Bang-Bong schüttelte den Weihnachtsbaumschmuck mal schnell, mal langsam, mal in die eine Richtung, mal in die andere Richtung, machte die meisten kaputt und bimmelte dann aus dem Bild. Das Publikum war von dieser Aufführung absolut begeistert. Ohne zu zögern schrieb Lilli-Bär eine Dankespostkarte:
       Sehr geehrter Herr Sun-Bang-Bong,
       vielen dank für Ihre Musik!
       Ich mochte Ihren Bang, aber noch besser hat mir Ihr Bong gefallen!
       Obwohl die Kunst, Musik zu machen, heute nicht wirklich blüht, ist es keine Übertreibung, wenn ich sage, dass es keine talentierten Musiker gibt. Sehen Sie sich selbst an! Bei Ihrem "Bang" hatte ich ein "Bong"-Gefühl und umgekehrt.
       Sie machen erstklassige Arbeit, besonders der Sprung aus dem Bild und das Zerbrechen des ganzen Weihnachtsbaumschmucks am Ende der Vorstellung!
       Machen Sie noch mehr Bangs und Bongs! Hören Sie nicht auf mit ihren Bangs und Bongs!
       Ein echter Fan,
       Lilli-Bär
       Lilli-Bär wollte eine Briefmarke aufkleben, hatte aber nicht seine Lieblingsbriefmarke mit der Königin zur Hand. Nur die große Briefmarke mit dem Eisbären war übrig geblieben. Lilli-Bär wollte diese Briefmarke nicht ablecken, denn der Eisbär könnte ihn ja beißen. Schließlich war Lilli-Bär selbst ein Bär und vertraute dem Eisbären auf der Briefmarke nicht ganz. Auch Lilli-Bunny wollte die Briefmarke nicht lecken. Deswegen wurde sie in den Karton mit den ganzen Sachen für Briefe und Post zurückgelegt und Lilli-Bunny fuhr zum Postamt, um Lilli-Bär dessen Lieblingsbriefmarken mit der Königin zu kaufen. Auf der Post versuchte Lilli-Bunny, mit seiner runden Münze zu zahlen, aber der Postbeamte wollte diese Münze nicht annehmen. Die Währungsreform in der Stadt war abgeschlossen und man konnte nur noch mit den abgebissenen, quadratischen Münzen zahlen.
       Also wurde Lilli-Bunny an Herrn Geifer verwiesen, damit dieser die ungültigen runden Münzen gegen die nun gültigen quadratischen austauschte.
       - "Woher haben Sie das Geld?", fragte Herr Geifer.
       - "Ich bin Landwirt und ich verkaufe den Überschuss, den ich erwirtschafte an die Regierung", antwortete Lilli-Bunny höflich.
       Heutzutage wird man regelmäßig danach gefragt, woher man sein Einkommen bezieht. Wenn man zur Bank geht und Geld anlegen möchte wird man gefragt: "was ist die Quelle dieses Vermögens?", um so Geldwäsche zu vermeiden. Jede Regierung hat ein Interesse daran, dass Geld dreckig ist!
       Ich denke, die Beamten erwarten von einem Gauner, dass er seine Geldquellen als "gestohlen" oder "als Einkommen aus Drogenverkauf" deklariert. Wirklich, die Beamten sollten auch diese Möglichkeiten auf dem Fragebogen angeben, dann macht das Ausfüllen des Formulars sehr viel mehr Spaß. Finden Sie nicht?
       Herr Geifer tauschte das Geld aus und sagte zu Lilli-Bunny: "Ich mag Sie". Er versprach auch, Lilli-Bunny mal zu besuchen.
       Also ging Lilli-Bunny zurück zum Postamt, kaufte eine Briefmarke mit der Königin und ging dann nach Hause, um den Besuch
       für so einen wichtigen Mann, der Herr Geifer nach der Währungsreform geworden war, vorzubereiten.
       Als Lilli-Bunny in sein Haus ging war er überrascht, als er Herrn Geifer schon dort sitzen sah. Er saß im Esszimmer mit den Füßen auf dem Esstisch und war rüpelhaft gegenüber Lilli-Bunnys Pantoffel. Rechter Pantoffel, die Brille auf seiner Nase, war so frustriert wegen Herrn Geifers unwürdigem Verhalten, dass er ausrief:
       - "Sie sind ein Schuft!"
       - "Das stimmt", antwortete Herr Geifer in einer sehr schuftigen Art und Weise. Dann stand er auf, ging zu Lilli-Bunnys Kühlschrank und schlang die für das Abendessen vorbereiteten kalten Salate herunter.
       Lilli-Bunny lud jeden an den Tisch ein bevor Herr Geifer das ganze Essen im Haus vertilgte hatte, denn schließlich war Lilli-Bunny dafür verantwortlich, dass seine Freunde was zu essen hatten.
       Aber es war nicht viel zu essen übrig, denn Herr Geifer hatte nicht nur die ganzen Salate heruntergeschlungen, er hatte auch, völlig unabsichtlich, den Topf mit der Suppe für Lilli-Bunnys Katzen umgestoßen (wir müssen zugeben, es war nicht so ganz zufällig, denn Herr Geifer musste Basia jagen, bevor er erfolgreich die Suppe über sie ergießen konnte. Es war einfacher mit Goldkatze, denn diese war in der absolut intensivsten Phase der Katzsynthese und konnte sich nicht bewegen).
       Als sich jeder am Tisch niedergesetzt hatte, begann Her Geifer seine Rede:
       "Die Währungsreform war nötig für diese Stadt. Seitdem die Straßenbahnwagen aus irgendeinem Grund nicht mehr funktionierten fehlte unserer Stadt das einzige Zeichen der Einzigartigkeit, denn schließlich sind Straßenbahnwagen eine Seltenheit geworden."
       - "Ich bin der Ansicht, dass die Währungsreform weitergeführt werden muss", sagte Linker Pantoffel.
       - "Richtig! Das ist eine tolle Idee! Es sollte eine ständige Währungsreform geben!", schrie Herr Geifer und nachdem er auf Lilli-Bunnys Teppich gespuckt hatte, küsste er Linken Pantoffel. "Bitte hören Sie nicht auf uns zu sagen, was sie denken!"
       - "Zuerst Mal müssen alle gebissenen quadratischen Münzen mit kleinen Schläuchen aufgerollt und dann zusammengeknotet werden. Schließlich müssen sie durch Bonbonpapier und ausgeschnittenes Zeitungspapier ersetzt und dann vollständig abgeschafft werden",
       sagte Linker Pantoffel sehr überzeugt. Es schien so, als ob er schon sehr lange darüber nachgedacht hätte.
       - "Aber wie sollen wir dann Waren austauschen? Wie soll dann die Wirtschaft laufen?", fragte Rechter Pantoffel berechtigt, und schob dabei seine Brille höher auf seine Nase. Rechter Pantoffel litt unter Kurzsichtigkeit im Gegensatz zu seinem linken Bruder, der unter Weitsichtigkeit litt. Linker Pantoffel konnte sehr weit sehen, aber nicht das, was vor seiner Nase lag. Und trotzdem wollte er nie eine Brille tragen.
       - "Den Austausch von Waren können wir auf reines Vertrauen stützen. Geld ist etwas schlechtes, und seitdem die Regierung es den Leuten nicht erlaubt, es zu waschen, wird es immer schmutziger. Ohne Geld werden die Leute ehrlich und am Ende wird man überhaupt kein Geld mehr brauchen."
       - "Sie haben völlig Recht!", sagte Herr Geifer aufgeregt.
       Die Gespräche am Tisch wurden ruhig und Herr Geifer blieb, um die Nacht in Lilli-Bunnys Haus zu verbringen.
       Am nächsten Tag stürzte Herr Geifer sein Frühstück herunter und eilte mit Lilli-Bunnys Auto in die Stadt zurück, um die Währungsreform so weiterzuführen, wie von Linker Pantoffel vorgeschlagen worden war. Aber die Polizei winkte ihn wegen zu schnellen Fahrens und weil er keinen Führerschein hatte heraus. Herr Geifer versuchte, den Polizisten zu beleidigen, aber der Beamte zog nur seine Pistole und erschoss ihn fast. Dadurch wurde der rüpelhaften Mann sehr viel lenkbarer. Aber dann spuckte Herr Geifer in das Polizeiauto und der Polizist musste ihn gehen lassen, denn, wie wir schon vorher gesagt hatten, zieht es die Polizei vor, mit sauberen, höflichen und parfümierten Leuten zu tun zu haben und nicht mit solchen, die ins Auto spucken.
       Am Abend kletterte Lilli-Bunny in den Schrank und suchte nach seiner Nachtmütze. Lilli-Bunny fand zwar seine Mütze nicht, aber eine Notiz, die ihm die Mütze geschrieben hatte:
       "Herr Geifer hat mich gestohlen. Ich werde mich melden, wenn ich Zugang zu einem Telefon habe. Bitte mache dir keine Sorgen. Deine Nachtmütze."
       Lilli-Bunny saß in der Nähe des Telefons und wartete auf den Telefonanruf von seiner Nachtmütze. Aber Nachtmütze rief nie an. Allerdings bekam Lilli-Bunny ein eiliges Telegramm:
       "Herr Geifer hat Löcher für seine Augen in mich reingeschnitten und mich auf den Kopf gesetzt. Wir sind in die Bank der Stadt eingebrochen. Wir rollen gebissene Münzen auf Schläuche. Wenn wir das geschafft haben, schicke ich mich selbst per Post."
       "Das ist ein Verbrechen!", sagte Lilli-Bunny. Aber Linker Pantoffel war ermutigt und fing an, den Revolutionssong zu singen:
       Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
       die stets man noch zum Hungern zwingt!
       Das Recht wie Glut im Kraterherde
       nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
       Reinen Tisch macht mit den Bedrängern!
       Heer der Sklaven, wache auf!
       Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger
       Alles zu werden, strömt zuhauf!
       Völker, hört die Signale!
       Auf zum letzten Gefecht!
       Die Internationale
       erkämpft das Menschenrecht.
       Völker, hört die Signale!
       Auf zum letzten Gefecht!
       Die Internationale
       erkämpft das Menschenrecht.*
       Linker Pantoffel war so aufgeregt, dass er auf den Balkon ging, um zu rauchen.
       Am nächsten Morgen brachte der Postbote ein Päckchen. Darin lag Lilli-Bunnys Nachtmütze. Tatsächlich waren zwei große Löcher für die schamlosen Augen von Herrn Geifer reingeschnitten worden, denn schamlose Augen sind immer groß und rund. Es ist als ob sie fragten: "Was ist los?".
       Lilli-Bunny umarmte seine Nachtmütze, hörte damit aber auf, als er die Klingel an der Tür hörte. Es war der Polizist Stockschläger.
       Lilli-Bunny dachte sich, dass Herr Stockschläger gekommen sei, um die Nachtmütze wegen ihrer Beteiligung an dem Raub zu verhaften und versteckte sie sofort unter dem Bett.
       Aber wie sich herausstellte war der Polizist nur Lilli-Bärs Signal gefolgt, der die Nummer an der Fernbedienung seines Fernsehers verwechselt hatte und unbeabsichtigt die 110 gewählt hatte. Natürlich
       _________________________________________________________
       *Internationale, Übersetzung entnommen www.wikipedia.de
      
       hatte Lilli-Bär sofort wieder aufgelegt, aber der Service für Notfälle erkennt, woher Anrufe kommen. In solchen Fällen wird dann ein Polizist zum Haus geschickt, um festzustellen, ob wirklich ein Notfall vorliegt.
       Polizist Stockschläger untersuchte die Bewohner von Lilli-Bunnys Haus auf blaue Flecken und Kratzer und ging dann zum nächsten Haus weiter, wo eine alte Dame das Telefon mit einem Taschenrechner verwechselt und wieder Mal die 110 gewählt hatte.
       Als sich die Bewohner von Lilli-Bunnys Haus im Esszimmer versammelten, war der Topf mit Suppe schon wieder leer. Stattdessen saß Herr Geifer im Topf. Er gab dazu, dass er sich vor der Polizei versteckte, da die Polizei bereits in Lilli-Bunnys Haus gewesen war. Es ist wie eine Bombe, die niemals zwei Mal auf denselben Platz explodiert. Nachdem er sichergestellt hatte, dass alles im Haus ruhig war, schickte Herr Geifer Lilli-Bunny raus, um ihm Zigaretten zu kaufen, er nannte Goldkatze eine "verdächtige Type" und Basia "illegal blond", obwohl sie in Wirklichkeit schwarz war.
       Herr Geifer benahm sich an diesem Abend sehr flegelhaft und selbstsüchtig, denn auch der zweite Schritt der Währungsreform war erfolgreich gewesen! Nachdem er sich entschieden hatte, die Nacht in Lilli-Bunnys Bett zu schlafen (Lilli-Bunny musste draußen schlafen), konnte Herr Geifer lange nicht einschlafen. Er beschwerte sich lauthals, dass er von der Suppe dick geworden und das die Matratze viel zu hart sei. Ständig ran er zur Toilette und trat dabei jedes Mal auf die Neurose von Lilli-Bunny, die Schlaftabletten genommen und versuchte hatte, in Goldkatzes altem Katzenkorb zu schlafen.
       Am nächsten Tag wurde im Radio durchgegeben, dass, da Herr Geifer nicht gefunden worden war und Geld immer noch auf die Schläuche aufgerollt werden müsste, die Einwohner der Stadt einstimmig Herrn Geifer als den neuen Bürgermeister gewählt hatten, sodass er die Reform, die er begonnen hatte, beenden konnte. Ohne zu zögern verließ Herr Geifer Lilli-Bunnys Haus, nachdem er Lilli-Bunnys Geschäftsanzug (einschließlich des T-Shirts mit der Aufschrift "I am busy!") und die Konzertschleife von Goldkatze gestohlen hatte. Er nahm das Bürgermeisteramt an. Die Probleme der Stadt beschäftigten ihn so sehr, dass er keine Zeit hatte, Lilli-Bunny nochmal in dessen Haus zu besuchen. Nachdem er die Löcher in seiner Nachtmütze zugenäht hatte lebte Lilli-Bunny so wie zuvor.
       Kapitel 17
       Lilli-Bunny und seine Makkaroni
       Ein sehr bekannte religiöse Quelle gibt an, dass, als unser Retter, Jesus Christus, tausende von Menschen mit fünf Laib Brot gespeist hatte, es tatsächlich nicht fünf Brote waren sondern fünf Töpfe mit Makkaroni. Aber das soll das eigentliche Wunder nicht abschwächen, denn Makkaroni sind eine wundervolle Mahlzeit.
       Lilli-Bär mochte keine Makkaroni, aber nachdem er gesehen hatte, wie viel die im Geschäft kosten - zwei Münzen für ein Päckchen - begann er zumindest, sie zu respektieren, denn so wie alle Bären war auch Lilli-Bär sehr vernünftig und handelte umsichtig.
       Wie ist es möglich, an solch einem bemerkenswerten, mit sehr vielen Kalorien ausgestattetem Produkt, vorbeizugehen? Wie kann man an solch einem Produkt vorbeigehen, an dem man sich für nur zwei Münzen pro Paket satt essen kann? Lilli-Bunny liebte Makkaroni, aber er traute den Geschäften nicht so sehr, als dass er dort Makkaroni kaufen würde. Deswegen entschied sich Lilli-Bunny, Makkaroni selbst herzustellen. Also pflanzte Lilli-Bunny zuerst Vermicelli in den Boden in seinem Garten hinterm Haus, aber anscheinend war es nicht die richtige Zeit des Jahres gewesen, denn die Vermicelli blühten nicht. Dasselbe passierte, als er versuchte, Spaghetti auszusäen, die er vorher in winzige Teile zerbrochen hatte. Auch das Pflanzen von Farfalle in Lilli-Bunnys Gemüsegarten war nicht von Erfolg gekrönt. Zusammen mit Lilli-Bär schaute Lilli-Bunny nach, was mit den Makkaroni-Beeten falsch war. Der Bär und das Häschen gossen das Beet und sprenkelten sogar Käse drüber, aber die Makkaroni wollten einfach nicht wachsen.
       Lilli-Bär las das wenige, das in seiner Enzyklopädie über den Anbau von Nudeln stand. Und wie er es so Lilli-Bunny erzählte, hörte es sich an, als ob er schon immer gewusst hätte, dass Makkaroni nicht in einem Gemüsegarten wachsen, sondern dass sie stattdessen wie Tomaten in einem Gewächshaus angepflanzt werden müssten. Lilli-Bunny ärgerte sich sehr darüber, dass er das nicht vorher gewusst hatte.
       Das Geburtsland der Makkaroni, Italien, ist warm und Makkaroni sollten daher so wie Tomaten in einem Gewächshaus gezogen werden. Unsere Agrarspezialisten pflanzten daher versuchsweise Makkaroni im Gewächshaus, aber auch damit waren sie nicht erfolgreich (bis auf negative Folgen, die aber weder Lilli-Bunny noch Lill-Bär akzeptieren konnten, wie Sie, werter Leser, natürlich verstehen).
       Dann entschieden sie sich, im World Wide Web nachzuschauen, denn vielleicht hatten sie ja was falsch gemacht. Im Keller, wo das World Wide Web wuchs, begannen sie ein Gespräch mit der WWW-Spinne, die für die letzten zehn Jahre dort gelebt hatte. Die WWW-Spinne erklärte, dass Makkaroni aus Mehl gemacht werden und gab Lilli-Bunny sogar ein detailliertes Rezept.
       Lilli-Bunny begann, seine erste Makkaroni zu backen und war dabei so enthusiastisch, dass er nicht aufhören konnte. Schon bald gab es nicht mehr genug Platz in Lilli-Bunnys Haus für die ganzen Makkaroni. Lilli-Bunny vergaß, die Nudel in Ellbogenlänge zu schneiden und machte stattdessen eine langes Rohr. Dann klebte Lilli-Bär das eine Ende der Makkaroni an einen Briefumschlag und schickte sie per Post an seinen Freund Gummi Igel, auf der anderen Seite der Erde.
       Während der Brief auf halbem Wege die Erde umkreiste, arbeitete Lilli-Bunny weiter an seiner langen Makkaroni. Als der Brief bei Gummi Igel ankam, war das Makkaroni-Rohr länger als die Welt breit war. Gummi Igel öffnete den Briefumschlag, schaute sich das Ende des Makkaroni-Rohrs an und entschied sich, es zurück zu schicken. Er klebte es wieder am Briefumschlag fest und schickte es zurück an Lilli-Bär. Diesmal reiste der Brief auf der anderen Seite der Welt. Wie Sie ja wissen, sehr geehrter Leser, ist die Welt rund (das wird immer noch in der Schule unterrichtet, nicht wahr?).
       Am nächsten Morgen wurde Lilli-Bunny vom lauten Bellen seines Briefkastens geweckt. Lilli-Bunnys Briefkasten hatte sich mittlerweile so gut an seine Vorstellung, ein Hund zu sein gewöhnt, dass er langsam aber sicher anfing, zu bellen. Lilli-Bunny fing an zu laufen, um seine Post zu holen und sah sofort seine Makkaroni, die an seinem Briefkasten bis hinter den Horizont reichte. Lilli-Bunny nahm den Brief und hängte ein Ende an das andere Ende seiner langen Makkaroni in der Küche. Auf diesem Weg schaffte Lilli-Bunny ein globales Makkaroni-Rohr, das die ganze Sphäre der Welt umkreiste.
       Lilli-Bunny lud Vertreter der Wissenschaftsakademie ein. Diese überreichten Lilli-Bunny ein Zertifikat, um zu beweisen, dass die Erde rund ist. All die vorherigen Beweise schienen den Vertretern nicht genügt zu haben.
       Die italienische Delegation kam ebenfalls zu Lilli-Bunnys Haus und entnahm einen Teil von der globalen Makkaroni für einen DNA-Test. Es stellte sich heraus, dass das Makkaroni-Rohr ein naher Verwandter der italienischen Makkaroni ist. Auch sie stellten ein offizielles Zertifikat aus, mit der diese wichtige Tatsache bestätigt wurde.
       Auch Vertreter der Weltraumbehörde kamen zu Lilli-Bunnys Haus. Sie wollten sich mit ihm über seine Erfahrungen in der Herstellung sehr widerstandsfähiger gigantischer Makkaroni unterhalten, denn sie hatten die Absicht, sehr lange Makkaroni-Rohre ins Weltall schicken. Sie wollten die Rohre sogar bis zur Oberfläche des Mondes, des Mars und sogar darüber hinaus schicken, um die ununterbrochene Versorgung der zukünftigen Bewohner auf diesen Himmelskörpern mit diesem hoch-kalorienhaltigen, billigen Produkt zu sichern. Die französische Wochenzeitschrift Paris-Catch veröffentlichte einen langen Artikel mit Farbfotografien, in dem viel von Lilli-Bunnys persönlichem Leben diskutiert, wenig aber über diese globale Makkaroni geschrieben wurde, weshalb Lilli-Bunny ja eigentlich so berühmt war.
       Aber alles endete ganz plötzlich. Lilli-Bunny wurde müde und ging zu Bett, vergaß aber, das Abendessen für Lilli-Bär vorzubereiten. Am nächsten Morgen tauchte zuerst in Lilli-Bunnys Haus, dann in der ganzen Welt die unglaubliche Nachricht auf, dass Lilli-Bunnys globale Makkaroni, die letzte Hoffnung der Menschheit, verschwunden war. Zuerst dachte jeder, es seien die Terroristen gewesen, aber diese redeten sich raus und jeder glaubte ihnen. Die Welt glaubt es, wenn Terroristen sprechen. Leider. Aber diese Freaks sind die einzig konsequenten Menschen auf der Welt. Sie tun immer dass, was sie androhen.
       Der Verlust der Makkaroni wurde zuerst in Lilli-Bunnys Haus bemerkt. Lilli-Bunnys Neurose, die in Lilli-Bunnys Schlafzimmer im Katzenkorb lebte, und Lilli-Bärs Neurose, die in Lilli-Bärs Papierkorb wohnte, waren so besorgt darüber, dass sie beide gleichzeitig die Treppe entlang liefen - die eine runter, die andere rauf - und nachdem sie sich in der Mitte der Treppen die Köpfe gestoßen hatten gingen sie gemeinsam zu Doktor Schnellertod. Der Arzt sah sich die Verletzungen an und sagte, dass dies eine Art Virusinfektion sei und schickte die Neurosen nach Hause ohne sie behandelt zu haben.
       Zuerst war Lilli-Bunny traurig darüber, dass seine Makkaroni verschwunden war. Aber nachdem er erfuhr, dass Lilli-Bär sie aus Versehen gegessen hatte war Lilli-Bunny froh drüber, denn mit der globalen Makkaroni im Haus war es zu laut gewesen; die Delegierten machten den Boden mit ihren dreckigen Schuhen schmutzig und die Fotografen erschreckten alle Eulen in der Region mit ihren Blitzlichtern, sodass keine der Eulen in der Nacht den Eulengruß "ugu!" machte. Und so machte Lilli-Bunny weiter wie bisher.
      
       Kapitel 18
       Lilli-Bunny und Smalltalk
       Gespräche sind schwierig - einige Menschen mögen sie; andere mögen sie nicht. Normalerweise leben Gespräche in den Fluren, den Zeichenzimmern, den Küchen, den Straßenbahnwagen, in den Cafés - ja, sie haben recht, werter Leser, gibt es überhaupt einen Ort, wo es keine Gespräche gibt? Es gibt ernste Gespräche, aber die gibt es selten und die leben auch nicht lange - gewöhnlich leben sie nur eine Nacht, wie ein Schmetterling mit zarten Flügeln, und kommen nur raus, wenn sie von leckeren Hors d'oeuvres und netten Drinks begleitet werden.
       Aber lassen Sie uns über den Smalltalk sprechen, denn normalerweise ist ein Smalltalk lästig, inhaltsleer und nicht sehr mondän. Manchmal weis ein Smalltalk nicht, warum er überhaupt existiert und tendiert dazu, verfrüht zu sterben, denn ein Leben ohne Zweck ist wirklich eine unangenehme Erfahrung. Haben Sie jemals versucht, ohne Zweck zu leben? Versuchen Sie es. Sie werden es sehen.
       Aber wenn Sie geboren werden ist es egal, ob Sie einen Zweck im Leben haben oder nicht. Es ist egal, ob Sie dieses Leben genießen oder nicht. Sie müssen leben, essen, trinken, Liebe machen und ihren Mund halten. Das ist das einfache Gesetz der Natur. Wenn Sie leben, seien Sie glücklich und beschweren Sie sich nicht. Wenn Sie sterben, beschweren Sie sich vielleicht, aber es weiß ja keiner, ob das überhaupt möglich ist. Deswegen beschweren sich die Leute, während sie am Leben sind. Nur wollen andere Leute diese Beschwerden nicht hören und haben deswegen die beste Sache der Welt überhaupt erfunden: den Smalltalk - die ungenaueste und nutzloseste Sache der Welt. Er bringt uns bei zu reden, ohne dabei Gedanken, Informationen oder Gefühle auszutauschen.
       Natürlich gibt es auch andere Arten von Gesprächen, geschäftliche Verhandlungen, erotisches Gemurmel - aber keines dieser Gespräche ist in einer netten Gesellschaft willkommen.
       Einmal sprang ein Smalltalk Lilli-Bunny an, während er die Straße herunter ging. Smalltalk sang folgendes Lied:
       "Lilli-Bunny geht die Straße runter -
       Lilli-Bunny isst kein Fleisch!"
       (Vielleicht sagen Sie jetzt, dass dies ein Plagiat ist und das das Lied eigentlich für Pretty Woman komponiert worden war. Warum freut sich jeder so über süße Geschichten über Prostituierte? Warum nicht über Lilli-Bunnys?)
       Ein anderer Smalltalk hängte sich selbst an Lilli-Bärs Ohr, als dieser im Supermarkt war. Ja, es stimmte, der Smalltalk hängte sich an eine der Schleifen, denn wie die meisten ziellosen Seelen war der Smalltalk selbstmordgefährdet. Und dann schlug ein Smalltalk nach dem anderen auf Lilli-Bunny ein.
       Ein Smalltalk fragte "Gefällt dir das Wetter heute?", biss Lilli-Bunny und stahl die Illustrierte, die Lilli-Bunny für Lilli-Bär gekauft hatte.
       Als er den Markt verließ, ließ Lilli-Bunny seine Neurose raus, denn sie sollte an der frischen Luft sein. Das war aber dumm gewesen, denn nun wurden sie beide Opfer des Wolfsrudels - Oh, Entschuldigung, ich wollte natürlich sagen, des Schmalltalk-Rudels. Mehrere Smalltalk versammeln sich oft zu Rudeln.
       Wilde Smalltalk sind für junge Neurosen gefährlich. Lilli-Bunnys Neurose wurde mit der Zeit so frustriert, dass sie anfing, im Kreis zu laufen und schließlich in die Hecke fiel. Lilli-Bunny half seiner Neurose, aus dem Busch zu klettern und bedeckte deren Ohren mit einem Schal. Er musste seiner Neurose sogar einen riesigen Schokoladenriegel kaufen, um sie zu beruhigen.
       Sie wissen ja, liebe Leser, dass man mit Schokolade seine Neurosen besänftigen und die Diabetes provozieren kann, nicht zu reden davon, dass es den Zähnen mit der Zeit nicht bekommt. Mittelalterliche Zahnärzte haben die Schokolade erfunden, um so das zukünftige Einkommen bis zum Ende ihrer Tage zu sichern. Deswegen schlage ich vor, mittelalterliche Zahnärzte "teuflischer Doc" zu nennen, denn entweder waren sie teuflische Mediziner oder waren wie der Teufel, dem man den kleinen Finger (Zahn) gab, der sich aber die ganze Hand (Gebiss) nahm.
       Ein weiterer Smalltalk griff Lilli-Bunny direkt in dem Geschäft an, in dem er gerade Schokolade für seine Neurose kaufte.
       - "Sind Sie bereit für den Sommer?"
       So wie gefragt wurde schien Smalltalk darauf schließen zu lassen, dass, falls Lilli-Bunny noch nicht bereit für den Sommer war, er einfach den Sommer anrufen und bitten konnte, ein wenig später zu kommen und dass der Sommer dann warten würde, weil ein gewisser Lilli-Bunny noch nicht breit war für ihn.
       Die Idiotie eines Smalltalk ist offensichtlich. Anscheinend diente ein Smalltalk den Bewohnern in Lilli-Bunnys Stadt als Schnurrbart, der wie eine Kakerlake lacht.
       Die Bürger der Stadt benutzten diesen Schmalltalk-Schnurrbart, um ihre Nachbarn und Fußgänger zu berühren. Wenn ein Neuling mit einem guten Smalltalk antwortete -- das heißt mit dem Schnurrbart - bedeutete dies: "Der ist von hier; wir sollten ihn nicht bei lebendigem Leib fressen." Aber wenn sie nicht die richtige Antwort hörten bedeutete es: "Oh mein Gott! Ein Ausländer!" Und ein Ausländer sollte immer aufgegessen oder irgendwie eliminiert werden, dann ansonsten wird dieser Ausländer einen auffressen oder eliminieren.
       Smalltalk muss eine jahrhundertalte Tradition haben. Ein Smalltalk ist so primitiv wie ein einzelliger Organismus. Ein Mal sah Lilli-Jake unter seinem Mikroskop wie sich zwei einzellige Organismen...unterhielten! Ein Organismus fragte "Wie geht es deiner Mitose heute?" "Es geht so, danke", antwortet der andere Organismus und sie beide verdoppelten sich. Wie langweilig muss das Leben einzelliger Organismen sein. Sie benutzen keinen Sex, um sich zu reproduzieren. Nun ja, auch wir nutzten in der letzten Zeit Sex nicht wirklich, um uns zu reproduzieren, sondern für andere, dunklere Gründe. Stehen wir dadurch auf einer Ebene mit den einzelligen Organismen? Anscheinend ja, zumindest manchmal.
       Lilli-Bunny bebaute sein Land, um davon zu leben und konnte es sich daher nicht leisten, seinen Smalltalk auf seiner Farm zu lassen, denn sein Smalltalk aß sehr viel, ohne dass viel dabei rauskam.
       Ein Smalltalk ist nicht wie ein Huhn, das man füttern kann und von dem man im Gegenzug frische Eier bekommt. Ein Smalltalk ist wie ein Virus, der sich selbst reproduziert und dabei bösartig unsere Köpfe als Wirte benutzt. Sobald ein Kopf von einem Smalltalk erobert wird, saugt er den Kopf solange aus bis dieser leer ist wie ein leerer Topf. Und von der Leere ist es nur noch ein kleiner Schritt in Richtung Nicht-Existenz, die wir mit dem erschreckenden und unangenehmen Wort Tod bezeichnen.
       Ein Smalltalk ängstigte Lilli-Bunnys Neurose so sehr, dass Lilli-Bunny sie früh nach Hause bringen musste. Lilli-Bunnys Neurose ran ins Haus, wo sie mit der Neurose von Lili-Bär zusammenstieß. Dann quetschte sie sich unter die Bank in der Küche und wollte nicht wieder hervorkommen, gleichgültig, wie sehr Lilli-Bunny versuchte, sie mit dem Schokoladenriegel herauszulocken.
       Nur Lilli-Bunnys Katzen hatten Mitleid mit Lilli-Bunnys Neurose und schliefen absichtlich unter derselben Bank, sodass sich Neurose nicht so allein und kalt fühlte.
       Lilli-Bärs Neurose regte sich so über einen Alptraum auf, der passierte, während Lilli-Bunnys Neurose in der Stadt war, dass er alle Besuche in die Stadt absagte und Lilli-Bär überredete, es genauso zu machen. Sie wissen ja, sehr verehrter Leser, Neurosen können manchmal sehr überzeugend sein.
       Personen, die von dem leben, was sie anbauen, kommen mit einem Smalltalk nicht gut zurecht. Denn wenn ein Smalltalk solche Personen fragt: "Was halten sie vom Wetter?", wird der Landwirt anfangen zu erklären, was er wirklich denkt, denn das Wetter ist für einen Landwirt ein absolut wichtiges Thema. Aber wenn der Landwirt genau das sagt, was er über das Wetter denkt, wird Smalltalk vielleicht sterben! Wenn man nicht sofort mit einer Phrase wie: "Was haben Sie denn Ostern vor?", antwortet wird es zu spät sein, Smalltalk wiederzubeleben.
       Lilli-Bunny wollte nicht immer wieder einen Smalltalk töten. Ein plötzliches Aussterben könnte eine unnötige Unruhe in der Gemeinschaft hervorrufen und die Smalltalk-Vereinigung könnte auftreten und Klage erheben wegen der Tötung eines Smalltalk, was ein ernst zu nehmendes Verbrechen in unserer Kultur ist - fast so schlimm wie Mord. In der Zwischenzeit wird aber Mord zu einem weniger ernsten Verbrechen, denn die Bevölkerung wächst ständig und die Menschen sind nun nicht mehr selten und auch keine wertvolle Ware mehr. Bitte geben Sie mir nicht die Schuld an diesen unglaublichen Worten, werter Leser. Ich bin Autor -- das heißt, einer, "der die Wahrheit sagt" - und ich schreibe nur das, was ich im Fernsehen sehe, denn ich habe kaum Zeit, vor die Tür zu gehen. Und was der Zuschauer im Fernsehen sieht überzeugt ihn davon, dass das menschliche Leben eigentlich nichts wert ist, während ein Smalltalk aber einen hohen Preis hat!
       Lilli-Bunny machte sich ein paar Sorgen darüber, dass er nicht richtig reinpasste in dieses Konzept. Es schien, als ob die ganze Stadt dumme Fragen und nicht weniger idiotische Antworten auswendig gelernt hätte:
       - "Wie war ihr Wochenende?"
       - "Wirklich nicht schlecht soweit."
       - "Hatten Sie Spaß gehabt?"
       - "Oh natürlich, absolut! Danke schön!"
       Diese Gespräche machten die Leute irgendwie zu Anrufbeantwortern und Lilli-Bunny wollte sich nicht an diesem Wahnsinn der Massen beteiligen.
       Lilli-Jake hatte Mitleid mit Lilli-Bunny und aktivierte seine Brain Company. Die winzigen Lilli-Jakes sprangen heraus und sagten "Okay, Jungs! Was gibt es für ein Problem?"
       Kaum hatten sie gehört, worum es ging, lachten sie für eine halbe Stunde und versanken dann für eine weitere halbe Stunde in tiefe Gedanken. Schließlich hatten sie eine Idee: den "Smalltalk Generator."
       Dieser Generator war ein Karton, auf den Lilli-Bärs Neurose gerne ihren Kopf legte, wenn sie sich besonders nervös fühlte, denn mit dem Kopf auf dem Karton fühlte sie sich sehr viel sicherer. Die winzigen Lilli-Jakes setzten zwei Papageien in den Karton und lehrten sie, zehn bis fünfzehn Phrasen zu kreischen, aus denen ein Smalltalk im Grunde besteht. Und obwohl die Vögel dieses Phrasen hin und wieder einwarfen, hörte es sich wie ein echter, voll ausgewachsener Smalltalk an.
       Sobald Lilli-Bunny mit diesem mondänen Apparat ausgestattet war, ging er wieder die Straßen entlang.
       "Wie gefällt Ihnen das Wetter?" sprang ihn der erste Smalltalk vom Bürgersteig an.
       Lilli-Bunny wollte ehrlich antworten: "Überhaupt nicht so gut. Es ist schon später Frühling, aber es ist immer noch kalt. Das ist nicht gut für meinen Gemüsegarten." Aber solch eine Antwort würde beim armen Smalltalk nur zu einem Herzinfarkt führen und dieser plötzliche Tod könnte dann Nachforschungen nach sich ziehen: "Was sind Sie? Ein Landwirt? Sind sie sicher?" Und es könnte dann damit enden, dass die Polizei Lilli-Bunny und seinen verdächtigen Karton auf die Polizeiwache mitnimmt oder ihn sogar ins Gefängnis sperrt. Die Papageien wollten nicht ins Gefängnis, deshalb wachten sie auf, als Lilli-Bunny ermutigend den Karton schüttelte. Die armen Vögel sagten:
       - "Wetter? Das Wetter ist okay. Es ist nicht schlecht!"
      
       - "Haben Sie sich schon auf Weihnachten vorbereitet?", fragte ein besonders ekelhafter Smalltalk mit einem gebrochenen Zahn. Dieser Smalltalk trug einen Wintermantel, obwohl es Ende Frühling war.
       Eigentlich wollte Lilli-Bunny wollte: "Es ist Frühling, also noch ein wenig früh, um sich auf Weihnachten vorzubereiten, völlig gleichgültig, wie wichtig einem dieser Feiertag ist." Aber solch eine Antwort würde den Smalltalk umbringen, denn je weiter man sich von einer großen Stadt entfernt, um so früher bereiten sich die Leute auf Weihnachten vor. Lilli-Bunnys Stadt lag so tief in der Provinz (auf dem Land, weg von den Zentren der Zivilisation), dass sich die Leute schon am Anfang des Frühlings auf Weihnachten vorbereiteten. Es gibt sogar einige Plätze in der Welt, an denen jeden Tag Weihnachten gefeiert wird. Ach, Sie glauben, das ist der Nordpol? Falsch. Es passiert in den großen Konzernen, die Investoren für zwei Jahre hintereinander betrügen. Allerdings haben die armen Geschäftsführer später Yom Kippur10 für den Rest ihres Lebens.
       - "Weihnachten? Aber natürlich bereite ich mich schon auf Weihnachten vor!", antworteten deshalb die Papageien im Karton.
       Wegen seiner unglaublichen Perfektion in der Kunst, einen Smalltalk zu führen, wurde Lilli-Bunny als eine nette Person angesehen! Die Leute fühlten sich zu ihm hingezogen und er musste seinen "Smalltalk Generator" in der Stadt lassen und ihn am nächsten Tag wieder abholen. Die Papageien waren erschöpft aber glücklich, denn das erste Mal in ihrem Leben konnten sie grenzenlos ihre Redefreiheit genießen!
      
      
       ________________________
       10Yom Kippur ist der jüdische Feiertag des Versöhnungstages. Er fällt auf den 10. Tag des hebräischen Monats Tishri (Ende September/Anfang Oktober). Dieser Tag wird mit einem 25-stündigen Fasten und intensiven Gebeten gefeiert.
       Kapitel 19
       Lilli-Bunny und die moderne Kosmologie
       Die Kosmologie-Professoren waren allgemein als Wissenschaftsgrößen anerkannt, allerdings bringt die Kosmologie mit ihren versteckten Theorien alle durcheinander. So verstehen wir immer noch nicht, wie das neue Bild der Kohlsuppe, die von der unwissenden Masse als Unser Universum bezeichnet wird, entstanden ist. Es ist nicht klar, wer diese Kohlsuppe gekocht hatte, wer sie geschaffen hat, wie lange sie schon existiert oder wie lange sie noch existieren wird. Diese unlösbaren Fragen unserer Zeit stellten sich die anerkannten Kosmologie-Professoren, die Ritter der Wissenschaft ohne Angst, als sie verfügten, dass die heiklen Beobachtungen, die sie vor achtzig Jahren mit einem hundertprozentig genauem Teleskop gemacht hatten, nur bedeuten konnten, das wir alle in Kohlsuppe leben, das alles, was war und sein wird, nichts als Kohlsuppe ist. In den verbliebenen achtzig Jahren arbeitete die Wissenschaft die Details noch genauer aus - und so ausführlich, wie es heute bekannt ist - na ja, Sie wissen, wer ausführlich ist...
       Der alte Papst starb fast aus Enttäuschung und Frustration, als er erfuhr, was die Wissenschaftler entdeckt hatten. Aber nachdem er sich mit dem Herrn darüber ausgetauscht hatte (schließlich hat er eine gute Beziehung zu Ihm), entschied er sich, dieser Theorie zuzustimmen und hielt eine elegante Rede. Was die Rede auslöste?
       Nun ja, wenn das Universum nichts anderes ist als Kohlsuppe, muss sie jemand gekocht haben, was bedeutet, dass auch weiterhin an die kataleptische Kirche gespendet werden muss.
       Die Professoren der Kohlsuppe akzeptierten Lilli-Bunny nicht in ihrem gebildeten Kreis. Sie hielten die Gedanken von Lilli-Bunny und seinem Freund Lilli-Bär für zu praktisch, als dass sie sich mit solch fundamentalen Theorien wie der allgemeinen Kohlsuppe beschäftigen konnten. Aber als einer der Professoren der Kohlsuppen ein großes Stück Kohl entdeckte,
       dass unbestreitbar bewies, dass die Kohlsuppe tatsächlich aus Kohl gemacht wurde, war der Professor unglaublich glücklich, denn er hatte sich darüber Sorgen gemacht, dass das, was er gefunden hatte, nicht Kohl sein könnte, sondern nur gewöhnlicher Müll. Er lud Lilli-Bunny und Lilli-Bär zur Konferenz ein, um dort seine erstaunliche Entdeckung zu demonstrieren.
       Lilli-Bär bereitete sich sehr gut auf diese Konferenz vor, denn er wollte den Wissenschaftlern der Welt seine Theorie erklären, wonach das Universum nicht aus Kohlsuppe bestand, sondern aus Porridge mit Himbeermarmelade (PmHm). Er hatte wiederholt mit Porridge experimentiert und konnte leicht beweisen, dass seine Theorie nicht weniger absurd, aber auch nicht absurder war, als die Theorie der Professoren zur Kohlsuppe.
       Allerdings war das Porridge, welches Lilli-Bunny nur für diesen Bericht vorbereitet hatte, so instabil, dass es nur eine Sekunde Bestand hatte, bevor es von Lilli-Bär aufgegessen wurde. Also gab es nichts, was man mit zur Konferenz nehmen konnte, um Lilli-Bärs Behauptung zu beweisen und wie wir wissen braucht eine außerordentliche Behauptung einen außerordentlichen Beweis. Glauben Sie mir, Lilli-Bär hatte eine Menge an außergewöhnlichem Porridge, nur leider hatte er alles aufgegessen.
       Die Professoren der Kohlsuppe glaubten nichts, was nicht bewiesen werden konnte. Sie selbst waren die ehrlichsten Menschen und trauten deshalb nicht dem Ehrenwort anderer Menschen. Aber Gott gefiel die Theorie von Lilli-Bär sehr, denn der Allmächtige liebte Porridge mit Himbeermarmelade. Mögen Sie nicht auch Porridge mit Himbeermarmelade? Es schmeckt göttlich.
       Gott wusste nicht, welche dieser Theorien über Sein Universum zu dieser Zeit schlimmer waren. Er war so müde, ständig diese Theorie über drei Elefanten, Wale und einer Schildkröte zu hören, dass ihn die Theorie mit der Kohlsuppe nicht beeindruckte.
       Er entschied sich sogar, nicht zur Konferenz zu kommen, denn er war damit beschäftigt, die Flut in der Sahara vorzubereiten, die er um zwanzig Millionen Jahre verschoben hatte; wegen dieser Nachlässigkeit war dieser Teil der Erde so staubig (ich kann mir vorstellen, dass irgendwann Mal, in einigen Jahren, die Sahara überflutet sein wird und dass dann jeder sagen wird, dass ich Jahrhunderte alte Geheimnisse kenne, genauso wie Swift, der brillante astronomische Vorhersagen traf. Deswegen möchte ich hier folgendes feststellen: Die Flut in der Sahara gibt es nur in meiner Phantasie).
       Mehr noch, um die Ehre der Professoren der Kohlsuppe aufrecht zu erhalten muss gesagt werden: Sie hatten Mitleid mit Gottes Ohren und schickten ihm eine offizielle Einladung. Sie sagten nur, dass, wenn Er wolle, er kommen könne.
       Die Professoren der Kohlsuppe hatten keine gute Beziehung zu Gott, seit einer von ihnen, Leibniz11, sagte, dass Gott kein nötiger Bestandteil des wissenschaftlichen Beweises war. Und so lernten die Professoren der Kohlsuppe, ihre Arbeit ohne Gott zu machen - nicht, weil sie Ihn verneinten, sondern weil Er für ihre wahnsinnigen Beweise nicht nötig war. Ich muss dies praktisch sagen: Die angewandte Wissenschaft hatte Erfolg darin, einen Apparat zu schaffen, der unser Leben erleichterte. Aber die Theoretiker waren irgendwie erfolglos darin, uns irgendwas nützliches zu geben. Für achtzig Jahre steckten sie in ihrer Kohlsuppen-Vorstellung fest, sogar auch dann noch, als Herr Super-Einstein ihnen sagte: "Das ist dumm! Das Universum ist keine Kohlsuppe! Es ist Schnitzel mit Erbsen (SmE Theorie)." Aber sie glaubten ihm nicht. Sie sagten: "Der alte Mann ist einfach nicht in der Lage, die neuen Trends der zukünftigen Generation zu akzeptieren. Er entdeckte, dass alles relativ ist, was er dadurch bewies, dass er alles irgendwo hintrug wo es aber keiner fand, da er es bereits wieder zurückgebracht hatte. Wir wünschten, er würde nur seine Violine spielen und aufhören, sich in unseren Kohlsuppen-Prozess einzumischen!"
       Sie sehen, werter Leser, dass die Behauptung dass alles bewiesen werden muss selbst keinen Beweis braucht! Das ist offensichtlich, genauso wie es eine Tatsache ist, dass unser Universum nur Kohlsuppe ist! Sehen Sie sich nur um, sie werden es selbst sehen! Ach, Sie können es nicht sehen? In welchem Kindergarten haben Sie denn Ihren Abschluss gemacht? Was steht denn auf Ihrem Zeugnis?
      
      
       ________________
       11Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), deutscher Philosoph, Wissenschaftler, Mathematiker und Diplomat.
       Ach ja, nun sehe ich es. Sie sind wirklich eine gebildete Person. Sie haben erfolgreich den ganzen Kurs im Kindergarten absolviert. Sie können nun allein zur Toilette gehen. Natürlich gibt es Sachen, die man im Laufe der Zeit vergisst - mit der Zeit erinnern wir uns nicht mehr an vieles, was wir gelernt haben. Wie können wir sonst erklären, warum wir bei diesen einfachen Aufgaben solche Probleme in den Pflegeheimen haben?
       Hitler versuchte sehr klar zu beweisen, dass das Universum ein Stück Scheiße ist (SS Theorie), und die Menschheit akzeptierte diese Theorie fast, denn sie hörte sich so erfrischend an. Aber es gab einige unterschiedliche Ansichten darüber, wie man seine Theorie in der Praxis umsetzen sollte, daher entschied sich die Menschheit für die konventionellen Beispiele, die auf der Kohlsuppen-Theorie basierten. Und jetzt versuchen die Wissenschaftler sogar zu beweisen, dass es andere Schüsseln mit Kohlsuppe da draußen gibt. Wow! Viele Suppen - das sind die Wunder der neuen Multi-Kohlsuppen-Theorie.
       Für Lilli-Bunny war das Universum eine Karotte, aber er teilte diese brillante Vermutung nie mit anderen, auch wenn all seine Experimente mit Karotten darauf hinwiesen, dass seine Vermutung fraglos richtig war.
       Für Lilli-Kitty war das Universum ein Haufen Nudeln, denn alles darin war miteinander verbunden und ineinander verschlungen. Sokrates selbst hatte ihr einen begeisterten Brief geschrieben, der aber leider auf einem Wachs-Tablett geschrieben gewesen war und den Lilli-Bär zerkratzt hatte, denn er hatte gedacht, es sei ein Spielzeug. Deswegen war es nötig, ein Telefongespräch mit dem alten Griechen zu führen, aber niemand antwortete; jeder versteckte sich vor dem Minotaurus12.
       Für Lilli-Jake hingegen war das Universum eine Dose, in der wir wie Insekten gesammelt waren, sodass uns Gott unter Seinem Vergrößerungsglas prüfen konnte.
       Die Katzen aber waren überzeugt davon, dass das Universum eine große, sandige Katzentoilette war. Und auch wenn sie selbst sie noch nicht bezwungen hatten so würde eine neue Generation von Katzen kommen und sie schließlich völlig meistern.
      
       _______________
       12In der griechischen Mythologie war der Minotaurus halb Mann, halb Stier.
       Die Bewohner des Lilli-Bunny Hauses schickten sogar ein Telegramm an den Präsidenten, um so ihre Wertschätzung für dessen Ideen, die er geäußert hatte, zu zeigen: Das Universum zu meistern, indem man in den nächsten zwanzig Jahren ein ganzes Staatsbudget ausgibt, sodass am Ende unser Astronaut der erste sein würde, der in den Sand auf dem Mars und darüber hinaus pinkeln würde. Die Leute unterstützten den Präsidenten einhellig - denn wer träumt nicht im geheimen davon, auf einen solchen Himmelskörper zu pinkeln?
       Lilli-Bär schickte ein Telegramm an den Präsidenten und unterbreitete ihm eine originelle und brillante Idee:
       Vorschlag einer Lilli-Idee von Lilli-Bär
       Sehr geehrter Herr Präsident,
       Ich möchte vorschlagen, dass wir anstatt Astronauten nur einen einzigen Schuh zum Mars schicken. Dieser Schuh wird dann einen Abdruck auf der Oberfläche hinterlassen, genauso, als ob ein Astronaut dort hingetreten hätte; aber im Gegensatz zum Astronauten müssen wir den Schuh nicht den ganzen Weg zum Mars hin und zurück füttern. Das ganze Geld, dass wir dadurch sparen teilen wir fifty-fifty - eine Hälfte für Sie, werter Präsident, eine Hälfte für mich, denn Porridge ist im Preis gestiegen, seitdem wir im Krieg sind und während des Krieges steigen zuerst die Gaspreise, dann die Preise für Porridge. Wir würden auch gerne unseren Schuh für diese Mission spenden. Lilli-Bunnys Linker Pantoffel stimmte bereits zu und bereitet sich auch schon auf den Flug vor.
       Mit kosmischen Grüßen,
       Lilli-Bär
       Lilli-Bunnys Papageien wussten nicht, dass ein Universum existiert. Deswegen beobachteten die Vögel ruhig die Sterne und Galaxien wie sie sie sahen - durch das Teleskop von Lilli-Bär, wo die Papageien lebten, bis Monsieur Silvouplaît es benutzt hatte, um mit seiner Frau zu reden. Die Papageien hatten das Universum vergessen, nachdem sie das Rohr verloren hatten, was allerdings nicht so schwierig war, denn sie wussten sowieso nicht so genau, dass es existierte, sogar als sie es beobachteten. Papageien beobachten das Universum direkt, nicht durch komplexe Experimente wie Kohlsuppe, Porridge oder Nudeln. Wenn man aber ein Objekt direkt beobachtet ist eine Erklärung manchmal nicht nötig.
       Kapitel 20
       Lilli-Bunny geht ins Dorf
       Lilli-Bunnys fehlgeschlagene Versuche, Makkaroni zu züchten, beschäftigten ihn, denn er war ein kleiner Perfektionist. Er wusste, dass es dumm ist, ein Perfektionist zu sein, aber dennoch ärgerte er sich über sein Versagen. Er hatte es doch genauso gemacht, wie es die landwirtschaftliche Wissenschaft vorschrieb. Er hatte Makkaroni in warme Erde gepflanzt und sie mit Ketchup gedüngt, aber nichts war passiert. Die Makkaroni wollten einfach nicht wachsen.
       Lilli-Bunny entschied sich, ins Dorf zu fahren und echte Pflüger nach deren Erfahrungen zu fragen, denn, wie man weiß, trifft man solche Leute nur im Dorf. Lilli-Bunny konnte es gar nicht abwarten, einen solchen Spezialisten am Pflug und der Egge zu treffen - die Ritter des Dungs und Stickstoffdüngers, die Zauberer des frühen Aussäens und späten Erntens!
       Der Name des Dörfchens war Stoned-Henge, aber wahrscheinlich nicht, weil es aus Stein gebaut war, sondern weil die Einwohner die meiste Zeit stoned waren. Stoned-Henge war nicht weit weg. Das Dorf lag am Ende der Autobahn, denn hier verlief die Autobahn so hoch, dass sie nicht weitergehen konnte.
       Nachdem Lilli-Bunny die ganzen Bewohner des Lilli-Hauses in sein Auto gequetscht hatte, fuhren sie gemeinsam ins Dorf. Lilli-Bunny hatte dort einen Freund, Herrn Brotesser, den Cottage-Landwirt, mit dem sich Lilli-Bunny regelmäßig per Brief über die Vorteile verschiedener Pflanzen austauschte. Lilli-Bunny hatte schon immer vorgehabt, Herrn Brotesser zu besuchen.
       Die Bewohner des Lilli-Hauses brachen sehr früh auf. Die Luft roch nach dem, woraus alles entsteht und wohin alles verschwindet - es war der zarte Geruch der Ehrlichkeit, als noch auf dem Feld gearbeitet wurde. "Sie werden düngen, nicht essen", sagt eine alte ländliche Weisheit. "Sie werden essen, nicht düngen", kommt als Echo ein nicht weniger weiser Witz zurück. Wir, die wir in der Stadt wohnen, haben schon vor langer Zeit vergessen, dass die Wahrheit so einfach wie das Tageslicht ist - es ist die Wahrheit der Wechselbeziehung aller
       mit allen. Wir beschäftigen uns nicht mit dem endlosen Kreislauf der Natur; wir haben wegen dieser angeordneten und unbestechlichen Wahrheit seiner Existenz keine schlaflosen Nächten. Wir selbst sind gewaltige Fabriken, die wertvolle Produkte in nicht weniger wertvolle Produkte umwandeln, deren Wert aber von vielen philosophischen Parfümherstellern bestritten wird. Seine ehrliche und aufregende Prosa in diesem sauberen Originalzustand, in dem es zu riechen ist, mindert nicht seinen Wert, aber die ständigen Ströme dieser unglaublichen Substanz trennen das Leben vom Nicht-Leben, während sie weiter fließen. Sie trennen den Ernährer unserer Erde, den Erschaffer eines einfachen, täglich auftretenden Wunders - eine Grünpflanze, die unser Brot werden wird, und nur lebt, um in ihren ursprünglichen Zustand zurückzukehren, nachdem sie unseren unersättlichen Magen besucht hat.
       Sie sollten diesen Geruch lieben! Ich meine den Geruch von feuchter Erde und Gras - es ist die Quelle von dem, was auf unseren Tisch kommt; dieser Geruch gab uns nicht nur die Möglichkeit, Mammuts zu jagen, sondern auch entspannt vor dem Fernseher zu sitzen.
       Sie sollten diesen Geruch lieben! Wirklich! Denn in ihm liegt die Kraft des Lebens und er schützt uns vor dem Rinderwahnsinn! Sie sollten lieben zu lieben; indem man liebt, liebt man die Liebe.
       Und alles was sie dafür brauchen, ist - na, erraten Sie, was es sein könnte?
       Als Lilli-Bunny nach Stoned-Henge kam, sah er einen Strom von Dorfbewohnern, die düngten. Er konzentrierte sich auf das erste Feld, das mit starken Pflanzen gefüllt war, die beneidenswert mit einer solchen Kraft wuchsen, wie es eigentlich nur Unkraut tut.
       Lilli-Bunny bat sein Auto anzuhalten, als sie sich dem Feld näherten. Er stieg aus, berührte die Erde, fühlte sie, roch sie, und da er schon ein echter, erfahrener Landwirt war, versuchte er auch, die Erde zu probieren, indem er sein Gesicht damit beschmierte und seine Augen damit färbte.
       Jeder sagte "das Feld ruht". Deswegen war es auch nicht überraschend, das auf dem Feld Zauberunkraut leidenschaftlich in seiner Liebe für das Leben wuchs, bis es die Größe von jungen aber gut gefütterten Affenbrotbäumen hatte. Es war völlig unverständlich, warum irgendjemand Unkraut düngte. Aber da Lilli-Bunny darüber Bescheid wusste, erklärte er es den Mitreisenden, als er zum Auto zurückkehrte. Er sagte "Das Feld ruht".
       Lilli-Bär stellte sich sofort vor, dass sich das Feld auf einer Bank oder einem Sofa ausruht. Goldkatze hingegen sah vor ihrem geistigen Auge das ruhende Feld, vollständig mit frischer Milch geflutet, das ganze Feld, mit frischer Milch geflutet, ein ganzer Ozean an frischer Milch, das ganze Universum war frische Milch, die ganze Ewigkeit war frische Milch - und Goldkatze sah keines dieser
      
       ekelhaften Monster mit Hörnern und stampfenden Hufen. Goldkatze liebte Kühe nicht sehr, obwohl er die Milch liebte, die sie produzierten. Das ist mir bekannt - sehr oft gefällt den Leuten dass, was ich schreibe, aber mich mögen sie nicht.
       Nachdem er sich die ganze frische Milch, unendlich multipliziert, vorgestellt hatte, schlief Goldkatze zufrieden ein und schielte dabei glücklich auf ihre Milchfantasien. Die andere Katze, Basia, dachte gar nichts, denn sie hatte ihre Brille zu Hause vergessen und ohne Brille konnte sie nicht denken.
       Basia litt weder unter Kurz- noch Weitsichtigkeit. Die Wahrheit war: Sie konnte ausgezeichnet sehen, aber aus irgendeinem Grund konnte sie ohne ihre Brille nicht denken. Lilli-Jake hatte diesbezüglich mal ein wissenschaftliches Experiment gemacht: Er hatte ihr die Brille aufgesetzt, aber es hatte sich herausgestellt, dass sie immer noch nicht denken konnte, obwohl sie jetzt die Brille auf hatte. Lilli-Jake entschied sich, diese Tatsache vor Basia geheim zu halten, denn ihre Seele war bereits schwer traumatisiert durch den Versuch des Luftballons, sie zu erwürgen, als sie versucht hatte, unter das Sofa zu kriechen.
       Seitdem dies passiert war, aß Basia jedes Mal, wenn sie einen Ballon sah, Katzengras und verfiel in eine psychosomatische Übererregung - deswegen versuchten die anderen auch, ihr zu verheimlichen, dass sie nicht denken konnte, gleichgültig, ob sie die Brille auf hatte oder nicht.
       Lilli-Bunny war ein Anhänger der alten Schulmedizin, wonach Ärzte und die Familie dem Patienten keine unangenehmen Sachen sagen will. Dem Patienten geht es gut, wenn er nicht weiß, ob er überleben wird; manchmal geht es ihm sogar wieder besser, trotz der Vorhersagen des Arztes. Das machte den Ärzten unglaubliche Sorgen, denn sie waren stolz auf ihre Fähigkeit, den Verlauf einer Krankheit genau vorherzusagen; sie waren sogar stolzer darauf, als auf ihren Erfolg bei der Behandlung des Patienten. Ärzte sagen zu ihren Kollegen Sachen wie "Dieser Patient wird in genau zwei Stunden und drei Minuten sterben." Andere Ärzte widersprechen dem aber. "Aber bitte, sehr geehrter Kollege, da kann ich Ihnen leider nicht zustimmen. Der Patient wird nicht in zwei Stunden und drei Minuten sterben, sondern in zwei Stunden und vier Minuten!" Und beide stehen mit Stoppuhren beim Patienten und starren den sterbenden Mann an, und warten ab, wer von beiden Recht hatte. Der Patient stöhnt, er fragt nach Medizin, er bittet um einen Einlauf oder das ihm jemand zumindest das Kissen von seinem Gesicht wegzieht. Ja, es stimmt, die Krankenschwester hatte aus Versehen ein Kissen auf das Gesicht des Patienten gelegt, als sie das Bett gemacht hatte und hatte vergessen, es wieder wegzunehmen. Der Patient selbst konnte es nicht wegnehmen, da er mit seinen Armen an die Seiten des Bettes gefesselt war, damit er nicht die intravenösen Schläuche und die Kabel des Monitors herauszog. Der Tod wird also vielleicht wegen Erstickung eingetreten,
       verursacht durch das Kissen, das auf die Atemwege des Patienten gelegt und dort vergessen worden war.
       Um ehrlich zu sein, die Leiden des Patienten können nur eine Diagnose bedeuten - Akute Erstickung durch Kissen (AEdK). Als er im Krankenhaus ankam, war er absolut gesund gewesen, und war nur ins Krankenhaus geschickt worden, um seine Gesundheit durch Tests zu beweisen.
       Aber denken Sie bitte nicht, dass etwas falsch gelaufen ist, werter Leser, das irgend etwas durcheinander geraten ist. Für die Tests musste der Patient leicht narkotisiert werden, das heißt der Patient war nicht ganz bei Bewusstsein und hatte, als er aufwachte, festgestellt, dass er ans Bett gefesselt war und dass ein Kissen auf seinem Gesicht lag.
       Die Ärzte, die kamen um ihn auf ihren vollen Visiten zu untersuchen hätten das Kissen wegnehmen können, aber zum einen ist es schließlich nicht deren Aufgabe, die Betten herzurichten, zum anderen schauen sie sich Patienten niemals an; Ärzte sind mit den Testergebnissen und dem Lesen der Monitore beschäftigt, die ganz klar zeigen, dass der Patient bald sterben wird.
       Ärzte machen sich keine Sorgen um ihre Patienten. Was sie beschäftigt sind Testergebnisse, die Werte auf dem Monitor und die genaue Vorhersage, wann jemand sterben wird.
       Aber natürlich kämpft der Patient um sein Leben. Er wird laut, versucht, die Aufmerksamkeit der Ärzte auf sich zu ziehen, aber Ärzte mögen es nicht, wenn Patienten in ihre Entscheidungen eingreifen und geben den Patienten deswegen noch weitere Medikamente in die intravenösen Schläuche, damit sich die Patienten entspannten. Am nächsten Morgen wird einer der Ärzte die Familie anrufen: "Es tut mir wirklich leid, aber er hat es nicht geschafft..."
       Natürlich wird in der nachfolgenden Untersuchung nicht die wirkliche Todesursache herausgefunden werden, denn der Körper wird nicht mit dem Kissen zum Kühlschrank geliefert werden. Das Kissen braucht man schließlich für den nächsten Patienten.
       Grundsätzlich ist ein Kissen kein medizinisches Gerät und steht auch nicht in Zusammenhang mit einer Krankheit. Es war offensichtlich, dass der Patient an einem Virus gestorben ist, den er sich in China eingefangen hatte. Ach, der Patient hatte keinerlei Beziehung zu China? Was ist mit dem chinesischen Essen, dass er sich bestellt hatte, bevor er ins Krankenhaus kam?
       Ich möchte nicht sagen, dass die Medizin erst in unseren Tagen teuflisch wurde. Es war schon immer so. Nur wurde dem Patienten in den guten alten Tagen nicht gesagt, dass er sterben wird und die Ärzte warteten mit den Stoppuhren auf den Tod des Patienten hinter der Tür.
       Ich kann beweisen, dass Ärzte gefährlicher sind als Waffen.
       So gibt es zum Beispiel in Amerika 700.000 Ärzte. 120.000 Patienten pro Jahr sterben durch Unfalltod, verursacht durch die Ärzte. Unfalltod pro Arzt sind 17.14% (Statistik des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums (Department of Health & Human Services)).
       Schauen wir uns nun die Waffenstatistik an: 80.000.000 Personen in den USA sind im Besitz einer Waffe (ja, 80 Millionen!). Die Anzahl der Menschen, die unabsichtlich mit einer Waffe getötet werden beträgt im Jahr in der ganzen Bevölkerungsgruppe 1.500. Das bedeutet, die Anzahl der unabsichtlich getöteten Personen durch den Besitzer einer Waffe beträgt 0,001875% (Statistik des FBI). Das heißt also, dass Ärzte 9.000 mal gefährlicher sind als Waffen. Man muss sich also merken: Waffen töten keine Menschen, Ärzte töten Menschen.13
       Ach, Sie denken immer noch, dass ich verrückt bin (was natürlich möglich ist)? Dann hören Sie sich bitte diese Tatsache an: Nicht jeder hat eine Waffe, aber fast jeder hat zumindest einen Arzt!
       Nun hat die Medizin aber einen unwahrscheinlichen Sprung nach vorne gemacht. Es wurde nämlich entschieden, dass, wenn ein Patient stirbt dies in der Regel nichts fürchterliches ist. Wie viele gesunde Menschen gibt es dann noch?
       Warum sollten sich Ärzte mit den Kranken und Sterbenden beschäftigen, die dann am Ende doch auf ihre Neigung bestehen, krank zu sein und zu sterben - trotz der ganzen Aufmerksamkeit, die ihnen die Ärzte entgegengebracht haben? Aber Ärzte sollten sich auch nicht mit den Gesunden beschäftigen müssen, denn, wie schon das obige Beispiel zeigt, brauchen gesunde Menschen keinen Arzt. Warum sollte ein gesunder Mensch auch einen Arzt brauchen? Ein Arzt ist für einen gesunden Mensch das, was für einen lebenden Hahn der Metzger ist.
       Also begannen die Ärzte, sich ständig mit ihrer bevorzugten Tätigkeit zu befassen - dass zu fangen, was für sie am wichtigsten ist - wie viel Zeit dann für das Leben des Patienten bleibt, kommt an zweiter Stelle. Das gefällt natürlich sehr den Versicherungsunternehmen, die unter allen Umständen versuchen, uns so zu versichern, dass die Versicherung niemals, unter keinen Umständen, auch nicht wenn der Tod für den Versicherten droht, gezahlt werden muss.
       Deswegen erzählte Lilli-Bunny Basia nicht die offensichtliche Diagnose, Akute Katzendummheit (AKD). Aber Doktor Schnellertod stimmte dieser Diagnose nicht zu und erzählte Basia, dass sie unter irgendeinem Virus litt. Basia glaubt ihm das und wusch sich ihr Fell mit einem antiviralen Shampoo, wodurch sie aber nicht schlauer wurde.
      
       _________________________________
       13http://pharmacy.creighton.edu/asp/.Bis ans Ende scrollen
       Ich glaube, es gibt irgendeinen Vertrag zwischen Ärzten und Viren. Laut diesem Vertrag sind die Ärzte verpflichtet, nicht nach einem wirksamen Weg zu suchen, um die Viren zu bekämpfen, die Viren hingegen stimmen zu, in all den Fällen, in denen die Ärzte nicht in der Lage sind oder die korrekte Diagnose nicht finden wollen, für die Ärzte die Schuld auf sich zu nehmen.
       Aber zurück zur Landwirtschaft. Lilli-Bunny war so enthusiastisch, nachdem er das Feld gesehen hatte, dass er es nicht mehr abwarten konnte, seinen Freund Herrn Brotesser zu treffen, der ihm mit Sicherheit die neue Methode dieses Anbaus erklären konnte.
       Herr Brotesser war eine einfache Person. Einige Leute nennen solche Menschen wie Herrn Brotesser Bauerntrampel oder weißen, reaktionären Hinterwälder, aber ich denke, das ist inakzeptabel. Farbe ist etwas persönliches und sollte nicht umsonst erwähnt werden, so wie die Farbe der Haut oder die Farbe des Autos. Eigentlich sollten wir keine Farben benutzen, um irgendwas zu beschreiben. Sonst könnte das riesige schwarze Loch in der Mitte der Galaxie den Namen "schwarzes Loch" als Beleidigung empfinden und unseren miserablen Planeten zusammen mit der Sonne schlucken. Benutzen Sie keine Farben mehr, denn nur so können wir unser Solarsystem schützen!
       Jemand mag einwenden, dass diese so genannten Hinterwäldler von Land zu Land verschieden sind. Aber das stimmt so nicht. Sie sind überall gleich - hart arbeitende Individuen, die gerne einen Trinken. Sie sind die Basis dafür, dass es uns gut geht. Wer würde denn sonst den ganzen Alkohol, der in den Städten produziert wird, trinken?
       Als Lilli-Bunny jünger war, war er viel gereist und er hatte festgestellt, dass die Menschen überall gleich sind. Ja, es stimmt, nach außen hin mögen sie sich unterscheiden - einige benutzen eine Zahnbürste, andere nicht. Aber das ist auch schon der einzige Unterschied.
       Dörfer in der Ferne sehen in jedem Land gleich aus. Aber auch die großen Städte ähneln sich wie zwei Wassertropfen. Vergessen sie berühmte Türme und Wahrzeichen -- Berlin sieht so aus wie London, London sieht genauso aus wie
       Toronto, Toronto sieht so aus wie New York - und zwischen diesen Städten ist die Erde eintönig. Überall sind Industriegebiete.
       Nur auf dem Land findet man die wirklichen, echten Menschen eines Staates. Hier ist die Oase, wo man das echte Gesicht eines Landes kennen lernt.
       Lilli-Bunny traf Herrn Brotesser in des Nähe des Eingangs zum Dorf, wo dieser anscheinend auf seine Gäste wartete. Lilli-Bunny fragte Herrn Brotesser, warum alle Felder um das Dorf herum ruhten und voller Unkraut waren, und warum die Menschen sie mit Kompost düngten.
       - Mein lieber Lilli-Bunny, Sie sind aber wirklich nicht auf dem neuesten Stand. Zuerst mal: Das ist kein Unkraut. Das sind sehr wertvolle Pflanzen, so genannte Greedyslutus Swampus. Es wächst ganz allein und braucht keine besondere Pflege. Man muss es nicht säen, es sät sich selbst. Man muss es auch nicht ernten, denn niemand braucht es.
       - "Ja, aber warum lassen Sie es dann wachsen?", fragte Lilli-Bunny sehr überrascht.
       - "Oh, ganz einfach. Wegen der Photosynthese. Greedyslutus Swampus gibt es uns frische Luft. Wir bekommen Subventionen von der Regierung, die uns so beim wachsen lassen der Greedyslutus Swampus unterstützt, denn die Menschen in der Stadt würden ohne neue frische Luft ersticken", erklärte Herr Brotesser.
       - "Das heißt also, Sie bekommen Geld für Luft?", fragte Lilli-Bunny, den nun die Einzelheiten interessierten.
       - "Seit wann sind denn Hasen an Geld interessiert?", scherzte Herr Brotesser und versuchte dabei, die Fragen bezüglich seines Geschäfts, Luft zu verkaufen, zu vermeiden.
       - "Ja bauen Sie denn überhaupt keinen Weizen an, Herr Brotesser?"
       - "Um Gottes Willen! Aber natürlich nicht! Es ist nicht nötig, Weizen anzubauen. Heutzutage wird doch Brot in den Brotfabriken aus
       Brotfasern gemacht. Wir, die Leute von Stoned-Henge propagieren eine neue landwirtschaftliche Ära, zusätzlich zu den Greedyslutus Swampus. Wir bauen diese neuen Kulturen in unseren Kellern an. Wir haben Lichter installiert, damit sie es warm haben und damit es hell ist."
       - "Was ist denn das, was im Keller wächst? Ist es Schimmel?", fragte Lilli-Bunny neugierig.
       - "Cannabis mag den Keller", antwortete Herr Brotesser lächelnd. "Es ist einfacher, es im Keller anzubauen, da wir uns so gut mit Pflanzen auskennen."
       Herr Brotesser war für seine Gastfreundschaft bekannt, deswegen bestand er auch nicht darauf, dass seine Gäste zum Abendessen blieben. Andere Menschen bestehen oft darauf, dass die Gäste die ganzen Reste im Haus aufessen - Reste sind ein wirkliches Problem, wenn man kein Schwein im Haus hat. Deswegen sind die ganzen Reste für die Gäste, mit der Folge, dass den Gästen übel wird. Sie übergeben sich überall, was natürlich die Präsentation eines jeden Dorfes empfindlich beeinträchtigt und was auch nicht gut ist für den Tourismus.
       Dörfer hängen heutzutage sehr von den Touristen ab. Viele Besucher möchten ihre Wurzeln finden und hier finden sie sie. Manchmal kriechen sie für drei Stunden auf dem Boden, und suchen nach ihren Wurzeln. Ach, Sie hatten gedacht es wäre das Mondlicht? Aber wie haben Sie dieses Geschehen dann immer in den Nächten, in denen der Mond nicht zu sehen war, erklärt? Die Touristen kaufen manchmal die neue Pflanze, die in Kellern angebaut wird, nur als Souvenir, denn diese Blätter sind so künstlich. Manchmal rauchen sie es, um die Moskitos abzuwehren, aber sonst aus keinem anderen Grund. Man glaubt gar nicht, wie viele Moskitos es auf dem Lande gibt. Seitdem die Greedyslutus Swampus diese Gegend bevölkert, ist das Land sumpfig geworden und das Wasser war voller Algen. Haben Sie gewusst, werter Leser, dass die Algen eine der ersten Pflanzen waren, die es auf der Erde gab? Es ist unsere einzige Chance, aus dem Mars eine Erde zu machen. Die Tatsache, dass es Algen wieder in unseren Brunnen gibt bedeutet, dass die Revolution wieder von vorne beginnt - ein zweiter Zyklus. Zum Beispiel werden dann die Menschen nicht von den Affen abstammen. Sie werden von den Destillierapparaten für schwarzgebrannten Schnaps abstammen. Deswegen wird Schnaps auch durch besondere Mondlicht-produzierende Organe, die wegen einer unglaublichen Verdauung nicht abgestoßen werden, in den Menschen hergestellt.
       Lilli-Bunny und seine Begleiter aßen im Garten hinter dem Haus zu Abend, aber er verließ sie schon bald, um zu sehen, was so im Dorf passierte. Beim ersten Haus, das er besuchte traf er Charles Dickens. Dieser großartige Autor schaute nach den Bewohnern des Hauses, ob sie genug zu Essen hatten, wie viele Scheiben Brot jeder aß, und wie betrunken sie waren. Dickens recherchierte für seinen neuen Roman, David Dobbiefield, denn er wollte seine Gedanken zur Armut und zu armen Menschen beschreiben. Er wollte beweisen, dass wenn man arme Leute über deren Wurzeln aufklärt, besonders ihre Quadratwurzel, dass sie dann reicher sein werden - auch wenn dieser Reichtum nicht von materieller Art sein wird, so wird es dann doch spiritueller Reichtum sein. Und wenn jemand arm und spirituell ist, dann geht es diesem Menschen sehr viel besser als jemandem, der spirituell arm ist.
       Als Charles Dickens Lilli-Bunny sah, war er ziemlich aufgeregt. Er gab Lilli-Bunny sein Buch, Twisted Oliver und signierte es mit den folgenden Worten: Für den einzig wahren Lilli-Bunny, vom echten Charles Dickens.
       Das war nötig gewesen, denn in der letzten Zeit hatten einige Leute Zweifel daran geäußert, dass er der echte Charles Dickens sei. Sie berührten seinen Bart und sagten: "ist er es wirklich?". Deshalb hatte er selbst angefangen, daran zu zweifeln, ob er wirklich echt war. Manchmal berührte er sich sogar selbst am Bart und fragte sich: "Bin das wirklich ich?"
       Die öffentliche Meinung hat einen großen Einfluss. Wenn man über sich selbst in der Zeitung liest, dass man ein Idiot ist, wird man früher oder später feststellen, dass man ein Idiot geworden ist. Dasselbe passiert, wenn einem gesagt wird, dass man ein Schwachkopf ist; nur irgendwie funktioniert das nicht, wenn jemand Heiliger genannt wird. Es ist sehr viel anstrengender, ein Heiliger zu sein als ein Schwachkopf. Als Heiliger hat man eine größere Verantwortung, was sich aber nicht in der Belohnung widerspiegelt. Deswegen gibt es immer weniger Heilige, dafür aber mehr Schwachköpfe. In der öffentlichen Meinung kann man auch ein Dummkopf oder ein Bastard sein. Beide Titel sind sehr respektabel und werden von jedem angestrebt, denn so werden normalerweise Mitglieder der Regierung und andere außergewöhnliche Individuen bezeichnet, die eine hohe Belohnung sowohl in Geld aus auch in der öffentlichen Anerkennung erhalten.
       Lilli-Bunny fragte Charles Dickens, ob er sich vielleicht überlegen könnte, sein berühmtes Buch Twisted Oliver umzubenenen, zum Beispiel in Cinnamon Twist -- Zimt Twist oder Twisted Twink -- Junger Mann von anderen Ufer, denn heutzutage muss man über das Essen oder über gleichgeschlechtliche Liebe sprechen, um ein erfolgreicher Autor zu werden.
       Charles Dickens fand diese Idee toll und verließ Lilli-Bunny, um ein zweites Buch zu schreiben, Twisted Oliver 2, in dem er die Themen, die Lilli-Bunny vorgeschlagen hatte, einarbeiten wollte. Charles Dickens musste um jeden Preis ein berühmter Autor bleiben,
       denn was würden die Deutschen sonst lesen, bevor sie ins Bett gehen? Und wie würden die Amerikaner sonst einschlafen, wenn sie aus Versehen damit in Berührung kommen?
       Lilli-Bunny verabschiedete sich von Charles Dickens und ging, um das Feld mit den Kühen zu finden. Allerdings fand er keine Kühe. Lilli-Bunny wollte sich eine eigene Kuh kaufen und wollte von den anderen lernen, wie man sich um Kühe kümmerte oder was sie fressen sollten. Lilli-Bunny mochte Kühe sehr. Ein bisschen enttäuscht darüber, keine Kühe zu finden, ging Lilli-Bunny zurück zu Herrn Brotesser und fragte ihn, wo die ganzen Kühe seien. Herr Brotesser erklärte, dass alle Kühe verrückt geworden und in Richtung Süden geflogen seien. Lilli-Bunny war darüber SEHR überrascht. Er dachte bei sich: "Wie können Kühe im Frühling in Richtung Süden fliegen? Warum fliegen sie nicht im Herbst, wenn auch die Vögel das Land verlassen?" Aber Lilli-Bunny sagte: "Vielleicht möchten die Kühe im Sommer Urlaub nehmen, wie jeder andere auch. Warum sollte man sie dann für verrückt erklären, wenn sie nur genauso sein wollen, wie die anderen? Ist das nicht ungerecht? Diese hartarbeitenden Kreaturen sind dazu bestimmt, Gras zu fressen und eine fettige Substanz herzustellen, mit dem das Feld gedüngt wird. Warum sollten wir diese graziösen Gras-Fresser nicht respektieren?"
       - "Das stimmt!", sagte Herr Brotesser. "Das ist ihre Zoologie."
       Lilli-Bunny übernachtete für eine Nacht im Schuppen, denn er wollte in einem Heuhafen schlafen - schließlich macht es sehr viel Spaß, im Heu zu schlafen, und das ist es ja, was man in einem Dorf tut. Aber wegen dem Rinderwahnsinn und der Vogelgrippe gab es kein Heu mehr, denn das Heu empfand Heuangst und hatte sich selbst verbrannt. Lilli-Bunny musste auf einer alten Matratze schlafen, die Herr Brotesser bequemerweise im Schuppen gelassen hatte. Lilli-Bunny schaute sich die Matratze an und sah viele Inschriften. Diese Matratze war mal im Krankenhaus für Geisteskranke gewesen, wo die Patienten Gedichte und andere Texte darauf geschrieben hatten. Es machte Lilli-Bunny Spaß, die Texte zu lesen und er fragte sich, wie viele wirklich talentierte Leute in Einrichtungen für Geisteskranke hockten.
       Heutzutage ist es sehr schwer geworden, zwischen normal und unnormal zu unterscheiden. Das, was heute als normal betrachtet wird, wäre vor zwei Jahrzehnten mit der Todesstrafe geahndet worden und Sachen, die früher täglich passiert sind sind heute illegal. Vor sechzig Jahren wäre jeder Künstler
       im modernen Show-Business ohne zu zögern in eine Einrichtung für Geisteskranke eingewiesen worden. Traditionelle Individuen, die jemanden zum Duell fordern, um einen Streit wegen Liebe oder Ehre zu klären, werden heute in ein Häuser für Geisteskranke eingewiesen oder inhaftiert, obwohl sie vor zweihundert Jahren als absolut normale und anständige Personen gegolten hätten.
       Lilli-Bunnys Begleiter schliefen in Lilli-Bunnys Auto, denn die Matratze, auf der Lilli-Bunny schlief war die einzige in dem Schuppen. Lilli-Bunny übernachtete mit seinen Pantoffeln im Schuppen, denn man war nicht wirklich in einem Dorf, wenn man nicht im Heu geschlafen hat - auch wenn das Heu durch eine sehr schön gestaltete und lesbare Matratze ersetzt wurde.
       In der Nacht wurde Lilli-Bunny gebissen, und das sehr schmerzhaft. Es war ein Herr Enorm, einer der örtlichen Wanzen, der ein erfolgreicher Komiker war. Aber als Lilli-Bunny sich schlafen legte, wurde Herr Enorm zu einem niedergelegten Komiker, denn auch Komiker müssen sich hin und wieder hinlegen.
       Lilli-Bunnys Pantoffel wachten von den Schreien Lilli-Bunnys auf und sprangen auf die Wanze. Dabei riefen sie: "Was hast du getan? Du hast einen Präsidenten gebissen!" Erinnern Sie sich, werter Leser? Die Pantoffel hatten Lilli-Bunny zum Präsidenten gewählt.
       Herr Enorm sagte mit Abscheu in seiner Stimme: "Es ist mir völlig egal, ob er der Präsident ist oder nicht! Es ist mir egal, wen ich gebissen habe! Ich bin ein Freigeist." Aber Freigeister sind nicht ganz frei; sie sind sogar ziemlich teuer.
       Komiker sind wie Journalisten; man kann sie nur kaufen, wenn man einen sehr guten Preis zahlt. Aber auch wenn man einen bezahlt heißt das nicht, dass er die Wahrheit erzählt. Er wird es nur deiner Ansicht nach tun. Man kann einen Journalisten nicht dazu bringen, zu lügen, denn Journalisten sind großartige Leute und großartige Leute lügen nie. Journalisten definieren, was wahr oder was falsch ist, und deswegen muss alles, was sie sagen wahr sein. Sie sind fast wie Ärzte, die oft das letzte Wort haben, oder dessen Patienten nicht widersprechen können, da sie bereits tot oder für die Öffentlichkeit tot sind, was fast dasselbe ist.
       Lilli-Bunny verließ den Schuppen, um seine Begleiter aufzuwecken und sie machten sich sofort auf den Weg. Lilli-Bunny sagte: "Nur sehr gesunde Leute, die nicht davon krank werden, so viele kranke Leute auf einmal zu sehen, können heutzutage in einem Dorf wohnen."
       "Ich muss wirklich die Kartoffeln pflanzen, bevor sie in Richtung Süden fliegen wie die Kühe. Denn wer kennt sich denn schon mit deren Botanik aus?"
       Kapitel 21
       Lilli-Bunny und Fisch 007
       Es war ein ganz gewöhnlicher Tag im Lilli-Bunny Haus. Wie üblich hatte Lilli-Bär den plüschigen Stier besiegt, dem im ein Freund aus Texazistan, dem Land der plüschigen Stiere, geschenkt hatte. Seit Lilli-Bär den plüschigen Stier mit der Post bekommen hatte, hatte er das Biest an einem Stierkampf, dem so genannten Corrida, teilnehmen lassen: Auf Lilli-Bärs Befehl hin und nachdem er bis drei gezählt hatte, fiel der plüschige Stier auf die Seite und sagte "Autsch". Dann tanzte Lilli-Bunny für Lilli-Bär Flamenco. Und Lilli-Bär klatschte jedes Mal begeistert und rief "Bravo! Bravo!"
       Das einzig ungewöhnliche heute Morgen war, dass Lilli-Bunny fischen gehen wollte und deshalb doppelt so schnell Flamenco tanzte. Lilli-Bär klatschte so heftig Beifall, um mit dem Rhythmus des Tanzes Schritt zu halten, dass seine Pfoten heiß wurden und er sie blasen musste, um sie abzukühlen.
       Der plüschige Stier pferchte sich selbst auf dem Teppich ein und muhte ruhig unschuldige und kritische Kommentare bezüglich Lilli-Bärs Gewohnheit, jeden Morgen einen Stierkampf zu veranstalten. Aber wir können Lilli-Bär schon verstehen. Er besiegte den plüschigen Stier nur, damit Lilli-Bunny Flamenco tanzte, denn Lilli-Bunny weigerte sich, zu einer anderen Zeit zu tanzen, da er ansonsten sehr beschäftigt war. Aber als Lilli-Bär mit der Zeit jeden Morgen gegen den plüschigen Stier gewann, konnte sich Lilli-Bunny nicht weigern, zu tanzen, denn die Tradition, dass jemand für den Gewinner der La Corrida Flamenco tanzen muss, musste unverändert bestehen bleiben.
       Am Tag zuvor hatte Lilli-Bunny geheime Informationen von seinem Geheimdienst bekommen. In seinem Teich, dem Lilli-Teich, war Fisch 007 aufgetaucht, den Lilli-Bunny in der ganzen Welt gejagt hatte.
      
       Wegen dieses Fisches hatte Lilli-Bunny seinen eigenen Geheimdienst gegründet, selbst das Hauptquartier war so geheim, dass sogar Lilli-Bunny vergessen hatte, wo es war. Zum Glück arbeitete das Hauptquartier weiter und schickte ihm weiterhin wichtige Informationen über das Wetter und gab Empfehlungen darüber ab, welche Pflanzen er anpflanzen sollte.
       Aber die Information, auf die Lilli-Bunny so sehr gewartet hatte, war sehr schwer zu bekommen. Lilli-Bunnys Geheimdienst wollte nicht den Standort von Fisch 007 bekannt geben, den Fisch, den Lilli-Bunny beinahe mal gefangen hatte. Damals hatte Lilli-Bunny sich vierundzwanzig Stunden versteckt, direkt vor Fisch 007s Nase. Das zweite Mal hatte er Fisch 007 aus dem Hinterhalt überfallen, in der Nähe der besonderen Wohnung von Fisch 007 unter dem Roten Meer, dann im Weißen Meer, ein anderes Mal in einem halb-trockenen See, der fünf Jahre zur Perfektion gereift war. Als Lilli-Bunny nun erfuhr, dass Fisch 007 in seinem, im Lilli-See, aufgetaucht war, direkt gegenüber vom Haus, konnte er das nicht auf sich beruhen lassen. Es ging um seinen Ruf als Geheimagent und um die Rettung der Menschheit vor den fürchterlichen Spionageaktivitäten von Fisch 007, der, um ehrlich zu sein, nichts schlimmes gemacht hatte. Er war einfach nur ein kleiner, durchschnittlicher Schwarzbarsch, aber Lilli-Bunny wollte mit dem Barsch ein Spionagespiel spielen und erklärte Fisch 007 deswegen zum Spion. Also wirklich, sehr verehrte Leser, wenn Lilli-Bär am La Corrida mit dem plüschigen Stier jeden Morgen teilnehmen durfte, warum sollte dann Lilli-Bunny nicht ein Spionagespiel mit einem gefährlichen Doppelagenten, Fisch 007, spielen? Denn schließlich arbeitete Fisch 007 gleichzeitig für zwei feindliche Geheimdienste - für den Geheimdienst des Meeres und für den der See. Na ja, vielleicht war das nur eine Frucht von Lilli-Bunnys lebhafter Phantasie, aber was machte das schon? Es hätte schlimmer sein können; es hätte ein Gemüse von Lilli-Bunnys Phantasie gewesen sein können. Dann wäre Lilli-Bunny wirklich sehr, SEHR ernst geworden. Er hätte es jedem gesagt, der es hören wollte und auch nicht hören wollte, dass Hasen sehr ernst werden, wenn es um Gemüse geht.
       Mein kritischer Leser, Sie sagen jetzt vielleicht, dass mein Held Lilli-Bunny seine Zeit verschwendet und dass ich mit ihm meine Zeit verschwende, dass ich zu viele Wörter schreibe, und das nicht viele von diesen Wörtern einen wirklich berühren. Vielleicht sagen Sie, dass es vielleicht einige berührende Worte in meinem Text gibt, aber das es schwierig ist, sie zu finden, besonders nachdem Sie alle Hoffnung verloren haben und mein Buch unter die Couch geschmissen haben. Sie räumen das Zimmer auf, bevor Ihre Gäste kommen - und huldigen so der idiotischen Tradition,
       das Zimmer aufzuräumen, bevor die Gäste kommen, nur um denen so die Möglichkeit zu geben, alles wieder durcheinander zu bringen, dabei war es doch schon am Anfang unordentlich gewesen. Und nun entdecken Sie so einige Sachen unter der Couch, die Sie schon lange vergessen hatten. Zwischen den undefinierbaren Stücken eines Kleides von jemandem und einem nur halb gegessenen Apfel, den jemand versucht hatte, vor dem Beginn der letzten Wirtschaftskrise ganz aufzuessen, finden Sie mein Buch und schlagen zufällig gerade diese Seite auf, lesen meine sehr langen Sätze, werden wieder ärgerlich und schmeißen es wieder unter die Couch und vervollständigen den unendlichen Kreislauf, die Hoffnung zu gewinnen und wieder zu verlieren, dass Sie berührende Worte in meinem Buch alphabetisch gelistet finden. Das ist schade, denn Sie können viele Haken finden, besonders Angelhaken, die sich an der Seele festhaken könnten, wenn sie zustimmen würden, auf sich selbst ein "007" zu schreiben, und sich Schuppen wachsen lassen würden, denn Fische mit anderen Zahlen interessierten Lilli-Bunny überhaupt nicht (wie Sie vielleicht verstehen werden).
       Okay, Sie sagen, ich verschwende meine Zeit. Zuerst ein Mal: Sie verschwenden Ihre Zeit, wenn Sie versuchen, Ihre Wohnung aufzuräumen, bevor die Gäste kommen; sie verschwenden auch Ihre Zeit, weil Sie nicht mein Buch lesen, sondern es stattdessen unter das Sofa werfen; Sie verschwenden sogar Ihre Zeit, wenn Sie mein Buch lesen und nach berührenden Worten suchen. Sie verschwenden immer Ihre Zeit. Jeder verschwendet seine Zeit.
       Es ist leicht zu beweisen, dass die ganze Welt ständig Zeit verschwendet. Schauen Sie sich die ernsten Gesichter der Führer im Fernsehen an. Sie sind so ernst und rätselhaft, aber man hat immer den Eindruck, als ob sie sich zur Seite drehen und in Gelächter ausbrechen werden, um dadurch der ganzen Welt zu beweisen, dass sie nur ihre Zeit verschwenden.
       Überrascht Sie das vielleicht? Die Welt verschwendet immer Zeit. Lesen Sie mal die Geschichte der Welt unter diesem Gesichtspunkt. Natürlich werden sie viele wirtschaftliche Gründe finden, viele ideologische Interessenkämpfe, aber unterm Strich war es so, dass großartige Leute immer ihre Zeit verschwendeten. Schauen Sie sich Alexander den Großen an oder Napoleon. Lesen Sie unsere ganze Weltgeschichte unter dem Gesichtspunkt der Anti-Verschwendungs-Zeit. Sie werden entdecken, dass Zeit verschwenden die ultimative Basis für all die geschichtliche Entwicklungen der Menschheit ist. Aber
       die meisten professionellen Zeitverschwender sind intelligente Menschen, sobald Sie den Höhepunkt ihrer Macht erlangt haben, denn sie sind keine Amateure, was das Verschwenden von Zeit betrifft; sie tun dies, um davon zu leben.
       Geheimdienste sind die einzige Staatsbehörde, die ganz offiziell Zeit verschwendet. Denn bei welch anderer Behörde kann man die Ausgaben von Aufpassern in Bordellen absetzten? Oder die Rechnungen für Bier oder Whiskey, mit denen versucht wurde, unschuldige Personen betrunken zu machen, um so dann wichtige Informationen über deren Privatleben herauszubekommen (die grau und langweilig sind, wie auch die Leben anderer) und dann Berichte über diese geheimen Treffen zu schreiben und sie vorsorglich für Jahrzehnte mit dem Zusatz "Geheim" zu archivieren. Später müssen sie dann die Beweise ihrer Spionagetätigkeit aufräumen, indem sie auf eine gewisse Art und Weise mit den Quellen umgehen. Die Möglichkeiten sind viele - wählen Sie eine aus der folgenden Liste: ermorden oder etwas genauer abmurksen, abschlachten, aufhängen, aus der Welt schaffen, auslöschen, ausmerzen, ausradieren, ausrotten, ein Ende bereiten, erlegen, ermorden, ersticken, ertränken, erwürgen, exekutieren, fertig machen, in Chinatown ausschalten, kaltmachen, kreuzigen, liquidieren, los werden, lynchen, massakrieren, meucheln, neutralisieren, stumm machen, über die Klinge springen lassen, um die Ecke bringen, umlegen, vergiften, vernichten, weglegen, wegpolieren, wegschießen, wegwerfen oder auf irgendeinem anderem Wege von der Erde wegschaffen. Auch wenn sie der Regierung all diese abwechslungsreichen Aktivitäten in Rechnung stellen, zumindest die meiste Zeit, ist man am Ende dann doch überrascht, dass die unschuldige Person auf eine sehr brutale und fürchterliche Weise starb - und was auch so weitergeht, trotz der ganzen oben genannten Drohungen, denn auch der Geheimdienst macht Fehler, so wie jeder von uns. Oder die, die zuständig sind, fälschen den Bericht über die Liquidation und geben das Geld für extra Bier aus.
       Während die Beamten des Geheimdienstes unschuldige Fußgänger ansprechen, um an wertvolle Informationen zu kommen, fliegen direkt nebenan Flugzeuge in Hochhäuser, werden Gebäude gesprengt und nehmen Terroristen Geiseln. Aber das ist kein Problem, denn die Papiere stimmen und sind sorgfältig archiviert worden. Wenn die Papiere stimmen, ist alles ausgezeichnet und in Ordnung, denn das ist das Ergebnis einer jeden Unternehmung - viel Papierkram und sonst nichts. Wir können den Geheimdienst nicht kritisieren nur weil wir ihre Fehler sehen. Wir wissen nicht, wie viele terroristische Anschläge sie vereitelt haben. Vielleicht, gerade jetzt, während Sie faul auf dem Sofa liegen
       und diese Zeilen lesen, rettet ein anonymer Beamter des Geheimdienstes diese Welt. Die Welt klammert sich mit ihren blassen, kindlichen Händen an den Rand des tiefen Abgrunds und der Geheimdienst versucht, sie zurück zu ziehen, während wir hier auf dem Sofa liegen und keine Ahnung davon haben, was in der Welt so vor sich geht. Das, was als einziges von dieser Operation übrig bleibt, wird nur eine winzige, zerknüllte Rechnung sein - eine Zugfahrkarte, denn der Beamte des Geheimdienstes nahm den Zug zum Abgrund, wo die Welt hing. Wenn dies das einzige Ticket war, bedeutet dass, das er nicht zurückgekommen ist (ich fragte mich immer, welche Operation er nicht schaffte). Wenn es eine Rückfahrkarte gibt, bedeutet das, dass er zurückgekommen ist und dass er die Welt gerettet hat. Falls die Welt nicht gerettet worden ist, wissen wir das ja nicht, denn wir werden alle auf einmal sterben.
       Und Sie sagen, dass der Geheimdienst aus beruflichen Gründen keine Zeit verschwendet? Oh. Das ist eine faszinierende Welt aus Rechnungen für Bier, dass aus dem Staatssäckel bezahlt wurde, eine Welt, die nach vorne geht, wenn sie rückwärts gehen sollte, die Manöver nach links macht, wenn man sie doch rechts braucht, es sind komplizierte einfache, zweifache, dreifache, vierfache Spiele in einer multipolaren Welt wo jeder gleichzeitig gut und böse ist und jeder den Überblick darüber verliert, wer für wen arbeitet, wer für was bezahlt wird und wohin wir alle rennen sollten, denn der Geheimdienst durchdringt alles. Die Spione haben einen gesunden Appetit, sind sehr zurückhaltend und leiden unter keiner Form von Würde, denn die wurde gewöhnlich mit Hilfe einer kosmetische Operation jedem Spion amputiert...auf Kosten der Regierung.
       Ach, Sie wussten nicht, dass die Würde heutzutage kosmetisch behandelt wird? Früher war die Würde ein inneres Organ, aber nun ist sie so stark angeschwollen, dass sie als externes Organ betrachtet wird und dem Äußeren des Gesichts und anderen Teilen des Körpers Schande bereitet. Deshalb haben sie angefangen, Leute zu brandmarken und amputierten Muttermale der Würde um zu verhindern, dass sie sich ausbreiten und zu einer echten Ehrlichkeit metastasieren, was in der modernen Welt als eine bösartige Krankheit betrachtet wird. Ich meine damit nicht die gutartige Ehrlichkeit der Verrückten, die unter der Mehrheit der Bürger der reichen westlichen Gesellschaften wächst, wo sie anfangen, nackt zu demonstrieren, ohne besondere Unterwäsche, die die Ehrlichkeit bedeckt. Das wird ehrlicher Nudismus genannt. Dieser ehrliche Nudismus macht einen wieder ganz krank und hat nichts gemeinsam mit der echten bösartigen Ehrlichkeit, denn die gutartige Ehrlichkeit wächst aus einem anderen Teil Gewebe, einem Teil der
       Feiglingsdrüse, die sich in der doppelgesichtigen Hinternregion des menschlichen Körpers befindet.
       Wahre Ehrlichkeit wächst aus der eigenen Seele, das Organ, das für die chirurgische Entnahme schon im frühesten Stadium bestimmt ist. Es tut mir Leid, dass ich mich in diese medizinische Beschreibung vertieft habe. Wenn Sie bereits Ihre Ehrlichkeit und Ihre Seele repariert haben, können sie über dass, was ich gerade geschrieben habe, hinweglesen. Ich schreibe für diejenigen, die das immer noch an ihren Körpern haben, was sehr gefährlich werden kann, nicht nur für sie, sondern auch für unsere Gesellschaft insgesamt.
       Lilli-Bunny war fertig, um angeln zu gehen und angeln war für Lilli-Bunny kein Witz. Er nahm all seine Angelutensilien aus seinem Schrank und betrachtete sie sorgfältig.
       Lilli-Bunnys Liste der Angelutensilien
       Kategorie 1: Angelrute
       - Angelrute mit lasergeführter Missile
       - Angelrute mit Heckenschützen-Zielfernrohr
       - Angelrute mit Videohaken und optischer Faser-Angelleine
       - Angelrute mit Schwimmer, angetrieben mit Atomkraft (300 Tonnen Verdrängung)
       - Angelrute mit Nachtsicht
       - Angelrute mit Kein-Tag-Sicht
       - Besondere Angelrute: LGX-344 (geheime Technologie, wird freigegeben werden im Jahre 2075. Aber entspannen Sie sich, so lange werden wir nicht leben).
       Kategorie 2: Grundköder
       - Schokoladenkuchen
       - Karton mit 20 Whiskey-Flaschen
       - 10 exotische Tänzerinnen aus Thailand
       - Berauschendes Pulver von der Frucht des Werde-High-Baumes
       Kategorie 3: Köder
       - Gut gefütterte Elefanten
       - Wal von Grönland
       - Das Monster von Loch Ness (Warum glauben Sie findet niemand das Monster in Loch Ness ? Weil es die letzten Jahre in Lilli-Bunnys Schrank mit den Angelutensilien gelebt hat. Lilli-Bunny hatte Nessie in Schottland rekrutiert, indem er sie erpresst hatte, nein, ich wollte sagen, ihr sehr freundlich angedroht hatte, der englischen Presse zu erzählen, dass sie keinen Schwanz wie ein wirklicher Dinosaurier hat, sondern einen wie ein Hase. Wenn die britische Presse solche Tatsachen mitbekommen würde, würden die Paparazzi keine Ruhe geben, bis Nessie in einen tödlichen Unfall in einem Tunnel in Frankreich verwickelt wäre).
       Kategorie 4: Sicherheitsausrüstung
       - Raumschiff (für die Notfallevakuierung der Menschen auf der Erde, falls der Angelausflug eine unerwartete Wendung nimmt)
       - eine Schwimmweste mit einem Vorrat an Porridge für drei Tage für Lilli-Bär (der nicht mit Lilli-Bunny angeln ging, aber nur für den Fall, sollte er doch kommen, und der eine Schwimmweste trug, während er Zuhause saß und sein Sicherheitsporridge aufaß)
       - Schwimmweste für die Fische (nur falls sie über den Rand des Bootes fallen)
       - Pfeife für Fehlinformation
       - Blinklicht für Rückblende
       Kategorie 5: Begleitende Dokumentation
       - Offizielles Zertifikat, mit dem beglaubigt wird, dass Lilli-Bunny nicht Lilli-Bunny ist
       - Offizielles Zertifikat, mit dem beglaubigt wird, dass Lilli-Bunny tatsächlich Lilli-Bunny ist
       - Offizielles Zertifikat ausgestellt für Lilli-Bunny, mit dem beglaubigt wird, dass er Lilli-Bunny ist und gleichzeitig Lilli-Bunny nicht ist (um den Feind in die Irre zu führen)
       - Offizielles Zertifikat, ausgestellt an Lilli-Bunny, um zu beglaubigen, dass er eine Katze ist
       - Offizielles Zertifikat, ausgestellt an Lilli-Bunny, um zu beglaubigen, dass er ein Hase ist
       - Kanadischer Pass, ausgestellt auf Herrn Keinspion, mit einem Foto von Lilli-Bunny
       - Eine Lizenz, um in verbotenen Gewässern zu angeln
       - Ein Dokument, mit welchem verboten wird, in erlaubten Gegenden zu angeln (zur Rechtfertigung, warum man nicht angelte, als es erlaubt war, man aber nicht wollte)
       - Ein Foto des international gesuchten Terroristen OH-SAMA-BIN-SCHON-WEG in einem Fischkostüm (falls er sich wie ein Fisch anzieht und im Lilli-See niederlässt).
       Kategorie 6: Spezielle Netze
       - Gewöhnliches Fischernetz - 1
       Lilli-Bunny legte die Ausrüstung in ein Ruderboot, das Nemo speziell für ihn aus den Ersatzteilen, die von dem Bau seiner Nautilus übrig geblieben waren, gebaut hatte. Lilli-Bunnys Boot war in verschiedenen Trockendocks auf der ganzen Welt zusammengebaut worden. Lilli-Bunny setzte Segel und machte sich auf in die offene See, dass in diesem Fall der Binnensee war. Er angelte allein, denn die schwierigsten Aufträge übernahm er immer allein entsprechend des ungeschriebenen Ehrenkodex der Spione, der fordert, dass sie allein arbeiten, um dann nicht Zeugen töten zu müssen. Als er sich diesen Auftrag selbst übertrug war dies ein anderer Ehrenkodex der Spione: "Wenn du selbst einen Auftrag übernimmt, dann geh und tu es allein."
       Lilli-Bunny machte sich auf in Richtung Nord-Süd-Ost-West, was sich für einen gewöhnlichen Hasen vielleicht unmöglich anhört, was aber nicht ungewöhnlich ist für die Welt der Spione - man teilt sich einfach und fährt in verschiedene Richtungen. Sich zu teilen ist eine sehr wichtige Funktion von Spionen, denn wenn man nicht mit anderen teilt, nehmen sie einfach alles und man hat nichts.
       Fisch 007 aber - auch wenn es sich unglaublich anhört - war bereit für den Angriff. Es stimmt, dieser Fisch war ein einfacher, gewöhnlicher Fisch, aber nachdem er sich für Jahre vor "diesem verrückten Hasen" (wie der Fisch Lilli-Bunny im Geheimen nannte) versteckt hatte, hatte er viele Spionagemethoden erlernt und die Maulwürfe aus Lilli-Bunnys Garten rekrutiert. Fisch hatte ihnen gesagt, er sei ein Maulwurf und hätte sich nur wie ein Fisch angezogen. So überzeugte Fisch 007 die Maulwürfe, dass sie sich rekrutieren ließen, denn sie wollten ihre Fähigkeit zu sehen nicht in Frage stellen, denn schließlich hatten sie ja die Sonnenbrillen von Lilli-Bunnys Sonnenbrillenpaket erhalten. Die Maulwürfe arbeiteten geheim und erfuhren, dass Lilli-Bunny Informationen über den Aufenthaltsort von Fisch 007 hatte. Fisch 007 änderte sofort die Nummer, die auf seiner Seite geschrieben stand, seit Lilli-Bunny ihn erwischt und im Roten Meer gefangen gehalten hatte. Er leckte seine Flosse, rubbelte die Nummer 007 auf der Seite weg und schrieb "008" drauf, was sehr hinterhältig war, denn Fisch 007 konnte dann ohne sich Sorgen machen zu müssen, die ganze Küste entlang promenieren, ohne dass Lilli-Bunny schlauer wäre.
       Aber Lilli-Bunny war ja kein Idiot; er griff bei diesem täuschenden Manöver hart durch, sprang aus dem Boot und fing Fisch 007/008 mit seinem Netz. Lilli-Bunny und Fisch 007 lebten glücklich zusammen, trockneten sich ab und hatten etwas Tee mit Brötchen in der Gartenlaube, und auch all die anderen Bewohner des Lilli-Hauses nahmen daran teil. Bei der Party trug Lilli-Bär seine Schwimmweste (da er die ganze Zeit zu Hause gewesen war, während Lilli-Bunny angeln war), Lilli-Kitty, Lilli-Jake, Lilli-Bunnys beide Pantoffel und die beiden Papageien. Nur die Katzen nahmen nicht an der Teeparty teil, denn sie schliefen immer noch, oder waren bereits zu Bett gegangen - und überhaupt trinken sie aus persönlichen Gründen nicht Tee mit Fischen.
       Sind Sie jetzt immer noch der Meinung, dass der Geheimdienst keine Zeit verschwendet?
      
       Kapitel 22
       Lilli-Bunny und der Beerenkuchen
       Einmal hatte Lilli-Bunny seinen berühmten Beerenkuchen gebacken. Ich mag Romane nicht, in denen über verschiedene Gerichte geschrieben wird, in denen aber niemals die Rezepte aufgeschrieben sind, und dann, nach hundert Jahren, müssen die Leser raten, was in der klassischen Literatur gemeint war, als besonders leckere Speisen erwähnt wurden. Mit ein Grund, warum ich von den klassischen Autoren enttäuscht bin. Da ich davon überzeugt bin, dass ich ein klassischer Autor werde, möchte ich diesen winzigen Wermutstropfen meiner Kollegen vermeiden und verspreche von jetzt an, detailliert die Rezepte von all den Leckereien aufzuschreiben, die ich in meiner genialen Erleuchtung in den Büchern, die nur zeitlose Klassiker werden können, erwähnt habe.
       Ach ja, übrigens, diesen Kuchen zu backen lernte Lilli-Bunny von Hans-Christian Andersen, der in Dänemark lebte, als Lilli-Bunny dort auf Besuch war. Lilli-Bunny war dorthin gegangen, um das Mädchen zu retten, das die Streichhölzer am Weihnachtsabend verkaufte, damit es nicht in der Kälte starb, wie es später Andersen in seinem Märchen erzählte. Lilli-Bunny traf Herrn Andersen, während dieser zusah, wie das Mädchen starb, und so lernten sie sich kennen. Andersen lud Lilli-Bunny und das Mädchen zu sich nach Hause ein, gab ihnen ein Stückchen Kuchen und versprach Lilli-Bunny, dass er nach dem Mädchen schaut und aufpasst , dass es nicht starb. Und so ging Lilli-Bunny. Aber das Mädchen starb dann doch am nächsten Tag, denn Andersen beobachtete sie beim Sterben, um sein fürchterliches Märchen zu schreiben. Andersen wusste, dass er einen zeitlosen Klassiker schreiben würde und war dafür bereit, diese arme Seele für seinen ewigen Ruhm zu opfern, womit er noch heute Generationen unschuldiger Kinder ängstigt. Warum nutzen die Leute den Tod anderer als eine Quelle der
      
       Unterhaltung? Ich finde den Tod nicht witzig, solange man nicht selbst stirbt. Im Augenblick des Todes ist man nämlich so mit diesem ernsten Prozess beschäftigt, dass kein Film oder Computerspiel damit konkurrieren kann. Ich hoffe, dass diese Zeilen nicht missverstanden werden als Unterstützung einer selbstmörderischen Neigung. Ich wollte nur sagen, dass man sich über den Tod anderer nicht lustig machen sollte. Und wissen Sie auch warum? Weil er nicht witzig ist.
       Okay, zurück zum Kuchen. Ich werde ihnen nun stolz das Rezept präsentieren. Zuerst muss man eine Form für den Kuchen backen. Dann muss man eine Mischung aus Vanillepudding und Milch (oder Vanillesauce) in dieser Form verteilen und stellt den Kuchen dann für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank. Danach müssen die Beeren nur noch dekorativ darauf verteilt werden. Man kann die Beeren so verteilen, wie man möchte.
       Sobald Lilli-Bunny seinen riesigen Beerenkuchen gebacken hatte, hatte der Kuchen die Größe des jährlichen Budgets eines kleinen Landes, dass ich hier nicht namentlich nennen kann. Denn wenn ich den Namen preisgeben würde könnte es dem Ruf der United Frustrations Organizations (UFO; Vereinigte Frustrationsorganisation VFO), dem dieses Land angehört, schaden. Dieses Land war in solch unmoralische Aktionen involviert, dass, wenn man seinen Namen umsonst erwähnte, es die Weltordnung destabilisieren könnte; und das ist das letzte, was ich tun möchte, denn ich bin noch nicht bereit, mich nach einem anderen Planeten umzuschauen, auf dem ich mich niederlassen könnte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen, nennen wir dieses Land einfach "LBKS" (das Land, welches den Beerenkuchen gestohlen hat) und was glauben Sie? Dieses Land hat einfach den Kuchen gestohlen! Nachdem Lilli-Bunny den Kuchen gebacken hatte, hatte er ihn auf das Fenstersims gestellt, LBKS hatte sich angeschlichen, den Kuchen gepackt und war davongelaufen. Lilli-Bunny hatte noch nicht mal Zeit zu blinzeln (obwohl Lilli-Bunny ein Weltmeister im künstlerischen Blinzeln war und sehr professionell blinzeln konnte).
       Lilli-Bär und Lilli-Jake jagten LBKS , aber es hatte sehr lange Füße (es gibt Staaten mit sehr langen Händen, die man besser nicht ärgern sollte, denn sie erwischen einen, egal, wo man ist. Es gibt aber auch Staaten mit sehr langen Füße. Auf die muss man auch aufpassen, denn sie können etwas von einem Stehlen und dann weglaufen).
       Und so lief dieses Land weg in sein nationales Territorium und gab Lilli-Bär und Lilli-Jake kein Visum. Da standen die beiden also vor der nationalen Grenze von LBKS und kamen mit leeren Händen nach Hause, was allerdings besser ist als behindert zu sein, was passieren könnte, wenn man versucht, in das Land ohne Visa zu kommen. In dem Land LBKS wurde die Ankunft des Beerenkuchens mit viel Unterstützung gefeiert. Die Umfragen zeigten folgende Ergebnisse:
       Umfragen der Öffentlichen Meinung der Bürger des Staates von LBKS
       55% unterstützten völlig den Diebstahl des Kuchens
       35% dachte sich, dass LBKS irgendetwas stehlen musste
       8% waren der Meinung, dass LBKS auch Lilli-Bunnys Pantoffel hätte mitnehmen sollen.
       Nur 2% dachten darüber nach, wie rechtmäßig es ist, einen Kuchen zu stehlen, unterstützten aber den Diebstahl in jedem Fall, denn sie hatten Angst, dass, wenn die anderen glauben würden, dass sie den Diebstahl nicht genug unterstützten, sie nicht ihren Anteil an dem Kuchen bekommen würden und vielleicht sogar getötet würden, was ebenfalls unglücklich wäre.
       Verstehen Sie das Problem? Die Demokratie unterliegt dem Willen der Mehrheit und wenn die Mehrheit Diebstahl unterstützt, dann muss das Land stehlen. Ansonsten herrscht keine Demokratie in dem Land. Wenn das Land nicht stiehlt, handelt es gegen den Willen der Bevölkerung und dadurch entsteht ein Staat gegen die Bevölkerung. In der Welt respektierte jeder den Willen der Bürger von LBKS, besonders da die Anzahl der vielen Vertreter internationaler Demokratien sicherstellte, dass die Umfragewerte exakt demokratisch höher waren als die Anzahl der Bürger von LBKS selbst.
       Der Staat LBKS wurde als ein Staat der Menschen betrachtet und deswegen entschied sich die Regierung, Lilli-Bunnys Kuchen zwischen allen Einwohnern des Landes aufzuteilen. Und hier begannen die Probleme. Wie wir schon am Anfang berichtet haben, war der Kuchen größer als LBKS' Jahresbudget und das Land war nicht an solch große Finanzoperationen gewöhnt, und, was man auch ehrlicherweise sagen muss - das Land war noch nicht bereit für solch eine große Verantwortung. Dieses Unvorbereitetsein führte zu einem Bürgerkrieg im Staate LBKS, denn in einigen Ländern braucht es nicht viel, um einen Bürgerkrieg zu beginnen. Zwei große Parteien standen sich gegenüber: Die Partei der Länge und die Partei der Breite. Diese Parteien hatten unterschiedliche Meinungen darüber, wie der Kuchen geteilt werden sollte: Die Längs-Partei wollte den Kuchen der Länge nach schneiden, die Breite-Partei wollte ihn in der Breite nach schneiden. Nur was beide Parteien nicht bedachten war, dass es völlig egal war, wie man den Kuchen schnitt, denn der Kuchen war ja rund. Allerdings wussten sie gar nicht, wie absurd ihre Streitigkeit war, denn schon bald, nachdem sie den Kuchen bekommen hatten, hinterlegten die Führer von LBKS den Kuchen in einer Schweizer Bank, sodass keiner der Parteimitglieder den Kuchen sehen konnte. Vielleicht wollen Sie anmerken, dass doch eigentlich jeder Kuchen rund ist und dass die Parteien das sowieso wissen müssten, aber in einem Land wie LBKS waren Kuchen sehr selten und die rundeste Sache, die den Einwohnern bekannt war, war ein Backstein. Deswegen gibt es in deren Sprache keine Unterscheidung zwischen "Länge" und "Breite". Aber das machte sowieso keinen großen Unterschied, denn die beiden Parteien hassten sich auf jeden Fall und hatten nur nach einem Grund gesucht, um einen Krieg zu beginnen.
       Die United Frustrations Organization schritt sofort ein und verlangte, dass der Krieg sofort beendet und der Kuchen zu gleichen Teilen unter der ganzen Bevölkerung aufgeteilt wird - aber der Staat LBKS kümmerte sich nicht sehr darum, was die UFO sagte. Sie glauben doch an die UFO, oder? Ich allerdings nicht, jedenfalls nicht mehr, und ich bezweifle wirklich, ob jemand daran glaubt. Wir müssen allerdings sagen, dass der Staat LBKS schon seit den letzten fünfzig Jahren mit dem Führen von Kriegen beschäftigt ist.
       Kurze Geschichte über die Kriege des Staates LBKS
       • 1952-1958: Krieg des Halb-aufgegessenen-Apfels und Drei Zigarettenkippen
       • 1958-1962: Krieg der zerdrückten Zitrone
       • 1962-1964: Die Würstchenrevolution
       • 1964-1968: Die Anti-Würstchen-Gegenrevolution
       • 1968-1969: Das Tomatenmassaker
       • 1969-1978: Der Pflaumenwiderstand
       • 1978-1985: Das Pfirsisch-Amtsenthebungsverfahren und die Aprikosenblockade
       • 1985-1992: Der Wassermelonenvorfall
       • 1992-1999: Der "Halt deinen Mund"-Konflikt
       • 1999-2004: Die Verdorbenes-Essen-Blockade
       • 2005-bis heute: Der Lilli-Kuchen-Krieg
       Die Schweizer Bank hatte fürchterliche Angst vor terroristischen Angriffen und erklärte im Geheimen gegenüber der Presse, dass sie ihre wertvollste Einheit, was tatsächlich der Grund für den Bürgerkrieg war, also der berühmte Lilli-Kuchen, dem Land übertragen würde, welches die Sicherheit des Kuchens gewährleisten könnte, das heißt dem Land mit dem größten Selbstvertrauen in der Welt. Der Präsident des Landes mit dem größten Selbstvertrauen der Welt bestellte einen Safe, in dem der Lilli-Kuchen gefangen gehalten werden sollte, und bat jeden, aus dem Zimmer zu gehen, um so selbst die Ursache für den Bürgerkrieg zu prüfen.
       Der Präsident öffnete den Safe und "Oh mein Gott!" er war leer - oder dass war zumindest dass, was er sagen würde, wenn er es jemals bezeugen müsste, und die Präsidenten des Landes mit dem größten Selbstvertrauen in der Welt lügen nie - wenn sie es nicht müssen. Bis heute weiß niemand, wer den Kuchen gegessen hatte, eigentlich weiß bis heute niemand, dass der Kuchen gegessen worden war, denn der Präsident des Landes mit dem größten Selbstvertrauen in der Welt sorgte dafür, dass diese Neuigkeit aus seinem quadratischen Büro nicht nach außen drang. Der Präsident verschloss den leeren Safe wieder und erzählte niemandem, dass er leer war, denn er erkannte, dass er kein gutes Alibi hatte, um seine Unschuld zu beweisen und er wollte verhindern, dass die gegnerische Partei ihm vorwarf, die Ursache des Bürgerkrieges in LBKS gegessen zu haben. Jedes Gericht würde davon ausgehen, dass der Präsident
       der letzte war, der den Kuchen lebend gesehen hatte und er würde den Rest seiner Tage, und wahrscheinlich auch sein ganzes Vermögen, darauf verwenden müssen, zu beweisen, dass er nicht derjenige war, der den Lilli-Kuchen gegessen hatte.
       Bis heute kämpfen die Bürger von LBKS gegeneinander, denn niemand in der Welt weiß, dass der Grund zu kämpfen nicht mehr besteht. Der Präsident des Landes mit dem größten Selbstvertrauen in der Welt entschied weise, dass der Kriegszustand der natürliche Zustand des Staates LBKS ist und dass ein Grund für einen Krieg nicht so wichtig ist. In solchen Situationen kommt es nur darauf an, wer für die momentane Situation verantwortlich gemacht werden kann. Lassen Sie uns das gemeinsam analysieren, werter Leser: Sie sagen vielleicht, dass die wichtigste Ursache für den Krieg die Leute des Staates LBKS selbst sind. Es tut mir Leid, es sagen zu müssen, aber sind Sie verrückt? Wollen Sie damit sagen, dass alle Bewohner von LBKS schlecht sind? Sagen Sie mir: Sind Sie gegen die Menschen? Die Menschen können nicht schlecht sein; sie sind immer gut. Vielleicht liegt es ja an der Regierung, aber die Regierung hat nur das gemacht, was das Volk von ihr erwartet hat. Vielleicht sollte man die Schweizer Bank dafür verantwortlich machen, aber was war falsch in dem Versuch sicherzustellen, dass die Schweiz nicht einer terroristischen Bombe zum Opfer fällt.
       Dem Präsidenten der Landes mit dem größten Selbstvertrauen der Welt kann keiner für nichts Schuld geben, denn es würde einen mehr kosten, ihm die Schuld zu geben als jemand anderem. Alle Nationen brauchen gute Arbeitsbeziehungen zum Land mit dem größten Selbstvertrauen in der Welt und dem Präsidenten die Schuld zu geben würde diese Beziehung sehr schnell ruinieren, und eine angefertigte Missile wäre auf die Küche gerichtet als Zeichen der Anerkennung für die Bemühungen, Frieden zu schließen. Wir können also nur einen Schluss ziehen: Dem einzigen, dem wir die Schuld geben können ist Lilli-Bunny, denn schließlich hatte er den Lilli-Kuchen gebacken, denn wenn man sich entschließt einen Kuchen zu backen mit denselben Maßen wie die Wirtschaft eines kleinen aber stolzen Landes, dann muss man den Kuchen essen während man sich im Keller versteckt, wenn man nicht solch farbenfrohen Folgen verursachen will, wie zum Beispiel ein Bürgerkrieg. Aber bitte geben Sie nicht den Politikern die Schuld; wie die Soldaten der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg sind sie die Helden unserer Zeit. Sie arbeiten hart daran, dass wir sicher sind und auch wenn sie manchmal Geheimnisse in leeren Safes verstecken, tun sie das nur, damit es uns allen gut geht.
       Kapitel 23
       Lilli-Bunny macht einen Spaziergang
       Einmal fragte sich Lilli-Bunny: "Wer lebt denn glücklich in unseren Wäldern?" Er fragte sich selbst, ob er er glücklich sei und entschied, dass er es war. Auch Lilli-Bär sagte, dass er glücklich sei, denn er hatte gerade sein Porridge mit Marmelade gegessen. Die anderen Bewohner des Hauses konnten nicht antworten, denn sie waren beschäftigt: Die Katzen schliefen, Lilli-Jake baute ein Flugzeug aus einem alten Winterstiefel und Lilli-Kitty machte ein Souvenir, indem sie Lagen bunten Sandes in eine Flasche goss. Wenn man sie so bei ihren Tätigkeiten beobachtete war es offensichtlich, dass sie glücklich waren. Lilli-Bunnys politisch engagierte Pantoffel baten um mehr Zeit, um zu antworten - sie wollten erst im Winter antworten, denn alles hing ab vom Ergebnis ihres sie vereinigenden Kampfes gegen die Winterstiefel von Lilli-Bunny.
       Dann entschied Lilli-Bunny, dass die Umfrage unter den Bewohnern des Hauses nicht aussagekräftig genug sei und rief den individualistischen Hamster Hamlet in dessen neuen Apartment an. Allerdings hob eine mutierte Maus ab, die erklärte, dass Hamster Hamlet bis zum Winter nicht gestört werden wolle, denn jeden Sommer bereitete er sich auf den Winterschlaf vor, indem er deutsche Philosophen las. Gewöhnlich machte ihn Kants "Kritik der reinen Vernunft" für mindestens drei Monate benommen. Und nun hatte Kant Hamlet seine neue Abhandlung - Kritik an der schmutzigen Verrücktheit - geschickt und Hamlet studierte diese sehr aufmerksam. "Du kannst jederzeit im Winter anrufen; aber dann wird auch niemand antworten, denn jeder wird schlafen", sagte die Mäusedame freundlich und miaute in den Telefonhörer, was Lilli-Bunny aber nicht überraschte, denn von Mutanten kann man alles erwarten.
       Dann entschied sich Lilli-Bunny, einen Spaziergang zu machen und herauszufinden, wer glücklich im Wald lebte. Lilli-Bär bevorzugte es, einen
       Spaziergang zu machen, während er auf dem Sofa zu Hause lag; die anderen waren alle beschäftigt, deswegen konnten nur Lilli-Bunnys Pantoffel überredet werden, ihn zu begleiten. Sie gingen die Waldstraße in der Nähe von Lilli-Bunnys Haus entlang.
       Zuerst trafen sie den Biber. Der Biber zog einen angenagten Holzblock hinter sich her und seufzte tief. Lilli-Bunny rief ihn und fragte, ob er glücklich sei.
       "Ach bitte, fragen Sie nicht...", seufzte der Biber. Man konnte sehen, dass er überhaupt nicht glücklich war. Der Biber war Bauunternehmer und Sommer war Hochsaison für Bauunternehmer.
       "Aber was haben Sie denn?", fragte Lilli-Bunny, denn er liebte Tiere, allerdings liebte er Bauunternehmer nicht so sehr. Lilli-Bunny wusste, das sie normalerweise mehr zerstörten als bauten.
       "Ich habe mir gerade einen eigenen Pool gebaut", lamentierte der Biber. "Sie wissen ja, nach einem Tag am Damm kann man sich eine zivilisierte Pause in Pool erlauben. Ich habe einen Pool gegraben, nicht schlimmer als jeder andere, ich organisierte die Beleuchtung, goss klares Wasser hinein - ich habe ein Vermögen für das Material ausgegeben. Aber als ich mich endlich hineingesetzt hatte und mich entspannte, kam eine Fliege und biss mich. Ich habe ihr gesagt: 'Komm morgen während der Arbeitsstunden. Dann kannst du mich beißen so oft du möchtest. Es macht keinen Unterschied, wie ich während der Arbeitsstunden leide - wenn ich Holzpfähle annage oder von Fliegen angenagt werde geht die Zeit rum und der Kunde zahlt pro Stunde. Aber wenn ein Bauarbeiter in seinem netten Pool sitzt, ist es unfair, ihn zu beißen.' Aber die Fliege hat mich weiter gebissen. Ich habe alles versucht, um sie zu zerquetschen - aber erfolglos. Deswegen bin ich aus dem Pool geflohen und bin zum Damm gegangen, denn am Arbeitsplatz wird man nicht gebissen, sogar die Fliegen beißen aus einem bestimmten Grund nicht."
       Überrascht fragte Lilli-Bunny: "Aber eine Fliege ist doch so klein und die soll Ihr ganzes Investment ruinieren - wie können sie schwimmen, wenn sie ständig gebissen werden?"
       "Sagen Sie das nicht", seufzte der Biber. "Ich glaube, die Welt ist unfair, denn all die Vergnügen, die man bei einem teueren Projekt hat werden durch eine lästige Fliege ruiniert, die selbst noch nicht mal einen Euro kostet."
       "Haben Sie versucht, sich zu beschweren?", fragte Rechter Pantoffel. "Schreiben Sie doch einen Brief an die Weltorganisation zur Fliegenvernichtung und die schickt Ihnen dann etwas Thermonukleares, um diese Fliege zu vernichten. Es ist ein sehr starkes Zeug - einmal genutzt vernichtet es einen Elefanten, nicht zu reden von einer einzigen Fliege. Man darf aber Fliegen nicht unterschätzen. Jahrtausende der Evolution haben sie sehr agil gemacht, deswegen ist es nicht einfach, sie loszuwerden."
       Bauunternehmer haben keine Jahrtausende an Evolution hinter sich. Der Biber wischte sich die Stirn und beschwerte sich: "Diese Fliegen sind eine rachsüchtige Gang, ja, das sind sie. Man legt sich besser nicht mit denen an. Ich habe ein Haus für diese Fliege gebaut, aber sie war beleidigt. Sie sagte, dass die Tür zu klein sei für ihren noblen Hintern. Ich baue es so, wie ich es auf dem Plan des Architekten sehe und es ist nicht mein Fehler, wenn der Architekt seinen Kaffee über den Plan schüttet und Millimeter mit Zentimetern verwechselt - soll die Fliege doch den Architekten beißen! Sollte ich deswegen an ihn denken? Das ist nicht meine Sorge! Wir sind Bauarbeiter, wir bauen - wir müssen nicht denken."
       "Ach, Sie hatten schon vorher eine Beziehung zu dieser Fliege?", fragte Rechter Pantoffel. "In solch einem Fall ist dieser Zwischenfall nicht wirklich überraschend."
       "Warum denn das?", rief der Biber aus. "Um das wieder gut zu machen habe ich den Kamin vergrößert und dieses Miststück beschwerte sich darüber, dass sie nun aus dem Kamin geblasen wird. Man kann diesen ganzen Fliegen nichts recht machten: entweder ist die Tür zu klein oder der Kamin ist zu groß."
       "Haben Sie versucht, sie mit einem Stiefel zu schlagen?", fragte Linker Pantoffel. "Ich habe mal einen Schuster gekannt, der unzufriedene Kunden mit dem Stiefel schlug, und das hat sehr geholfen, wissen Sie. Solche Leute sind schon seltsam - sie wollen keine zwei linken Stiefel haben; sie mögen überhaupt keine linken Stiefel. Ständig steigen die Leute auf der linken Seite aus dem Bett (falsch) und das ist der Grund, warum wir, linke Pantoffel, abgenutzter sind."
       "Ich habe alles probiert, aber die Fliege lässt mich nicht allein", beschwerte sich der Biber. "Sie ist verrückt geworden und hat mich wieder überall gebissen, nachdem das Dach des Hauses am nächsten Tag eingestürzt ist. Ich habe sie gewarnt, dass sie nicht im Haus niesen soll; das Haus war nicht gebaut für Leute, die niesen!"
       "Das Leben eines Bibers ist wirklich nicht einfach", dachte sich Lilli-Bunny und ging weiter die Straße entlang. Ein Elch stampfte in die entgegengesetzte Richtung und schüttelte sein Geweih.
       "Sind sie glücklich?", fragte Lilli-Bunny ihn.
       "Worüber sprechen Sie?" Der Elch schwenkte sein Geweih hin und her. "Mein ganzes Leben lang war ich als Elch angestellt und bin überarbeitet."
       "Ach, Ihnen gefällt Ihre Arbeit nicht? Aber es sieht doch so aus, als ob diese Arbeit die richtige für Sie ist - Sie sind doch ein Elch, oder? Bitte entschuldigen Sie diese Frage."
       "Ja, ich bin ein Elch, aber ich habe in der Schule gelernt, dass jeder die gleichen Chancen hat. Deswegen habe ich mich entschieden, ein Schmetterling zu werden. Als ich klein war habe ich immer versucht, zu flattern. Aber ich habe es nie geschafft. Und jetzt ist mein Leben ruiniert. Ich hasse meine Arbeit; und mein Geweih mag ich schon gar nicht."
       "Aber das ist falsch", dachte sich Lilli-Bunny. "Was für ein Blödsinn wird denn heute in der Schule unterrichtet?"
       Im nächsten Moment traf er den Auerhahn, einen Lehrer in der örtlichen Schule. Lilli-Bunny fragte ihn:
       "Herr Auerhahn, ich hoffe, Sie sind glücklich. Sie unterrichten jeden; Sie predigen zu jedem; Sie bringen jeden dazu, seine Hausaufgaben zu machen und können jeden, den Sie wollen, herunterstufen, Sie geben Elchen die Richtung für eine Karriere als Schmetterling. Sie müssen ein wirklich nettes Leben haben!"
       "Worüber reden Sie denn?", jammerte der Auerhahn. "Die Kinder sind total verrückt geworden. Sie haben ihre eigenen Meinungen, sie werden wild und rennen in jeder Pause in die Pampa - und man kann sie nicht zurückrufen. Sie rauchen Pot und flattern im Wald bis zum Abend."
       "Das habe ich nicht direkt gemeint." Lilli-Bunny wollte schon genau sein. "Der Elch hatte sich darüber beschwert, dass Sie über gleiche Möglichkeiten gesprochen haben und dass das sein Leben ruiniert hat."
       "Das ist nicht meine Schuld." Der Auerhahn begann, Entschuldigungen zu finden. "Ich unterrichte nur, was Wissenschaftler und Gelehrte in ihren Textbüchern geschrieben haben. Was immer sie auch sagen ist heilig - so läuft es hier. Wenn sie sagen, dass Pinguine in den Tropen leben, dann lehre ich, dass Pinguine in den Tropen leben. Es ist egal, was ich unterrichte. Das einzige, worauf es ankommt ist, dass man diese Banditen in der Schule und in der Universität hält, damit sie draußen nichts anstellen - damit sie nicht nach Arbeit suchen. Und wenn wir sie dann mit Zeugnissen rauslassen sind sie nicht mehr gefährlich. Denn, erstens, sind sie dann zu alt, um nach richtiger Arbeit zu suchen, und, zweitens, diese Zeugnisse sind dann so verdreht, dass niemand unsere Absolventen beschäftigen möchte. Also machen Sie sich keine Sorgen über Ihre Arbeit, Herr Lilli-Bunny - niemand wird sie aus ihrem Job vertreiben. Und Grund dafür sind meine bescheidenen Unterrichtsmethoden."
       "Da ich von dem lebe, was ich anbaue, brauche ich keine Arbeit", beichtete Lilli-Bunny.
       "Also haben sie noch weniger Grund, sich zu sorgen", sagte der Auerhahn. "Das, was wir unseren Schülern beibringen ist so unnatürlich; sie werden ihre Naturalwirtschaft nicht beanspruchen. Wenn die Schüler ihr Studium beendet haben, haben sie eine Mischung aus Marihuana und Berechnung in ihren Augen und das ist die absolute Garantie dafür, dass nichts Ihr landwirtschaftliches Unternehmen bedroht".
       Lilli-Bunny ging weiter und sah die Ringelnatter, den lokalen Naturwissenschaftler. Lilli-Bunny fragte ihn, warum er Textbücher für den Auerhahn schrieb, weshalb der Elche sein Geweih aus Enttäuschung darüber, dass er kein Schmetterling sein könne, abwarf.
       "Mein Textbuch spiegelt die verstärkende Bindung zwischen der klassischen Analyse, dem Komplex und der funktionalen Analyse wieder", antwortete die gelehrte Ringelnatter.
       "Aber warum haben Sie die gleiche Möglichkeit für jeden postuliert?", wollte Rechter Pantoffel neugierig wissen.
       "Sehen Sie, deshalb existieren logische Symbole, Sets, Funktionen, tatsächliche Zahlen, Begrenzungen, Beständigkeit - sie bilden die Basis für die Bestimmung einer solchen gleichen Möglichkeit", antwortete Ringelnatter.
       "Entschuldigen Sie bitte, aber wie können Sie sicher sein, dass der Auerhahn, der Lehrer, all das versteht, was Sie geschrieben haben?" Lilli-Bunny war ein wenig entrüstet.
       Die Ringelnatter seufzte. "Meine ehrenwerten Zeitgenossen, Differential- und Integralrechnung einer tatsächlichen Variablen ist nicht immer eindeutig. Manchmal ist eine Differentialrechnung von multi-dimensionalen Funktionen nötig."
       Lilli-Bunny und seine Pantoffel standen blinzelnd auf der Straße und die gelehrte Ringelnatter kroch weiter und schüttelte dabei ihren Kopf mit Abscheu: wie konnten es diese Dummköpfe wagen, ihn in Frage zu stellen?
       Das Klopfen des Spechts machte Lilli-Bunnys Kopf wieder klar. Der Specht war der örtliche Doktor und heilte kranke Bäume.
       "Also ich glaube, der ist bestimmt glücklich", dachte sich Lilli-Bunny und lief zum Specht, um mit ihm zu sprechen.
       "Herr Specht, sind sie glücklich?", fragte Lilli-Bunny fröhlich.
       "Klopf, klopf", antwortete Specht. "Versuchen Sie mal, mit Ihrem Kopf den ganzen Tag gegen einen Baum zu hämmern und fragen sie dann nochmal. Allerdings glaube ich, dass am Ende des Tages der Fragemechanismus in dem Kopf zusammen mit dem Kopf abfällt."
       "Aber Sie haben doch den Klopfokratischen Eid geschworen; Sie arbeiten in einem ehrenvollen Gewerbe!" Rechter Pantoffel war empört.
       "Und du, du alte Galosche, sei lieber still, oder ich werde dich bei den Behörden melden," klopfte der Specht.
       "Oh, Sie sind ja ein Informant!" Linker Pantoffel war begeistert. "Informanten sind die Putzmänner der Gesellschaft! Ohne Informanten kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Ein Hoch auf unsere Informanten!"
       "Sei auch du lieber still, oder ich verschreibe dir einen Einlauf mit tödlichem Ende. Dann weißt du es besser und predigst nicht mehr Hegemonie."
       Lilli-Bunny mochte den Specht nicht besonders, da es offensichtlich war, dass er alles den Behörden meldete, obwohl er ein lokaler Allgemeinmediziner war, und ganz plötzlich konnte man im Gefängnis landen, ohne irgendeinen Grund.
       Lilli-Bunny nahm seine Pantoffel und rannte weg vom Specht. Und sofort traf er den Wolf des Schicksals.
       "Sind Sie glücklich?", fragte Lilli-Bunny den Wolf der Schicksals.
       "Du Dummkopf, schließ deinen Kopf bevor ich diese Schlammpfeife deine Schnauze runterstopfe - und sag deinen nuttigen Pantoffeln, sie sollen die Mazuma übergeben!"
       Lilli-Bunny hatte Angst, dass der Wolf des Schicksals eine fremde Sprache sprach. Aber Linker Pantoffel, der in diesen Zeiten, wie alle Pantoffel mit einer linksgerichteten Neigung, Repressionen unterworfen war und viele Jahre im Gefängnis verbracht hatte, übersetzte: "Du, mit dem dummen Gesicht, hör auf zu reden oder ich schiebe diese Opiumpfeife deinen Hals hinunter - und sag deinen Freundinnen-Pantoffeln, sie sollen das Geld herausgeben!"
       Lilli-Bunny drehte sich um und floh nach Hause, traf aber auf dem Weg das Wildschwein, das Recht und Gesetz im Wald vertrat. "Hallo. Das Wildschwein ist doch wahrscheinlich glücklich", beschloss Lilli-Bunny und fragte: "Herr Wildschwein, sind sie glücklich?"
       Das Wildschwein sah Lilli-Bunny mit Abscheu an und verlangte dessen Papiere. Dann inhaftierte er Rechter Pantoffel, um ihn zu identifizieren, denn Rechter Pantoffel schien in Wildschweins Augen verdächtig zu sein. Auch Linker Pantoffel wurde wegen seiner früheren Inhaftierung wieder verhaftet.
       Lilli-Bunny, jetzt barfuß, ging nicht nach Hause, sondern rannte. In der Nähe des Hauses traf er das Stinktier, einen bekannten Politiker der Wälder.
       Lilli-Bunny entschied sich, nicht mit ihm zu sprechen, um zu vermeiden, etwas zu lernen, geklopft oder inhaftiert zu werden. Aber das Stinktier sprach Lilli-Bunny von sich aus mit Lilli-Bunnys eigener Frage an - wer hätte das gedacht!
       "Und Sie, Lilli-Bunny, sind Sie glücklich in unserem Wald?", fragte das Stinktier interessiert, mit einem breiten Lächeln.
       "Oh, am Morgen war alles gut, aber seitdem ich mein Haus verlassen habe, weiß ich nicht, wie ich zurückkomme. Unsere Leute sind viel zu ernst."
       "Ja, wir haben hier oben schon tolle Leute", antwortete das Stinktier. "Vielleicht denken Sie, es ist genug, glücklich zu sein, Geld zu haben wie der Biber oder wie der Wolf des Schicksals zu sein? Nein. Wir Stinktiere sind die glücklichsten der ganzen Meute hier oben. Wir haben größere Pools als der Biber, die Fliegen beißen uns nicht, wir unterrichten jeden Blödsinn wie der Auerhahn, wir philosophieren wie die Ringelnatter, wir stehlen wie der Wolf des Schicksals und können jeden zusammenschlagen, so wie das Wildschwein."
       "Nein, ich komme besser mit meiner Farm zurecht", sagte Lilli-Bunny und floh nach Hause.
      
       Am nächsten Morgen kamen die Pantoffel zurück und entschieden sich, nicht mehr mit Lilli-Bunny spazieren zu gehen. Sie entschieden sich, das Haus überhaupt nicht mehr zu verlassen, denn schließlich sind sie als Pantoffel nur was für das Haus. Sie entschieden sich auch, die Überlegenheit von Lilli-Bunnys Winterstiefeln anzuerkennen. Die Stiefel sollten in Zukunft auf alles antworten müssen, aber sie, die Pantoffel würden damit zurecht kommen, unter dem Bett zu bleiben, während Lilli-Bunny draußen auf Abenteuer unterwegs war. Es war besser, unter dem Bett zu sein als im Gefängnis.
       Was ist also die Moral dieser Geschichte? Nur, dass es besser ist, Zuhause zu bleiben, sich von allem fernzuhalten, was einen verletzten kann, als in den Wäldern Abenteuer zu suchen und provokative Fragen zu stellen.
      
       Kapitel 24
       Lilli-Bunny und Frau Koka-Kola
       Frau Koka-Kola war keine junge Frau mehr. Ihre Glasflaschen-Hüfte hatte eine Spur der Ästhetik eines Wild West Salons; ihre geschnitzte Figur mit dem gläsernen Hals sah aus wie ein Cowboy, der auf allen Vieren aus dem Salon auf die staubige Straße kroch - um dann zu ihren nüchternen Füßen zu fallen, wie in einem Kurs zur Vermeidung von Straßenunfällen.
       Sie war nicht so vulgär wie die modernen zwei Liter Plastikflaschen, aber in ihr war noch ein wenig von dem Getränk, das die Welt im letzten Jahrhundert erobert hatte und das auf dem halben Weg zum Magen in den Speiseröhren der ehrlichen Bürger in allen vier Ecken der Erde steckte. Kurz gesagt: Frau Koka-Kola war bereits so bekannt, dass es nicht nötig war, sie vorzustellen, als sie an einem heißen Nachmittag an Lilli-Bunnys Tür klopfte und nach einem Glas Wasser und einer kurzen Pause fragte.
       Lilli-Jake öffnete die Tür und brachte ihr Wasser, erfreut über diesen bedeutsamen Besuch (Frau Koka-Kola selbst trank keine Limonade, denn sie musste dann rülpsen und solch ein Phänomen macht keine ordentliche Dame mit ihren Jahren und ihrem Auftreten).
       Lilli-Bunny, der Frau Koka-Kola in seiner Küche traf, während sie gerade Quellwasser trank, begrüßte sie höflich und bot ihr eine Zuflucht vor der Mittagssonne in seinem Kühlschrank an. Frau Koka-Kola nahm dieses Angebot dankbar an und legte sich im Kühlschrank zum Schlafen bis zum Fünf-Uhr-Nachmittagstee. Während sie schlief, passierten bemerkenswerte Änderungen in der ganzen Welt. In allen Nationen kehrten die Menschen zu ihren traditionellen Limonaden zurück. Nachdem sie von ihren Lippen das Nationalgetränk gewischt hatten, dachten sich die Menschen der Erde plötzlich: "Wie ist nur die Idee in unseren Kopf gekommen, eine schwarze Flüssigkeit mit einem fragwürdigen Geschmack, die kaum den Magen runter geht, zu trinken?" Aber es war vergeblich. Das Verzücken schien kurzlebig zu sein. Frau Koka-Kola wachte auf, stieg aus Lilli-Bunnys Kühlschrank und wieder begann die Welt, wie durch eine bösartige, überragende außerirdische Rasse zu Zombies geworden, gehorsam, diese Flüssigkeit in sich hinein zu kippen, die sich vom Benzin nur dadurch unterscheidet, dass, wenn man damit das Auto tankt, das Auto nicht startet. Ach ja, noch eine Sache - es brennt auch nicht; deswegen bevorzugen Feuerwehrmänner dieses Getränk. Aber das sind auch schon die einzigen positiven Eigenschaften.
       Frau Koka-Kola dankte Lilli-Bunny für seine Gastfreundschaft und blieb, um noch Tee mit Lilli-Bunny und den Bewohnern des Hauses zu trinken, denn, wie Sie vielleicht verstehen werden, trank Frau Koka-Kola alles außer sich selbst. Es passiert oft, dass ein Schuster ohne Stiefel rumläuft, dass ein Doktor sich nicht selbst heilen kann, dass ein Feuermann sich nicht selbst löschen kann, dass ein Dieb nicht von sich selbst stehlen kann und dass ein Polizeibeamter sich nicht selbst ins Gefängnis stecken kann. Das ist die Unvollkommenheit in der Berufswelt. Stimmen Sie mir nicht zu? Oder? Wie oft haben Sie Zahnärzte getroffen, die ihre eigenen Zähne behandeln? Nicht sehr oft, oder? Sehen Sie. Deswegen konnte auch Frau Koka-Kola sich nicht selbst etwas zum Trinken besorgen. Auch wenn sie bis zu ihrem Hals voll mit was zum Trinken war - was an sich schon bemerkenswert war, da sie ja unfähig war, es sich einzuverleiben-, konnte Frau Koka-Kola keinen einzigen Tropfen von sich selbst verdauen - ihre Seele weigerte sich, den Tropfen aufzunehmen.
       Lilli-Bär genoss gerade etwas von Lilli-Bunnys hausgemachtem Schnaps und bot Frau Koka-Kola ein Glas an. Sie lehnte nicht ab und trank zwei oder drei Schnäppchen ohne sich lange zu zieren. Dann fingen sie an, sich zu unterhalten.
       "Woher kommen Sie, Frau Koka-Kola?", fragte Rechter Pantoffel geschäftlich.
       "Oh, ich bin vor über ein hundert Jahren geboren worden - in einer Drogerie, im Garten hinter dem Haus eines Apothekers. Mein Vater war Papa Kokain und meine Mutter Mama Cola, die afrikanische Nuss, auch bekannt als eine sanfte, kopfdrehende Droge", begann Frau Koka-Kola ihre Geschichte. "Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Kokain in Amerika und in Europa erlaubt. Alle Leute der High Society nahmen sie damals ein. Als Kokain verboten wurde, wurde dieser Makel aus meiner Biographie entfernt. In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde meine Mama, das Extrakt der Cola-Nuss, ebenfalls gelöscht."
       "Hartes Schicksal", seufzte Rechter Pantoffel, der das Leid von Enttäuschung kannte.
       "Das heißt also, Sie sind nicht das, was Sie mal waren", erklärte Linker Pantoffel schamlos und sagte: "Wollen Sie vielleicht, dass ich die Kinder mit Kokain versorge?"
       Lilli-Bär lies Frau Koka-Kola nicht in Ruhe und füllte ihr Glas wieder mit etwas Schnaps. "Liebe Frau Koka-Kola, wir wollten Sie wirklich nicht beleidigen. Wir versuchen nur, die Bedeutung davon zu verstehen. Ein überwältigender Teil der Menschheit kippt bewusst und gerne ein schlecht schmeckendes Getränk herunter, das uns an eine Brühe aus Kokain und narkotisierender Nuss erinnert, obwohl keines von beidem mehr im Getränk drin ist!"14
       "Sie wissen schon, es ist wie das Lecken von Zigarettenkippen oder wie das Riechen von leeren Zigarettenpackungen", erklärte Linker Pantoffel und zog genussvoll an seiner Zigarette. Manchmal verwöhnte sich Linker Pantoffel mit einer Zigarette - was Rechten Pantoffel wegen der chronischen Bronchitis und dem daraus resultierenden chronischen Husten seines Bruders ziemlich irritierte.
       "Sie fragen nicht, warum die Menschen anderen Blödsinn machen. Die Leute machen viele Sachen." Frau Koka-Kola war beleidigt und
      
       ____________________
       14Lilli-Bär hat hier nicht ganz recht. Ein sehr bekanntes Cola-Unternehmen benutzt Coca-Blätter, denen das Kokain entzogen wurde. Kola-Nüsse sind nicht narkotisierend; sie enthalten stattdessen Koffein. Diese Parodie bezieht sich nicht auf irgendein bestimmtes Cola-Unternehmen; wir machen diese Anmerkungen nur aus erzieherischen Gründen und um zu unterhalten. Frau Koka-Kola ist keine Cola; sie ist eine moderne Limonade.
       machte sich auf, zu gehen. Lilli-Bunny brachte einen riesigen Topf mit seinem entzückenden, sehr bekanntem Kompott aus der Küche und sie entschied sich, für ein oder zwei kleine Schüsseln dieser göttlichen Speise zu bleiben.
       "Die Menschheit ist von Natur aus krank", erklärte Frau Koka-Kola. "Ich bin nicht der Grund dafür; ich bin die Folge der Dummheit dieser Welt. Okay, es stimmt, die Menschen haben früher Rauschgift getrunken, aber das war nicht genug. Anscheinend geben sie noch immer eine geheime Substanz dazu und reichen mich dann an alle weiter, und die Leute denken nicht darüber nach, was sie tatsächlich trinken. Ich stimme zu, es wäre etwas anderes, wenn jede Person tot umfallen würde, nachdem sie mich getrunken hat. Aber der Grund, warum ich jedem im Magen liege ist nicht kriminell. Ich möchte Ihnen das Folgende sagen: Wenn sich jeder bemühen würde etwas zu denken, auch nur für diese ganz kurze Sekunde, die es dauert, ein Glas auszutrinken, oder denken würde, anstatt sich selbst zu zwingen, dass zu schlucken, was nicht runtergehen will - über sich selbst und über sein Leben nachdenken würde, über die Welt, die ihn umgibt und wohin er geht, dann würde es keine Kriege auf der Erde geben, niemand würde hungern müssen, jeder würde saubere Hemden anziehen und die Menschheit wäre ein echtes Beispiel eines weisen Wesens in jeder Ausstellung. Aber das Problem ist nicht, dass sie nicht denken, weil sie mich trinken. Als ob sie anfangen würden zu denken, wenn sie aufhören, mich zu trinken! Weit gefehlt. Stellen Sie sich vor, wie viele Mörder, Diebe und Dummheit
       gefangen werden könnten in der Zeit, in der mich die Leute trinken und darum kämpfen, dass ich drinnen bleibe!"
       "Ja stimmt, so haben wir darüber noch gar nicht nachgedacht." Linker Pantoffel entschuldigte sich und bot ihr eine Zigarette an, aber Frau Koka-Kola lehnte ab, denn sie führte ein gesundes Leben und trank weder Soda noch rauchte sie.
       "Es kommt nicht darauf an, worin die Menschen trinken", sagte Frau Koka-Kola nachdenklich und verließ Lilli-Bunnys Haus.
       "Was für eine Frau", sagte Rechter Pantoffel nachher nachdenklich. "Wenn es möglich wäre, sie zu trinken, sie wäre unbezahlbar."
       "Ja", sagte Lilli-Bunny. "Die modernen Geschmäcker sind zu hoch für uns." Und er füllte wieder Kompott in seine Schüssel.
       Kapitel 25
       Lilli-Bunny und Herr Fast Food
       Einmal erwachte Lilli-Bärs Neurose in einem Abfalleimer, wo er zwischen den zerrissenen Briefen und Bonbonpapier lebte und einen Fast Food Hamburger kennen lernte, der zwar angebissen, aber immer noch in einem guten Zustand war. Lilli-Jake hatte den Hamburger in den Abfalleimer geschmissen, anscheinend war er von dem Produkt enttäuscht gewesen, obwohl es nahrhaft war und, noch wichtiger, selten in Lilli-Bunnys Haus.
       Lilli-Bärs Neurose schlang das Sandwich runter, denn zum einen war er sehr hungrig, besonders am Morgen, zum anderen glaubte er, dass man Fast Food schnell essen müsste, sodass es ihm niemand mehr nehmen könnte; daher hatte Lilli-Bärs Neurose einfach keine Zeit zu kauen, was immer ein gewisses Denken verlangt.
       Kein Wunder, dass Lilli-Bärs Neurose sofort Magenschmerzen bekam und anfing zu weinen. Lilli-Bär liebte seine Neurose und stand für sie ein. Weil er das Weinen aus dem Abfalleimer hörte, versuchte Lilli-Bär herauszufinden, was Neurose beleidigt hatte.
       Lilli-Bärs Neurose beschwerte sich über das Sandwich und Lilli-Bär berichtete Lilli-Bunny sofort, welcher Beleidigung seine Neurose ausgesetzt war. Lilli-Bunny war der Verteidiger aller Beleidigten und Überfütterten. Er besaß eine bemerkenswerte Fähigkeit zu heilen: Wenn Lilli-Bär auf dem Boden lag und stöhnte, weil er sich überessen hatte, strich Lilli-Bunny mit seinen Fingern über Lilli-Bärs Bauch und murmelte einen Jahrhunderte alten medizinischen Sprechgesang:
       Der Bauch der Krähe soll weh tun, der Bauch der Elster soll weh tun,
       aber Bärs Bauch soll wieder gesund, gesund, gesund werden.
       Der Bauch der Krähe soll weh tun, der Bauch der Elster soll weh tun,
       aber Bärs Bauch soll wieder gesund, gesund, gesund werden.
       Das aktivierte Lilli-Bärs Furzmechanismus und der ganze Schmerz ging vorbei.
       Leider war diese Methode nicht ohne Nebeneffekte. Das muss gesagt werden, denn wegen solch radikaler medizinischer Aktionen zogen alle Krähen und Elstern aus Lilli-Bunnys Nachbarschaft weg. Einige waren vom Druck der verschiedenen Krankheiten überwältigt und starben, indem sie schwer von einem Zweig fielen, andere gingen der Gefahr aus dem Weg und gingen weit, weit weg von Lilli-Bunnys Haus, damit sie der Sprechgesang nicht mehr erreichen konnte.
       Lilli-Bunnys medizinische Aktion führte dazu, dass sich Lilli-Bärs Neurose sehr schnell wieder erholte, trotz der Tatsache, dass Lilli-Bunnys Neurose ein großes Getue im Haus machte, alle medizinischen Bücher und Gesundheitsmagazine öffnete und den Notarzt acht Mal anrief; aber der Notarzt kam nie, denn jedes Mal wählte die aufgeregte Neurose fälschlicherweise die Nummer des örtlichen Zoos und der Elefant antwortete: "Verwählt."
       Sobald sich Lilli-Bärs Neurose erholt hatte, ran sie davon und versteckte sich im Abfalleimer, wo sie sofort einschlief, um den unangenehmen Zwischenfall mit dem Sandwich zu vergessen.
       Lilli-Bunny entschloss sich, diese Beleidigung nicht so stehen zu lassen und ging zu Herrn Fast Food, um sich zu beschweren.
       Herr Fast Food war ein Clown mit unangenehmem Auftreten. Produzenten mit schizoiden Störungen filmten solche Clowns. Sein unheimliches Lächeln führte dazu, dass man vor Angst weinte und davonlief, ständig hinter sich schauend, um zu sehen, ob dieser Verrückte einen mit einer Axt verfolgte.
       Nun ja, es ist so, dass die schizophrenen Produzenten ihre Störungen zu lange vernachlässigt haben. Manchmal machen sie Filme, die förmlich danach schreien, sie in Zwangsjacken zu stecken und sie sofort von der Gesellschaft zu isolieren. Aber, auch wenn es sich seltsam anhört, die Gesellschaft schaute sich diese wahnsinnigen Produktionen an und ließ diese kranken Produzenten frei und unbeaufsichtigt ihre Wege gehen, obwohl das, wie Sie wissen,
       sehr gefährlich ist. Unsere Gesellschaft ist zu beschäftigt. Wenn man etwas Schlaf erwischt nachdem man viel zu viele Stunden ferngesehen hat, findet man kaum Zeit, die Gefangennahme des schizophrenen Produzenten zu organisieren und ihn in ein Heim zu transportieren. Manchmal hebt die Gesellschaft ihren Hintern von der Couch und man denkt schon, dass sie sich aufmacht, um die manischen Produzenten zur Räson zu rufen, aber nein, wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass sie ins Badezimmer geht, denn sie hat zu lange vor dem Fernseher gesessen und hat nun die Notwendigkeit entwickelt, irgendwo - wenn man so sagen möchte -auszulaufen. Dann, so denken Sie sich, wird die Gesellschaft, wenn sie das Badezimmer wieder verlässt, ihre weißen Hände waschen (die Gesellschaft erklärt immer "Ich wasche meine Hände!", wie schon Pontius Pilatus getan hatte, um zu zeigen, das er nicht derjenige war, der für die Kreuzigung Jesu Christi verantwortlich gemacht werden konnte - was dann zur Tradition wurde) und sich mit den Schizophrenen beschäftigen. Aber nein, die Gesellschaft geht nur in die Küche um die giftigen Chips oder das Popcorn zu holen, dann geht sie zum Fernseher zurück.
       Ach, Sie glauben, das ist nicht wahr? Sie stürzen auf die Gesellschaft zu und schreien: "Nehmen Sie diese Produzenten fest, sie sind völlig verrückt geworden! Eine normale Person könnte sich das überhaupt nicht ausdenken, was sie geschaffen haben, geschweige denn, es sich anschauen." Und die Gesellschaft sitzt vor dem Fernseher und knabbert ihr Popcorn. Sie schauen ihr dann mit einem letzten Funken Hoffnung in die Augen - und da - Oh mein Gott! Die Augen der Gesellschaft sind absolut verrückt.
       Herr Fast Food war ein Clown mit einer Erscheinung wie aus einem "Horror-Film". Lilli-Bunny fragte ihn sofort, warum er jeden mit Fast Food vollstopfe. Wie zu erwarten war, begann Herr Fast Food mit den Hamburgern zu jonglieren und lachte auf eine fürchertlich unschönen Art und Weise.
       "Was soll ich Ihnen sagen, mein lieber Lilli-Bunny", lachte Herr Fast Food laut. "Die Menschen haben keine Zeit für ein normales, leckeres Mahl. Die Zeiten haben sich geändert. Heute hassen die Menschen ihre Körper, ihr Essen und ihre Seelen. Die Leute sind ständig unterwegs. Sie denken nicht darüber nach, was sie schlucken; sie sind ständig am Laufen, bis sie wie Rennpferde fallen. In ihrer Freizeit sitzen sie vor dem Fernseher fest und schauen den laufenden Bildern zu aus Angst, jemand würde heraus hüpfen und sie beißen. So verbringen sie ihre schrecklichen Tage. Mit meinen Hamburgern bringe ich Sonnenschein in ihr Leben. Ich hätte ihnen auch Essen in Pillen verkaufen können und sie hätten es mit Begeisterung gegessen. Aber ich bin Humanist, müssen Sie wissen. Ich respektiere die Tradition; ich verstehe das menschliche Bedürfnis nach einem mäßigen Konservatismus. Ich gebe den Dingen alte Namen: Mittagessen, Salat, Kuchen. Natürlich ist nichts davon mehr echt, aber Traditionen sind mir heilig. Übrigens, Frau Koka-Kola hilft mir immer dabei. Sie gießt ihr eisig-schwarzes Funkeln über meinen magen-bohrenden Proviant, und das ist auch schon alles. Der Mensch ist bereit für neue Heldentaten - für seine dumme Arbeit, für seine dummen Filme! Ist das nicht das reine Glück?"
       "Das bedeutet wohl kaum 'Glück'", sagte Lilli-Bunny. "Essen verlangt Respekt; man muss es mit Begeisterung zubereiten, mit Ernst, man muss sich Zeit nehmen, zu essen, sich dabei nett unterhalten..."
       "Sie, werter Lilli-Bunny, sind rückständig". Herr Fast Food war empört. "Haben Sie nicht verstanden, dass dies die Neuzeit ist? Die neue Zeit herrscht dann, wenn das alte als Blödsinn abgetan wird. Ist das nicht klar?"
       "Ja, mit ihnen ist alles klar", sagte Lilli-Bunny und bestellte traurig einen Hamburger, denn er war hungrig geworden.
       "Das ist schon besser". Herr Fast Food nickte zustimmend. "Seien sie nicht traurig darüber, mein lieber Lilli-Bunny. Ich lege ein Plastikspielzeug Monster-Ponster zu ihrer Bestellung. Nur nicht essen, ja? Es ist aus Plastik."
       "Okay", sagte Lilli-Bunny. Er aß seinen Hamburger und gab das Plastikspielzeug Monster-Ponster Lilli-Jake. Was kann man schon machen? Lilli-Bunny kann doch den modernen Zeiten nicht im Wege stehen, oder?
       Kapitel 26
       Lilli-Bunny und der Affe
       In der Vergangenheit waren die Menschen primitiv. Sie rechneten mit ihren Köpfen, schrieben mit Federn oder Kugelschreibern, ihnen gefielen die ungehörigen Bilder in papiernen Zeitschriften und sie dachten, ihr Leben wäre ziemlich modern und fortschrittlich. Wie kann man nur so naiv sein? O sancta simplicitas.16
       Aber schließlich, wenn auch verspätet, kam die Erleuchtung zu den Menschen und sie fingen an, Affen für all diese Sachen zu benutzen (ach, Sie glauben, ich habe einen Fehler gemacht und statt Computer "Affen" gesagt? Wirklich, wo ist da schon der Unterschied? Beide verhalten sich irrational, frieren bei jedem Klima zu jeder Zeit ein, machen ein großes Getue, brechen zusammen und verursachen unvermeidbar Kopfschmerzen bei normalen Menschen).
       Heute ist die Zeit der Affen. Die Menschen nutzen die Affen, um Dinge zu machen, die sie früher selbst gemacht haben. Affen beobachten den Flug der Flugzeuge und Raumschiffe, überwachen komplexe Prozesse in der Industrie und führen Finanzoperationen aus. Es ist schwer, einen Aspekt des modernen menschlichen Lebens zu finden, dass nicht von der Intelligenz der Affen abhängt.
       Ein Beispiel: Wenn Sie sich einen Kaffee machen wollen, nähern Sie sich einem Affen und geben Sie einen Befehl in der Affensprache:
      
       ________________________
       16 O heilige Einfachheit! "Simplus" bedeutet im Lateinischen sowohl unschuldig, demütig und mäßig als auch ignorant, leichtgläubig und naiv.
       Wenn man den Befehl eingibt muss man zuerst warten, bis der Affe ihn Silbe für Silbe gelesen hat. Dann muss man warten, bis der Affe die Definition für das Konzept "Kaffee" im Wörterbuch Mensch-Affe gefunden hat und wird dann schließlich aufgefordert, den Kaffee zu bestimmen, der gemeint war.
       Der Affe fängt an, eine Liste von Kaffees in einer kläglichen Stimme zu verkünden und man sollte dazu nicken oder "Ugh" sagen um zu zeigen, welches Aroma der Kaffee haben soll, wie stark er sein soll, die Zusammensetzung, die Bitterkeit, die Mokkatasse*, die Kaffeekanne, die Gesinnung, die Süße, das Cappuccino-mäßige, das Espresso-mässige, den Salzgehalt, die Herbheit, den Mokka, den Grad des Exotischen und schließlich, ob man nicht doch Café au lait meinte.
       Nachdem man die konkrete Kaffeemarke und andere Einzelheiten gewählt hat wartet man, während der Affe die Kaffeekanne auf seinen Kopf setzt und dann auf einen anderen Platz und dabei höflich warnt:
       "Kaffeekanne gefunden.
       Neu konfigurieren des Systems.
       Bitte warten."
       Dann warten Sie darauf, dass der Affe den Kaffee in der ganzen Küche verteilt und schließlich...
       Der Affe verbrüht Sie mit Kaffee (als ob es nötig gewesen wäre, so viel nach der Marke zu fragen. Macht es irgendeinen Unterschied, mit welchem Kaffee Sie verbrüht wurden?).
       Sie schreien: "A-A-A-A!" und der Affe lacht sich tot. In der Vergangenheit hatten Sie Ihren Kaffee ohne diese ganzen Abenteuer. Aber was für ein rückständiges Leben war das! Niemand mag mit Kaffee verbrüht werden. Aber während Sie warten und
       ________________________________
       *Eine besondere kleine Tasse, in der Espresso serviert wird.
       wählen und sie bereits gesehen haben, dass es wirklich sooooo laaaaaang dauert, zu warten und zu wählen, sehen Sie wirklich wie ein Mann der Zukunft aus, so, wie ihn sich die Höhlenmenschen vorgestellt haben - einen Widder mit zwei Köpfen. Warum zwei Köpfe? Weil er schlau ist. Warum einen Widder? Das waren die Schönheitsvorstellungen der Höhlenmenschen.
       Lilli-Bunny entschied sich, sich einen Affen zuzulegen. Er wollte nicht rückständig sein, denn er wollte nicht, dass ihn die Eule eine derbe, rüpelhafte und nicht-fortschrittliche Person nannte. Die Eule war eine sehr fortschrittliche Person. Sie beschäftigte sich mit virtueller Realität und wölbte deswegen ihre Augäpfel immer vor und sagte ständig "Uhu", ob es nun passend war oder nicht. Sie wissen, wie Eulen "Uhu" sagen: mit einem Punkt am Ende, fast so, wie Lilli-Bär sein "wow" am Ende mit einem Punkt aussprach. Die Eule jagte virtuelle Computermäuse in der virtuellen Realität und war eigentlich sehr zufrieden mit ihrem Leben. Sie verbrachte die ganze Nacht in der virtuellen Realität und schlief bis in den Nachmittag. Lilli-Bunny fütterte die Eule, denn wenn man sie allein lassen würde, wäre sie schon vor langer Zeit verhungert. Ja, virtuelle Mäuse sind nicht wirklich nahrhaft. Die Eule lebte von Keksen, die Lilli-Bunny besonders für ihr Frühstück am Abend gebacken hatte, denn, wie Sie ja wissen, wachen Eulen am Abend auf und haben dann ihr Frühstück.
       Manchmal, wenn Lilli-Bunny die Eule mit Keksen fütterte, kritisierte sie ihn: "Lilli-Bunny, du bist absolut veraltet. Niemand backt heutzutage mehr Kekse. Sie sind doch alle virtuell heute!" - und mampfte dabei einen Mund voller Kekse.
       Und so holte sich Lilli-Bunny einen Affen in sein Haus, denn er wollte nicht hinter der Zivilisation zurückfallen. Allerdings müssen wir zugeben, dass Lilli-Bunny Affen schon seit seiner Kindheit nicht mochte, denn ein lästiger Affe biss ihn mal, als ein Bild von ihm mit einem Affen und ägyptischen Antiquitäten im Hintergrund gemacht wurde. Seit dieser Zeit gehörten die Affen nicht zu den Tieren, die er als "süß und schön" beschrieb. Und eigentlich sagte er zu allen Tieren, dass sie "süß und schön" sind, denn er liebte Tiere sehr.
       Aber man kann nichts dagegen tun, gleichgültig, ob man Affen mag oder nicht. Man muss mit der Zeit gehen.
       In Lilli-Bunnys Nachbarschaft gab es eine riesige Anzahl von Affen. Herr Schuss Tell, der schreckliche Jäger, fing sie, wenn sie immer noch unschuldig waren, und nachdem er "CPU" (Cerebral Processing Unit (Zerebrale Recheneinheit)) auf ihre Stirn gestempelt hatte gab er sie an Herrn Soft Ware, den Trainer, weiter. Herr Soft Ware las die Marke. Wenn er "CPU 5" las, steckte er ein fünffaches an Gehirn in den Affen, wenn er "CPU 4" sah, steckte er nur ein vierfaches an Gehirn rein. Als diese Affen genügend verrückt geworden waren, setzte Herr Soft Ware sein System in deren Verrücktheit ein und ließ sie los. Die Einheimischen nahmen diese systematischen Affen gerne an und nahmen sie mit nach Hause, nahmen sie mit in ihre Geschäfte, in die Büchereien und sogar in die Büros, denn sie konnten einfach nichts ohne die Affen tun. Und so wurden sowohl Herr Schuss Tell, der Jäger, als auch Herr Soft Ware, der Trainer, sehr reich. Jeder beneidete sie und verwöhnte ihre Affen hin und wieder und trainierte sie ungehörige Grimassen und zu stehlen.
       Wir müssen hinzufügen, dass Herr Soft Ware seine Affen auch in feine weiche Hosen kleidete, damit sie ordentlicher aussahen. Er nannte sein Unternehmen "Weiche Hosen GmbH", denn seine Hosen waren wirklich weich. Auf diesem Weg spiegelte sich Herrn Soft Wares Arbeit ziemlich gut im Namen seines Unternehmens wieder.
       Und so besorgte sich auch Lilli-Bunny einen Affen und begann, ihn mit landwirtschaftlicher Arbeit zu beschäftigen. Allerdings war sein Affe eigenwillig. Als Lilli-Bunny Karotten pflanzte, zog der Affe sie alle wieder raus oder, anders herum, wenn Lilli-Bunny die Karotten aus der Erde zog, vergrub der Affe sie wieder in der Erde und stampfte auf dem Beet, als ob sich nichts geändert hätte. Er fing an, Lilli-Bunny verrückt zu machen. An einem Tag löschte der Affe einen ganzen Topf mit Lilli-Bunnys Kompott; ein anderes Mal fror er an der Küchendecke fest und warf gefrorene Bananen auf jeden, der kam und ging.
       Lilli-Bunny entschied sich, dass der Affe für die Arbeit auf dem Bauernhof nichts taugte und schenkte ihn Lilli-Bär. Lilli-Bär trainierte den Affen, "wow" mit einem Punkt am Ende zu sagen, aber der Affe weigerte sich, trainiert zu werden und warf sogar ein Mal Lilli-Bärs Teller mit Porridge um. Danach schenkte Lilli-Bär den Affen Lilli-Kitty und der Affe verband alle Ohrringe von Lilli-Kitty zu einer langen, logischen Kette, sodass Lilli-Kitty einen ganzen Abend damit verbringen musste, jeden Ohrring einzeln zu zerlegen.
       Lilli-Kitty war sehr ärgerlich mit dem Affen und schenkte ihn Lilli-Jake. Lilli-Jake legte ihn in sein Zimmer, dahin, wo sein alter Computer war, aber der Affe begann, sich daneben zu benehmen; er zeigte Lilli-Jake seine Zunge, machte Grimassen und warf unschickliche Wörter an den Kopf solch hervorragender Personen, dass Lilli-Jakes Papageien, die alles wiederholten, was sie hörten, auf die "schwarze Liste" des örtlichen Sicherheitsdienstes gesetzt und fast ins Exil geschickt wurden, zum Glück in ein Land, dass keine Störenfriede mehr akzeptierte. Die Papageien verblieben in Lilli-Bunnys Haus, aber ein Polizist versiegelte ihre Schnäbel.
       Der Affe war am Ende herrenlos und wanderte durch das Haus, ging dabei in den Keller und verwickelte sich selbst in das World Wide Web, welches die WWW-Spinne gesponnen hatte.
       Im Keller fand Linker Pantoffel dann den Affen. Er saß da und weinte bitterlich, denn niemand brauchte ihn. Linker Pantoffel erkannte sofort
       die Wichtigkeit des Affen, an das Word Wide Web angeschlossen zu sein und nutzte ihn für subversive revolutionäre Aktivitäten in dem Geburtsland aller linker Pantoffel.
       Unter dem Befehl von Linker Pantoffel wurde das Bild des Kreuzers Glutton am Fersenpalast, welches vom Affen durch das World Wide Web der WWW-Spinne geschickt wurde, zum Signal, den heldenhaften Angriff auf "die letzte Festung der Pantoffelkratie" zu beginnen.
       Historiker sind sich absolut sicher, dass es mit den Dokumenten, die heutzutage zugänglich sind, einschließlich denen, die in besonderen Archiven gelagert sind, es nur möglich ist, ein ungefähres Bild der Ereignisse des Sturzes der Pantoffelkratie zu schaffen. Die Vorbereitungen für die Revolution begannen am 22. Oktober, am 25. Oktober hatten Gruppen der Zerrissenen-Pantoffel-Garde bereits die Postämter, die Brücken, die Bahnhöfe, die Telegrafenstationen und andere Wahrzeichen der Stadt besetzt. Während dieser Zeit ging das Leben normal weiter: die Straßenbahnen fuhren, bekannte Sänger sangen.
       Am Abend des 25. Oktober wurde der Fersenpalast, wo die Berühmte Regierung zusammenkommt, eingenommen. Am Abend des 25. Oktober um Viertel vor Zehn schossen die Waffen der Glutton eine leere Salve und die Artillerie des nahen Forts begann, auf den Palast zu schießen; von über dreißig Granaten trafen nur zwei oder drei das Ziel. Entsprechend der Dokumentarfotos waren nur einen Dachvorsprung und Fenster beschädigt worden.
       Gegen ein Uhr morgens stürmten die Rebellen - Zerrissene Pantoffel, bewaffnet mit überwiegend fest eingerollte, bereiten Innensolen mit Schnürsenkel - den Palast. Eine Bataillon von Damenschuhen verteidigte ihn.
       Als Lilli-Bunny in den Nachrichten sah, was in dem neu benannten Zerrissenen-Pantoffel-Land direkt nach der Revolution passiert war, wusste er sofort, dass dies auf Linken Pantoffel zurückzuführen war. Er rief Linken Pantoffel, um ihn zur Rede zu stellen und verlangte, dass die Dinge im Zerrissenen-Pantoffel-Land in Ordnung gebracht werden und dass der historische Name des Landes wieder hergestellt wird. Unter Lilli-Bunnys Druck stellte Linker Pantoffel den Namen wieder her; aber das Wesentliche wechselte nicht, denn Zerrissene
       Pantoffel zerrissenen alle anderen Pantoffel, als sie an die Macht kamen, sodass sogar heute noch jeder dort barfuss geht.
       Und so verstand Lilli-Bunny, dass es gefährlich sein könnte, einen Affen unbeaufsichtigt zu lassen und brachte ihn zurück zu Herrn Soft Ware.
       Aber Herr Soft Ware wollte den Affen nicht zurücknehmen, denn er hatte bereits einen Affen der Marke "CPU 8", und ließ sie einfach los. Nun täuschte er erfolgreich die Bürger, die weniger fortgeschritten waren als Lilli-Bunny, der bereits so fortschrittlich war, dass er keinen Affen brauchte, um wundervoll zu leben.
       Nur die Eule war immer noch unzufrieden, denn sie glaubte, dass nur Affen ohne Affen funktionieren können.
       Kapitel 27
       Lilli-Bunny im Konzert
       Kunst ist nicht nur eine Art unwichtiger Überschuss, so wie eine Garnierung. Kunst ist ein Bedürfnis der Seele -- sie liegt auf der sanften Seite, wenn wir schon davon sprechen. Landwirte und auch komplette Einsiedler brauchen die Kunst: Ein Lied oder eine Gemälde auf einem hölzernen Löffel machen das Leben noch bunter. Nicht grobkörnig wie geriebener Meerrettich, sondern sanft und angenehm, wie fein gehobelte Karotten.
       Und obwohl Lilli-Bunny von der Naturalwirtschaft lebte, fühlte er sich spürbar zur Kunst in ihren vielfältigen Formen hingezogen. Lilli-Bunny malte wundervolle Bilder. Ganz plötzlich konnte er sich hinsetzen und Lilli-Bärs Portrait malen. Besonders berühmt ist Lilli-Bunnys Bild mit dem Titel "Der auf einem Pferd sitzende Lilli-Bär siegt über die grüne Schlange." Es hing für eine lange Zeit im Vorraum des Louvre, aber dann verlangte Lilli-Bär, dass es entfernt und ihm zurückgegeben wird, denn die Besucher zeigten immer auf das Kunstwerk (offensichtlich trauten sie nicht dem Wahrheitsgehalt des Bildes. Sie verstanden einfach nicht diesen hohen Grad der Allegorie; im Allgemeinen reiten Teddybären nicht auf Pferden und durchbohren auch keine Schlangen). Dem gemalten Lilli-Bär gefiel das nicht und er macht ein ärgerliches Gesicht, was den künstlerischen Wert dieser Arbeit minderte. Das Portrait rief Lilli-Bär sogar ein Mal an und beschwerte sich, dass er im Louvre beleidigt wurde. Man stelle sich vor: Mittagessen im Louvre - es ist laut, die Stimmen dröhnen und der gemalte Lilli-Bär, der auf einem weißen Hengst sitzt, einen siegreichen Speer in seiner Armbeuge hält und blinzelt, telefonierte mit einem schweren, alten Telefon, das am Tag vorher ein junger, talentierter impressionistischer Maler, ein Mitglied der Akademie der Künste, auf Bitten des gemalten Lilli-Bärs hinzugefügt hatte. Wegen der fürchterlichen Kurzsichtigkeit des Künstlers war das aufgemalte Telefon sehr verschmiert und der gemalte Lilli-Bär musste blinzeln, um die richtige Nummer zu wählen. Unser Bild wäre unvollständig, wenn wir die Tatsache verheimlichen würden, dass die grüne Schlange auf diesem Bild nicht anwesend war, denn sie war in der Mittagspause und "Geschlossen! In der Mittagspause" war über das Portrait gemalt.
       Der Louvre war in Aufruhr. Ein gemalter Lilli-Bär auf einem weißen Pferd mit einem Telefon - und er beschwerte sich auch noch! Was für eine Schande. Was für eine Schande für den Louvre, wo Bilder gewöhnlich freundlich behandelt werden. In Wahrheit war sogar Mona Lisa unzufrieden, denn sie musste ständig mit geschlossenem Mund lächeln.
       Können Sie sich das Schicksal einer Frau vorstellen, der es fünfhundert Jahre nicht erlaubt war, ihre Zähne zu zeigen? Eine gewisse emanzipierte Aktivistin versuchte, einen Fangzahn auf Mona Lisas Gesichts zu zeichnen, aber sie wurde rechtzeitig ins Krankenhaus eingewiesen (die Aktivistin, nicht Mona Lisa). Jede Dame muss die Gelegenheit haben, manchmal ihre Zähne zu zeigen, ansonsten vergisst sie, was Freiheit ist. Und Frauen dürfen nicht vergessen, was Freiheit ist, denn die Haare der Freiheit müssen dauergewellt und das Gesicht muss hergerichtet sein, zumindest im Urlaub.
       Also litt Mona Lisa still und leise vor sich hin, denn sie konnte die von Lilli-Bär vor kurzem ausgesprochene Einladung, in Lilli-Bunnys Haus zu ziehen, nicht annehmen. Im Lilli-Haus gab es nicht die perfekten Bedingungen für sie: Mona Lisa brauchte Aufmerksamkeit und Bewunderung, aber es kamen nicht viele Besucher in Lilli-Bunnys Haus, und die Bewohner des Hauses bevorzugten Bilder von Zeichentrickfilmen und Comics im Gegensatz zur ernsten Mona Lisa. Hinzukommt, dass die Gefahr bestand, dass jemand aus Witz einige Details hinzufügte. Wie Sie sich vielleicht denken können ist es absolut inakzeptabel, etwas zur Mona Lisa hinzuzufügen, denn sie ist bereits perfekt.
       Bitte glauben Sie nicht, dass die Bewohner des Lilli-Hauses nicht gebildet waren. Lilli-Jake zum Beispiel war Zuhause unterrichtet worden, sogar von MacPlato persönlich. Zuerst wollten sie O'Aristoteles engagieren, aber nachdem sie seinen Schüler Alex von Mazedonien kennen gelernt hatten, entschieden sie sich doch dagegen. Natürlich stimmt es, dass O'Aristoteles seine Liebe für Gedichte an Alex weitergegeben hat. Aber Alex drückte seine Liebe in einer irgendwie seltsamen Art aus - als er die Stadt Theben zerstörte, ließ er nur das Haus des Poeten Pindarus zwischen den Ruinen stehen. Sie müssen wissen, er vergötterte und respektierte Pindarus. Stellen Sie sich nun vor, dieser Pindarus würde am Morgen sein Haus verlassen, um eine Flasche Alkohol zu kaufen -- aber, keine Chance. Der Laden war zerstört worden. Zum Glück erlebte Pindarus diese unglückliche Stunde nicht. Aber Alexander war ein ziemlich zivilisierter und intelligenter Mann, deswegen ließ er dieses Haus stehen als eine Art Monument.
       Und was passierte nun mit Lilli-Bärs Portrait? Der Louvre gab es mit Entschuldigung zurück und Lilli-Bär hängte es an die Wand in seinem Weinkeller. Der Weinkeller lag unter Lilli-Bunnys Haus
       in der Nähe des Verschlags der WWW-Spinne und war ein ausgezeichneter Platz, um Lilli-Bunnys Wein- und Schnapsflaschen, die großen Fässer voll mit honig-braunem Bier sowie ausgewählte Snacks, wie eingelegte Tomaten und Rote Paprika, zu lagern.
       Neben der Kunst, Tomaten richtig einzulegen, respektierte Lilli-Bunny die anderen hoch entwickelten Tätigkeiten, wie zum Beispiel Musik zu spielen. Ein Mal kaufte er sich ein Ticket für das Konzert eines sehr bekannten Musikers, dessen Namen ich hier nicht erwähnen möchte. Okay, okay, ich bin ja nicht so: Sein Name war Paganino.
       Lilli-Bunny zog seinen Freizeitanzug an, der aus einer rot und weiß gepunkteten Shorts und einem rosa T-Shirt mit den Worten
       Ich liebe laute Musik!
       Ich hasse laute Nachbarn!
       bestand und ging zum Konzert. Lilli-Bunny nahm seine Pantoffel mit, denn für alle Arten von Schuhen brauchte man kein Ticket (jeder, der aus wirtschaftlichen Gründen barfuss zu einem Konzert geht, sollte sich das merken). Die anderen Bewohner des Lilli-Hauses zogen es vor, der Musik im Radio zuzuhören und blieben deswegen zu Hause. Lilli-Bunny war aber ein echter Kenner der musischen Künste und hatte deswegen nichts dagegen, Geld für das Ticket auszugeben.
       Von Anfang an war das Konzert erfolgreich, denn beim Buffet gab es blättriges, mit Zucker bestäubtes Gebäck, das Lilli-Bunny heiß und innig liebte. Dieses Gebäck erinnerte ihn an die unschuldigen Freuden und süßen Belohnungen, die uns das Leben manchmal gewährt.
       Dann ging Lilli-Bunny in die Halle, ohne auf die letzte Glocke zu warten, denn schließlich war er pünktlich - ein Ergebnis seiner langen Beschäftigung mit der Naturalwirtschaft.
       Die Musikhalle war voll. Paganino war ein ziemlich talentierter Geiger und versammelte viele unterschiedliche Leute um sich herum. Die Mitglieder der Vereinigung der tauben Musiker, die Musik liebten (denn
       jeder taube Musiker "hört" die Musik auf eine eigene Art), saßen in den ersten Reihen. Weiter hinten saßen die Persönlichkeiten der Stadt und die Fast-Berühmtheiten. Lilli-Bunny aber saß auf der Galerie, denn da er Pantoffel trug war er in der ordentlichen Gesellschaft nicht willkommen, obwohl Linker Pantoffel damit gedroht hatte, eine Debatte über Gleichheit und Rechte von Pantoffeln zu beginnen, die mit Sicherheit das Konzert vermiest hätte. Um ihn zu beruhigen, kaufte ihm Lilli-Bunny eine kleine rote Flagge und eine Schachtel mit Bonbons.
       Schließlich wurden die Zuschauer ruhig und der Maestro erschien auf der Bühne. Paganino war in lockere schwarze Gewänder gehüllt; sein langes schwarzes Haar war nicht an die delikate Behandlung von Shampoo gewöhnt.
       Nach den ersten kräftigen Akkorden zerrissen alle Saiten von Paganinos Geige. Dann fiel der Kronleuchter runter und die Decke brach ein. Die Mehrheit der Zuschauer stürzte aus der Halle und missachtete dabei die Möglichkeit, dass dies vielleicht ein Teil der Aufführung war. Aber Paganino beachtete das nicht. Nachdem alle Saiten zerrissen waren, begann er auf der Geige zu trommeln und Lilli-Bunny, der dem Meister gerne half, begann ruhig zu singen "Ta-a-a - Ta, Ta, ta, da tam - ". Lilli-Bunny setzte zur Caprice 24 von Paganino an. Nachdem er Lilli-Bunny gehört hatte, beendete der ermunterte Maestro das Couplet "Ta Ta Da dam..." und rief Lilli-Bunny auf die Bühne. Zusammen machten sie mit der Aufführung weiter und benutzten die Geige als Trommel.
       Auch Lilli-Bunnys Pantoffel nahmen teil. Rechter Pantoffel saß auf dem großen Piano und begann mitzusingen bis er aufrecht stand. Paganinos Musik war so energisch, dass kein Instrument außer eine
       Trommel es länger als die drei ersten Akkorde aushielt. Linker Pantoffel fand irgendwo eine Startschusspistole und begann, im Takt zu schießen. Jetzt rannten auch die letzten Zuschauer weg -- ohne dabei zu fragen, ob sie ihr Geld zurückbekommen würden, denn sie dachten, es sei ein Musical und dass dies alles zur Aufführung gehörte. Durch neue Traditionen können sich Musicals heute unvorhergesehen entwickeln und eine Pistole abzufeuern ist nicht des schlechteste aller Ende.
       Lilli-Bunny und Paganino sangen mit Hingabe und niemand in Lilli-Bunnys Haus glaubte, seinen Ohren zu trauen, als sie dem Konzert im Radio zuhörten. Die Radiostation spielte Lilli-Bunnys wundervolle kleine, rauchige, aber sichere Stimme, begleitet von Paganinos rauchigem Bariton, den leiser werdenden Tönen des großartigen Klaviers und den Schüssen der Startschusspistole.
       Das war ein wirklich bemerkenswertes Konzert! Was ist sonst wichtig in der Kunst? In der echten Kunst ist wichtig, dass sie nicht langweilig ist. Ist sie langweilig, ist es keine Kunst mehr, sondern Wissenschaft.
       Kapitel 28
       Lilli-Bunny stellt eine Kuh ein
       Schon seit langem träumte Lilli-Bunny davon, eine Kuh zu haben. Er, der von der Naturalwirtschaft lebte, brauchte natürlich eine Kuh, aber alle Bewohner des Lilli-Hauses waren dagegen. Lilli-Bär wollte nicht Lilli-Bunnys Aufmerksamkeit mit jemand anderem teilen; Lilli-Kitty hatte Angst, dass die Kuh ihren Haarschnitt verderben würde; Lilli-Jake fürchtete, dass die Kuh irgendein wichtiges Stück von ihm ablecken würde, denn auch ohne Kuh verschwanden ständig wichtige Sachen, so, als ob eine Kuh sie abgeleckt hätte. Die Katzen waren kategorisch dagegen, denn sie dachten, dass Kühe dreckig sind, da sie sich nicht mit ihren eigenen Zungen waschen; die Papageien wiederholten alles, was die anderen gesagt hatten, und waren deswegen natürlich auch gegen eine Kuh; und Lilli-Bunnys Pantoffel fürchteten sich davor, dass die Kuh sie barhufig tragen würde und das wäre ihr wirkliches, um nicht zu sagen, konkretes Ende.
       Nur die alte Standuhr hatte nichts gegen eine Kuh, denn, wie Sie sich vielleicht erinnern, brauchte die Uhr dringend frische Milchprodukte.
       Lilli-Bunny entschied sich trotzdem, eine ordentliche Kuh zu suchen und stellte sich vor, dass er dann beginnen würde, jeden mit frischer Milch und mit Käsekuchen zu verwöhnen, sodass deren Einstellung gegenüber der Kuh etwas milder werden würde.
       Mit keinem Wort erwähnte er, dass er eine Kuh kaufen wollte. Nicht, dass Lilli-Bunny nicht so viel Geld hatte. Lilli-Bunny war wirtschaftlich - nicht geizig oder knauserig - sondern wirtschaftlich, sodass er genug Geld hatte. Das Problem war nur, dass er in einem freien Land lebte und in einem freien Land
       haben Kühe dieselben vollen Rechte wie andere Bürger, wie zum Beispiel Hähne oder Ziegen. Die Zeiten, als Kühe noch Rinder waren sind schon lange vorbei. Nun wurden Kühe als der Arbeiterklasse zugehörig betrachtet, was sehr viel angenehmer war, glauben Sie mir. Kühe hatten dieselben Freiheiten, wie auch die orientalischen Frauen zu ihren Zeiten, und sie fingen an, sich ihre Arbeit selbst auszusuchen, sie waren frei bei der Wahl des Wohnortes und auch darin, was ihnen gefüttert wurde.
       Deswegen stellte Lilli-Bunny die folgende Anzeige in die Tageszeitung:
       Lilli-Bunny wollte nicht seine Telefonnummer angeben, denn er befürchtete, dass dann am Telefon viel sinnloses gemuht würde. Es war besser, wenn sie direkt zu ihm kommen und mit dem Huf an die Tür klopfen würden. Und um sicher zu gehen, dass er sie nicht mit seinem Nachbarn Herrn Drückhart, der wegen einer Zwiebel und einer Sonnenbrille kam, oder mit seinem anderen Nachbarn, Herrn Bolzenkopf verwechselte, der für einen Sack mit Bolzen kam, hatte er hinzugefügt, dass man drei Mal klopfen sollte, genau drei Mal. Ich meine, wirklich, meine verehrten Leser, Lilli-Bunny ist ja schließlich kein Jo-Jo, das zur Tür geht einmal mit Bolzen, dann wieder mit Zwiebeln. Und übrigens, eine Kuh mag vielleicht nicht, wenn er mit diesen Sachen in seinen Händen auf der Türschwelle steht. Kühe sind heutzutage pingelig - sie möchten nicht in einem Umfeld arbeiten, dass seltsam oder komisch wirkt.
       Was die höhere Schulbildung betrifft so muss das heute eine jede Kuh nachweisen. Nicht, dass Kühe deswegen mehr Milch geben. Die Milch schmeckt auch nicht besser wegen der höheren Schulbildung. Es ist nur einfach so, dass es in der Gesellschaft etablierte Standards und Kriterien gibt, und dass in dem Land, in dem Lilli-Bunny
       lebte, die höhere Schulbildung von Kühen Tradition wurde. Einige besonders unfähige Kühe bekamen einen Hochabschluss in Kuh-Wissenschaften ohne Examen, da sie schon so lange in diesem Beruf gearbeitet hatten. Aber die Mehrzahl der Kühe wählte sich andere Beschäftigungen, denn Freiheit für die Kühe bedeutete, dass jede Kuh selbstbestimmt war.
       Natürlich könnte Lilli-Bunny bei Bekannten nach einer Kuh schauen, wie ihm seine Nachbarn empfahlen, wenn wir schon davon sprechen. Aber er wollte nicht sofort zu einem solchen Heimvorteil greifen, denn er respektierte ebenfalls die einfachen demokratischen Prinzipien der Gesellschaft, in der er lebte und er wollte allen Kühen dieselben Chancen auf dem Arbeitsmarkt geben. Das Bewusstsein der Bevölkerung des Landes war auf einem hohen Stand, besonders was solche Fragen betraf, die nicht so sehr die Taschen oder persönlichen Vorteile der Bürger beeinträchtigten; und Lilli-Bunny war ein bewusster Bürger, nicht nur nach außen hin, er war auch für die allgemeine Verbesserung aller wichtiger Angelegenheiten, die es in einer fortschrittlichen Gesellschaft so zahlreich gibt. Die Gesellschaft liebte Lilli-Bunny dafür, besonders in diesen seltenen Momenten der Klarheit, wenn sie frische Karotten und Fenchel von ihm kaufte.
       Die erste Kuh, die an Lilli-Bunnys Haus klopfte war braun mit großen weißen Punkten. Lilli-Bunny bevorzugte eigentlich eine klassische schwarz-weiße Kuh, aber er seufzte vor Begeisterung. Im Übrigen ist die auch offen gezeigte Bevorzugung von Farbe als illegal und als absolut diskriminierend für eine ziemlich lange Zeit betrachtet worden. Deswegen wird nun jeder von seinen Vorlieben geleitet, aber heimlich.
       Lilli-Bunny lud die Kuh in sein Büro ein (in einer modernen Naturalwirtschaft muss man heutzutage ein eigenes Büro haben) und begann mit dem Interview:
       "Ich benötige ein Kuh in meiner Einrichtung, wie Sie ja wissen."
       "Ist Ihre Einrichtung groß?", fragte die braune Kuh schlicht.
       "Ja, würde ich sagen", gab Lilli-Bunny bescheiden zu.
       "Und gibt es viele andere Kühe?"
       "Nein, es gibt keine anderen Kühe. Deswegen benötige ich ja eine Kuh", antwortete Lilli-Bunny, "weil ich momentan keine Kühe habe!"
       "Aber sicherlich, sehr geehrter Herr Lilli-Bunny, erwarten Sie nicht von mir, dass ich die ganze Kuh-Arbeit erledige!" Ärgerlich stand die braune Kuh auf.
       "Ich werde Sie gut füttern und ich brauche nur eine Kuh", Lilli-Bunny versuchte, die Kuh zu überzeugen.
       "Ich arbeite nicht in kleinen Unternehmen", unterbrach ihn die braune Kuh und ging, ohne "Auf Wiedersehen" zu sagen. Die Tür hinter sich zuschlagend murmelte die Kuh: "Was für eine Schande! Wie können die Behörden so was erlauben?"
       Besonders der letzte Satz hatte Lilli-Bunny verletzt. Wie jeder ordentlicher Bürger fürchtete sich Lilli-Bunny vor den Behörden, obwohl er nicht ganz verstand, was so verkehrt war an der Tatsache, dass seine Einrichtung klein war und er keine Kuh hatte. Er urteilte, dass im Allgemeinen daran nichts besonders kriminelles war, aber wie man so schön sagt "hilft Gott denjenigen, die sich selbst helfen". Deswegen rief Lilli-Bunny Herrn Problemson an, seinen Anwalt. Nach langen Entschuldigungen, dass er keine Zeit für Telefongespräche habe und das man diese Dinge besser nicht am Telefon bespricht, klärte er Lilli-Bunny am Ende doch auf: ein nur kleines Unternehmen wird in diesem Land nicht akzeptiert und wird bis zu einem gewissen Grad sogar als kriminell betrachtet. Auch wenn es kein spezielles Gesetz dagegen gibt, so zeigt doch die juristische Praxis, dass kleine Unternehmen immer in Gerichtsverfahren verwickelt sind, wohingegen große Unternehmen normalerweise Schwierigkeiten ausweichen und das Gericht meiden.
       "Aber warum sollten sie mich anzeigen?", weinte Lilli-Bunny in den Hörer.
       "Holen Sie sich eine Kuh", riet Herr Problemson und vermied eine direkte Antwort.
       Lilli-Bunny hängte auf und wischte sich die Nase. Eine Kuh einzustellen war nun keine Wahl mehr, es war eine absolute Notwendigkeit. Es sah so aus, als ob die Abwesenheit einer Kuh in einer Naturalwirtschaft gleichbedeutend war -- nach der öffentlichen Meinung und der juristischen Praxis -, wenn schon nicht mit einem Schwerverbrechen, dann doch mit so etwas wie Betrug. Wie konnte einer solchen Einrichtung eine Kuh fehlen? Die Täuschung der Öffentlichkeit war offensichtlich.
       Zum Glück musste er nicht lange warten. Ein andere Kuh, eine mit Lilli-Bunnys bevorzugten Farben, klopfte an seine Tür und der glückliche Lilli-Bunny führte sie in sein Büro.
       "Ich habe derzeit keine Kuh. Macht Ihnen das etwas aus?", fragte Lilli-Bunny unsicher.
       "Oh nein, absolut nicht", antwortete die schwarz-weiße Kuh, und begann dann, über sich selbst zu reden. "Ich habe einen Abschluss vom Konservatorium, der Fakultät des künstlerischen Pfeifens."
       "Oh, pfeifen Sie bitte etwas!" Lilli-Bunny war begeistert. Er wusste, dass eine Kuh früh am Morgen gemolken werden sollte und Musik kann die frühen Morgenstunden erhellen.
       "Muu-u-u-u-u-u-u", pfiff die Kuh.
       "Aber das ist doch kein Pfeifen; das ist Muhen."
       "Ich habe einen Abschluss von der Fakultät des künstlerischen Pfeifens mit Spezialisierung in artistischem Muhen! Sie möchten, dass die Kühe pfeifen?"
       "Oh, nein, nein." Lilli-Bunny lenkte sofort ein. "Es ist nicht wichtig; Milch ist wichtiger..."
       "Was?" Die Kuh war empört. "Sie wollen mich melken? Oh nein..."
       Die Kuh sprang auf, sammelte schnell ihre Zeugnisse ein und verschwand.
       Lilli-Bunny war perplex. "Nun ja", dachte er, "was soll ich tun?" Zum Glück klopfte wieder jemand an die Tür und Lilli-Bunny beeilte sich, sie zu öffnen.
       Ein riesiger Bulle stand auf seiner Türschwelle.
       "Entschuldigen Sie bitte", sagte Lilli-Bunny unsicher, nachdem er den Stier trotzdem in sein Büro geführt hatte. "Ich möchte Sie nicht beleidigen, aber ich benötige eine Kuh..."
       "Kennen Sie nicht das Antidiskriminierungsgesetz*, wonach es verboten ist, jemanden wegen des Geschlechts zu diskriminieren?", fragte der Stier gelassen. "Dieses Gesetz legt Maßnahmen fest, um die staatliche Politik für die Zusicherung der gleichen Rechte, der Freiheit und der Möglichkeiten für Kühe und Stiere zu realisieren, und für die Verhinderung der Diskriminierung wegen des Geschlechts, da dies nötig ist, um die Entwicklung dieses Landes zu stabilisieren und zu sichern."
       Lilli-Bunny hatte jetzt wirklich Angst. "Ich stelle Sie nicht ein, nicht, weil Sie ein Stier sind, sondern weil Sie keine Kuh sind. Das heißt, nicht, weil Sie keine Kuh sind, sondern weil sie keine Milch geben."
       Die Antwort des Stiers war noch verwirrender:
       "Sie haben in Ihrer Anzeige nicht geschrieben, dass Sie Milch brauchen. Sie haben nur geschrieben, dass Sie eine Kuh brauchen. Sie hätten schreiben sollen: "Ein Stier oder eine Kuh". So schreibt es das Gesetz vor und ich bestehe auf meine Rechte." Der Stier begann, Druck auf Lilli-Bunny auszuüben, aber zum Glück kam Lilli-Bunnys 115 Liter großer Samowar in das Zimmer und erklärte, dass er angefangen habe, zu kochen und das nun jeder eine Tasse Tee trinken müsse.
       Als der Stier den riesigen Samowar sah, senkte er seinen Blick und vergab Lili-Bunny dessen Unkenntnis des Gesetzes, obwohl natürlich die Unkenntnis eines Gesetzes niemanden davon freispricht, es nicht zu befolgen. Sie müssen wissen, werter Leser, als der Stier versucht hatte, seine Rechte an anderen Orten durchzusetzen, war er mit kochendem Wasser verbrüht worden. Offensichtlich hatte er Angst davor, dasselbe mit dem Samowar zu erleben, der sehr überzeugend schnaufte und ihn wütend anfunkelte.
       _____________________________________
       * Dieses Gesetz ist ähnlich dem Deutschen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches am 18. August 2006 in Kraft getreten ist
       Am Ende des Tages hatte Lilli-Bunny mit seiner vorschnellen Personalpolitik so viele Gesetze gebrochen, dass, wenn seine Besucher im Allgemeinen nicht wirklich nett und milde gewesen wären und sein Samowar nicht so beeindruckend, Lilli-Bunny wahrscheinlich bis zum Ende seiner Tage in irgendeinem Gefängnis gesessen hätte wegen aller möglicher Diskriminierungen.
       Es kamen noch andere Bewerber zu Lilli-Bunny. Unter ihnen war ein Professor des Rinderwahnsinns, Experten, die Kühe in Schweine und wieder zurück verwandeln konnten sowie ein französischer Koch, dessen Spezialität Chateaubriand* war. Es gab sehr viele gut ausgebildeten Kühe - Kuh-Ingenieure, Kuh-Programmierer, Kuh-Anwälte, Kuh-Choreographen, und sogar Nachfahren von Kuh-Abenteurern. Aber keiner der Bewerber wollte Milch geben.
       Lilli-Bunny wurde sehr, sehr traurig, aber es kamen immer mehr Bewerber, was seine Naturalwirtschaft total durcheinander brachte.
       Den ganzen Tag lang hatte Lilli-Bunny mit hartnäckigen Bewerbern zu tun und jeder von ihnen verursachte auf seine Art und Weise Krawall; aber der französische Koch war besonders wütend. Und es sah aus, als ob keiner der anderen Bewerber überhaupt wirklich an der Arbeit interessiert war - sie hatten merkwürdige Schnauzen und befragten Lilli-Bunny im Detail nach seiner Einrichtung, manchmal prüften sie sogar seine Zeugnisse, seinen Pass und seine Konten. Besonders mit der Unterkunft waren sie sehr streng. Die Mehrheit der Bewerber bestand auf einen Kuhstall mit zwei bis drei Zimmern, mit einem Telefon und einem Badezimmer, einem Firmenhandy, einem Auto und Aktien an Lilli-Bunnys Geschäft. Als sie herausfanden, dass Lilli-Bunny gar keine Aktien hatte, da er keine Lilli-Bunny GmbH war sondern ein selbstständiger Unternehmer spuckten einige der Bewerber verächtlich auf den Boden in Lilli-Bunnys Büro; eine der Kühe hinterließ sogar Kuhmist auf Lilli-Bunnys Teppich.
       _________________________
       *Chateaubriand - dieses französische Gericht für garniertes Rindsfilet ist von Francois Rene Chateaubriand, einem französischen Politiker und Autor, erfunden worden. Man nehme 200 bis 400 g Rindsfilet, wäscht und trocknet es. Das Fett in der Pfanne heiß machen und das Fleisch so lange braten, bis es eine braune Farbe hat. Man kann es auch grillen. Salz und weißen Pfeffer dazugeben. Geben Sie nach 10 Minuten ein Stück gebratene Gänseleber auf das Fleisch und stecken Sie es mit einem Zahnstocher fest; ein Stück Butter mit Kräutern auf diesen Turm geben. Dazu passen Bratkartoffeln, gedünstete geschälte Tomaten, Pilze, grüne Bohnen, Karotten und Spargel.
       Zuerst hatte Lilli-Bunny versucht, die Kühe davon zu überzeugen, dass die Unterkunft ausgezeichnet ist und dass es für Kühe normalerweise nicht schwer ist, Milch zu geben, aber die Bewerber dachten noch nicht mal darüber nach, Lilli-Bunnys Angebot anzunehmen.
       Um den Alptraum zu beenden, sah sich Lilli-Bunny gezwungen, eine neue Anzeige in der Tageszeitung zu veröffentlichen:
      
       Die Anzeige war ziemlich teuer, denn jedes "kein" und "nicht" kostete einen Euro, während das normale Wort nur 20 Cents kostete. Die negativen Worte waren so teuer, denn die Zeitung wollte nicht negativ wirken.
       Lilli-Bunny sah sich ebenfalls gezwungen vor der Öffentlichkeit zu verbergen, dass er eine Kuh brauchte, denn er hatte die Öffentlichkeit mit dieser Anzeige verwirrt, besonders da sie in der Tageszeitung abgedruckt gewesen war.
       Und so wurde der gesetzestreue Lilli-Bunny wieder zu einem Kriminellen. Er gewöhnte sich sogar daran, über seine Schulter zu schauen, wenn er sein Haus verließ, um zu kontrollieren, ob ihn irgendjemand beobachtete.
       Eines Nachts, als Lilli-Bunnys Nachbar Herr Drückhart zu ihm kam, um eine Zwiebel und eine Sonnenbrille von ihm zu borgen, welche er ja brauchte - wie schon früher angemerkt - um Ahornsirup aus Birkenfeuerholz zu quetschen, brach Lilli-Bunny zusammen und fragte ihn, ob er ihm eine ordentliche Kuh empfehlen könnte, die zustimmen würde, ihm Milch zu geben. Und zu Lilli-Bunnys Überraschung bot Herr Drückhart ihm sofort seine Kuh Peggy an (Abkürzung für Pegasus). Lilli-
       Bunny war außer sich vor Freude. Peggy, die Kuh, verlangte nicht viel und versprach, jeden Tag Milch zu geben.
       Schon am nächsten Tag begann Peggy mit der Arbeit und gab einen Eimer Milch. Jeden Morgen bekam Lilli-Bunny einen Eimer Milch. Er musste sie sogar nicht melken, da sie sich selbst melkte. Lilli-Bunny schlug vor, Peggy besorge sich eine Melkmaschine (mit der Hilfe von Lilli-Bunnys Auto, das in seiner Kindheit geglaubt hatte, eine Kuh zu sein; es hatte sogar Gras gefressen und hatte bis vor kurzem immer irgendeine Flüssigkeit verloren - manchmal Öl, manchmal Benzin).
       Aber Peggy die Kuh bäumte sich fast auf.
       "Nein, nein!", schrie sie. "Nicht melken, dass mach ich ganz allein!"
       Und Lilli-Bunny gab auf.
       Die Probleme fingen nicht sofort an, aber mit der Zeit verschwanden immer mehr Haushaltsartikel aus Lilli-Bunnys Haus: Uhren, Spielzeug, Regenschirme, Mützen, Tassen, Bilder, Weine aus Lilli-Bärs Weinkeller, Dosen- und Flaschenöffner, Flachmänner, Feuerzeuge, die Zigaretten von Linkem Pantoffel... und sogar Aschenbecher mit Zigarettenkippen.
       Zuerst machte Lilli-Bunny Klepto dafür verantwortlich, den Hauskobold von Volk der Trolle, der unter chronischer Kleptomanie litt und alles mitgehen lies, dass nicht am Boden angenagelt war (oder an der Wand, oder an der Decke). Aber Lilli-Bunny schaute im Schrank nach und fand nichts anderes als die alten Brillengläser von Rechtem Pantoffel.
       Und dann verschwand Lilli-Jakes Thermometer, das Sandthermometer, dass Lilli-Bär für Lilli-Jake gemacht hatte (wenn der Sand warm ist, ist es heiß, wenn der Sand kalt ist, ist es kalt). Lilli-Jake war darüber sehr traurig.
       Allerdings tauchte ein ähnliches Thermometer schon bald in einem der örtlichen Trödelläden auf und Lilli-Bunny kaufte es für Lilli-Jake. Sobald Lilli-Jake es sah erklärte er, dass es sein altes Thermometer sei, denn er hatte ein Mal eine Münze darin vergraben und jetzt grub er sie wieder aus.
       Schließlich wurden alle diese Geheimnisse gelöst, als Lilli-Bunny an einem Sommertag in den Kuhstall ging um seinen nächsten Eimer Milch abzuholen, aber weder Milch noch Peggy die Kuh dort fand.
       Auf einem feinem Strohbett lag eine Notiz, die offensichtlich mit einem Huf geschrieben worden war:
       "Bin in den Süden gegangen. Komme im Herbst wieder.
       Küsse. Peggy die Kuh."
       Von seinem Besuch auf dem Land wusste Lilli-Bunny, dass Kühe normalerweise im Sommer in den Süden gehen, wie alle normalen Urlauber, deswegen war er nicht überrascht; aber nachdem er den Kuhstall untersucht hatte, fand er einen ganzen Berg leerer Milchflaschen.
       "Jetzt verstehe ich alles." Lilli-Bunny biss sich auf die Lippen. "Peggy hat die Milch nicht selbst gegeben; sie hat sie in einem Supermarkt gekauft. Und das Geld hatte sie, weil sie unsere Sachen aus dem Haus verkauft hat." Man konnte ja nicht erwarten, dass sie Milch von ihrem Gehalt kauft, oder?
       "Es ist wirklich schade", sagte Lilli-Bunny. "Warum hat sie nicht zugegeben, dass sie keine Milch gibt? Wir hätten sie doch auch so geliebt." Peggy die Kuh hatte Lilli-Bunnys Thermosflasche, die er so sehr mochte, gestohlen und verkauft. Deswegen war er so traurig darüber.
       "Nun ja. Die Kuh wird zurückkommen und dann werde ich ihr erzählen, dass wir nicht ärgerlich auf sie sind, aber dass sie keine anderen Sachen aus Lilli-Bunnys Haus im Trödelladen verkaufen soll. Sie soll mit uns leben und bekommt das Kuhgehalt, und wir kaufen die Milch dann im Supermarkt."
       "Nun verstehe ich, warum Herr Drückhart mir seine Kuh so bereitwillig gegeben hat! Deswegen quetscht er auch Ahornsirup aus dem Feuerholz von Birken - sie hat den alten Mann absolut ruiniert," erklärte Linker Pantoffel.
       "Vielleicht sollte man sie trotzdem einfach feuern?", fragte Rechter Pantoffel unsicher.
       "Nein, eine Naturalwirtschaft ohne Kuh ist unmöglich!", sagte Lilli-Bunny ernst und schaute gedankenvoll in den Himmel. "Wann wird meine liebe Peggy wieder aus dem Süden zurückkommen?"
       Kapitel 29
       Lilli-Bunny und sein Grammofon
       Auf seiner Reise durch das 19. Jahrhundert traf Lilli-Bunny eines Tages ein altes Grammofon, das später sein Lieblingsgrammofon wurde. Lilli-Bunny machte diese abenteuerliche Reise, um die Wurzeln seiner Lilli-Familie zu finden. Er hatte einen Stammbaum erstellt, es fehlten ihm aber noch Daten über einige seiner Verwandte. Lilli-Bunny konnte zwar in den Archiven nachschauen, aber wegen des Staubes musste er immer niesen; und daneben war es auch so, dass wegen der Absurditäten der letzten einhundert bis zweihundert Jahre einige Papiere für immer verloren oder unwillkommene Zusätze dazu gekritzelt worden waren (oh ja, ein Historiker hat es schwer). Ohne lange darüber nachzudenken stieg Lilli-Bunny in seine Zeitmaschine, die er normalerweise als Waschmaschine benutzte. Er nutzte sie nur in den selten Fällen als Zeitmaschine, wenn die Milch überkochte oder ein Kuchen angebrannt war. Dann setzte Lilli-Bunny den Hut auf, der vor fünf Minuten modern gewesen war (es ist wirklich unglaublich, wie schnell die Mode von Hüten wechselt) und reiste zurück in der Zeit, um die Milch rechtzeitig abzuschalten oder um den Kuchen aus dem Ofen zu holen. Sie werden vielleicht sagen, dass das nicht ganz richtig ist, denn manchmal floh die Milch aus dem Topf und lief durch das Zimmer, wobei sie die Katzen fürchterlich erschreckte. Da haben Sie recht, aber das passierte nicht etwa deswegen, weil Lilli-Bunny seine Zeitmaschine nicht nochmal nutzen wollte, sondern weil Milch manchmal die Gelegenheit haben muss, umherzulaufen, ansonsten wird sie fade und übergewichtig.
       Der ehrenwerte Super-Einstein selbst funktionierte Lilli-Bunnys Waschmaschine in eine Zeitmaschine um. Ein Mal, nachdem ihm die Tinktur der schnellen Neutronen ausgegangen war und er sich im folgenden von den
       den vielen Drinks erholte, dachte Super-Einstein wieder an das "Lilli-Einstein-Super-Bunny Paradoxon", wonach, wie Sie sich vielleicht erinnern, die Farbe des Briefkastens die Qualität der Briefe und Karten, die man so bekommt, beeinflusst. Super-Einstein entschied sich, Lilli-Bunny persönlich zu treffen und mit ihm die momentanen Probleme der Quantum Post-Physik zu besprechen.
       Lilli-Bunny teilte seinem geschätzten Kollegen Super-Einstein seine Beobachtungen zum Verhalten von Briefkästen mit, das er von den nahen Büschen aus beobachtet hatte, was dann im "Lilli-Einstein-Super-Bunny Paradoxon" im graziösen und echten Einstein'schen Stil mündete: Wie Sie sich vielleicht erinnern, werter Leser, hatte der Briefkasten die schönsten und fröhlichsten Postkarten aus dem Postsack des Postboten Gutenachricht herausgezogen und sie sofort geschluckt. Super-Einstein lachte so lange, bis ihm die Tränen kamen! Warum war er nicht selbst darauf gekommen?
       "Es ist einfach! Oh, es ist ja so einfach", wiederholte er und wischte sich die Tränen weg, immer noch lachend. "Ich hätte solch ein Gedankenexperiment machen sollen!"
       Super-Einstein mochte Lilli-Bunnys praktischen Witz und dessen Apfelstrudel sehr. Lilli-Bunny beschwerte sich, dass er oft so beschäftigt war mit den Aufgaben im Haushalt, dass der Strudel schwarz wurde und die Milch überkochte. Daraufhin wurde Super-Einstein nachdenklich, schaute Lilli-Bunny mit seinem berühmten schlauen Gesicht an, nahm noch einen tiefen Schluck von dem wundervollen Gebräu - dem honigbraunen Bier aus Lilli-Bärs Weinkeller -, und winkte mit seiner Hand. "In Ordnung. Ich funktioniere deine Waschmaschine in eine Zeitmaschine um."
       Lilli-Bunny benutzte seine Waschmaschine als Zeitmaschine, aber er reiste nur in die Zukunft. Manchmal kletterte er in die Waschmaschine um halb eins und wenn er wieder rauskletterte war es bereits fünf nach halb eins, sodass Lilli-Bunny sagte, dass er es selbst versuchen würde, vielen, recht herzlichen Dank.
       Aber einen Super-Einstein lenkte man nicht so schnell von einer Idee ab. Super-Einstein band einige Nüsse zusammen, setzte einige Lampen und Uhren darum und funktionierte die Waschmaschine so zu einer richtigen Zeitmaschine um, die auch in die Vergangenheit reisen konnte.
       Und so reiste Lilli-Bunny nach diesen Änderungen durch Super-Einstein in das 19. Jahrhundert, nachdem er erstmal einen Hut aus dieser Zeit aufgesetzt hatte. Da es nur Platz für einen Reisenden in der Zeitmaschine gab, nahm Lilli-Bunny nur seine Pantoffel mit. Auch erzählte er niemandem, dass er vorhatte, so weit in die Vergangenheit zu reisen, denn er wollte genau zu dem Zeitpunkt, an dem er abreiste, auch wieder zurückkommen, sodass sich niemand in Lilli-Bunnys Haus sorgen machen musste, dass das Abendessen heute später sein würde.
       Das 19. Jahrhundert war gelassen und langsam. Man konnte immer noch den Charme des verrottenden Feudalismus und der Aristokratie fühlen. Lilli-Bunny besuchte alle seine Verwandten, darunter sogar einen entfernten Vorfahren in London.
       Im London des 19. Jahrhunderts fand Lilli-Bunny die Person, die er brauchte und fragte ihn nach allem (es stellte sich heraus, dass auch sein Vorfahre von der Naturalwirtschaft lebte), schrieb alles ganz genau auf und hatte sogar noch eine heftige Auseinandersetzung mit Karl Marx, der gerade aufgetaucht war. Lilli-Bunny erzählte ihm, dass in der Zukunft keine Kuh mehr Milch geben wollte wegen seiner verrückten kommunistischen Extravaganzen. Dann war Lilli-Bunny bereit, wieder zurück in die Gegenwart zu reisen, wurde aber von der außergewöhnlichen Musik gefangen genommen, die aus dem vergoldeten Trichter des damals sehr jungen Grammofons kam, das in Karl Marx' Haus lebte. Das Grammofon war nicht sehr glücklich dort, denn Karl Marx wollte, dass es den ganzen Tag lang die "Internationale" spielte, und wenn das Grammofon die Worte durcheinander brachte, weil es müde war, zog der grausame Mann an der Kurbel des Grammofons, bis es weh tat, und spuckte auf den vergoldeten Trichter.
       Und so verderben wir die alte Tradition
       und schlagen auf die Blauen* ein, um den Preis zu gewinnen!
       *Mit den Blauen sind hier die Soldaten der amerikanischen Nordstaaten im Bürgerkrieg gemeint.
       Das Grammofon war gottlos durcheinander geraten, und spielte dieselbe Aufnahme zum dreiunddreißigsten Mal.
       "Du Gegenrevolution!" rief die Koryphäe17 der nationalen Revolution als er mit seinen Fäusten auf das arme Grammofon eintrommelte.
       Und ein Mal hatte das Grammofon unwahrscheinliche Angst vor dem Geist der Revolution, der nicht in Europa herumwandern wollte, sondern stattdessen auf Karl Marx' Toilette mit Verstopfung saß. Das arme Grammofon wollt seinen Trichter nach dem Missbrauch durch seinen Meister waschen, aber der schluchzende Geist des Kommunismus belagerte die Toilette. An diesem Tag war das Grammofon schließlich davon überzeugt, dass dieser Geist für nichts gut war, daher begann es, die "Internationale" absichtlich durcheinander zu bringen, und versuchte, seinen haarigen Meister davon zu überzeugen, wie schlecht sein Geschäft roch, was aber völlig sinnlos war. Karl Marx war weiterhin furchtbar wütend und das Grammofon gab ihm den Spitznamen "Tollwütiger Moor."
       Nachdem Lilli-Bunny das Grammofon getroffen hatte, bestätigte er dessen schlimmste Befürchtungen, was die Zukunft betraf; aber Karl Marx hörte Lilli-Bunny nicht zu, sondern warf seinen rechten abgenutzten Stiefel nach ihm, was ihm die Bewunderung und den Respekt des Linken Pantoffels einbrachte, der die Koryphäe deswegen verehrte.
       Lilli-Bunny sagte zum Grammofon: "Du musst nicht in diesem verhassten Haus bleiben. Lauf mit mir weg. Komm mit mir in die Zukunft." Das Grammofon stimmte zu, passte aber wegen seines Trichters nicht in Lilli-Bunnys Zeitmaschine und es wollte ohne seinen Trichter nicht gehen.
       Und so schlug Lilli-Bunny dem Grammofon vor, allein in die Zukunft zu reisen und gab ihm die Telefonnummer, die er in 150 Jahren haben würde. Lilli-
      
       ______________________
       17Führer
       Bunny verabschiedete sich herzlich vom jungen Grammofon und so gingen sie auseinander - Lilli-Bunny weinend, das Grammofon spielte einen hysterischen Kratzer als Zeichen seiner Niedergeschlagenheit.
       Und was glauben Sie, ist dann passierte? In der Gegenwart bekam Lilli-Bunny einen Anruf und im Hörer war die bekannte schroffe Stimme des Grammofons und das charmante Krachen. Lilli-Bunny fing wieder an zu weinen und ging, um das Grammofon nach Hause zu holen, nach Hause, in sein Lilli-Haus.
       Das Grammofon brauchte 150 Jahre, um in Lilli-Bunnys Zeit anzukommen. Auf seinem Weg dahin sah es viel. Wegen Schulden hatte die Polizei das Grammofon bei Karl Marx konfisziert. Dann hatte er einige Zeit mit Sherlock Holmes zusammengearbeitet; von den Fingerabdrücken auf dem vergoldeten Trichter des Grammofons hatte Holmes geschlossen, dass Lilli-Bunny das Grammofon besuchte hatte, aber er war sich nicht sicher, ob dieser Besuch bereits passiert war oder noch passieren wird, denn die Fingerabdrücke hatten die Charakteristika von Vertretern einer Generation aus der Zukunft und obwohl die Fingerabdrücke klar waren, waren sie in keinem Archiv gespeichert. Im Allgemeinen wurde das Grammofon die restlichen Jahre gut behandelt, auch wenn der vergoldete Trichter zwei Mal während einer Revolution und im ersten Weltkrieg angeschossen wurde. Während des zweiten Weltkriegs lebte das Grammofon in Argentinien und wurde geschont. Von Zeit zu Zeit benutzten die anarchisch geneigten Argentinier seinen vergoldeten Trichter als Aschenbecher und mit der Zeit hatte er auch die Schnauze voll von deren Tango, aber im Vergleich zu Karl Marx' "Internationale" war das gar nichts. Das Grammofon kam in Lilli-Bunnys Zeit ganz und gesund an und spielte zu jedermanns Überraschung die Platten sehr passabel ab. Lilli-Bunny nahm das Grammofon sofort mit zu einem Picknick und verwöhnte es mit Himbeermarmelade.
       Alle Bewohner des Lilli-Bunny Hauses bewunderten sofort Opa, das Grammofon. Sie nannten ihn sogar Grammy. Lilli-Bunny war sehr froh darüber, dass Grammy in unserer heutigen Zeit angekommen war und all die Leiden und Stürme der Geschichte überlebt hatte. Hier kann man sehen, was eine wahre Freundschaft erreichen kann, eine Freundschaft, wie die zwischen Lilli-Bunny und seinem Grammofon!
       Kapitel 30
       Lilli-Bunny und die kulturellen Unterschiede
       Es ist sehr schwierig zwischen einem kulturellen Unterschied und offensichtlicher Bösartigkeit und Unfreundlichkeit zu unterscheiden. Bevor sich Lilli-Bunny im Lilli-Haus niederließ, lebte er in vielen verschiedenen Ländern und lernte verschiedene Bräuche und Traditionen kennen. Natürlich leben die Menschen unterschiedlich; einige sind tatsächlich solche Originale, dass sie niemand anderem gleichen. Aber das ist ja gerade der Punkt: Wenn man über ein Volk als solches spricht ist das nur Theorie. Wenn man einen spezifischen Vertreter dieses Volkes direkt vor der Nase hat, weiß man nie, wie man sich verhalten soll; es gibt so viele Möglichkeiten, kulturelle Werte ungewollt zu verletzten. Kurz gesagt, Lilli-Bunny hatte mehr als ein Mal Probleme mit dem kulturellen Unterschied. Manchmal kam es vor, dass für Lilli-Bunny eine Person klar ein unverschämtes Schwein war, während aber jeder um ihn herum ihm erklärte, dass Du, Lilli-Bunny, einfach kulturelle Unterschiede mit dieser Person hast; für dich sieht er aus wie ein Schwein, aber gemessen am Standard vor Ort ist er eine ziemlich annehmbare Person. Nun ja, vielleicht ein wenig unverschämter und schweinischer als die Norm, aber das wird hier überwiegend akzeptiert und sogar ermutigt.
       Lilli-Bunnys Kopf begann sich im Kaleidoskop der kulturellen Unterschiede zu drehen und er packte ihn mit beiden Händen, sodass er nicht runterfallen würde, obwohl niemand darauf achtete; sie entschieden dann, dass es einer von Lilli-Bunnys kulturellen Unterschieden war, seinen Kopf zu verlieren. Deswegen entschied sich Lilli-Bunny, das Wesen des kulturellen Unterschiedes ein für alle mal zu durchdringen. In einem Land
       war es schlecht zu stehlen, aber die Leute klauten trotzdem; in einem anderen Land war stehlen gut, und sie stahlen auch; und im dritten Land war es möglich zu stehlen, aber niemand tat es, denn es war nichts übrig, was man stehlen könnte. Und jemand stahl auch etwas von Lilli-Bunny, aber er wusste nicht, ob er zu dieser Zeit nicht einfach nur schlecht behandelt wurde oder ob ein kultureller Unterschied vorlag, der nicht wichtig war. Für einige Zeit litt Lilli-Bunny, entschied sich dann aber, in die Stadt Cosmopolitville zu gehen, wo eine gewisse Dame mit dem Namen Madame Kultureller Unterschied lebte, um von ihr vor Ort zu lernen. Wieder nahm Lilli-Bunny seine Pantoffel mit, denn die anderen Bewohner des Hauses wollten nicht mit nach Cosmopolitville.
       Als Lilli-Bunny in der Stadt ankam, brauchte er ziemlich lange, um das Haus zu finden, denn einige Hausnummern waren auf arabisch geschrieben, andere in Latein, einige der Straßennamen manchmal in einem Pseudo-Chinesisch (es sah aus wie chinesisch, bedeutete aber überhaupt nichts), manchmal auch in der Jahrhunderte alten Sprache der Bullterrier.
       Schließlich fand Lilli-Bunny das Haus. Madame Kultureller Unterschied empfing Lilli-Bunny sehr positiv, so, als ob sie seine Ankunft erwartet hätte. Sie war eine Dame von unsymmetrischem Äußeren, denn trotz ihrer Magerkeit störten verschiedene Extremitäten ihres instabilen Körpers ihr Gleichgewicht während sie ging und so lief Madame Kultureller Unterschied auch zu Hause mit Schneeschuhen herum. Ein roter chinesischer Hut mit einem langen Zopf schmückte ihren Kopf, sie trug ein wundervolles japanischen Kleid über einer russisch gepolsterten Jacke und an ihren Füßen trug sie texanische Stiefel mit Sporen - und an diese Stiefel hatte sie die Schneeschuhe befestigt.
      
       Lilli-Bunny beobachtete Madame Kultureller Unterschied sehr genau und zögerte, da er nicht wusste, wie er sie begrüßen sollte.
       "Shalom18", sagte Madame zurückhaltend und küsste Lilli-Bunny drei Mal, wie es dem russischen Brauch entsprach.
       "Salaam aleikum19", antwortete Lilli-Bunny aus bestimmten Gründen und setzte sich auf das Sofa.
       "Sie sind wegen Geschäften hier?", fragte Madame Kultureller Unterschied, goss Lilli-Bunny ein Glas russischen Wodka ein und trübte ihn etwas mit Sabbat-Wein.
       Lilli-Bunny trank den Wodka nicht, aber seine Pantoffel nahmen den Drink gierig an und fragten nach mehr.
       "Ja, meine liebe Madame Kultureller Unterschied," sagte Lilli-Bunny. "Ich habe eine Frage. Sicherlich respektiere ich alle kulturellen Unterschiede sehr stark, aber oft bin ich mir nicht sicher, ob ich kulturellen Unterschieden begegne oder ob eine Person nur einfach ein Schlingel und ein Scheißkerl ist. Mein Kopf dreht sich deswegen. Haben Sie vielleicht einige Tipps, wie man zwischen kulturellem Unterschied und einfacher, gewöhnlicher Schurkerei unterscheiden kann?"
       "Aber was ist denn tatsächlich passiert? Sie müssen mir schon ein Beispiel geben," sagte Madame Kultureller Unterschied und zog an einer riesigen kubanischen Zigarre, die in den Niederlanden hergestellt worden war.
       "Nun ja, also. Vor kurzem bin ich ausgeraubt worden. Man hat mir kaum einen Cent gelassen und nachher erzählte man mir, dass ich doch dumm sei, und dass alles nur wegen der kulturellen Unterschiede passiert sei", erzählte Lilli-Bunny grimmig.
       "Wurde Ihnen denn viel abgenommen", fragte Madame Kultureller Unterschied geschäftlich.
      
       ____________________
       18 Hier bedeutet es Hallo. Shalom heißt aber auch "Auf Wiedersehen" und "Frieden". Letztlich bedeutet es Vollständigkeit (Hebräisch).
       19"Frieden sei mit dir" (arabisch).
       "Eigentlich alles, was sie davontragen konnten."
       "Aber sagten sie "Auf Wiedersehen"?", fragte Madame Kultureller Unterschied.
       "Ja", antwortete Lilli-Bunny.
       "Das heißt, sie waren kultiviert", bemerkte Madame Kultureller Unterschied und fragte weiter: "Und wie haben sie 'Auf Wiedersehen' gesagt? Wie genau? Bitte wiederholen Sie es wörtlich, vorzugsweise in der Sprache, in der sie es sagten."
       "Es war etwas wie 'Es war nett, Sie kennen zu lernen'", erinnerte sich Lilli-Bunny, nachdem er etwas nachgedacht hatte.
       "Und was haben Sie daraufhin gesagt?" Madame Kultureller Unterschied klang nun sehr interessiert.
       "So etwas wie 'Ich bin ziemlich entsetzt darüber, was Sie mir angetan haben', erinnerte sich Lilli-Bunny sofort.
       "Da haben Sie es. Das ist kultureller Unterschied. Wenn Sie geantwortet hätten: 'He, f... dich', dann hätte es keine Unterschiede gegeben", sagte Madame Kultureller Unterschied.
       "Aha! Es kommt also nicht darauf an, was die Leute tun, sondern was sie sagen!' erkannte Lilli-Bunny.
       "Aber sicher, darauf kommt es an", bestätige Madame Kultureller Unterschied.
       "Das heißt also, wenn ich korrekt geantwortet hätte, hätte er sich geschämt, wäre zurückgekommen und wäre eine ordentliche Person geworden?", fragte Lilli-Bunny hoffnungsvoll.
       "Mit Sicherheit nicht, aber in solchen Fällen würde es keine kulturellen Unterschiede geben, während in der Situation, wie Sie sie beschrieben haben, kulturelle Unterschiede offensichtlich waren."
       "Aber meine liebe Madame Kultureller Unterschied, glauben Sie denn nicht, dass viele Leute diese 'Kulturen Unterschiede' nur als Vorwand benutzen, um einer Bestrafung wegen ihrer gemeinen und schmutzigen Tricks zu entgehen und dass sie deswegen sauber bleiben? Es ist doch nicht unser Fehler, dass gewisse Lilli-Bunnys eine andere Kindheit hatten und in einen Topf pissten, der in einer anderen Sprache beschriftet war", sagte Lilli-Bunny.
       "Also, nicht ohne kulturellen Unterschied", gab Madame Kultureller Unterschied zu. "Aber Sie, lieber Lilli-Bunny, sollten doch damit zufrieden sein, denn in einigen Orten erreichen diese kulturellen Unterschiede eine solche Intensität, dass sie aufgegessen werden könnten. Ich kannte mal ein Volk... Möchten Sie, dass ich Sie Ihnen vorstelle? Sehr freundliche Kannibalen sind das. Ich glaube, einige würden hin und wieder gerne ein Lilli-Bunny probieren."
       "Gibt es auch Pantoffel-Esser unter Ihnen?", fragte Linker Pantoffel besorgt; soziale Reformen waren sein Leben und er konnte es nicht zulassen, dass er gegessen würde, bevor er diese Reformen abgeschlossen hatte.
       "Pantoffel-Esser?", überlegte Madame Kultureller Unterschied laut. "Ich weis nicht. Ich müsste mal fragen."
       "Aha, ich sehe schon. Nichts hat sich in dieser Welt geändert: Auch heute noch essen sich die Leute gegenseitig auf - sie sprechen nur in einer zivilisierten Art und Weise miteinander!", sagte Lilli-Bunny.
       "Aber natürlich! Das ist doch der Fortschritt der Zivilisation", ermutigte Madame Kultureller Unterschied Lilli-Bunny. "Es gibt nichts schlimmeres als zu glauben, dass sich alles in der Welt ändert. So werden doch die Einfaltspinsel gefangen: sie glauben, die Zeiten haben sich geändert; sie glauben, dass niemand sie an einem sonnigen Nachmittag essen würde - deswegen gehen sie raus, einfach so, und werden als ganzes geschluckt. Die Zeiten ändern sich nicht. Was sich ändert sind die Phrasen, die zu solchen oder anderen Handlungen führen."
       "Ach so. Wenn ich es also richtig verstehe, dann wurden die kulturellen Unterschiede von Idioten für Idioten entwickelt", fasste Lilli-Bunny nochmal zusammen.
       "Endlich!" Madame Kultureller Unterschied war glücklich, so glücklich, als ob sie Lilli-Bunny auf dem langen Weg zu dieser Idee begleitet hätte, so, als ob sie selbst von dieser Idee überrascht sei und später darüber nachdenken wollte. In Wahrheit dachte sie nicht darüber nach, denn nachdem Lilli-Bunny gegangen war, ging Madame Kultureller Unterschied zu ihrem Friseur, wo die Idee nebenbei, zusammen mit ihrem überschüssigen Haar, abgeschnitten wurde.
       Wissen Sie, das passiert manchmal: Man kommt zu einem Friseur, um dort etwas nachzudenken (wo kann man besser über eine Idee nachdenken als in einem Stuhl mit einem ärgerlichen Gesicht, damit einem die Haare nicht in die Augen fallen?) und ein dummer Friseur beginnt zu quatschen, sodass sie den Laden nicht nur ohne Haare verlassen, sondern auch ohne wertvolle Ideen, die man hätte entwickeln und zum Blühen bringen können, wenn der Friseur nicht ständig gequatscht hätte.
       Warum müssen Friseure nur ständig reden? "Kultureller Unterschied", werden Sie gewohnheitsmäßig sagen. Nein, es ist einfach reine Idiotie.
       Nichts anderes als reine Idiotie! Ja, das ist es.
       Lilli-Bunny und der Internationale
       Lilli-Bunny Tag
       (Anstelle eines Nachworts)
       Sie werden sicherlich nicht überrascht sein, dass die Welt anfing, Lilli-Bunny zu respektieren, nachdem, was er alles für die Menschen und die Welt getan hatte, und besonders, nachdem er all die Sachen nicht gemacht hatte. SDeswegen ernannte die United Frustrations Organization (UFO; Vereinigte Frustrationsorganisation) Lilli-Bunny zum Bürger der Welt und erklärte den 24. April (Lilli-Bunnys Geburtstag) zum Internationalen Lilli-Bunny Tag. Meiner Ansicht nach müssen wir andere Menschen respektieren und feiern, nicht nur, weil sie etwas Gutes für die Welt getan haben, sondern auch, weil sie nichts Schlechtes getan haben.
       So hat Lilli-Bunny in den dreißig Kapiteln dieses Buches das Folgende nicht gemacht:
       1. Er hat immer noch nicht 50 Millionen Menschen umgebracht.
       2. Er hat an keinen Massakern teilgenommen.
       3. Er hat die Atombombe nicht erfunden.
       4. Er hat die Atombombe nicht geworfen.
       5. Er hat keine Theorie entwickelt, sodass sich zwei Kontinente nicht gegenseitig fast umgebracht haben.
       Genügt diese Liste von Leistungen nicht, um Lilli-Bunny als eine außergewöhnliche Person in der Welt zu betrachten? Mir scheint es, dass Lilli-Bunny, dadurch, dass er überhaupt nichts getan hat, der Welt einen wirklichen Nutzen gebracht hat.
       Ach so? Sie haben auch nichts von der Liste da oben gemacht und wollen jetzt auch als eine außergewöhnliche Person anerkannt werden? Aber niemand erklärt einen Internationalen Gedenktag für Sie? Nun ja, vielleicht haben Sie das Folgende vergessen: Lilli-Bunny könnten Sie sein! (Wenn man einige Klauseln
      
       berücksichtigt, die im Vorwort spezifiziert wurden). Das bedeutet, dass dies Ihr Internationaler Lilli-Bunny Tag ist! Ja, Sie müssen heute auch nicht arbeiten, wenn Sie nicht wollen. Zeigen Sie dieses Buch Ihrem Arbeitgeber und gehen Sie nicht zur Arbeit. Und wenn er droht, Sie rauszuschmeißen, drohen Sie ihm friedlich damit, sich mit der Naturalwirtschaft zu beschäftigen und überreden Sie alle ihre Kollegen, es genauso zu tun. Das bedeutet dann, dass Ihr Arbeitgeber mit seinen Geschäften über den Jordan gehen wird. Und wenn Sie der Arbeitgeber sind, drohen Sie Ihren Arbeiternehmern, dass sie sich selbst mit der Naturalwirtschaft beschäftigen werden, und dass deren Arbeitsplätze über den Jordan gehen werden, wenn sie Unfug anstellen, während Sie in Urlaub sind.
       Kurz gesagt: Jetzt, wo sie einen weiteren Tag frei haben, können Sie sich noch weitere Feiertage gönnen. Im Folgenden ein kurzer Kalender von Feiertagen, für die Sie, der Sie der rechtmäßige Lilli-Bunny sind, sich sicher einsetzen können:
       1. Januar: Lilli-Bunnys Neujahr (fällt mit dem offiziellen Neujahr
       zusammen)
       3. Januar: Lilli-Bunnys Tag, um all die Reste aufzuessen, die vom
       Neujahrsfest übrig geblieben sind
       8. Februar: Geburtstag von Lilli-Bunnys Briefkasten
       23. Februar: Geburtstag von Peggy der Kuh
       1. März: März-Hasentag; wird gefeiert, indem man rosa Papierohren aufsetzt und Karottenkuchen backt
       23. März: Lilli-Kittys Geburtstag
       1. April: Geburtstag von Klepto, dem Hauskobold
       7. April: zusätzlicher Internationaler Lilli-Bunny Tag, wenn die Feier im August nicht ausreichte
       11. April: Lilli-Jakes Geburtstag
       13. April (nur, wenn er auf einen Freitag fällt): Der Tag, an dem beide
       Papageien geschlüpft sind
       29. April: Geburtstag von Lilli-Bunnys Grammophon
       1. Mai: Tag, an dem wir Karl Marx unsere Zunge rausstrecken
       15. Mai: Hamster Hamlets Geburtstag
       1. Juni: Tag, an dem Fisch 007 gefangen wurde
       2. Juni: Geburtstag von Basia der Katze
       5. Juni:
       Tag, an dem Lilli-Bunny den Fuchs besiegte
       13. August: Geburtstag von Lilli-Bunnys Lieblingsoma
       16. August: Tag, an dem Lilli-Bunnys Schwamm gerettet wurde
       24. August: Internationaler Lilli-Bunny Tag
       1. Oktober: Geburtstag von Goldkatze
       11. Oktober: Lilli-Bärs Geburtstag
       7. November: Geburtstag von Lilli-Bunnys Linkem Pantoffel
       24. Dezember: Geburtstag von Lilli-Bunnys Rechtem Pantoffel (fällt
       einfach mit Weihnachten zusammen)
       Sehen Sie! Mit einem solch fröhlichen Kalender mit zusätzlichen Feiertagen können Sie ein neues, vergnügtes und glückliches Leben beginnen! Dreiundzwanzig neue Feiertage! Hört sich das nicht großartig an? Und Sie können sogar noch weitere Feiertage erfinden... "Und wann soll ich dann arbeiten", fragen Sie jetzt vielleicht. Aber Arbeit ist doch eine schlechte Angewohnheit. So sagte zum Beispiel Lilli-Bärs Bruder von Texasistan, dem Land der flauschigen Stiere, in der Sprache des Volkes "Die Pferde sterben durch die Arbeit, die Ohren werden taub, und die Augen bekommen den grauen Star", obwohl er selbst viel arbeitete, denn schließlich muss Texasistan wachsen, ansonsten funktioniert es dort nicht.
       Kurz gesagt: Sie können arbeiten, wenn Sie keine Feiertage haben, wenn Sie nicht ohne Arbeit leben können. Sehen Sie, Urlaub bedeutet nicht, dass man nicht zur Arbeit geht und furzend den ganzen Tag auf dem Sofa liegt oder im Garten schuftet. Urlaub ist dann, wenn man Singen möchte. Wann wollten Sie das letzte Mal singen? Vor welcher Revolution?
       Lilli-Bunny singt jeden Tag, denn für ihn ist jeder Tag ein Feiertag, vielleicht nicht offiziell, aber er ist sehr fröhlich und er beschäftigt sich mit der Naturalwirtschaft ohne Tage frei zu nehmen, denn das ist für ihn keine Arbeit, sondern eine Art zu leben.
       Und als die Menschen der Welt Lilli-Bunnys Geburtstag zum Internationalen Lilli-Bunny Tag erklärten, lud er jeden zu sich nach Hause ein. Am Abend vorher hatte er einen See von Kompott gemacht und einen Kontinent von Beerenkuchen gebacken.
       Am Morgen wachte Lilli-Bunny auf und konnte seine Brille nicht finden. Er taste und fingerte auf dem Nachttisch herum, aber
       er konnte die Gläser einfach nicht finden. "Wie kommt das?", dachte er bei sich. "Habe ich sie vielleicht in das Kompott geschmissen?" Aber dann schaute er genauer nach und sah ein ärmliches, riesiges, in Geschenkpapier eingewickeltes Geschenk auf dem Nachttisch liegen. Lilli-Bunny las die beigefügte Notiz - es sah so aus, als ob das Geschenk von Klepto, dem Hauskobold sei. Darin waren Lilli-Bunnys Brille, seine Lieblingsthermoskanne, und Lilli-Bunnys Knödelform, alles zusammengewickelt. Lilli-Bunny vergoss sogar einige Tränen. Es war so nett, an solch einem Feiertag ein Geschenk von Klepto dem Kleptomanen zu bekommen. Es kommt selten vor, dass wir das, was uns gestohlen wurde, zurückbekommen.
       Dann belästigte die Neurose Lilli-Bunny mit ihren Glückwünschen.
       "Oh Lilli-Bunny", rief Lilli-Bunnys Neurose. "Wir sind wieder um ein Jahr älter geworden; oh was wird passieren, was wird passieren! Wir werden bald sterben! Wo werden sie uns begraben?!"
       "Beruhige dich." Lilli-Bunny strich beruhigend über den zerzausten Kopf seiner Neurose. "Wir sind keine atomaren Abfallprodukte. Sie werden uns schon irgendwo begraben." Und Lilli-Bunny gähnte süß.
       Lilli-Bunnys Neurose beruhigte sich und gab Lilli-Bunny einen Schlüsselanhänger mit einem Gebet, dass einen vor wilden Tieren und anderen Unglücken, die man auf der Straße trifft, rettet.
       Lilli-Bär gab Lilli-Bunny einen Hund namens Kolbassa. Lilli-Bär gab Lilli-Bunny Kolbassa zu jedem Geburtstag, nachdem er ihn sehr sorgfältig in Geschenkpapier eingewickelt hatte. Der Hund wehrte sich verzweifelt, wedelte mit dem Schwanz und trat mit seinen Pfoten, sodass er im Zeitpunkt der Lieferung schon wieder frei war und Lilli-Bunnys Nase ungehindert abschlecken konnte. Und Lilli-Bär gab Lilli-Bunny einen Ring mit der Inschrift "Ich liebe dich", was übersetzt aus dem Lilli-Bärischen bedeutete: "Ich liebe Lilli-Bunny."
       Lilli-Kitty gab Lilli-Bunny einen Anstecker in Schmetterlingsform, damit er seine Ohren hochstecken konnte, denn er steckte seine Ohren immer in das Kompott, und sie störten manchmal seine landwirtschaftlichen Aktivitäten.
       Lilli-Jake gab Lilli-Bunny eine Insel im Atlantischen Lilli-Ozean, die seine Brain Company entdeckt hatte. Lilli-Bunny landete auf der Insel, erklärte das Land zum Land des Staates und stellte dort seine berühmte Flagge auf. Die Flagge war stolz, dass Lilli-Bunny die staatliche Autorität auf der Insel akzeptierte und hörte auf, sich selbst zu verknoten.
       Lilli-Bunnys Pantoffel schenkten sich selbst gegenseitig. Das bedeutet, dass Linker Pantoffel Rechten Pantoffel als Geschenk für Lilli-Bunny einwickelte und dass Rechter Pantoffel, während er eingewickelt wurde, Lilli-Kitty bat, Linken Pantoffel zu fangen und als Geschenk für Lilli-Bunny von Rechtem Pantoffel, einzuwickeln. Und so wurde es auch gemacht.
       Hamster Hamlet verließ sein neues Apartment und kam auf einen Besuch vorbei. Als Geschenk brachte er eine ganze Brut mutierte Mäuse mit, die die Elefanten in der Zukunft verjagen sollten.
       Goldkatze gab Lilli-Bunny eine "Gebrauchsanleitung für Katzsynthese" und sie katzsynthesierten den ganzen Morgen zusammen. Basia, die Katze, gab Lilli-Bunny eine "Gebrauchsanleitung zur Rettung bei Erstickung durch einen Luftballon", mit einem Sack voller Luftballons, um diese aufzublasen und um dann mit ihnen zu trainieren.
       Charles Dickens gab Lilli-Bunny ein großes Paket mit der Aufschrift:
       An den echten Lilli-Bunny,
       vom echten Charles Dickens.
       Das Papier, dass alles aushält.
       Als Lilli-Bunny das Paket auspackte, war darin eine Rolle Toilettenpapier. Jeder lachte solange, bis sie weinen mussten über diesen wunderbaren Witz des großartigen Realisten.
       Die globale Erwärmung schenkte Lilli-Bunny einen klaren, sonnigen Tag, die globale Vernachlässigung schaffte eine sorgenfreie Urlaubsatmosphäre.
       Der Nachbar, Herr Drückhart, gab Lilli-Bunny eine Glas mit Ahornsirup, frisch aus Birkenfeuerholz gewonnen, was noch immer
       nach den Zwiebeln roch, mit welchen Herr Drückhart das Feuerholz für die Biegsamkeit eingeschmiert hatte.
       Der Nachbar, Herr Bolzenkopf, gab Lilli-Bunny einen Schraubenschlüssel für seine Nüsse, aber die Öffentlichkeit war deswegen nicht alarmiert, denn ein Schraubenschüssel war ideal, um Nüsse zu knacken.
       Der Fuchs gab Lilli-Bunny sein Notizbuch, welches er während der militärischen Aktivitäten gegen Lilli-Bunny benutzt hatte. Nach den Experten lag der geschätzte Wert dieses Notizbuches bereits bei 6000 Euro als militärisches Relikt, aber in Wahrheit gab es keinen Käufer und es wurde auch keiner erwartet.
       Die Maulwürfe gaben Lilli-Bunny ein Set von Stöcken für Lilli-Bunnys Golfspiel und versprachen, ihre Sicht beim nächsten Referendum einzustellen.
       Lilli-Bunnys Auto gab Lilli-Bunny ein Fahrrad, denn es hatte Angst, dass Lilli-Bunny es abnutzen würde. Lilli-Bunny fuhr mit seinem Auto drei Mal am Tag und es hatte keine Zeit, sich mit Literatur, den feinen Künsten und, am wichtigsten, mit dem Ballett, zu beschäftigen.
       Die Frösche an beiden Seiten des Atlantischen Ozeans gaben Lilli-Bunny ihren Plan für eine Friedensvereinbarung mit dem Titel "Die Straße führt weiter und weiter,"20 und versprachen, keine militärischen Aktionen zu beginnen, zumindest nicht bis zum nächsten Frühling, obwohl sie bereits wieder am Urlaubstisch miteinander kämpften und Lilli-Bär sie wieder mit Farbe bemalen musste.
       Lilli-Bunnys Briefkasten schenkte Lilli-Bunny unwahrscheinlich viele Geburtstagskarten, die an Lilli-Bunny und all seine Nachbarn adressiert waren, denn wie gewöhnlich hatte er die fröhlichsten und buntesten Briefe und Karten aus dem Sack des Postboten Gutenachricht geschnappt und geschluckt. Als er Lilli-Bunny die Karten gab hob er rachsüchtig ein Bein in der Nähe von Kolbassa und bewässerte den Boden beim Bein des Hundes, genauso wie der Hund selbst es am Bein des Briefkastens machte, wenn mit ihm Gassi gegangen wurde. Es war offensichtlich, dass sie offen um das Recht kämpften,
      
       _______________
       20© J.R.R.Tolkien
       Lilli-Bunnys Lieblingshund zu sein, sodass Lilli-Bunny nun zwei Hundeknochen kaufen musste - einen für Kolbassa und den zweiten für seinen Briefkasten. Allerdings hatte man den Eindruck, dass sie bald Freunde werden würden, denn oft bellten sie zusammen und heulten den Mond wie Freunde zusammen an.
       Frau Weltwirtschaft schaute kurz vorbei und brachte einen ganzen Sack Nüsse für Lilli-Bär mit. Frau Weltwirtschaft hatte die nächste Krise und einige Zusammenbrüche hinter sich, was einer Dame zumindest ein Mal in einem Mondmonat passiert, und sie wurde sehr fröhlich.
       Der Anwalt, Herr Problemson, übergab Lilli-Bunny ein Dokument mit dem erklärt wurde, dass durch Lilli-Bunnys Garten hinter dem Haus kein "Durchgangsrecht" besteht. Schließlich hatte er doch eine Gesetzeslücke entdeckt, wodurch die Möglichkeit bestand, dass Lilli-Bunnys Haus nicht zerstört werden musste. Obwohl Lilli-Bunny dieses Problem bereits gelöst hatte (vielleicht erinnern Sie sich), hatte er Herrn Problemson einen Scheck für dessen Dienste geschickt, um ihn nicht zu verärgern. In einigen Ländern werden Geschenke nicht so akzeptiert; auf irgendeine Art und Weise muss man immer dafür zahlen.
       Herr Geifer gab Lilli-Bunny als Geschenk dessen ganzes Kleingeld quadratisch und in Schläuchen gerollt, und beendete so die zweite Stufe der Währungsreform. Herr Geifer war selbstlos, unfreundlich und rüpelhaft und informierte Lilli-Bunny darüber, wie unkenntlich alt er geworden sei, seitdem man sich das letzte Mal gesehen habe. Es dauerte etwas bis Herr Geifer erkannte, dass er mit Klepto, dem Hauskobold gesprochen hatte, der wirklich älter aussah, denn schließlich war er bereits ein geborener Troll; er war 950 Jahre alt, war in der Zeit der Wikinger geboren worden und wurde zufällig mit dem Gepäck aus Lilli-Bunnys altem Haus in Skandinavien geliefert, wo Lilli-Bunny glücklich für einige Zeit gelebt hatte.
       Klepto der Hauskobold war geschmeichelt, dass Herr Geifer ihn mit Lilli-Bunny verwechselt hatte. Er nahm sogar die Gelegenheit wahr, Herrn Geifers Hosenträger mitgehen zu lassen, woraufhin dieser seine Hosen während der Party festhalten musste. In dem Augenblick, als er einen
      
       rüpelhaften Toast aussprechen wollte und sich vom Tisch erhob, mit einem Weinglas in der einen Hand und eine Gabel mit einem gesalzenen Pilz in der anderen, fiel seine Hose runter und jeder sah, dass Herr Geifer lange, gepunktete Unterhosen trug mit einer Aufschrift vorne:
       "Nicht vorbeigehen!"
       Und eine andere Aufschrift hinten:
       "Nicht durchgehen."
       Das minderte sehr stark seinen Ruf als Bürgermeister, wozu er weitsichtig von den klugen Leuten der Stadt auf Lebenszeit gewählt worden war, denn sie wollten nicht, dass Herr Geifer den Staatssäckel sofort nach seiner Wahl plünderte.
       Monsieur Silvouplaît gab Lilli-Bunny Wohlwollen und persönliche Grüße von Monsieur Fast-Napoleon. Er gab Lilli-Bunny auch sein Rohr zurück und Lilli-Bunny gab es froh seinen Papageien wieder. Die Papageien begannen ihre dritten Flitterwochen, indem sie die Sterne beobachteten, die, um bei der Wahrheit zu bleiben, ein wenig im Himmel verrutscht waren, seitdem sie sie das letzte Mal beobachtet hatten.
       Die Kosmologie-Professoren gaben Lilli-Bunny die Ehrendoktorwürde als Professor der Kohlsuppe und erlaubten ihm, das Band durchzuschneiden und so ihren neuen Kohlsuppen-Aufzug zu eröffnen, womit sie jedem bewiesen, dass sie nicht nur eine Gruppe von Leuten waren, die einfach so herumtrödelten, sondern dass sie Professoren waren.
       Madame Kultureller Unterschied gab Lilli-Bunny ein besticktes Scheitelkäppchen im Stil einer jüdischen Kipa und tanzte glücklich mit ihm den griechischen Tanz Sirtaki und wechselte dann in den jüdischen Tanz Freilechs.
       Fisch 007 gab Lilli-Bunny sechs Gläser erstklassige Riga-Sprotte. Es waren nicht diese Sprotten, die sie irgendwo in Estland machen und die man unmöglich essen kann, sondern es waren die wirklich echten, die man einfach nur genießen muss. Diese Aktion, so war jedenfalls die Meinung von Fisch 007, würde
       Lilli-Bunnys Durst nach Fischen für einige Zeit stillen, sodass der Fisch die Möglichkeit hat, sich wieder auf die nächste Runde in diesem Spionage-Thriller vorzubereiten.
       Herr Enorm, die einheimische Bettwanze, schrieb in Gedenken an die alten Zeiten eine satirische Begrüßung, weshalb Basia die Katze weinen musste, auch wenn sie schon bekannt war für die unglaubliche Freude, die Idioten so eigen ist.
       Das Land, dass den Beerenkuchen gestohlen hatte, gab Lilli-Bunny eine Form, damit er Beerenkuchen backte, die wie ein Bumerang mit vertikalen Steigrohren gemacht waren. In dem Augenblick, als der Kuchen fertig war, würde die Form 12 km in die Höhe steigen und würde den Kuchen in das Land, dass den Beerenkuchen gestohlen hatte, liefern. Das unterstützte den andauernden Bürgerkrieg dort, denn ohne den Krieg wären die Bürger des Landes sehr unglücklich. Ihre Gewohnheit, mit dem Lärm der Kanonen schlafen zu gehen und zum Lärm einzelner Schüsse aufzuwachen, verursachte eine akute Nostalgie sobald ihnen diese Begleitmusik entzogen wurde. Und die Chance, den Nachbarn niederzuschießen und ungestraft davonzukommen als einer der wesentlichen Vorteile eines Bürgerkriegs war einfach unmöglich, abzulehnen.
       Frau Koka-Kola gab Lilli-Bunny eine Flasche Limo, aber sie bat ihn, dies nicht öffentlich zu machen, da es den etablierten Status quo eines jeden, der Brausegetränke trinkt, vernichten könnte. Also vergessen Sie sofort, was ich gesagt habe und fahren Sie fort, solche unnatürlichen Getränke zu trinken. Übrigens, Brausegetränke säubern den grünen Belag von Kupfer perfekt. Ich möchte deshalb an dieser Stelle vorschlagen, die Kuppeln der architektonischen Monumente in St. Petersburg und Kopenhagen mit Brausegetränken zu waschen.
       Herr Fast Food gab Lilli-Bunny einen Geschenkgutschein für einen Hamburger und sagte ihm, dass Lilli-Bunny als Spion diesen Gutschein immer dabei haben sollte für den Fall, dass er in ein Situation kam, in der er sich sofort selbst zerstören müsste. Ein Hamburger arbeitet schneller als Potassium Zyanid. Man schluckt ihn und läuft sofort zur Toilette. Und die Feinde warten und warten auf einen und gehen dann vielleicht weg.
       Lilli-Bunnys Samowar gab ihm einen Teesieb und Lilli-Bunny freute sich wie ein Kind.
       Und am Abend versammelten sich die Philosophen der ganzen Jahrhunderte sowie die Menschen in Lilli-Bunnys Pavillon und sangen zusammen das Lied "Frost, oh Frost, gefriere nicht..." trotz des eigentlichen heißen Wetters.
       Solch geringe Unstimmigkeiten sollten einen wirklichen Philosophen niemals stören.
       Descartes, der gerade deswegen angereist war, um Lilli-Bunnys Bekanntschaft zu machen, sang lauter als jeder andere, denn er wollte beweisen, dass er existierte. Es geht so: Ich singe, also existiere ich...warum würde man sonst so laut brüllen?
       Lilli-Bunny freute sich sehr über all diese Besucher und die Geschenke. Aber können Sie sich seine Freunde vorstellen, als seine Lieblingskuh Peggy am Himmel auftauchte, sich beeilte von Süden zurückzukommen vor dem Ende des Sommers, rechtzeitig für Lilli-Bunnys Geburtstag, der ja zum Internationalen Lilli-Bunny Tag geworden war!

  • Комментарии: 5, последний от 11/06/2012.
  • © Copyright Кригер Борис Юрьевич (kriger@list.ru)
  • Обновлено: 01/12/2008. 426k. Статистика.
  • Статья: Проза
  •  Ваша оценка:

    Связаться с программистом сайта.